Massenrückruf wegen Abgastechnik

Diesel-Betrug bei Daimler? News und Hintergründe

— 23.05.2017

Durchsuchungen bei Daimler

Wegen des Verdachts auf Abgas-Manipulation haben Ermittler verschiedene Mercedes-Standorte in Deutschland durchsucht. Alle News und Infos!

• Durchsuchungen an elf Mercedes-Standorten
• Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Daimler-Mitarbeiter
• In Europa Freigabe für Massen-Nachbesserung
• KBA-Chef Zinke: Keine Kungelei mit Autobauern
• Medien: Absprache bei Untersuchungsbericht

• Die wichtigsten Antworten für Diesel-Fahrer


An insgesamt elf Standorten der Marke waren die Ermittler laut Angaben der Staatsanwaltschaft tätig.

(dpa/reuters/brü/cr/lhp) Wegen des Verdachts auf Abgas-Manipulationen bei Diesel-Fahrzeugen hat jetzt ein Großaufgebot an Ermittlern diverse Daimler-Standorte durchsucht. Im Rahmen der Ermittlungen gegen Daimler seien 23 Staatsanwälte und 230 Polizisten aus Baden-Württemberg und anderen Bundesländern im Einsatz gewesen, teilten die Stuttgarter Staatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg am 23. Mai 2017 mit. Insgesamt seien elf Objekte in Baden-Württemberg, Berlin, Niedersachsen und Sachsen in Augenschein genommen worden. Gesucht worden seien "beweiserhebliche" Unterlagen und Datenträger. Der Autobauer teilte erneut mit, man kooperiere "vollumfänglich" mit den Behörden. Weitere Angaben wollte die Firma mit Blick auf das laufende Ermittlungsverfahren nicht machen. Bereits im März waren die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft bekanntgeworden. Sie richten sich gegen "bekannte und unbekannte Mitarbeiter der Daimler AG wegen des Verdachts des Betruges und der strafbaren Werbung im Zusammenhang mit möglicher Manipulation der Abgasnachbehandlung bei Diesel-Pkw". Daimler wies den Vorwurf damals zurück. Das Kraftfahrt-Bundesamt wie auch das Bundesverkehrsministerium hätten im Rahmen ihrer Messungen keinen Verstoß gegen geltende Rechtsvorschriften festgestellt, sagte ein Konzernsprecher im März. Daimler stehe mit den Stuttgarter Ermittlern und anderen Behörden im Kontakt und kooperiere vollumfänglich. Der Konzern wisse nichts von Befragungen von Mitarbeitern durch die Staatsanwaltschaft Stuttgart. Auf Aufforderung des US-Justizministeriums untersuche Daimler intern das Thema Abgasemissionen in den USA, teilte der Sprecher weiter mit. 2016 hatte das US-Justizministerium Daimler aufgefordert, eine interne Untersuchung des Zertifizierungsprozesses in Bezug auf Abgasemissionen in den USA anzustoßen.

Freigabe für Massen-Nachbesserung

Online-Voting

'Verbrenner-Verbot ab 2030?'

Im Zuge der in den USA nachgewiesenen Abgasmanipulationen bei VW hatte das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) die Abgas-Nachbesserungen von 150.000 in Deutschland zugelassenen Mercedes, Opel und leichten VW-Nutzfahrzeugen genehmigt. Das teilte das Bundesverkehrsministerium am 15. Februar 2017 mit. Es handelte sich um Diesel mit 1,5-Liter-Motoren der Mercedes A-Klasse, B-Klasse, CLA-Klasse und GLA-Klasse sowie 2,1-Liter-Motoren der V-Klasse. Bei Opel wurde die Umrüstung für den Insignia (2,0 Liter) freigegeben, bei VW für den Amarok und Crafter (beide 2,0 Liter). Europaweit war die Nachbesserung einer halben Million Fahrzeuge vorgesehen.

Test: Partikelausstoß bei Benzinern

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Hintergrund sind Nachmessungen im Zuge der Abgas-Affäre bei VW. Bei 22 von 53 getesteten Dieselmodellen hatten sich Zweifel ergeben, ob ein Abschalten der Abgasreinigung bei niedrigeren Temperaturen mit dem Schutz von Motorbauteilen zu begründen ist. Die betroffenen deutschen Hersteller sagten für 630.000 Fahrzeuge einen "freiwilligen Rückruf" zu. Die Autobauer mussten dem KBA Umrüstungskonzepte vorlegen, mit denen der Ausstoß von Stickoxid (NOx) verringert wird. Unabhängig davon läuft ein verpflichtender Rückruf für 2,4 Millionen Autos von Volkswagen, aus denen eine verbotene Manipulations-Software entfernt werden muss. Infolge des VW-Abgasskandals hatte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) im September 2015 die "Untersuchungskommission Volkswagen" eingesetzt.
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Die wichtigsten Antworten für Diesel-Fahrer

Was bedeutet "freiwilliger Rückruf"? Der Begriff "freiwillig" grenzt den Rückruf von einem harten Rückruf ab, bei dem sicherheitsrelevante Teile wie Bremsen betroffen sind. Dennoch rät das KBA dringend, am Rückruf teilzunehmen. Ob Verweigerer mit Konsequenzen zu rechnen haben, ließ der KBA-Sprecher offen. Was wird beim freiwilligen Rückruf gemacht? Die Hersteller aktualisieren die Software des Motorsteuergeräts. Ziel ist, die Abgasreinigung im Fahrbetrieb häufiger zu aktivieren, um die NOx-Werte auf der Straße zu reduzieren.

Kann das neben der NOx-Reduktion auch unerwünschte Folgen haben? Das kommt auf das Abgasreinigungssystem an. Ein NOx-Speicherkat muss regelmäßig regeneriert werden. Dazu wird zusätzlicher Kraftstoff eingespritzt. Diese Menge steigt, wenn die Abgasreinigung verbessert werden soll. Ist ein SCR-Kat mit Adblue-Einspritzung an Bord, wird die eingespritzte Harnstoffmenge angepasst. Dann muss häufiger Abblue nachgetankt werden. Bei dritten System, der Abgasrückführung, kann es unter Umständen durch die NOx-Optimierung zu einem erhöhten Rußpartikelanfall kommen. Dann muss der Partikelfilter öfter freigebrannt werden, was einen Mehrverbrauch an Karftstoff bedeutet.

Was sollten Betroffene tun? Wenn das Auto nach dem Rückruf einen Sachmangel aufweist, zum Beispiel weniger Leistung oder mehr Verbrauch, kann der Kunde auf Beseitigung des Mangels bestehen. Mein Auto hat noch Garantie. Ändert das was? Juristisch kaum. Die Garantie greift bei einem solchen Fall in der Regel nicht. Hier gelten die Ansprüche aus der gesetzlichen Gewährleistung.

Dieselabgas gefährlicher als Benziner

Gesundheitsschädliche Stickoxide (NOx) wie etwa Stickstoffmonoxid und -dioxid stammen vor allem aus Autos, aber auch aus Kohle-, Öl- und Gaskraftwerken. Dieselmotoren stoßen mehr NOx aus als Benziner. Die Stoffe können Schleimhäute angreifen und so zu Husten, Atembeschwerden und Augenreizungen führen. Sie können auch Herz und Kreislauf beeinträchtigen. Pflanzen werden dreifach geschädigt: NOx sind giftig für Blätter, und sie überdüngen und versauern die Böden.  Außerdem tragen Stickoxide zur Bildung von Feinstaub und bodennahem Ozon bei. Technisch lassen sie sich mit einem Drei-Wege-Katalysator in unschädlichen Stickstoff (N2) und Sauerstoff (O2) umwandeln. Der Grenzwert in Pkw-Abgasen für alle Stickoxide zusammen liegt in der EU bei 80 Milligramm pro gefahrenen Kilometer (mg/km) für Diesel- und bei 60 mg/km für Benzinmotoren.

ADAC-Ecotest 2015

Stichworte:

Abgasskandal Diesel

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