Dingels Wasserauto

Dingels Wasserauto

Dingels Wasserauto

— 15.02.2002

Aus der Traum?

Ein Jahr ist es her, seit wir zum ersten Mal über Daniel Dingels Wasserauto berichtet haben. Zeit, um mal nachzuhaken, wie es denn so läuft.

Philippinischer Daniel Düsentrieb

Wo steckt der Kauz? Ist Dingel etwa tot? Oder vom Geheimdienst verschleppt? Hat der mysteriöse Erfinder eines Motors, der angeblich mit ganz normalem Leitungswasser funktionieren soll, dafür büßen müssen, dass er der Ölindustrie das Milliardengeschäft versauen könnte? Oder wurde ihm mit viel Geld der Mund gestopft? Wild wabern die Gerüchte um den philippinischen Daniel Düsentrieb. Mehrmals haben wir exklusiv über Daniel Dingel berichtet und sind als Einzige knapp 200 Kilometer mit ihm und seinem Toyota Corolla "powered by ordinary water" gefahren. Jetzt war es an der Zeit, den wilden Spekulationen um Dingel nachzugehen.

Erneut sind wir auf den Philippinen, in Manila. Wiedersehen mit einem quicklebendigen, aber äußerst schlecht gelaunten Menschen. Dingel (70), wie immer in Jeans und T-Shirt: "Woher diese Gerüchte kommen, weiß ich nicht. Alles Quatsch. Was ich aber weiß, ist, dass mir die Lust auf europäische Investoren gründlich vergangen ist. Die wollen meine Erfindung für lau abzocken!"

Was ist geschehen? Dingel, grantig und verletzt: "Mich wollten schon viele beklauen. Am schlimmsten trieben es zwei Schweizer, angeblich selbst Wasserstoffauto-Erfinder. Die tauchten hier bei mir auf, erschlichen sich mein Vertrauen, um dann hemmungslos meine Erfindung zu kopieren. Zuerst fragten sie mir Löcher in den Bauch, interessierten sich für den Reaktor im Motorraum. Dann, als ich sie nicht in alle meine Geheimnisse einweihen wollte, wurden sie ausfallend. Ich schmiss sie raus. Sie beschimpften mich von der Straße aus mit ,Dich machen wir fertig' und ,Du bist erledigt'. Die machten mir richtig Angst." Dingel, stinksauer: "Meine Geduld ist erschöpft. Ich will mit all diesen Menschen nichts mehr zu tun haben."

Misstrauen statt Unternehmergeist

Sein Geschäftspartner kann den Ingenieur, den auf den Philippinen jedes Kind kennt, gut verstehen. Obwohl Juan Vargas lieber heute als morgen ins Millionen-Dollar-Business mit dem Wasser-Motor einsteigen würde, sagt er: "Von allen Seiten und von allen Kontinenten prasseln Angebote auf ihn herab. Sie alle lassen es allerdings an seiner Hauptforderung fehlen. Sie heißt Vertrauen. Vertrauen zu ihm und zu seiner Erfindung." Na ja, wer will es ihnen verdenken? Die angebliche Erfindung ist so bizarr, dass Misstrauen durchaus angesagt ist: Nach jahrzehntelangen Versuchen will Dingel es geschafft haben, dass sein Toyota Corolla mit an Bord erzeugtem Wasserstoff läuft, weder Benzin noch Methanol oder Erdgas als Treibstoff braucht. Nur H2O und einen geheimnisvollen "Konverter". Zu schön, um wahr zu sein?

Tatsache ist, dass AUTO BILD-Reporter Jörg Wigand auf mehreren Fahrten mit ihm im Großraum Manila sowie bei Überlandtrips auf der Autobahn keinen Verbrennungsgeruch feststellen konnte. Tatsache ist, dass mehrere Investorengruppen nach kürzeren Testfahrten mit Dingel so von seiner Erfindung überzeugt waren, dass sie Vorverträge in Millionenhöhe angeboten haben. Partner Vargas: "Einen davon habe ich schon unterschrieben, so gut ist er. Was fehlt, ist Mr. Dingels Unterschrift."

Tatsache ist aber auch, dass sich Dingel bislang jedem ernsthaften Test oder dem Prozess der Patentierung verweigert hat. Die einzige mehrstündige Prüfung des Motors wurde in einer BMW-Niederlassung in Manila von einheimischen Ingenieuren vorgenommen. Das Resultat: Alle Ingenieure waren von der Erfindung überzeugt. Warum also zögert er mit der Weiterentwicklung? "Weil meine Erfindung so simpel ist, dass jedermann nur lachen würde, wenn ich sie veröffentliche. Sie beruht nur auf gesundem Menschenverstand, nicht auf innovativem Ingenieurwissen. Wie soll man so etwas patentieren lassen?" Dingels Dilemma, es scheint nicht lösbar. Vor allem nicht, wenn man ihn unter Druck setzt. Der Mann braucht Zeit und Ruhe. Oder eine Eingebung, wie er aus dieser Geschichte wieder rauskommt.

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