Dragster: Brüder Habermann

Dragster: Brüder Habermann

— 22.08.2016

4500 PS für 450 Meter

Timo und Dennis Habermann sind die schnellsten Brüder Deutschlands: Bei den Dragster-Rennen wie am Wochenende in Hockenheim fahren sie über 400 km/h schnell.

Ein Streckenposten spritzt Wasser vor die Startbahn. Die angerollten Dragster legen einen Burn-Out hin. Dann stellen sie sich auf. Wenn die Ampel auf Grün springt, beben die Tribünen. 4500 PS, rund 25 Liter Methanol, Kompressor mit 4,5 bar Ladedruck – und das alles nur für eine Distanz von einer Quartermeile, also 402,33 Metern. Dragster ist eine der einzigartigsten Motorsportarten der Welt.

Populär sind die Beschleunigungsrennen natürlich in Amerika geworden. Aber zum 31. Mal fanden in Hockenheim am Wochenende schon die Nitrolympx statt – die größte Dragster-Veranstaltung in Deutschland. 300 verschiedene Fahrzeuge gingen an den Start, gefahren von den besten Dragster-Fahrern Europas.

Zu ihnen gehören die Brüder Habermann. Vater Werner sicherte sich 1991 und 1992 die Europameisterschaft, Timo legte 2009 und 2010 nach, Dennis wurde 2015 Meister. „Mit 440 km/h auf der Quartermeile halte ich den Europarekord in der Top-Methanol-Klasse“, gibt sich Dennis stolz.

Dragster ist Präzisionssport. Dennis Habermann: „Du brauchst eine sehr gute Reaktionszeit. Timo ist mal nach 0,0001 Sekunden losgefahren – besser geht es nicht. Dann darfst du aber auch nicht zu viel Gas geben. Denn sonst kann es zum so genannten Tyre-Shake kommen."

Die Familie Habermann ist mit mehreren Piloten im Dragster-Sport vertreten

Das Problem: Die Reifen haben einen extrem niedrigen Druck. Fährt die Formel 1 mit 20 PSI (1,37 bar) oder mehr, sind in den 16x16cm-Reifen bei den Dragster nur 5,5 bis 6,5 PSI (ca. 0,4 bar) im Reifen. Bekommt dieser Reifen eine Unwucht, dann schüttelt es die Dragsters so sehr durch, dass die Fahrer nichts mehr sehen und kurz lupfen müssen. Bei einer so kurzen Distanz ist das Rennen dann meist verloren. „Wichtig ist außerdem, dass der Bolide nicht vorne abhebt. Das ist ein sehr schmaler Grad“, fügt Timo Habermann . Er ist der diesjährige Sieger der Nitrolympx.

Kräfte bis zu 9g

Die Dragsters haben sich die Brüder Habermann in Amerika gekauft. Der 7,7-Liter-V8-Motorblock wird mit verschiedenen Teilen optimiert. Timo Habermann erklärt: „Wichtig ist vor allem die Einstellung. Jeder Zylinder hat zum Beispiel zwei Einspritzdüsen. Es ist sehr entscheidend, wann die Düsen Sprit bekommen."

In der Top-Methanol-Klasse ist nur Methanol als Treibstoff erlaubt. Oder Nitromethanol, wenn man auf Kompressoren verzichtet. In der Top-Fuel-Klasse kann beides gekoppelt werden, was die Leistung nochmal verdoppelt. Allein: Schwieriger zu fahren sind die schnellsten Pfeile der Welt in der Top-Methanol-Klasse. „Wir müssen nämlich auch noch zwei Mal schalten“, begründet Dennis Habermann. Dazu werden zwei Knöpfe im Lenkrad gedrückt. Gekuppelt werden muss nicht, aber der Zeitpunkt des Schaltvorgangs ist entscheidend.

Angst haben die Brüder Habermann nicht. „Dann wären wir hier falsch“, weiß Timo. „Aber man sollte schon Respekt davor haben. Immerhin sind das 4500 PS. Nur: Ich bin mal mit einem Pferd ausgeritten und das ist mir durchgegangen. Auf ein PS vertrau ich daher nicht mehr. 4500 PS kann ich besser kontrollieren."

Vor größeren Unfällen sind beide verschont geblieben. Dennis Habermann hatte in Finnland einmal einen Zwischenfall, als der Bremsfallschirm nicht aufgegangen ist. „Ich hatte da nicht viel Zeit zu überlegen, welches Gefühl ich da gerade hatte. Ich habe nur versucht richtig zu handeln: Das Auto durfte nicht springen, also bin ich auch von der Bremse runter. Gott sei Dank war das Kiesbett und der Auslauf weit genug, dass mir nichts passiert ist“, schildert der 27-Jährige, der fünf Jahre jünger als Timo ist, den Zwischenfall.

Bei der Beschleunigung des 950 Kilogramm schweren Dragsters wirken 8g – also das Achtfache des eigenen Körpergewichts. Beim Abbremsen sogar bis zu 9g. „Man muss also schon fit sein“, weiß Timo. „Wichtiger ist aber die Konzentration. Wir dürfen uns absolut keine Fehler erlauben. Wenn du in der Formel 1 schlecht startest, hast du eineinhalb Stunden Zeit alles wieder gut zu machen. Unser Rennen besteht ja nur aus dem Start.“
 
Ein Ziel haben die beiden noch: Im Dragster-Mekka Amerika zu starten. „Dafür fehlen uns bisher noch ein bisschen die Sponsoren“, sagt Dennis Habermann. Chancen in Amerika hätten sie durchaus: Ihre Dragster gelten in ihrer Klasse mit zu den schnellsten weltweit.

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Hockenheim

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