Wie die Hersteller zum Diesel stehen

Diesel: Das sind die Diesel-Pläne der Autohersteller

Wie die Hersteller zum Diesel stehen

Nächster Rückzug: Toyota stoppt in Europa den Verkauf von Diesel-Autos, andere Hersteller handeln ähnlich, einige zögern eine Entscheidung hinaus. So stehen die Hersteller zum Diesel.

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(Reuters/jr/brü) Der Abgesang auf den Diesel wird wegen drohender Fahrverbote lauter: Toyota, der zweitgrößte Autohersteller der Welt, kündigte auf dem Autosalon Genf (8. bis 18. März 2018) an, in Europa künftig keine neuen Pkw-Modelle mehr mit Dieselmotoren anzubieten. Ähnlich äußerte sich Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne auf dem Treffen der Automobilbranche: "Wir werden die Abhängigkeit vom Diesel substanziell verringern.“ Laut einem Bericht der "Financial Times" plant Fiat-Chrysler, bis 2022 keine PKW mehr mit Dieselantrieb herzustellen. Zuvor hatten schon Volvo und Porsche den Selbstzünder in Frage gestellt. Daimler fährt zweigleisig, baut modernste Diesel wie Benziner und investiert gleichzeitig in E-Technik. Auch BMW schreibt die Selbstzünder nicht ab. Doch nach Einschätzung von Branchenexperten wird die Nachfrage nach Verbrennungsmotoren mit Diesel und Benzin unter dem Druck schärferer Klimavorschriften im kommenden Jahrzehnt sinken. Daimler und Volkswagen wollen deshalb bis 2025 rund ein Viertel ihres Pkw-Absatzes mit Elektroautos bestreiten. Gegen  den Diesel spricht die hohen Stickoxidbelastung insbesondere durch ältere Dieselautos. Wegen des Überschreitens der Grenzwerte in einigen Städten hatte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig den Weg für Fahrverbote frei gemacht.

Toyota verkauft Hybride anstelle von Diesel

Neben strategischen Überlegungen entscheiden immer auch Marktbedingungen über das Angebot der Hersteller. Toyota begründet den Rückzug vom Diesel-Verkauf mit der laut Firmenangaben geringen Nachfrage. Der Absatz von Hybrid-Modellen sei zuletzt deutlich höher gewesen als der von Diesel-Fahrzeugen, sagte Europa-Chef Johan van Zyl in Genf. Deshalb soll in diesem Jahr fast das komplette Angebot von Diesel-Toyotas auslaufen. Allerdings ist der Absatzanteil des Selbstzünders bei Toyota ohnehin klein, er lag zuletzt bei sechs Prozent. Nur Nutzfahrzeuge wie der Pick-Up Hillux oder Geländewagen wie der Land Cruiser soll es auch weiter mit Selbstzünder geben. Herkömmliche PKW-Modelle wie der Auris sollen aber nur noch mit Benziner- oder Hybridmotor angeboten werden.

VW glaubt weiter an den Diesel, aber nicht für Kleinwagen

Matthias Müller, Chef vom Weltmarktführer Volkswagen, hielt in Genf dagegen: "Ich bin fest überzeugt, dass der Diesel ein Revival erleben wird." Der Wolfsburger Konzern will – wie auch viele Oberklasse-Hersteller – nicht auf die Technologie verzichten. VW will bis 2020 zehn Milliarden Euro in die Entwicklung von Verbrennungsmotoren stecken, hatte der Hersteller schon 2017 verkündett. Denn ohne sie, so die Befürchtung, sind strengere Abgasziele nicht zu erreichen: Dieselfahrzeuge verbrauchen weniger Sprit und erzeugen daher weniger CO2 als Benziner. Allerdings läutet VW bei kleinen Modellen den Abschied vom Diesel ein.

Kein Porsche-Diesel mehr verfügbar

Zukünftig nicht mehr mit Diesel-Antrieb zu kaufen: Der Porsche Macan.

Bei Porsche endete am 15. Februar 2018 die Produktion des Diesel-Macan, des letzten aktuell mit Selbstzünder erhältlichen Porsche. Den Panamera gibt es in Europa schon seit einigen Wochen nur noch als Benziner oder Hybrid, der Cayenne-Diesel lief 2017 mit dem Produktionsende der zweiten Generation aus. Der Sportwagenbauer begründet die jüngste Entscheidung mit einem Wandel in der Nachfrage der Kundschaft hin zu Benzinern und Hybriden. Eine nicht unwesentliche Rolle dürfte aber auch der nach dem Abgasskandal neuerlich notwendige Rückruf für die aus Audi-Produktion stammenden Motoren des Macan wegen Unregelmäßigkeiten am Abgassystem sein. Vorher hatte Porsche schon Cayenne mit Diesel wegen ähnlicher Vorwürfe zurückrufen müssen. Einen vollständigen Ausstieg aus dem Diesel-Geschäft plant Porsche nicht. Dem Vernehmen nach ist für den neuen Cayenne eine Diesel-Variante geplant, allerdings steht der Starttermin noch nicht fest.

Schrittweiser Ausstieg von Volvo

Volvos Zukunft: Von 2019 an wollen die Schweden ausschließlich Stromer und Hybride bauen.

Auch Volvo verabschiedet sich Schritt für Schritt von Fahrzeugen mit reinen Verbrennungsmotoren. Von 2019 an werde jedes neue Volvo-Modell einen Elektromotor haben, kündigte der Autobauer Mitte 2017 an – und will keine neuen Dieselmotoren mehr entwickeln. So werden ab dem Zeitpunkt neue Modelle ausschließlich mit Elektro- oder Hybridantrieb auf den Markt kommen. Über die gesamte Modellpalette hinweg wird Volvo elektrifizierte Fahrzeuge anbieten: vollelektrische Autos, Plug-in-Hybridmodelle und Fahrzeuge mit Mildhybrid-Antrieb. Volvo-Chef Hakan Samuelsson begründete die Wende mit Kundenwünschen. Immer mehr Kunden fragten nach Elektroautos. Bis 2025 wolle Volvo eine Million Elektrofahrzeuge verkaufen. Volvo kündigten bereits an, die Performance-Marke Polestar zur elektrifizierten Hochleistungsmarke umzubauen. AUTO BILD hatte bereits von Volvo erfahren, dass der erste für 2019 geplante Elektro-Schwede keine eigenständige Karosserie erhalten und zuerst auf der SPA-Plattform (Scalable Product Architecture), also der 90er- und 60er-Baureihe, aufbauen werde. Die 40er-Modelle auf der CMA-Plattform werden danach elektrifiziert.

Daimler investiert in alle Antriebsarten

Bei Daimler ist noch keine grundsätzliche Entscheidung für eine Antriebsart gefallen. Einerseits schmieden die Stuttgarter Pläne mit dem chinesischen Autobauer BAIC und kaufte fast vier Prozent der Anteile von dessen Elektroauto-Tochter BJEV. Zudem hat sich gerade der chinesische Autobauer Geely fast zehn Prozent der Daimler-Anteile gesichert, und Geely setzt stark auf den E-Antrieb. Anderererseits hat Daimler-Chef Dieter Zetsche erst vor Kurzem betont, Daimler setze weiterhin auf einen sauberen Diesel.

Renault erwägt Diesel-Aus

Auch bei Renault steht der Diesel in Frage. Verschiedenen Berichten zufolge hat Thierry Bolloré, die neue Nummer zwei beim französischen Hersteller, die Zukunft des Diesels angezweifelt. Aktuell haben Selbstzünder im Absatz von Renault EU-weit noch einen Anteil von 48 Prozent.

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