Digital Radio

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— 05.04.2002

Das Ende des Rauschens

Nach mehr als 50 Jahren UKW kommt der Generationswechsel ohne Rauschen und Knacken - die Zukunft gehört DAB, dem digitalen Radiosystem.

High-Tech im Äther

Knackt und knistert das Autoradio wie ein alter Schallplattenspieler, erwarten nicht nur musikalische Fahrer sehnsüchtig das Ende ihrer Reise. Spätestens im Jahr 2004 soll damit Schluss sein und DAB (Digital Audio Broadcasting) flächendeckend in ganz Deutschland ausgestrahlt werden. Der Vorteil von DAB: Störende Nebengeräusche fallen weg, Radiosendungen klingen wie Musik im Konzerthaus.

Beim aktuellen Stand der Technik werden bei UKW-Übertragungen Musik und Sprache in Form von Funkwellen direkt ins Auto versendet. Weil jedes Programm nur auf einer Frequenz ausgestrahlt wird, kann es leicht gestört oder verzerrt werden, etwa durch Wolken, Berge, Häuser oder andere Sender im Empfangsbereich. Vernehmbar als lästiges Knistern und Rauschen. Bald Schnee von gestern, denn bei DAB werden sämtliche Signale aus dem Studio zunächst in Computersprache übersetzt und zu kleinen "Informations-Paketen" (Ensembles) zusammengefasst. Danach geht es ab in den Äther, und zwar bis zu 1536-mal. Der Radio-Empfänger sammelt all diese Signale ein und setzt daraus den reinen Digitalklang zusammen. Glasklar und frei von Fehlern, sozusagen die CD aus der Luft. Sämtliche digitale Radiowellen, die etwa von Häusern oder Bergen reflektiert ins Autoradio kommen, stören den Empfang nicht. Im Gegenteil, sie verbessern das Musik-Erlebnis sogar.

Ein weiterer Vorteil von DAB: Mit den Hörfunk-Programmen können Informationsdienste im Auto empfangen werden. Zum Beispiel Titel, Interpret und Bestellnummer der vom Sender gespielten CD, aber auch Verkehrs-, Wetter- oder Veranstaltungshinweise. Wollen Sie stets die neuesten Nachrichten hören, blendet DAB Nachrichtensendungen auch über Musikprogramme ein - ähnlich wie bei Verkehrsfunk. Dagegen ist Ultrakurzwelle wie Dampfradio, entsprechend sieht auch die Zukunft aus. Bis 2015 soll es durch DAB vollkommen abgelöst sein, es bleibt also noch Zeit für die Umstellung auf ein neues Radio. Die alten Geräte müssen deshalb nicht auf den Müll. Mit speziellen Antennen und Decodern spielen einige UKW-Radios auch digitale Signale. Das wird die Ausbreitung von DAB beschleunigen. Wer es einmal gehört hat, für den ist UKW schnell gestorben.

Test-Tour: Wo gibt es DAB?

Die Versprechen kennen fast keine Grenzen: "Digital Radio - die Zukunft empfangen. Bester Hörgenuss. Optimaler Empfang. Zusatzinformationen." Wir wollten wissen, wie es in der Praxis aussieht, wo und wie gut digitales Radio in Deutschland zu empfangen ist. Mehr als 4000 Kilometer sind wir deshalb in zehn Tagen durch ganz Deutschland gefahren. Mit an Bord: das neue Blaupunkt Woodstock DAB 52.

Dieses Doppelradio empfängt UKW-Programme sowie das neue Digital Radio DAB. Unsere Reise führte von Itzehoe nach Bremerhaven, an der holländischen Grenze entlang über Belgien und das Rhein-Main-Gebiet bis zum Bodensee. Von dort fuhren wir durch das Alpenvorland und München über Regensburg, Chemnitz, Dresden, Cottbus, Berlin und Hamburg bis ins dänische Apenrade.

Die ersten positiven Erfahrungen sammelten wir gleich nach dem Einbau des DAB-Geräts bei Blaupunkt in Hildesheim. Reiner Klang ohne Störungen oder Verzerrungen oder das von UKW gewohnte Rauschen und Knistern. So sauber kann Radio klingen. Doch damit war auf der A 7 bei Dorfmark plötzlich Schluss. Nördlich des Walsroder Dreiecks verstummte unser DAB-Empfänger. Und zwar so, als hätte man ein Kabel aus der Steckdose gezogen. Automatisch schaltete das Gerät auf dasselbe UKW-Programm um: NDR 2 in vergleichsweise grauenhafter Empfangsqualität. Radio kaputt? Nein! DAB am Ende? Auch nicht! Der Norden schläft in Sachen Digital Radio. Südlich einer Linie Münster-Hannover-Berlin hat die Radiozukunft dagegen schon längst begonnen.

Der Osten liegt vorn

Nur im Grenzgebiet zu den Niederlanden ist im Norden ein Digital-Paket (Ensemble) mit sieben Programmen zu empfangen - allerdings in Fremdsprachen. Bei Rheine hörten wir wieder von der deutschen Radiozukunft. Das Blaupunkt DAB 52 empfing drei Ensembles: aus Nordrhein-Westfalen, Belgien und Luxemburg. Wichtig: Unsere Reisenotizen stammen aus der ersten Märzwoche. Inzwischen sind möglicherweise schon mehr Ensembles und Programme in der Luft. Um das zu prüfen, genügt ein Knopfdruck zum Starten des elektronischen Sendersuchlaufs.

Im Raum Aachen (Rastplatz Aachener Land) ist das ein echtes Erlebnis, hier kann man auf 29 UKW- Frequenzen Programme hören, einige allerdings doppelt. Davon waren aber nur 18 technisch brauchbar, ohne Rauschen und Knistern. DAB bietet an derselben Stelle zwar nur 14 Programme an, diese aber in makelloser Qualität. Eine Überraschung erlebten wir im süddeutschen Raum. So fahren in Ingolstadt viele Taxis nur noch mit digitalem Radio. Der Grund: Das populäre Programm Radio Melodie gibt es nur digital, nicht auf UKW.

Ebenfalls bemerkenswert: Bei DAB ist der Osten ganz vorn. Im Schnitt ist immer ein Ensemble mit sieben Programmen zu empfangen. Berlin hat auch hier den Hauptstadt- Bonus: Vier Ensembles mit zurzeit insgesamt 24 Programmen sind in der Luft. Damit wird klar: Digital Radio ist schon nach einem Jahr Regelbetrieb dem in die Jahre gekommenen UKW-Radio in der Praxis weit überlegen. Politik und Industrie haben hier offenbar mitgedacht: Digitales Radio ist ein Welt-System. Die Norm ist überall gleich, egal ob in Deutschland, Indien oder Kanada. Dort soll im Jahr 2003 von General Motors das erste Auto mit DAB-Radio ausgeliefert werden. Bis es bei uns so weit ist, hilft nur eines: ein Gerät aus dem Fachmarkt selbst nachrüsten.

Fragen zum Digital Radio

Es gibt doch ADR (Astra Digital Radio). Warum brauchen wir DAB? Das Astra-System funktioniert nur stationär mit einer installierten und auf den Satelliten ausgerichteten „Schüssel“. DAB kommt von Sendemasten, zum Empfang reicht eine Stabantenne.

Kann ich mein altes Radio weiter benutzen? Nein. Nach 2015 bleibt es endgültig stumm. Der Ausweg: ein Zusatzmodul (separater DAB-Tuner), das von einigen Autoradios gesteuert werden kann. Nachteil: Es ist noch teuer (etwa 400 Euro) und benötigt zusätzlichen Platz.

Kann ich mein Serienradio nachrüsten? Nein. Serienradios mit DAB-Steuerung sind uns nicht bekannt. Auch die Lenkradfernbedienung arbeitet nicht mit den neuen Geräten zusammen. Es wird aber wahrscheinlich tragbare Mini-DAB-Hi-Fi-Tuner geben, die Programme empfangen und diese über einen Kabelanschluss oder eine Adaptercassette in das UKW-Cassettenradio spielen. Beispiel: der RFT DAB-Mini von ECMD, Tel. 03 91- 8 10 8811 (410 Euro).

Brauche ich neue Lautsprecher? Nein. Der Klanggewinn durch DAB ist auch mit Serienlautsprechern deutlich hörbar. Allerdings lohnt sich eine spätere Aufrüstung, weil die Ansprüche an den Klang mit der höheren Empfangsqualität steigen werden.

Brauche ich eine spezielle Zweit-Antenne? Ja. Digitales Radio nutzt einen anderen Frequenzbereich als die UKW-Sender. Der Ausweg: die Kombi-Antenne für DAB und UKW mit Spezialschaltung (aktive Antennen-Weiche).

Kostet Digital Radio zusätzliche Rundfunkgebühren? Nein. Die öffentlich-rechtlichen Sender kassieren schon seit einigen Jahren für den Ausbau von DAB und investieren dieses Geld in die Entwicklung.

Kann ich mit einem DAB-Radio in ganz Europa Programme empfangen? Digitales Radio ist ein weltweiter Standard. Alle digitalen Empfänger sind weltweit einsetzbar, wenn DAB- Programme ausgestrahlt werden.

Gibt es bundesweit zu empfangende DAB-Programme? Wegen der Rundfunkhoheit der Länder bislang nicht. Deutschlandfunk und Deutschlandradio Berlin sind aber in sehr vielen Bundesländern zu empfangen. Eine Liste der Programme gibt es im Internet unter www.digitalradio.de oder per Post bei der IMDR GmbH, c/o ZVEI, Stresemannallee 19, 60596 Frankfurt am Main.

Ist das neue System nur etwas für große, landesweite Hörfunkprogramme? Nein. Weil sich mit der Digitaltechnik die Ausstrahlung fast metergenau berechnen lässt, ist sie besonders für regionale und lokale Anbieter interessant. Das wird die Programmvielfalt erhöhen.

Gibt es DAB auch für zu Hause? Ja. Hier ist das Angebot an Geräten schon sehr groß. Wegen der besseren technischen Möglichkeiten in Wohnungen (größere Räume, stationärer Betrieb) sind die Vorteile des Systems besser nutzbar.

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