Drei Dieselkombis im Test

Drei Dieselkombis im Test

— 10.01.2007

Die Traumwagen der Vertreter

Schick, stark, super Image Audi A4 Avant 2.7 TDI, BMW 325d Touring und Volvo V50 D5 sind wohl die reizvollsten Dienstreisen-Begleiter. Ein Vergleich.

Auendienst kann hartes Brot sein: Kilometer fressen auf der Autobahn, Stress auf der linken Spur, Ankommen im Akkord. Brave Dieselkombis wie Passat, Mondeo oder Vectra sind bekannt-bewhrte Typen, die den Vertreter-Job sicherlich etwas erleichtern. Es gibt aber auch Autos, die machen Auendienstfahrten zur Lustreise. Autos wie der BMW 3er Touring, vielleicht mit dem neuen 325d einem prallen Sechszylinder, der haarscharf an der 200-PS-Grenze kratzt. Die stilvollen Alternativen tragen vier Ringe oder fnf Buchstaben. Dem dynamischen 3er-Kombi setzt Volvo mit dem breitschultrigen V50 stmmiges Schwedendesign inklusive 180 PS starkem D5-Dieselmotor vor. Audi prsentiert sich im A4 mit einem ebenso starken 2.7 TDI sowie der markentypischen Eleganz der Avant-Modelle.

Bis hierher gibt es also dreimal Grund zum Schwrmen. Was bei einem Blick in die Preisliste garantiert schmerzhaft endet. Wie ein Weckappell mit kaltem Wasser reit uns BMW aus dem Schlummer. Denn unter 36.500 Euro gestattet der 325d nicht einmal einen kurzen Tagtraum. Im Groen und Ganzen ist der Touring zu diesem Preis hnlich ausgestattet wie ein Volvo V50 D5. Aber der Schwede kostet inklusive Klimaanlage und Radio satte 4621 Euro weniger. Dazu kommt er sogar mit der teuren Fnfstufen-Automatik Geartronic daher gnstige Schaltgetriebe sind im Volvo D5 derzeit nicht lieferbar. Dazwischen steht Audi mit 35.200 Euro und Sechsgang-Schaltgetriebe ist er immer noch ein Stckchen gnstiger als der 325d, aber auch bescheidener ausgestattet.

Form geht hier vor Funktion

Schicker Hintern: Das Heck des Volvo V50 ist kein Schluckspecht.

Ihren Transporter-Anspruch erfllen die drei nach der Lustlaster-Philosophie: Form geht hier vor Funktion. So kommen zu den bescheidenen 417 Liter Fassungsvermgen des Volvo-Gepckabteils noch die lausigen 445 Kilogramm Zuladung, die auch einen 325d "auszeichnen". berdies setzt Volvo trotz allem Anspruch auf beste Kombi-Tradition auf die umstndlichste Lsung, den Kofferraum zu erweitern. Sitzflchen hochnesteln, Kopfsttzen herausfummeln, Lehne nach vorn wuchten. Das Vergrern der Ladeflche fllt bei A4 und 3er zwar deutlich leichter, dafr bietet keiner der Kandidaten nach der Kofferraum-Maximierung eine ebene Ladeflche. Vielen egal, schlielich transportieren die meisten Vertreter ohnehin nur Warenproben liefern sollen andere. Aber ausgeruht ankommen sollten die Firmenreprsentanten schon.

Da leistet der souvern federnde Audi wertvolle Hilfe. Zudem nehmen perfekte Sessel mit angenehm straffer Polsterung sowie eine tadellose Sitzposition langen Autobahnetappen jeglichen Schrecken. Im BMW verhindern die harten Seitenwangen der Auflageflche sowie der im Furaum breitere Mitteltunnel eine optimale Sitzposition. Im Volvo nerven auf Dauer die im Lehnenbereich fhrungslosen Sitze und die hbsche, aber leider auch hartkantige Mittelkonsole. Im Fond herrscht bei allen drei Kombis das typische Mittelklasse-Raumangebot: Fr gro gewachsene Mitfahrer gibt es ausreichend Luft vor den Knien, gerade noch Raum ber dem Kopf und auer bei Volvo brauchbare Ellenbogenfreiheit. Zudem sitzen die Passagiere in Reihe zwei des V50 etwas unbequemer. Die strker konturierten Lehnen zwingen auen Sitzende nmlich in eine leicht eingedrehte Haltung.

Die Sitzposition im V50 bleibt zudem nicht das Einzige, was auf langen Etappen stresst. Eine hlzern ansprechende, zuweilen sogar polterige Federung des V50 ist auf kleinen Unebenheiten vielleicht nur ein rgernis auf schlechten Straen aber nervenaufreibend. Im straff abgestimmten BMW arbeitet das Fahrwerk dagegen nur bei hheren Geschwindigkeiten und welligem Untergrund unangenehm hier kommt es zu stoigen Vertikalbewegungen der Karosserie.

Beim 325d strt der empfindliche Geradeauslauf

BMW 325d: Zackige und präzise Lenkung, aber Vorsicht vor Querfugen.

Querfugen mag der 3er ebenfalls nicht da reichen schon Bitumen-Wlste im Fahrbahnbelag, um das Auto hr- und sprbar anzuregen. Mehr als dieser kleine Lapsus im Federungsverhalten strt beim 325d der empfindliche Geradeauslauf. Die steifen, serienmigen Runflat-Reifen mit Notlauf-Eigenschaften laufen jeder noch so winzigen Rille hinterher. Das daraus resultierende nervse Zucken im Lenkrad verlangt dann unntig bertriebene Aufmerksamkeit vom Fahrer. Auch der hohe Kraftbedarf beim Rangieren schmlert etwas den ansonsten tollen Eindruck, den die typisch zackige Lenkung macht.

Eine tadellose Prsentation legt dagegen der Audi hin. Das geschwindigkeitsabhngige System ist sportlich passend direkt bersetzt, verlangt im Stand und beim Rangieren angenehm wenig Lenkkrfte und hinterlsst auf schwergngig getrimmt bei hohen Geschwindigkeiten einen vertrauensvollen Eindruck. Der Volvo-Lenkung fehlt Rckmeldung. Der V50 spricht zwar spontan auf Lenkbewegungen an, aber in Kurven hat der Fahrer kein Gefhl fr Straenverlauf und Radius. Schlielich sollten Dienstwagen in dieser Leistungsklasse doch auch in puncto Fahrspa eine Menge bieten. Da haben ganz klar Audi und BMW die Nasen vorn. Auch wenn der wendige Volvo ein tadelloses, sauber vom elektronischen Schleuderschutzprogramm (DSTC) kontrolliertes Ausweichverhalten beweist die dynamischere Vorstellung zeigen A4 und 3er.

BMW punktet mit etwas mehr Mut zum leichten Heckschwenk, Audi hlt mit gefhlt leichtfigeren Richtungswechseln gegen. Fr beide gilt aber wie beim Volvo: Der serienmige Anti-Schleuderschutz (DSC bei BMW, ESP bei Audi) wacht perfekt. Unschlagbar: Die hervorragenden Bremsen des BMW. Mit einem Bestwert von 37,0 Metern aus Tempo 100 deklassiert er die bis zu zwei Meter spter stehende Konkurrenz. Beinahe schafft der 325d das auch in Bezug auf die Fahrleistungen. Auf dem Papier mgen die 17 PS Mehrleistung drr wirken auf der Strae reichen Leistungs- und Drehmomentvorteil aus, um Audi und Volvo gehrig die Kombi-Kehrseite zu zeigen. Im Sprint sowieso, beim Durchzug helfen ihm die sagenhaften 400 Newtonmeter Drehmoment. Dazu rennt der 3er-BMW imposante 248 km/h schnell, verbraucht am wenigsten.

Musterknabe: Der Diesel im A4 ist auch bei Volllast kaum zu hören.

Kleiner Haken an der Sache ist die Laufkultur. Trotz bester Reihen-Sechszylinder-Vorgaben brummt der Dreiliter des BMW vibrationsreich im Stand, rumpelt vorlaut durch die Drehzahlregionen. Auch der Schaltung fehlt Przision, das Kupplungspedal geht arg schwer. Auch der Volvo gehrt nicht zu den feinen Flstertypen. Dumpf rumorend geht der Fnfzylinder unter Last ans Werk. Nicht unangenehm laut, schn gleichmig reiend, aber akustisch stets zu prsent. Wie es gehen kann, zeigt Audi. Der V6 klingt auch voll gefordert noch angenehm entspannt, ist kaum zu spren, selten zu hren. Wenn berhaupt, dann wrden sich eilige Vertreter hchsten etwas durch fehlenden Druck des TDI in den letzten Gngen gestrt fhlen. Was zeigt: Auendienst ist wohl selbst in Traumwagen nicht automatisch ein Traumberuf.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jan Horn:

Ganz klar, bei A4 Avant, 3er Touring und V50 liegt das Augenmerk nicht unbedingt auf den Lasteselqualitten. Was Luxus, Lifestyle und Leistung betrifft, erledigt BMW den besten Job. Allein sein mchtiger Motor sichert dem 325d in diesem Trio die Chef-Position. Volvo bleibt der Status des Charaktertypen, Audi spielt den komfortabelsten Langstreckenlufer.

Autor: Jan Horn

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