Die Zukunft von Seat

Die Zukunft von Seat

— 01.11.2007

"Spannend, sportlich, schnörkellos"

Seat hat zurzeit alle Hände voll zu tun. Designchef Luc Donckerwolke will die spanische Volkswagen-Tochter auf Audi-Niveau heben. Hohe Ansprüche, die der neue Ibiza schon 2008 erfüllen soll.

Hoch auf einem Hügel, ringsum bewacht und abgeschirmt, nimmt Seats Zukunft Formen an. Im neuen Designzentrum bei Barcelona, das gerade offiziell eingeweiht wurde, sind die Gestalter erstmals an einem Ort vereint. Schluss mit zeitraubenden Fahrten zwischen dem Firmensitz in Martorell und dem alten Designbüro in Sitges – nun hat Designchef Luc Donckerwolke seine maßgeschneiderte Spielstube perfekt. Auf 5500 Quadratmeter sind alle Prozesse, vom Modellieren bis zum Form-Scannen, zusammengefügt. Der Designer, der vor zwei Jahren von Lamborghini kam, hat sein Team von 78 auf 52 Mitarbeiter reduziert, die er von überall her aus dem Konzern gewinnen konnte. "Dabei sind Spezialisten für Mikro-Design, die von Audi und Bentley ihre Erfahrungen mit hochwertigen Interieur-Kunststoffen mitbringen", so Donckerwolke. "Wir wollen Design und Qualität wie Audi abliefern."

Im Sommer 2008 kommt der neue Ibiza. Mit ihm wird das neue Seat-Zeitalter eingeläutet.

Ein hohes Ziel – gemessen wird Seat ab Sommer 2008 erstmals am neuen Ibiza, der die Plattform des neuen Polo nutzt. Seats Kernmodell – der Kleinwagen war nicht nur die erste Eigenentwicklung, sondern stets auch der Bestseller der Spanier – soll Donckerwolkes neue Linie verkörpern: "spannend, sportlich, schnörkellos." Der Anlauf, die Marke als Alfa-Romeo-Pendant im VW-Konzern zu etablieren, ging zuletzt gründlich daneben. Derzeit langweilen die Spanier mit einem Einheitsgesicht, das fast alle Modelle verwechselbar macht, vom kompakten Leon bis zum Altea mit Hochdach. Donckerwolke: "Künftig werden unsere Modelle mehr eigenen Charakter bekommen und sich stärker voneinander differenzieren."

Im März 2009 folgt eine Mittelklasse-Limousine auf Plattform des Audi A4. Fest steht: Sie wird nicht Toledo heißen.

Von einem Traum müssen wir uns jedoch verabschieden. Ein Ibiza Cabrio wird es nicht geben (weil der Heimatmarkt Spanien keine offenen Autos abnimmt), dafür entwickelt das Designteam derzeit einen Klein-Van und ein SUV-ähnliches Freizeitauto. Ob sie in Serie gehen, steht in den Sternen. Sicher ist, dass im März 2009 ein großer Seat erscheint, der hochaktuelle Technik aus dem Konzern bekommt: die neue Plattform des A4 mit längs eingebauten Motoren. Die Limousine rückt mit ihrem gewachsenen Format vom bisherigen Toledo weg nach oben und soll auch nicht so heißen – zumal dieser Name nach dem aktuellen Toledo mit seinem unglücklichen Heck als schlechte Starthilfe gilt. Noch unter Tüchern steht im neuen Designzentrum ein Coupé-Kombi, das an den Sportback von Audi erinnert. Produktionsstart? Ungewiss.

Dafür hat der Tribu, die in Frankfurt präsentierte Studie eines kompakten SUV, sein Okay aus der Konzernzentrale bekommen. Der hochbeinige Zweitürer auf Basis des VW Tiguan (mit um acht Zentimeter gekürztem Radstand) könnte 2010 bei den Seat-Händlern stehen. Die werden solche Neuheiten dringend brauchen, wollen sie die ehrgeizigen Pläne der Markenlenker umsetzen. In Deutschland soll Seat seine Verkäufe von zuletzt 55.000 Autos bis 2009 auf jährlich 70.000 steigern. Erklärtes Ziel sind zwei Prozent Marktanteil. Und für den fernen Horizont hat der Vorstandsvorsitzende Erich Schmitt ein reichlich abgehobenes Ziel genannt: 800.000 soll Seat 2018 bauen – 2006 waren es noch 430.000. Alles Planspiele auf dem Papier – solche Zahlen dienen in Schmitts bisweilen hemdsärmeliger Rhetorik dazu, seinen wichtigsten Satz zu untermauern. "Seat steht nicht zur Disposition." Die Konzernmutter VW denke keineswegs daran, die defizitäre Tochter aufzugeben. Schmitt: "Wir schreiben aktuell schwarze Zahlen." Währenddessen geht der Stellenabbau in Martorell weiter. Noch immer ist die Rede von 1600 Jobs, die wegfallen sollen.

Käufer und Händler wollen den kleinen Arosa zurück. Auf Basis des künftigen VW up! könnte das gelingen.

Dazu musste wohl auch Designchef Donckerwolke beitragen. Auf sein geschrumpftes Team kommt reichlich zusätzliche Arbeit in Form von neuen Modellen zu. So wird es vom Van Alhambra einen Nachfolger geben, der jedoch aus Kostengründen weitgehend dem VW-Pendant entspricht. Raumautos gelten nicht als Kernkompetenz der Marke, weshalb auch der nächste Altea mit leicht gebremstem Schaum entwickelt wird. Mehr Engagement dürfte im nächsten Leon stecken, "weil unsere Kunden uns signalisiert haben, wir sollten mutiger sein", so Seats Designchef. Und die VW-Kleinwagenstudie up! kommt in ein paar Jahren garantiert auch als Seat auf die Straße – Käufer wie Händler rufen händeringend nach einem neuen Arosa. Zudem schleppt der umtriebige Donckerwolke neue Aufgaben von draußen heran. Er versteht das neue Designzentrum in Martorell auch als Denkfabrik für den gesamten Konzern. "Wir arbeiten im Wettbewerb auch für die anderen Marken und wollen uns mit eigenen Vorschlägen profilieren." Aber erst einmal braucht Seat mehr Profil.

Autor: Joachim Staat

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