Dodge Viper gegen Dodge RAM

Dodge Viper SRT-10 und Dodge RAM SRT-10 Dodge Viper SRT-10 und Dodge RAM SRT-10

Dodge Viper gegen Dodge RAM

— 25.08.2004

Doppelherz

20 Zylinder und über 16 Liter Hubraum – verteilt auf nur zwei Autos: Diese Boliden sorgen für Gänsehaut! Obwohl sie unterschiedlicher nicht aussehen könnten, gibt es eine Gemeinsamkeit: das SRT-10-Kraftwerk.

Zehn Zylinder, 8,3 Liter Hubraum und 506 PS

Endlich weiß ich, wie sich Münchhausen beim Ritt auf der Kanonenkugel gefühlt haben muß. Das Gefühl läßt mich nicht los. Dabei bin ich am Boden, lediglich auf dem Sachsenring zwischen Chemnitz und Zwickau. Euphorie hat meine dumpfen Zweifel verdrängt. Alles wird gut. Nach langer Planung stehen diese beiden Kraftwerke vor mir, der Spaß kann beginnen. Oder doch nicht? Vielleicht kommt ja noch etwas dazwischen: Denn eigentlich sollte heute meine Tochter zur Welt kommen. Kreißsaal oder Kurven, Baby oder Boliden?

Erst als der Arzt und die werdende Mutter mir versicherten, daß es eine Verspätung gibt, bin ich der Lust an der Leistung erlegen – mit den beiden schillerndsten Automobilen, die es in Deutschland gibt: der Dodge Viper SRT-10und dem RAM SRT-10, ebenfalls von Dodge. Zwei Autos, die gar nicht mehr in die heutige Zeit passen.

Ein Sportler und ein Pick-up – beide eint das Herz unter ihren Hauben. Beginnt es zu Pulsieren, bekommt man eine Gänsehaut. Das garantieren zehn Zylinder, 8,3 Liter Hubraum und 506 PS.

3,9 Sekunden reichen bis Tempo 100

Seit es diesen Motor gibt, gehen viele Menschen sonntags nicht mehr in die Kirche. Dennoch beten sie, daß es diesen V10 noch lange geben möge. Dieses Urvieh, einst für Lkws gebaut. Mit gigantischen 712 Newtonmetern fällt der Saugmotor so heftig über die Hinterachse her wie ein Tornado über Florida. Sanftere Naturen erleben dieses Kämpferherz anders. Wer das Gaspedal nur streichelt, ist zunächst enttäuscht. Es scheint, als haben die deutschen Behörden der Viper nicht nur die Sidepipes, sondern auch den Klang geraubt. Der tiefe Bass ist zwar nicht ohne, doch von so einem Klotz Metall darf man etwas mehr Sound erwarten, oder nicht?

Man darf. Und er kommt auch. Es braucht nur mehr Drehzahl. Also Vollgas – und die Viper schreit. Erster, zweiter Gang, 3,9 Sekunden reichen bis Tempo 100. Der dritte Gang bleibt sogar bis 200 km/h drin. Ab Tempo 250 ist die fünfte Fahrstufe dran, die sechste ein reiner Schongang. 306 km/h rennt die Viper. Sie zu fahren, ist echte (Hand-)Arbeit. Es erfordert volle Konzentration, richtig Muskeln und manchmal mehr als eine Fahrbahn. Denn die Viper findet Spurrinnen schneller, als du sie siehst, tanzt mit dem Heck gern aus der Reihe und gibt dir mit jedem Gangwechsel das Gefühl, die ganze Getriebewelle mit der bloßen Hand rumzuwerfen.

Der Motor ist dabei immer präsent. Das Radio mit CD Nebensache, weil ohnehin nur im Stadtverkehr zu hören. Über verschwitzte Viper-Piloten wundere ich mich nicht mehr: Die Klimaanlage zählt zwar zum Serienumfang, doch die Abwärme vom riesigen Getriebe und vom Auspuff schmort die Insassen. Garantiert. Auf kein anderes Objekt paßt das Wort Männer-Auto besser.

Im RAM brüllt der V10 zorniger

Kein anderes? Seit die Brabus-Tochter Startech neuerdings den Dodge Ram SRT-10 importiert, ist wohl dies die garantiert abgefahrenste Art, den V10 zu genießen. Allein der Anblick löst ungläubiges Staunen aus, so gigantisch sind die Ausmaße der Karosserie. Drei Tage später weiß ich, daß dieses "Baby" 2.396.670 Gramm schwerer ist als meine Ronja. Die Felgen messen 20 Zoll, die Speichen sind dick wie Unterarme, die Außenspiegel tellergroß, und der Kühler steht mit 1,18 Meter im Wind. Ohne die Lufthutze.

Hat man den Sitz in rund 86 Zentimeter Höhe erst einmal erklommen, steht der direkt vor uns parkende Smart roadster im toten Winkel. Wenig zu sehen, aber umso mehr zu hören. Unter der Haube spielt die Musik – die gleiche schöne Symphonie für zehn Zylinder, nur mit viel mehr fortissimo.

Wer in die Knie geht, sieht warum. Armdicke Auspuffrohre ziehen sich doppelflutig am Rahmen entlang. Der Sound: unverfälschter als bei der Viper. Im RAM brüllt der V10 zorniger. Wohl mit ein Grund für das Schiebefenster zur Ladefläche. So erlebt man den Klang direkt und ungefiltert. Gleich sechs Ohren können ihm lauschen, da der RAM Platz für drei bietet. Dabei sollten Passagiere auf dem Mittelsitz Knieschützer tragen, denn die Wege des Schalthebels sind so lang wie Alpen-Serpentinen.

Technische Daten im Überblick

Die Scheu vor Tankstellen verliere ich schnell. Schließlich muß ich an vielen halten. 20 Liter auf 100 Kilometer sind kein Problem, mehr ist leicht möglich. Mißgunst ernte ich aber nie, eher Bewunderung und Begeisterung. Selbst von TDI-Fahrern. Ich bin jedenfalls froh, die beiden Monster gefahren zu haben. Was ist dagegen schon das nächtliche Stimmchen aus der Wiege?

Technische DatenMotor/Antrieb V-Zehnzylinder/Heckantrieb • Lage vorn längs • Ventile vier pro Zylinder • Getriebe Sechsgang, manuell • Hubraum (cm3) 8277 • Leistung (kW/PS) 372/506 bei U/min 5600 • maximales Drehmoment (Nm) 712 bei U/min 4200 • Normverbrauch (l/100 km) ca. 20 Liter • 0–100 km/h (s) RAM: 6,2/Viper: 3,6 • Höchstgeschwindigkeit (km/h) RAM: 245/Viper: 306 • Leergewicht (kg) RAM: 2400/Viper: 1545 • Preis (in Euro) 63.900/105.000

Autor: Dietrich Erben

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