Drei Asiaten gegen die E-Klasse

Kia Opirus, Hyundai XG 350 und Toyota Camry gegen die E-Klasse Kia Opirus, Hyundai XG 350 und Toyota Camry gegen die E-Klasse

Drei Asiaten gegen die E-Klasse

— 08.09.2003

Kein Platz neben Mercedes-Benz?

Kia, Hyundai und Toyota wollen in die noble Oberklasse. Dort heißt der Maßstab E-Klasse.

Asiaten glänzen mit schierem Luxus

Wo die E-Klasse ist, ist vorn. Auch dieses Jahr liegt der Mercedes-Benz bei uns wieder mit Abstand an der Spitze der Oberklasse-Verkaufszahlen. Weit vor Audi A6 (17) und BMW Fünfer (20), nimmt sogar Platz sechs in der Halbjahres-Bestenliste ein.

Verspürten die Stuttgarter allerdings bislang lediglich Gegenwind aus Bayern, kommen nun zunehmend Böen aus einer ganz anderen Ecke: aus Asien. Während die Japaner schon öfter Oberklasse-Luft schnappten, wollen nun auch die Koreaner nach oben. Selbst Kia, bisher nicht unbedingt durch Luxus aufgefallen, bläst mit dem nagelneuen Opirus zum Angriff. Konzernschwester Hyundai versucht es mit dem gerade renovierten XG schon etwas länger, Toyota steuert mit dem Camry immerhin die erfolgreichste Limousine des US-Marktes bei. Haben die Asiaten wirklich eine Chance gegen den Mercedes-Benz E 240?

Vom gewachsenen Selbstbewusstsein künden schon mal die Preise. Der einstige Discounter Kia etwa verlangt für den Opirus 36.600 Euro, Hyundai für den XG 350 mit 33.190 Euro etwas weniger, der Toyota Camry 3.0 V6 Executive steht mit 37.310 Euro in der Liste. Da ist der Mercedes-Benz E 240 Classic mit seinen 39.788 Euro (mit Automatik) gar nicht mehr so weit entfernt. Zumal auch er komplett ausgestattet antritt. Bei den anderen geht es jedoch nicht mehr um Vollständigkeit, sondern um schieren Luxus: Leder, Klimaautomatik, Alus, Navisystem – alles an Bord.

Verschwenderisch viel Platz im Opirus

Der Opirus übertrumpft dabei alle, fährt serienmäßig mit Xenonlicht und elektronisch verstellbaren Dämpfern. Beim Design haben die Koreaner dann ungeniert kopiert: vorn das Vier-Augen-Gesicht der vorigen E-Klasse, am Heck die C-Säule des Lincoln Town Car von 98.

Nein, nein, der Name Opirus stammt nicht etwa von Kopierus, sondern von der Stadt Ophir, einem antiken Handelszentrum für Luxusgüter. Dem macht der Opirus wirklich alle Ehre. Er bietet verschwenderischen Platz, besonders der riesige Fond ist geräumiger als bei den drei anderen. Bemerkenswert, weil bislang oft völlig daneben: die Stilsicherheit der Einrichtung. Die Koreaner haben unglaublich schnell gelernt. Angefangen bei den Edelstahl-Leisten am Einstieg oder den Holz-Applikationen bis zur Durchlicht-Technik der Instrumente – das sieht nicht nur gut aus, sondern wirkt mittlerweile auch durchaus wertig.

Nicht ganz so gelungen sind jedoch die Vordersitze, deren Lehne sich ungünstig wölbt und den Rücken nicht richtig stützt. Umso besser ruht es sich im Fond, wo man in den tiefen Polstern regelrecht versinkt. Zum Cheflimousinen-Gefühl passt dann bestens der 3,5-Liter-Motor, den sich – wie die gesamte Plattform – der Opirus mit dem Hyundai XG 350 teilt. Der V6 läuft sanft und leise, hat aber an den knapp 1,9 Tonnen schwer zu schleppen. Zusammen mit der weich schaltenden Fünfgangautomatik wirkt der Kia stets etwas schläfrig, bewegt sich eher gemessen.

Unauffällig gestaltet: Hyundais XG 350

Ganz anders der Auftritt des gleichen Motors im Hyundai: Im spürbar leichteren XG 350 (1685 Kilo) gefällt der V6 mit Temperament und Drehfreude. Der Hyundai fährt deshalb leichtfüßiger, müheloser als der Kia.

Im Gegensatz zu dem extravaganten Opirus ist der XG 350 unauffällig gestaltet. Die Zurückhaltung reicht so weit, dass an der Front sogar ein Markenzeichen fehlt. Innen geht das so weiter. Cockpit und Armaturen sind ordentlich gemacht, aber mit leicht verblichenem Charme und verwechselbar: Du weißt eigentlich nie so genau, in was für einem Auto du gerade sitzt.

Auch hier ist die Sitzposition nicht besonders glücklich, besonders größere Menschen sitzen zu hoch, zumal das Lenkrad nur in der Höhe verstellbar ist (bei allen anderen auch längs). Im Fond geht es merklich enger zu als in Kia, Mercedes-Benz und auch Toyota, es fehlt hier vor allem an Kopffreiheit.

Camry fährt routiniert, lässig und entspannt

Auch der Camry ist innen und außen eine vollkommen unauffällige Erscheinung – aber das ist Absicht bei Toyota. Der Nachbar muss ja nicht unbedingt wissen, wie gut es dir geht. Und dass es dir gut geht, steht außer Frage: Auch dem Camry, fast so geräumig wie der Opirus, fehlt es kaum an Ausstattung.

Im Abgleich mit dem Toyota ist dann zu spüren, dass es den Koreanern insgesamt eben doch noch an Erfahrung in der Oberklasse fehlt. Der weich abgestimmte Camry fährt routinierter, lässiger, entspannter. Er federt ausgewogener, souveräner als der vollkommen unterdämpfte, schaukelige Hyundai oder der zu sensible und bei kurzen Stößen nervöse Kia.

Und hier stimmt auch die Sitzposition – selbst wenn die Stühle viel zu nachgiebig gepolstert sind und auch zu wenig Seitenhalt bieten. Der wache und säuselsanfte Dreiliter-V6 erinnert mit seinem Temperament noch am ehesten an den 3,5-Liter im Hyundai. Dass er dessen Fahrleistungen nicht ganz erreicht, liegt an der längeren Übersetzung der Viergangautomatik.

Der E 240 – eine Klasse für sich

Wie Hyundai und Kia fährt auch der Mercedes-Benz mit fünf Stufen und einer manuellen Schaltfunktion. Dem kultivierten, aber recht schlappen 2,6-Liter-V6 hilft das auch nicht viel: Der zäh beschleunigende E 240 trödelt zumindest Hyundai und Toyota deutlich hinterher.

Das wäre es dann aber auch schon mit unserer Kritik, denn abgesehen vom müden Motor fährt der Mercedes-Benz noch in einer anderen Liga. Es muss so deutlich gesagt werden. Gerade im direkten Vergleich mit den ambitionierten und bestimmt nicht schlechten Neulingen zeigt sich die Reife, die Erfahrung und Klasse der Marke Mercedes-Benz.

Hier passt eben die Sitzposition perfekt, hier sind die Sitze nicht zu weich oder gar zu straff gepolstert und bieten viel Seitenhalt, hier empfängt dich schlichtweg das Willkommen-zu-Hause-Ambiente jenseits aller stilistischen Spielereien. Zugegeben, das mag mancher anders sehen, es mag sogar subjektiv gefärbt sein – doch an dem mit Riesenabstand präzisesten Fahrverhalten, der genauesten Lenkung, der komfortabelsten Federung und an den mindestens zwei Klassen besseren Bremsen führt kein Weg vorbei.

Kosten und Ausstattungen

Dass der Mercedes-Benz dann auch noch das Preiskapitel gewinnt, ist schon keine Überraschung mehr. Hier ist es eben nicht nur mit günstigem Kaufpreis und Super-Luxus-Ausstattung getan. Hier zählen ebenso der niedrigste Verbrauch, die günstigsten Versicherungs- und Wartungskosten sowie der Wiederverkaufswert. Abgerechnet wird am Schluss. Und da fährt die E-Klasse einsam an der Spitze.

Technische Daten und Testwerte

Klassenunterschied: Der Mercedes-Benz steht kalt und warm jeweils sagenhafte 5,3 Meter eher als der Schlechteste, der Hyundai. Nachbessern! Blamabel bremst auch der Kia, der Toyota ist Durchschnitt.

Fazit und Wertung

Fazit Klipp und klar: Der E 240 fährt hier in einer anderen Liga. Der Punktestand spricht Bände. So leicht ist es nicht, an die Spitze der Oberklasse zu fahren. Trotzdem, Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Besonders der Kia ist eine Riesenüberraschung im Wortsinn. Eine auffällige Limousine mit viel Platz und allem Luxus. Der Toyota macht seine Sache lässig-routiniert, man merkt ihm seine Bestimmung für den amerikanischen Markt an. Der Hyundai lebt von seinem temperamentvollen Motor, ist innen aber doch etwas kleiner als die anderen.

Camry, Opirus, XG oder E 240 – Ihr Urteil

Testwerte sind harte Fakten, an denen nichts zu rütteln ist. Spätestens beim Design von neuen Autos scheiden sich bekanntlich die Geister. Ob ein Auto letztendlich ankommt, das wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig: Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, und vergeben Sie eigene Noten für den oder die Test-Teilnehmer. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

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