Diesel in der Diskussion

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Diesel in der Diskussion

— 22.06.2012

Gegenwind für den Diesel

Diesel ist laut WHO krebserregend. Diese Nachricht hat vor allem im Diesel-Paradies Deutschland für Aufsehen gesorgt. Und es gibt noch mehr Gegenwind für den Selbstzünder. Ist er ein Auslaufmodell?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Dieselabgase offiziell für krebserregend erklärt. Das könnte den rasanten Aufstieg bremsen, den der Diesel als Pkw-Antrieb vor allem in Deutschland erlebte. Mehr als jedes vierte Auto auf deutschen Straßen hat mittlerweile einen Selbstzünder unter der Haube. Der Gesamt-Dieselanteil von 27,7 Prozent verteilt sich sehr unterschiedlich auf die Fahrzeugsegmente. Kleinwagen und Sportwagen werden überwiegend von Benzinern angetrieben. Vielfahrer und schwere Autos wie SUVs hingegen profitieren besonders vom günstigeren Dieselpreis, hier beträgt der Anteil bis zu 87 Prozent.

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Diesel gegen Benziner: Vergleich

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Neben der WHO-Einstufung kommt Gegenwind aber auch aus anderen Richtungen: Die EU fordert eine Besteuerung von Kraftstoffen nach Energiegehalt, das würde den Dieselpreis um 28 Cent pro Liter erhöhen. Allerdings wurde ein entsprechender Vorschlag der EU-Kommission Mitte April vom EU-Parlament abgelehnt. Und: Der Benzin-Hybridantrieb ist ausgereift, Hybridautos machen dem Diesel zunehmend Konkurrenz. So bewies zum Beispiel der Toyota Auris Hybrid im Vergleich mit seinem Selbstzünder-Bruder ein größeres Sparpotenzial.

"Dieselruß ist der gefährlichste Feinstaub"

Alfred Wiedensohler vom Leibniz-Institut für Troposphärenforschung in Leipzig fordert den verpflichtenden Einsatz von Partikelfiltern.

Drei Fragen an Professor Alfred Wiedensohler vom Leibniz-Institut für Troposphärenforschung in Leipzig. AUTO BILD: Die WHO hat Dieselabgase als krebserregend eingestuft. Was macht diese so gefährlich? Wiedensohler: Gefährlich im Dieselabgas ist insbesondere der Ruß. Rußpartikel sind Träger von giftigen Spurenstoffen wie polyzyklisch-aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) und Schwermetallen. Beide sind krebserregend. Doch es gibt noch weitere Gefahren, die von Rußpartikeln ausgehen. Ja, wir haben 2011 gemeinsam mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung eine Studie durchgeführt, die den direkten Zusammenhang zwischen dem Aufkommen ultrafeiner Rußpartikel und Herz-Kreislauf-Notfällen nachweist. Wie lässt sich die Belastung mit Dieselruß verringern? Wirkungsvolle Maßnahmen sind beispielsweise verpflichtender Einsatz von Rußpartikelfiltern, Vermeidung von Schwerlastverkehr in den Städten, konsequente Erneuerung der existierenden Fahrzeugflotte durch Befristung der Ausnahmegenehmigungen. Insbesondere auch kommerzieller Lieferverkehr und Busse des ÖPNV müssen zügig erneuert werden. Allgemein macht Ruß zwar nur einen Anteil von etwa zehn Prozent des gesamten Feinstaubs an einer Straße aus. Diese zehn Prozent sind aber die gefährlichsten. Das heißt: Auch wenn das Gesamt-Feinstaubaufkommen kaum sinkt, kann eine Umweltzone sinnvoll sein.
Autor:

Frank Rosin

Fazit

Irgendwie habe ich es schon immer geahnt: Benziner sind die besseren Autos. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat das jetzt bestätigt und stuft Dieselabgase offiziell als krebserregend ein. Was heißt das für den Selbstzünder? Die Politik entwickelt seit 1992 die Euro-Normen für Schadstoffe im Autoabgas weiter. 2014 kommt Euro 6. Besonders die Reduktion von Dieselruß haben die Vorschriften im Blick. Bei Benzinern gab es nach Einführung des G-Kats deutlich weniger Verbesserungspotenzial. Jeder Euro- Schritt wird beim Diesel mit komplizierter und teurer Technik erkauft, Euro 6 werden die meisten nur mit Harnstoff- oder Speicherkat schaffen. Der Grund, warum trotzdem immer mehr deutsche Autofahrer zum Diesel greifen, liegt in der staatlichen Subventionierung des Dieselpreises, der um 18 Cent pro Liter geringeren Energiesteuer auf Diesel. Hauptsächlich deshalb kosten Diesel-Pkw im Betrieb deutlich weniger als Benziner. Die niedrigere Dieselsteuer stammt jedoch aus einer Zeit, als der Schadstoffausstoß noch keine Rolle spielte. Jetzt, nach der WHO-Entscheidung, muss die Subvention endlich weg. Würden Kraftstoffe darüber hinaus nach Energiegehalt besteuert, wie es die EU will, wäre Diesel auf einen Schlag um rund 30 Cent je Liter teurer. Der Dieselanteil – fast 50 Prozent der aktuellen Neuzulassungen – würde sich ziemlich schnell normalisieren.

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