Drei Diesel-Kombis im Test

Alfa 159 Sportwagon – Audi A4 Avant – Volvo V50 Alfa 159 Sportwagon – Audi A4 Avant – Volvo V50

Drei Diesel-Kombis im Test

— 04.06.2006

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Transporter von der Schönheitsfarm: Alfa 159 Sportwagon, Audi A4 Avant und Volvo V50 treten mit neuen Motoren an. Eine Einladung, bei der das Gepäck möglichst klein ausfallen sollte.

Offiziell sind die schicken Mittelklasse-Laster von Audi, Alfa und Volvo ja schnöde "Kombinationskraftwagen". Au Backe! Wie das schon klingt. So hölzern, freudlos, nach Tapeziertisch und Starrachse. Aber das ist ungerecht. Denn wenn der aufregend gezeichnete Alfa 159 Kombi etwas zu kombinieren hat, dann doch bitteschön Klasse mit Rasse, Dynamik mit Eleganz oder Kraft mit Kultur. Schließlich kommt mit dem 200 PS starken Fünfzylinder modernste Turbodiesel-Technik ins Spiel. Völlig zu Recht tauft Alfa die mutig sportlich getrimmte Rucksackversion des 159 JTDM Sportwagon. Ähnlich bei Audi: Die 180 Pferdestärken aus einem 2,7-Liter-V6-TDI und die scheinbar direkt in die Blechbögen der ausgestellten Radhäuser gepreßte Dynamik sprechen eine moderne Sprache. So etwas heißt bekanntermaßen Avant – wäre aber auch mit "Rasant" richtig ausgezeichnet. Der technisch ausgefeilte Diesel mit Piezo-Einspritzung, der diesem Kombi Beine macht, ist ganz neu, kommt wie im Alfa ab Werk mit einem Rußfilter daher und wird grundsätzlich mit einem Sechsganggetriebe kombiniert.

Und Volvo? In dieser Liga trägt der trefflich dezent abgerundete Kraftklotz das typische V im Namen. Die markante Hülle des V50 hat es zudem faustdick unterm Blech: 180 PS aus einem wuchtigen 2,4-Liter-Fünfzylinder markieren ab sofort die Dieselspitze der Baureihe. Allerdings gibt es den V50 D5 zunächst (bis 2007) ausschließlich mit einem Automatikgetriebe. Auf den Preis wirkt sich das erfreulicherweise nicht aus. Ganz im Gegenteil. Inklusive selbstschaltendem Getriebe kostet ein D5 31.100 Euro – das sind immerhin 2050 Euro unter dem Basispreis des Alfa 159 2.4 JTDM. Der Audi A4 2.7 TDI ist sogar fast 3000 Euro teurer.

Manch ein Kompakter hat bessere Lademeister-Qualitäten als der Alfa

Der vermeintlich günstige Volvo kann aber auch zur Kostensammelstelle werden. Speziell kombispezifische Ausstattungsmerkmale wie Dachreling, Niveauregulierung und Gepäcksicherungselemente kosten Aufpreis – selbst eine Steckdose im Laderaum berechnet Volvo zusätzlich. Alfa kann sich Angebote, die den Nutzwert des Laderaums verbessern, eigentlich sparen. Mal ehrlich, ein brauchbarer Kombi ist der Sportwagon doch ohnehin nicht. Maximal 1235 Liter Ladevolumen, eine umständliche Lösung der Klapp-Rücksitze, ansteigender Ladeboden, kleine Luke, Engpaß zwischen den Radkästen – so manch ein Kompakter hat da bessere Lademeister-Qualitäten als der Alfa.

Nicht nur das Gepäck hat im 159 schlechte Karten. Die hinteren Passagiere kämpfen (sofern sie über 1,85 Meter groß sind) mit Platzproblemen über dem Kopf. Außen sitzen sie durch die im Türbereich eingezogenen Lehnen etwas eingedreht, der Mittelplatz mit Kopfstütze in Schulterblatthöhe und knüppelharter Auflage gleicht einer Strafbank. Und Fahrer wie Beifahrer wünschen sich mehr Seitenhalt der – speziell an den Auflagen – weichen Sitze. Auffällige Schwäche im Volvo: Zumindest der Fahrer muß Komforteinbußen hinnehmen. Die elegant gestaltete Mittelkonsole drückt gegen das rechte Bein, die Sitzfläche ist eher kurz geraten. Tadellos hingegen sind die vorderen Sportsitze des Audi-Testwagens mit Flächenverlängerung, optimaler Polsterung und straffem Seitenhalt. Sie kosten allerdings 560 Euro Aufpreis. Daß sich die Lehne der Rückbank im Handumdrehen klappen läßt, der geöffnete Heckdeckel in zwei Stufen arretiert und die hinteren Kopfstützen platzsparend versenkbar sind, beschert dem Audi einen zusätzlichen Nutzwertschub.

Sprechen wir über angenehmere Themen als Laderaum – zum Beispiel über Leistung und Lust. 180 bis 200 Diesel-PS versprechen schließlich reichlich Spaß am Fahren. Und keiner der Kandidaten enttäuscht, jeder überzeugt auf seine Art. Der Drehmoment-Riese Alfa, weil die Italiener es geschafft haben, einen Selbstzünder berauschend klingen zu lassen. Der spurtstarke Volvo punktet mit der Verbindung aus souverän zupackendem Motor mit seichtem Wummer-Sound und weich schaltender Fünfstufen-Automatik. Und der Audi macht ebenfalls das Beste aus dem Selbstzünder-Prinzip: Niedriger Verbrauch und gute Fahrleistungen liegen auf einer Höhe mit dem Sahne-Brummer Volvo.

Dem V50 fehlt es an Spritzigkeit

Allerdings läuft der TDI weicher und leiser, reagiert früher auf Gaspedalbewegungen als der von der Automatik beruhigte D5. Selbst bei Nutzung der manuellen Funktion seiner Schaltung fehlt es dem V50 an Spritzigkeit. Zudem rollt der A4 komfortabler ab und federt ausgewogener als der recht sportlich eingestellte V50. Nur leiser ist er trotz des kaum hörbaren Motors nicht: Der Mix aus Wind- und Rollgeräuschen übernimmt bald das Kommando in der Fahrgastzelle. Im Alfa nerven hart durchdringende Stöße, die speziell von Fahrbahnfugen oder Sielkanten hervorgerufen werden. Immerhin: Der 159 hat die besten Bremsen, ergänzt dieses Sicherheitsplus sogar mit einem Knieairbag für den Fahrer und hat dem Volvo serienmäßige Nebelscheinwerfer voraus.

Allen gemein ist ein tadelloses Fahrverhalten. Wenn auch der Alfa mit einer verhärtenden Lenkung und der Volvo mit zwar spontaner, aber etwas zu gefühlloser Lenkung auffallen – Ausweichtests meistern die drei Luxus- Laster selbst bei hohen Geschwindigkeiten mit Bravour. Ganz und gar unterschiedliche Philosophien offenbaren sich dagegen beim peniblen Blick auf die Verarbeitung der drei Kombis: Daß im Audi eine kleine Blende über dem Zündschloß nicht einwandfrei sitzt – Schwamm drüber. Daß aber beim Volvo der labbrig übergeworfene Sitzbezug den Blick auf die Schaumgummiunterlage freigibt und daß ein Türöffner hakt, tut beim edlen Anspruch des V50 schon arg weh. Alfa setzt dagegen auf die Design-Karte. Dem wirklich hübsch gestalteten Cockpit mit Rundinstrumenten stehen leider sichtbare Kabelstränge gegenüber. An der eleganten Blende am Lenkrad kann man sich die Finger ratschen. Wellig verlegte Gummidichtungen im Türausschnitt oder schlechte Passungen an unzähligen Abdeckungen lassen so nur einen Schluß zu: Hier kombiniert Alfa leider wieder teilweise wunderschöne Details mit äußerst nachlässiger Montage. Alfa-Fans können darüber mit großem Herzen und souveränem Lächeln hinwegsehen. Ein Auto-Tester leider nicht.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jan Horn

Die Armani-Theorie meines Kollegen Diether Rodatz in Ehren – aber bei Preisen über 30.000 Euro darf auch kein Faden aus dem gutsitzenden Anzug heraushängen. Leider gibt sich aber Alfa erneut diese Blöße. Vor allem die nachlässige Verarbeitung und die mäßige Funktionalität werfen den schönen Italiener zurück. In diesem Test geht der souverän motorisierte Audi als Sieger durchs Ziel. Dicht gefolgt vom starken, aber auch etwas kleineren Volvo. So oder so sei Hobbyspediteuren jedoch gesagt: Mit allen drei Edel-Lastern fährt deutlich mehr teurer Lifestyle als Kombitalent vor.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Audi A4 2.7 TDI (DPF) Avant, Volvo V50 2.4 D5 Geartronic und Alfa 159 Sportwagon 2.4 JTDM 20V Progression. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

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