Drei Chauffeur-Limousinen

Langversionen Bentley Arnage, Maybach 62 S, Rolls-Royce Phantom Langversionen Bentley Arnage, Maybach 62 S, Rolls-Royce Phantom

Drei Chauffeur-Limousinen

— 13.08.2007

Der absolute Luxus

Es gibt eine Welt jenseits von S-Klasse und 7er. Nicht für uns normale Menschen, nein, für Prinzen, Promis und Potentaten. Sie leben mit den Langversionen von Bentley Arnage, Maybach 62 S und Rolls-Royce Phantom.

Schließen wir kurz unsere Augen und lassen uns eine Zahl auf der Zunge zergehen: 6,17 Meter. Sechs-meter-und-siebzehn-Zentimeter. Nein, das ist kein Kleinbus. Gerade mal vier Personen befördert der Maybach 62 Spezial – wenn auch auf ganz besondere Art. Luxus? Nur ein Wort, eine Untertreibung. Schlaraffenland trifft den Langen schon eher. Und auch seine Kollegen von ganz oben, den Rolls-Royce Phantom Extended Wheelbase und den Bentley Arnage Limousine. Denn was sich die feinsten Marken für die Super-Reichen dieser Welt ausgedacht haben, ist schwer in Worte zu fassen. Sich einmal wie Bill Gates fühlen, vom Sultan von Brunei träumen – viel normaler fühlt sich das Fahren nicht an. Tatsächlich – mit alltäglichen Autos haben diese drei Kunstwerke nichts mehr zu tun. Das fängt schon vor dem Gang zum Händler an. Denn solche Über-drüber-Stücke kauft keiner so einfach, sie werden nach persönlichen Vorstellungen in aufwendiger Handarbeit angefertigt. Was sich natürlich im Preis niederschlägt. 1,5 Millionen Euro sind hier versammelt, was dem Gegenwert von 135 Opel Corsa entspricht. Opel was? Ach ja, Alltag. Weit weg.

Maybach verwöhnt die Passagiere am meisten

Luxuriöser geht es in Sachen Auto kaum noch: Der Maybach verwöhnt die Passagiere am meisten.

Den Zugang zum Chefabteil erleichtert der Maybach mit Türen, die sich im 90-Grad-Winkel auftun, und der Rolls-Royce feiert seine Eröffnung gar mit gegenläufig aufschwingenden Portalen. Der Bentley dagegen lädt auf konventionelle Weise zum Zusteigen ein. Dafür schirmt er den Reisenden im Fond vom vorn sitzenden Personal durch eine schalldichte Trennscheibe ab. Die Einzelsitze im Maybach-Fond sind schlicht einzigartig. Unterm riesigen Sonnendach, das sich elektrochromatisch abdunkeln und sogar künstlich beleuchten lässt, lässt sich aufrecht sitzend arbeiten und fast flach liegend schlafen. In Reichweite: Kühlschrank und Champagnerkelche sowie die Fernbedienung der Multimedia-Anlage mit ihren riesigen Bildschirmen. Jeder Fond-Passagier blickt auf seinen eigenen – natürlich. Während der Maybach seine Passagiere im funktionellsten aller Limousinen-Fonds verwöhnt, entscheidet der Fahrer, ob das Ziel im Eiltempo oder in meditativer Ruhe erreicht wird. Immer bleibt die längste Serienlimousine der Welt auch die stärkste und schnellste – nicht aber die expressivste. Diese Rolle fällt dem monumentalen Super-Rolls-Royce zu.

Unhörbares Kraftpaket: Der BMW-V12 mit 460 PS arbeitet akustisch absolut im Verborgenen.

Der Hightech-Kokon aus den Konstruktionsbüros der Rolls-Royce-Muttergesellschaft BMW trägt seine Passagiere so auffällig unauffällig durchs Land, dass manchmal nur der Blick aus dem Fenster über die bereits aufgenommene Fahrt informiert. Der Motor ist nicht vernehmbar. Wie von Geistern getragen schwebt die komplett aus Aluminium gefertigte Sänfte durch die Niederungen des Berufsverkehrs. Ihr modernes V12-Triebwerk mit 6,75 Liter Hubraum und Direkteinspritzung stellt stattliche 460 PS bereit. Aber die fühlen sich an wie ein Nummernkonto in der Schweiz: Alles wird der Besitzer nur im äußersten Notfall abrufen. Der Blick aufs runde "Powermeter" genügt, um zufrieden festzustellen, dass die meisten Fahrzustände eine 80-prozentige Kraftreserve dulden. Reichtum kann unheimlich ruhig machen. Das schwäbische Luxus-Appartement wird dagegen von einer Antriebseinheit befeuert, die unterm Dach der Rennsportabteilung von AMG in Affalterbach entsteht. Aus sechs Liter Hubraum schöpfen zwölf Zylinder unter Assistenz zweier Turbolader 612 PS. Portioniert wird die gewaltige Leistung von einer Fünfstufen-Automatik.

Der Atem stockt, wenn der mindestens 2780 Kilogramm schwere Koloss rasant anschiebt. Dann meint man, er wolle sich für die Sportwagen-Liga qualifizieren. In nur 5,2 Sekunden sind aus dem Stand 100 km/h erreicht. Erst bei 250 km/h greift der elektronische Begrenzer ein. Im Bentley Arnage Limousine reist eine gewisse Bescheidenheit mit. Nicht, dass es hier asketisch zuginge. Nein, nein, nur etwas intimer. Bentley-Passagiere müssen sich mit einem gemeinsamen Bildschirm begnügen und auf Fußstützen verzichten. Shocking! Umso kuscheliger aber geht es im Separee hinter zugezogenen Seidenvorhängen zu, wenn sich die Herrschaften in den bestickten Lederkissen fläzen. Auch darf der Kunde eines Bentley Arnage Limousine nicht hochleistungshungrig sein. Acht Zylinder mit 6,75 Liter Hubraum, eine Vierstufenautomatik und ein konventionelles, wenngleich adaptives Fahrwerk müssen reichen. Die Fahrleistungen des 406 PS starken Briten taugen nicht zum Prahlen in der Roatary-Club-Runde. Sie erlauben Sprints aus dem Stand auf 100 km/h in 7,1 Sekun-den und eine (eingebremste) Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h. Ein Golf GTI kann das auch, in der Spitze sogar besser. Womit die Vergleichbarkeit abrupt endet.

Unter einer halben Million Euro ist nur der Rolls-Royce zu haben

Die größten Unterschiede in der luxuriösen Königsklasse finden sich in der manuellen Fertigungstiefe und im Grad der Individualisierung. Hier liegt der Bentley vorn, was dem Käufer 517.457 Euro wert sein muss. Mit 544.937 Euro erhebt sich der Maybach 62 Spezial darüber. Dafür bietet er den geräumigsten Fond mit dem umfangreichsten Hightech-Paket. Am überschaubarsten wirkt unter diesem Aspekt tatsächlich die Luxus-Ikone Rolls-Royce, wo für den Phantom EWB 462.315 Euro verlangt werden. Das macht immerhin 61.523 Euro Ersparnis gegenüber dem Maybach. Dafür ließe sich noch ein BMW M3 in die klimatisierte Garage stellen. Einfach so. Wenn es da nicht schon so elend voll wäre.

Fazit von AUTO BILD-Reporter Jürgen Zöllter

Wenn Luxus mehr zählt als schiere Leistung, halten wir die Luft an. Bei aller Bewunderung dieser automobilen Kunstwerke verblüfft vor allem, mit welcher Leichtigkeit diese Riesen zu Werke gehen. Allen voran der magische Maybach, der sich beinahe wie ein Sportwagen anfühlt. Der Phantom setzt mehr auf Wucht und schiere Kraft, während der Bentley eher die feinen Töne anschlägt. Ein einmaliges Erlebnis sind alle drei.

Technische Daten Maybach 62 S: V12, Biturbo, vorn längs • drei Ventile pro Zylinder • Hubraum 5980 cm³ • Leistung 450 kW (612 PS) bei 4800/min • max. Drehmoment 1000 Nm bei 2000/min • Hinterradantrieb • Fünfstufen-Automatik • Einzelradaufhängung • Luftfedersystem Airmatic • Scheibenbremsen innenbel. v./h. • 275/45 R 20 v./h. • 8,5 x 20" • L/B/H 6165/1980/1573 mm • Radstand 3827 mm • Leergew. 2780 kg • Kofferraumvolumen 605 l • Tankinhalt 110 l • Zuladung 600 kg • Beschleunigung 0-100 km/h in 5,2 s • Spitze 250 km/h • Verbrauch (EU-Mix) 16,4 l SP/100 km • CO2 405 g/km • Preis: 523.838 Euro

Technische Daten Bentley Arnage Limousine: V8, Biturbo, vorn längs • zwei Ventile pro Zylinder • Hubraum 6752 cm³ • Leistung 298 kW (406 PS) bei 4000/min • max. Drehmoment 835 Nm bei 3250/min • Hinterradantrieb • Vierstufen-Automatik • Einzelradaufhängung • Scheibenbremsen innenbel. v./h. • 255/50 R 18 v./h. • 8,0 x 18" • L/B/H 5850/1900/1521 mm • Radstand 3566 mm • Leergewicht 2895 kg • Kofferraumvolumen 375 l • Tankinhalt 96 l • Zuladung 410 kg • Beschleunigung 0-100 km/h in 7,1 s • Spitze 200 km/h • Verbrauch (EU-Mix) 19,5 l SP/100 km • CO2 465 g/km • Preis: 517.457 Euro

Technische Daten Rolls-Royce Phantom EWB: V12, vorn längs • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 6749 cm³ • Leistung 338 kW (460 PS) bei 5350/min • max. Drehmoment 720 Nm bei 3500/min • Hinterradantrieb • Sechsstufen-Automatik • Einzelradaufhängung • Scheibenbremsen innenbelüftet • 255/50 R 21 - 285/45 R 21 • 8,5 - 9,5 x 21" • L/B/H 6084/1990/1634 mm • Radstand 3820 mm • Leergewicht 2670 kg • Kofferraumvolumen 460 l • Tankinhalt 100 l • Zuladung 500 kg • Beschleunigung 0-100 km/h in 6,1 s • Spitze 240 km/h • Verbrauch (EU-Mix) 15,9 l SP/100 km • CO2 385 g/km • Preis: 462.315 Euro

Autor: Jürgen Zöllter

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