Diskussion um Tagfahrlicht

Geht Deutschland ein Licht auf? Geht Deutschland ein Licht auf?

Diskussion um Tagfahrlicht

— 07.10.2005

Geht Deutschland ein Licht auf?

Das Tagfahrlicht ist in Europa fast überall Pflicht, bei uns wird heftig diskutiert: Sicherheitsfaktor oder Spritfresser?

Stolpe fordert Tagfahrleuchten für alle Autos

Das Beweisstück liegt stets im Handschuhfach. Es ist die Seite 80 der AUTO BILD-Ausgabe 48 aus dem Jahre 2003. Hans-Werner Renneberg (66) aus Kaarst hat die Seite laminiert und hält sie jedem Polizisten unter die Nase, der seinen 3er-BMW anhält. In dem Artikel geht es darum, daß die Beamten häufig die (erlaubten) Tagfahrleuchten mit den (bei klarer Sicht verbotenen) Nebelscheinwerfern verwechseln. Und Renneberg wird regelmäßig angehalten, seit er auch tagsüber mit seinen Tagfahrleuchten unterwegs ist.

Die Verunsicherung dürfte bald ein Ende haben: Denn Noch-Verkehrsminister Manfred Stolpe fordert die Ausstattung aller Neufahrzeuge mit den Tagfahrleuchten, die im Vergleich zum Abblendlicht wegen ihrer schwächeren Leuchtkraft lediglich dem Erkanntwerden dienen und nur zwischen acht und 16 Watt verbrauchen.

Hintergrund der Forderung: Das Bundesverkehrsministerium (BMV) empfiehlt allen Autofahrern, seit 1. Oktober auch am Tage mit eingeschaltetem Licht zu fahren. Zunächst freiwillig, nach einer Übergangszeit dann verpflichtend. So wie es unser Nachbar Österreich bereits für sich beschlossen hat: Ab 15. November 2005 ist Abblendlicht tagsüber Pflicht.

Unfallzahlen gehen laut Studien zurück

Zahlreiche Studien belegen, daß die Unfallzahlen damit deutlich zurückgehen. Schon jetzt steht Deutschland mit seiner Kann-Regelung in Europa ziemlich allein da (siehe Tabelle auf Seite 3). Bedenken, auch am Tage eingeschaltetes Abblendlicht würde den Verbrauch des teuren Sprits weiter erhöhen, weisen Leuchten-Hersteller wie Hella zurück: Nur rund 0,15 Liter Mehrverbrauch auf 100 Kilometer wurden errechnet – sogar das Fahren mit offenem Fenster sei teurer.

Die modernen, an die Zündung gekoppelten Tagfahrleuchten, die es ab Werk gegen Aufpreis bisher eher für Oberklassemodelle wie den Audi A8 gibt, verbrauchen laut einer Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) sogar nur zwischen maximal 0,052 (Glühlampentechnik) und 0,02 Liter (LED-Technik) auf 100 Kilometer. Die auch als Nachrüstsatz erhältlichen Leuchten (80 bis 144 Euro) eignen sich am besten für den Einsatz am Tag, so die BASt. Die Blendwirkung sei praktisch ausgeschlossen. Der Sicherheitsnutzen sei zweifellos höher als die Zusatzkosten.

Auch deshalb will Stolpe eine EU-weite Regelung. Der Auto Club Europa (ACE) begrüßt dann auch den Vorstoß aus Berlin. Europaweit könnten zwei Millionen Verkehrsunfälle vermieden werden, heißt es. Das bedeute 155.000 Verletzte und 5500 Tote weniger pro Jahr.

Elektronisch gesteuerte Fahrlichtanlage

Doch noch herrscht keine Einstimmigkeit in der Frage, ob Deutschland ein Licht aufgehen soll. Der Automobilclub von Deutschland (AvD) ist gegen Abblendlicht am Tage, da es Zweiradfahrer und Fußgänger gefährde. Sie gingen im "Lichtstrom" entgegenkommender Autos "regelrecht unter". Den Einbau der speziellen Tagesfahrleuchten begrüßt aber auch der AvD.

Eine ganz andere Idee hatte Dietrich Klug aus Plauen. Der studierte Physiker entwickelte eine "elektronisch gesteuerte Fahrlichtanlage" (Efa). Sobald das Auto steht, schaltet eine Elektronik das Abblendlicht auf Standlicht um. Ein Sensor tastet permanent die Straße ab und mißt, ob das Auto fährt. Auf diese Weise könnten bei uns jährlich bis zu 3,2 Milliarden Liter Sprit gespart werden.

Doch trotz Unbedenklichkeitsbescheinigungen durch das BMV, die DEKRA und den ADAC erteilt das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) keine Allgemeine Betriebserlaubnis. "Das Risiko ist derzeit noch zu groß", so KBA-Justitiar Frank Liebhart. Mit freundlichen Grüßen aus Dunkel-Deutschland.

Was halten Sie vom Tagfahrlicht? Stimmen Sie auf unserer Homepage ab.

Autor: Hauke Schrieber

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