Diskussion ums autofreie Wochenende

Diskussion ums autofreie Wochenende

Diskussion ums autofreie Wochenende

— 28.02.2007

"Mal wieder richtig durchatmen"

Kampf dem CO2: Ein autofreies Wochenende muss her, meint Grünen-Politiker Fritz Kuhn. Umweltminister Sigmar Gabriel ist dagegen.

"Ein Zeichen gegen den Klimawandel"

Die Grünen setzen sich für autofreie Wochenenden als Zeichen gegen den Klimawandel ein. Eine entsprechende Aktion in Italien bewertete Fraktionschef Fritz Kuhn als großen Erfolg. Deutschland sollte sich ein Beispiel nehmen. Dem widersprach Umweltminister Sigmar Gabriel. "Was Herr Kuhn hier betreibt, ist die Privatisierung des Klimaschutzes, und das ist falsch", sagte der SPD-Politiker.

Kuhn sagte, mit autofreien Wochenenden könne man "ein Zeichen gegen den Klimawandel setzen". Die Bürger würden dann schnell merken, "dass es auch mal ohne Auto geht". Vor allem aber würden die Bewohner in den Innenstädten und Ballungszentren von der Aktion gegen die Luftverschmutzung profitieren. Sie könnten wieder einmal richtig durchatmen, meinte Kuhn. Die Grünen-Fraktion stellte klar, dass es keinesfalls um ein generelles Fahrverbot an Wochenenden oder Sonntagen gehe. Der Grünen-Energiepolitiker Hans-Josef Fell forderte ebenfalls die schnelle Einführung autofreier Wochenenden. "Ein Mal im Jahr wäre schon ein Beginn", sagte er. In Norditalien ruhte am vergangenen Wochenende in über 150 Städten und Kommunen weitgehend der Verkehr. Busse und Taxis sowie schadstoffarme Autos waren von dem Fahrverbot ausgenommen. Autobahnen und Landstraßen waren von dem Verbot nicht betroffen.

Uneinigkeit zwischen Grünen und SPD

Gabriel forderte statt autofreien Wochenenden eine Umstellung der Wirtschaft. Das Drängen zum Konsumverzicht indes könnte die Unterstützung für den Klimaschutz aushöhlen, warnte der Minister. Er betonte die Differenzen zwischen SPD und Grünen in der Frage: "Das unterscheidet einen Sozialdemokraten, der die Industriegesellschaft umbauen will, von einem Kleinbürger bei den Grünen." Beim Autoverkehr müsse man Druck auf die Hersteller ausüben, sparsamere und saubere Motoren zu bauen, es gehe also um die "Technologieseite ". Dazu müsse man den Konflikt mit der Autoindustrie austragen, statt dem Verbraucher zu viel Verantwortung für den Klimaschutz aufzubürden.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee sprach sich unterdessen für eine Benzinverbrauchs-Anzeige in Neuwagen aus. "In den Schubladen der Autoindustrie schlummern gute Öko-Ideen", sagte der SPD-Politiker der BILD-Zeitung. In alle Neufahrzeuge gehöre eine Verbrauchsanzeige, damit der Fahrer sehen könne, ob er spritsparend unterwegs ist. "Sinnvoll ist auch ein Leuchtpfeil, der anzeigt, wann der höhere Gang eingelegt werden sollte", erklärte Tiefensee.

Umwelt-Fahrverbote: eine Historie

Die Idee, am Wochenende aufs Auto zu verzichten, ist keinesfalls neu. Bereits 1973 wurden in Deutschland Sonntags-Fahrverbote erlassen – damals freilich aus anderen Gründen. An Umweltschutz dachte vor mehr als 30 Jahren noch keiner. Die Ölkrise sorgte für Spritknappheit und zwang zum Sparen.

• Im November 1973 erließ die Bundesregierung wegen der Ölkrise ein Fahrverbot an vier aufeinanderfolgenden Sonntagen. Außerdem wurden Geschwindigkeitsbegrenzungen eingeführt, die damals praktisch noch unbekannt waren.

• Von Ausnahmen abgesehen gehörten die Straßen und Autobahnen den Fußgängern und Radfahrern. Verstöße wurden mit empfindlichen Geldbußen geahndet. Auch Italien, Belgien. Luxemburg und Dänemark schlossen sich an.

• Die Fahrverbote hatten allerdings einen kaum messbaren wirtschaftlichen Effekt, weil die eingesparte Menge gering war. Allerdings hatte die Bevölkerung das Gefühl, aktiv etwas zur Bewältigung der Krise beitragen zu können.

• Danach gab es in Deutschland nur noch regionale Verbote wegen Ozonalarms. Die meisten Fahrzeuge waren wegen ihrer Ausrüstung mit Katalysator jedoch nicht betroffen.

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