Dodge Ram 1500 Rebel und International Scout

Dodge Ram 1500 Rebel und International Scout

— 07.12.2016

Duell der Großstadt-Cowboys

International Scout und Dodge Ram Rebel: Im Aspalt-Duell schenken die zwei US-Geländewagen einander nichts. Wer gewinnt, altes Blech oder neues Plastik?

Der Dodge Ram Rebel ist vor allem bullig und setzt auf ordentlich Power.

Feierabend. Die Verwaltungsbeamten und Versicherungsangestellten, die fleißigen Sachbearbeiter und ihre Führungskräfte, sie verlassen in ihren Allerweltsautos die City Nord. Bis die Straßen, die nach großer, weiter Welt klingen, leergefegt sind: New-York-Ring, Sydneystraße, Manilaweg, Mexikoring. Hier, in diesem Geschäftshaus-Komplex im Norden Hamburgs, wohnt kaum jemand. Hier wird vor allem gearbeitet. Und wenn die Dämmerung einsetzt, wird die City Nord eine Geisterstadt. Plötzlich ein Grummeln. Gar nicht extrem laut. Um die Ecke biegt ein roter Brocken Auto. Fast zwölf Quadratmeter Grundfläche, mehr als die meisten Büros hier. Der Sound eines Achtzylinder-Hemi mit 5,7 Liter Hubraum hallt von den grauen Betonwänden wider.

Gebrauchtwagensuche: Dodge Ram

Der Scout setzt auf klare Kante

Der International Scout gibt sich die Kante: gefühlt nur 90-Grad-Winkel.

"REBEL" steht angeberisch auf dem Heck dieses Pick-up-Protzes, und außerdem vorn und hinten: RAM, als wäre es der erste Teil von Rambo. Dabei kommt der wahre Einzelkämpfer doch da hinten aus dem gewaltigen Schatten des Dodge. Ein International Scout, Baujahr 1969, der erste US-Geländewagen, der ausschließlich für zivile Zwecke gebaut wurde. Und tatsächlich: Hinter diesem roten Plastikmonster sieht der Scout wirklich zivil aus. Ein filigraner Oldtimer, mit dem man garantiert nicht ins Gelände will. Zwischen 1960 und 1980 baute die International Harvester Company statt der üblichen Lastwagen und Landmaschinen auch den Scout; in einem Design, das fast nur aus 90-Grad-Winkeln zu bestehen scheint.

Ram setzt auf pure Kraft

Im Scout-Cockpit ist alles klein und dünn. Allein die Knöpfe zu drücken ist ein Genuss

Heute ein "head-turner", wie die Amis sagen würden; einer, nach dem sich die Passanten umdrehen. Weil er in seiner Schlichtheit cooles Understatement ausstrahlt. Und weil er auf deutschen Straßen so selten ist. Mit seinem quasi halben V8 hat er in diesem Duell auf offener Straße gegen die rohe Kraft des Ram Rebel keine Chance. Aber ist das alles, was einen Großstadtcowboy interessiert? Hubraum und Stauraum? Muss denn eine Mittelkonsole von der Breite eines Kinderbetts wirklich sein? Und welcher stolze Präriereiter braucht schon eine Rückfahrkamera? Der Ram Rebel mit seiner Plastikfront ist wie ein mittelmäßiges Steak, das nur deshalb großartig schmeckt, weil man seit Tagen nichts zu essen bekommen hat.

Scout ist das schönere Auto

Im Ram-Cockpit geht es weniger zierlich zu. Die Mittelkonsole ist richtig fett.

Er ist chromlos, seelenlos, einfach nur groß. Und laut. Der Donald Trump unter den Trucks. Gegen den Zweieinhalb-Tonnen-Berg mit Luftfederung gegen Aufpreis ist der schöne, alte Pfadfinder (Scout) mit seinen Starrachsen an Blattfedern ein Cowboy, der mit einem glänzenden Revolver im Duell gegen eine vollautomatische Pistole antritt. Schöner, aber chancenlos. Und doch verursacht der eine in der Großstadt nur ein Kopfschütteln, der andere ein Nicken. Der Scout, besonders in einem Zustand wie dieser hier, ist ein grandioser Oldtimer-Offroader. Vor allem mit heruntergeklapptem Softtop. Am besten aber ganz oben ohne, wenn das Wetter texanisch ist. Dann ist der Scout ein kleines Pick-up-Cabrio, das mit seiner Handlichkeit dem Dodge Kreise um die fette Nase fährt. Und wer nun fragt: Warum wird so was heute nicht mehr gebaut, dem kann man antworten: Man könnte ja einem Jeep Renegade das Dach abflexen. Dann wäre man nicht nur Großstadtcowboy, sondern auch Outlaw.

Dodge Ram 1500 Rebel und International Scout

Stichworte:

Cabrio Pick-up SUV

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