Drei Diesel-Kombis im Vergleich

Drei Diesel-Kombis im Vergleich Drei Diesel-Kombis im Vergleich

Drei Diesel-Kombis im Vergleich

— 13.03.2003

Das neue T-Modell: Ein Überflieger?

Sieben Jahre hat sich Mercedes-Benz für den neuen Kombi der E-Klasse Zeit gelassen. Sehen Audi A6 Avant und BMW 5er Touring jetzt alt aus?

Stuttgarter Besserwisser

Warum fährt der nicht selber, dieser Besserwisser? "Die Fondlehne ist nicht verriegelt", sagt das Display des Mercedes E 320 CDI. Woher will das T-Modell das wissen? Wer den Kombi fährt, braucht keinen Knebel für den Beifahrer, sondern einen Maulkorb fürs Auto. Dieser T weiß alles besser. Er versteckt die Spiegel beim Parken, er wünscht nicht, dass die Heckklappe von Hand geöffnet wird (Aufpreis der Zuziehhilfe: 574 Euro). Und hat für alles eine Lösung.

Im neuen Kombi der E-Klasse mutiert der Fahrer zum Kleinkind, das T zu einem besseren Menschen erziehen will. Dabei möchte er nur das Beste für seine Insassen. Und verhätschelt den Fahrer gegen Extrazahlung beispielsweise mit der Luftfederung AIRmatic, der Einparkhilfe Parktronic oder einem Stau-Assistenten, der T automatisch abbremst, damit man seinen Vordermann nicht knutscht.

Audi A6 Avant 2.5 TDI und BMW 530d Touring sind zurückhaltender mit erzieherischen Warnhinweisen. Das ist die Milde des Alters. Schließlich kommen die beiden Bayern aus dem vergangenen Jahrzehnt und werden ab 2004 neu aufgelegt. Bis dahin sehen die Kombis alt aus gegen T.

Mit Trick und doppeltem Boden

Genauso wie sein Vorläufer W 210 hat der Neue einen Vier-Augen-Aufschlag, dafür keinen Einarmwischer mehr (leider bleibt im Sichtfeld des Fahrers links an der A-Säule ein breiter Streifen ungewischt), außerdem eine sanft abfallende Dachlinie und ein elegant gerundetes Heck. Das nicht so klobig wirkt wie beim Vorgänger und trotzdem mehr Gepäck wegsteckt. Deutlich mehr als die Konkurrenz.

Trick dabei: Mercedes mogelt das Reserverad durch den Reifenkleber Tirefit weg, kommt so auf 690 bis 1950 Liter Stauraum. Zum Vergleich: Audi und BMW fassen 455 bis 1590 Liter beziehungsweise 410 bis 1525 Liter, haben dafür aber ein vollwertiges Ersatzrad an Bord.

Die Fondsitze lassen sich bei allen dreien variieren, ohne große Fummelei geteilt umklappen und bilden eine Ebene; bei Mercedes kann sogar die Rückbank ausgebaut werden. Beim Kofferraum zaubern die Stuttgarter mit doppeltem Boden. Unter der Abdeckung wohnen keine weißen Kaninchen, sondern mehrere kleine Fächer wie in einem Werkzeugkasten (Aufpreis). Außerdem eine faltbare Einkaufsbox. Hinter der Fondlehne steckt eine weitere Kunststoffkiste, ideal für Gummistiefel oder Regenjacken.

Mehr Dampf und Pfiff aus Schwaben

So viel Detailliebe besitzen sonst nur die Franzosen – merci, Mercedes: gut kombiniert. Die Kofferraumlösungen von Audi und BMW verhalten sich zum T-Modell wie Wasser zum Wein: solide, aber fad. Das Schwaben-Konzept macht einfach mehr an, vor allem das elektrisch zurückschwingende Rollo und der Laderaumboden, der sich gegen Aufpreis per Knopfdruck um 40 Zentimeter ausfahren lässt. Das ist allerdings nicht neu, auch der Fünfer kann für 650 Euro damit bestückt werden.

Bei Audi und BMW ist der Kofferraum ein Kofferraum und keine animierte Spielwiese wie bei Mercedes. Zwar gibt es auch beim A6 ein verstecktes Staufach unter der Ladefläche, das aber nur halb so groß ist wie das des T-Modells. Beim neuen Mercedes geht eben immer ein bisschen mehr. Das gilt auch für den Motor.

Mit 204 PS bei 4200 Umdrehungen hat der Common-Rail-Diesel erheblich mehr Dampf als der 193-PS-Antrieb des Touring, wirkt erst recht agiler als der 180 PS starke Audi-Motor. Noch gravierender fällt der Vergleich der maximalen Drehmomente aus. Mit 500 Newtonmetern liegt der Mercedes weit vor BMW (410) und Audi (370). Fahrspaß durch Drehmoment. Wer hätte gedacht, dass aus dem guten alten Reihensechser so viel rauszuholen ist? Denn bei den Benzinern hat Mercedes diese Konstruktion schon lange ins Museum verbannt.

Sechs Richtige bei BMW

Trotzdem erinnert der CDI beim Start immer noch ein bisschen an die rustikale Dieselvergangenheit und hämmert zunächst lauter als der Audi. Nach der Warmlaufphase wird er deutlich ruhiger und flüstert sogar leiser als der Avant. Der 2,5-Liter-Motor des Ingolstädters startet mit einem satten Summen, klingt bei mittleren Drehzahlen ruhig, bohrt sich aber bei hohem Leistungseinsatz ins Gehör. Kein Wunder, schließlich hat der Audi 0,7 Liter weniger Hubraum als der Benz. Sein kleineres Herz wirkt dadurch angestrengter.

BMW wählt die goldene Mitte: drei Liter Hubraum, verteilt auf einen klassischen Reihensechszylinder. Und so fährt er sich auch: rund und ruhig. Mit seinen 193 PS ist er der Flüsterer unter den Selbstzündern. Im Grenzbereich zieht der Fünfer dann seine Lederhose an. Und zeigt stramme Waden.

Trotz ESP (heißt hier DSC) neigt der 1,8 Tonnen schwere Touring in Extremsituationen zum Übersteuern. BMW-Fans empfinden das unruhige Heck vielleicht als riesige Gaudi, Fakt ist: Das ESP regelt später als bei der Konkurrenz und macht damit den Fünfer fahraktiver – ohne auf Sicherheit zu verzichten. Zudem ist die Lenkung vorbildlich.

Alte Erkenntnis – T heißt auch teuer

Dennoch wird sich der frisch beförderte Abteilungsleiter im frontgetriebenen Audi sicherer fühlen. Vorausgesetzt, er sucht ein gutmütiges Fahrzeug. Wenn das ESP beim A6 eingreift, tut es dies still und heimlich. Nur ein dumpfes Grummeln in der Vorderachse sagt dem Fahrer, dass die Elektronik gerade regelt.

Ähnlich verhält sich der heckgetriebene Benz. Allerdings ist die Lenkung des T-Modells im Vergleich zu seinen Konkurrenten eine Spur indirekter. Bei abrupten Richtungswechseln fehlt ein wenig Gefühl. Dafür ist der Komfort des Stuttgarter Neulings unangefochten. Spurrillen und Bodenwellen schluckt er, ohne sauer aufzustoßen. Dank Luftfederung. Mit diesem Extra schwebt T über den Dingen. Und liegt Längen vor seiner Konkurrenz.

Leider auch beim Preis. T steht für teuer. Mit 46.284 Euro (Classic-Ausstattung) kostet der Mercedes 6984 Euro mehr als die Kombi-Lösung von Audi und 4643 Euro mehr als der BMW. Schade, dass T uns davor nicht in seinem Display warnt.

Preise und Ausstattungen

Beim Grundpreis punktet der Audi. Er ist mit 39.300 Euro am günstigsten. Der Mercedes fällt durch die aufpreispflichtige Luftfederung (1148 Euro) unseres Testwagens weit zurück. Bei der Versicherung bricht der BMW ein. Im Vergleich zum Audi A6 kostet seine Vollkasko fast 1000 Euro mehr im Jahr.

Technische Daten

Super Sprinter: Der Mercedes hat die Konkurrenz fest im Griff. Beim Spurt von null auf 100 km/h nimmt er dem Audi fast 1,5 Sekunden ab – das sind Welten. Der BMW liegt genau in der Mitte. Die Elastizität des Mercedes ist derart souverän, dass der Kombi BMW und Audi auf der Autobahn abhängt. Gewaltigen 500 Newtonmeter Drehmoment sei Dank.

Fazit und Wertung

Fazit Mit den Oberklasse-Kombis Audi A6 Avant, BMW 5er Touring und Mercedes E-Klasse T-Modell ist es wie mit Vegetariern: Denen kann man ein Steak auch nicht schmackhaft machen. Wer lieber einen heckangetriebenen BMW oder Mercedes fährt, wird sich so schnell nicht von einem Fronttriebler wie dem Audi A6 überzeugen lassen. Das bleibt eine Frage des Geschmacks. Meinen Nerv hat der BMW getroffen. Obwohl Jahrgangsältester im Trio, ist er jung geblieben – vor allem Lenkung und Motor. Im staatstragenden Benz fühle ich mich um Jahre gealtert. Aber: Alle Argumente sprechen für das neue T-Modell. Der Mercedes hat den geringsten Spritverbrauch, das größte Platzangebot und viel Komfort. Und einen passenden Namen: T wie teuer.

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