Dodge Challenger: Roadtrip
— 19.12.2011
24 Stunden Kalifornien im V8
24 Stunden Zeit, um in einem Dodge Challenger möglichst viel von Kalifornien und über das Musclecar zu erfahren. Redakteur Boris Pieritz im 800 Kilometer langen Selbstversuch.
Jeder halbwegs Auto-Verrückte träumt davon: ein Musclecar mit Rallyestreifen, ein gigantischer 5,7-Liter-V8 mit 377 PS, hinten im Kofferraum ein Sixpack Bier für den Fahr-Feierabend im Motel und vorne beim Blick durch die Windschutzscheibe endlose Straßen und eine vielfältige Landschaft. Richtig, hier geht es nicht um die Strecke von Buxtehude nach Wanne-Eickel oder Donaueschingen nach Randersacker. Mich erwarten exakt 24 Stunden und rund 800 Kilometer Highway in Kalifornien. Über schroffe Berge, durch karge Wüsten und entlang des schillernden Pazifik. Als treuer Weggefährte dient neben dem Sixpack ein quietsch-oranger
Dodge Challenger R/T Classic des Autovermieters
Hertz. Start und Ziel ist in Los Angeles, Zwischenziele sind die Städte mit den wohlklingenden Namen San Diego, Alpine, El Centro, Salton City, Ramona und Escondido.
Die Wüste bebt: Mit 377 PS und 542 Newtonmeter auf einsamen Wegen.
Direkt nach dem ersten Gasschub fühle ich mich wie ein waschechter US-Boy. Sofort stellt sich das Gefühl von grenzenloser Freiheit ein. Taktgeber für den Wohlfühl-Rausch ist der brummige, bei hohen Drehzahlen hämmernde 5.7 V8-HEMI vor mir. Der knattert entlang des Pacific Coast Highway so potent vor sich hin, dass ich den Countrysender etwas lauter stellen muss. Optisch ist der Challenger für mich der Schönste im Musclecar-Dreigestirn mit
Chevrolet Camaro und
Ford Mustang. Diese lange Haube, dieses knackige Heck, diese geniale, dynamische Seitenlinie. In Sachen Handling und Performance muss er jedoch Federn lassen. Der Challenger ist eindeutig zu bullig. Mit 1,85 Tonnen ist er der Schwerste im Trio (Camaro 1,7 Tonnen, Mustang 1,6 Tonnen), außerdem ist er gewaltige 5,02 Meter lang und 1,45 Meter hoch (Camaro 4,84/1,36,
Mustang 4,78/1,42). Das ist für ein Musclecar mit Sportwagen-Ambitionen einfach zu klobig.
Zwölf Liter Sprit auf 100 Kilometer genehmigte sich der Challenger. Das ist noch erträglich für einen fetten V8.
Doch für meine entspannte Kurvenfahrt ins bergige kalifornische Hinterland taugt der
Dodge allemal. Die 542 Newtonmeter dulden auch bei satten Anstiegen keine Schwächen – beharrlich peitscht der HEMI den Challenger nach vorn. Auf die Berge folgt karge Wüste. Zeit, die Sprinterqualitäten des Coupés zu überprüfen. Auf einer verlassenen Nebenstraße halte ich an, atme kurz durch, Feuer. In handgestoppten 5,5 Sekunden durchbricht der Zweisitzer die 100-km/h-Schallmauer. Nicht schlecht bei diesem Kampfgewicht. In seiner Kriegsbemalung zieht der Challenger viele bewunderne Blicke anderer Verkehrsteilnehmer auf sich. Mehr als einmal höre ich an der Ampel den Satz: "This is a great car". Recht haben Sie, trotz der oben genannten Schwächen macht der Challenger richtig Spaß. Allein schon aufgrund seiner heldenhaften Historie (Auftritte in den Hollywood-Streifen "Fluchtpunkt San Francisco" oder "Deathproof") und der Tatsache, dass er bei uns in Deutschland offziell nicht angeboten wird.
Erschwinglich ist ein solcher 24-Stunden-Ausritt ebenfalls: Das 24-Stunden-Paket Dodge Challenger gibt es bei Hertz (Los Angeles Airport) für umgerechnet 100 Euro. Zum Vergleich: In Deutschland erhält man beim gleichen Vermieter für den gleichen Zeitraum einen VW Polo für 91 Euro, ein Opel Meriva kostet gar 111 Euro. Noch Fragen? Und weil in Kalifornien maximal 75 Meilen (120 km/h) erlaubt sind, spuckt der Bordcomputer am Ende der Reise einen für einen V8 akzeptablen Durchschnittsverbrauch von zwölf Litern auf 100 Kilometer aus. Ich selbst begnüge mich mit 0,33 Litern und öffne mir, nachdem ich mich von meinem Challenger verabschiedet habe, ein wohlverdientes Bierchen aus meinem Sixpack.
Die schönsten Impressionen von der Strecke gibt es oben in der Bildergalerie!
Boris Pieritz
Fazit
Der Dodge Challenger ist optisch der optimale Reisebegleiter im schillernden Sonnenstaat Kalifornien. Mit seiner markanten Karosserieform und der schrillen Kriegsbemalung ist er ein absoluter Hingucker. Mehr Freude am Fahren vermitteln jedoch seine Musclecar-Kollegen Ford Mustang und Chevrolet Camaro, die deutlich sportlicher auf der Straße liegen.
Kommentare zum Artikel (10)
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Ich habe das Fahrzeug 7500 km bewegt. Von einem "knatternden" V8 habe ich nichts bemerkt, diese Aussage gehört in die Märchenkiste! Der V8 läuft kultiviert mit tiefem Ton, der natürlich bei höherer Drehzahl zum Trompetissimo mutiert. Den Verbrauch konnte ich bis auf 8,5 l reduzieren. Enttäuschend das Fahrfeeling: Der Chally ist für ein Muscle-Car fast zu kultiviert, hier sind die Gene der vorletzten E-Klasse spürbar. Negativ für den Verbrauch: die MB-5-Gang Automatic, gut die Zylinderabschaltung. Durchaus hochwertig wirkende Verarbeitung, miserable Übersichtlichkeit nach hinten.
Ein enttäuschender, emotionsloser Bericht in Form einer Erzählgeschichte, die mein 13jhriger Sohn besser kann. Highlight ist also ein Sixpack Bier im Kofferraum. Na Klasse. Wenn ich schöne Bilder sehen will, kaufe ich mir die Geo.
Für einen Tag ist's freilich teurer. Hatte dort einen Grand Cherokee V8 für zwei Wochen, da waren es gerade mal 780 $ = etwas über 40 Euro am Tag.
Wir fahren heute mit unserem Skoda Superb in die Winterferien. Ich wünsche allen Lesern und Kommentatoren ein schönes und besinnliches Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr 2012!
Was könnte Ihr im nächsten Jahr von mir erwarten? Ich werde weiterhin kraftvolle Wagen mieten und Euch darüber in gewohnter Qualität berichten. VG Svenske.
@Neider: Man schüttelt in der Tat nur umgläubig den Kopf, dass einem die Sonnenbrille fort fliegt, wenn man in den USA sich die Preise anschaut. Eine lorgische Erklärung kann hierfür Keiner liefern.
AUTOBILD! Bitte aufklären.