Drei Edel-SUV im Vergleich

Drei Edel-SUV im Vergleich

— 27.01.2009

Sport für den Lord

Hoher Allrad-Adel im Vergleich: BMW X6 xDrive 30d, Range Rover Sport TDV6 und Mercedes ML 320 CDI 4Matic zeigen ganz eigene Manieren – außen wie innen. Welches Edel-SUV macht das Rennen?

Ja, ja, ich höre sie schon, die vorwurfsvolle Frage: "Passen diese Autos überhaupt noch in die Zeit?" Zugegeben, beim Anblick von BMW X6, Mercedes M-Klasse und Range Rover Sport fallen Protest und Polemik leicht. Wer über Klimakatastrophe und Elektromobile sinniert, kommt schon mal in Versuchung, die XXL-Modelle als automobile Pestbeulen zu verteufeln. Aber müssen große SUV zwangsläufig als Antithese zum Hilferuf "Rettet die Erde" herhalten? Das ist unfair! Mit dem jeweiligen Einstiegs-Diesel erzielen alle drei Verbrauchs werte um zehn Liter. Das spricht eher für feine Technik als für verschwenderische Dekadenz. Von maßlosen Spritschluckern mit mäßigen Fahrleistungen kann hier jedenfalls keine Rede sein. Im Gegenteil: Sie haben den Sport entdeckt und wollen mit Fahrspaß überzeugen. Jeder der drei hat dafür sein eigenes Rezept. Jeder zeigt Vor- und Nachteile. Jeder der drei hat ein Premium-Image. Aber nur einer bietet das beste Gesamtpaket.

Mit dem X6 macht BMW den Geländewagen zum Coupé

Selten streben Designrichtungen so weit auseinander wie bei diesem Trio. So macht Stil-Findung Spaß. Besonders ausgeprägten Willen, anders zu sein, zeigt der BMW. Sein fließendes Heck verkündet ohne Zurückhaltung: Auch ein Geländewagen kann ein Coupé sein. Doch wer hat danach gefragt? Sein eckigerer Bruder X5 liegt in der Käufergunst weit vorn. Auf jeden X6 kommen sieben X5. Der ist nicht nur billiger, sondern auch praktischer, weil geräumiger. Im X6-Fond geht es natürlich enger zu als in Mercedes und Range, vor allem in Kopfhöhe. Mit nur zwei hinteren Sitzen disqualifiziert er sich bei der Raumausnutzung ohnehin. Gleiches gilt fürs Stauvolumen; richtig viel passt in den edel mit Velours ausgekleideten Kofferraum nicht rein. Ganz anders der Range: Seine dicken Gummi-Fußmatten nehmen matschige Stiefel nicht übel und lassen sich mit dem Dampfstrahler sauber machen. Kantig stemmt sich der englische Charaktertyp gegen den Trend zu immer dynamischeren Formen. Richtig so, sein senkrechtes Heck und die steilen Glasflächen schaffen ein üppiges Ladeabteil. Die Fahrerposition ist so, wie man sie sich in einem "Wenn-schon-denn-schon-SUV" wünscht: erhaben und übersichtlich. Nach hinten ist er gut einschätzbar, und vorn liegt die Alu-Motorhaube komplett im Blickfeld des Fahrers. Das ist alte britische Schule – angenehm.

Der Mercedes ist gestalterisch der Mittelweg zwischen BMW und Land Rover

Der Mercedes – man ahnt es – liegt zwischen den Polen. Goldene Mitte eben, und damit leider auch ein wenig langweilig. Er macht alles richtig, strebt markentypisch nach Perfektion. Und genau darum fehlen ihm die prägenden Merkmale, die X6 und Range auszeichnen. Natürlich ist der in den USA gefertigte Benz eine stattliche Erscheinung und mit 1,82 Metern auch der Höchste in diesem Vergleich. Trotzdem findet das Auge nicht leicht Halt an seinem rundlichen Blechkleid. Ganz ähnlich ist es innen: alles am richtigen Ort, alles gut, aber alles auch ohne speziellen Charme. Sitzkomfort, Platzangebot und Bedienbarkeit machen ihn zum Mister Perfect, doch dort, wo der Range mit rustikal gummierten Drehreglern zu schmeicheln versteht, sitzen im ML nur gewöhnliche Kunststoffknöpfe.

Der X6 hält, was seine äußere Form verspricht – ein BMW in Hochform. Und das im doppelten Sinn: Keiner hier ist schneller, agiler und sparsamer, keiner hat mehr PS, Drehmoment und ist sauberer – dem kernigen Reihensechszylinder sei Dank. Da kommen die V6-Maschinen von Mercedes und Range nicht mit. Auch wenn es flott um die Kurven geht, hastet die Konkurrenz vergeblich hinterher. Der X6 ist ab Werk mit dem DPC-Differenzial ausgerüstet, das die heckbetonten Antriebsmomente gezielt auf die Hinterräder verteilt. Zusammen mit der blitzschnell schaltenden Automatik (Serie), optionaler Aktivlenkung (1300 Euro) und Wankausgleich (3290 Euro) wird er zum Sportler unter den Panzern. Dafür ist schnell Ende im Gelände, und der BMW-Fahrer muss umsteigen. Am besten in den Range Rover. Denn der hat das serienmäßige Terrain-Response-System mit Anpassungsmöglichkeiten für Schnee, Schlamm, Sand und Felsen. Wie oft das wohl in den noblen Vororten von Berlin, Hamburg oder München zum Einsatz kommt? Entscheidender sind die Fahrleistungen auf der Straße.

Sein hohes Gewicht raubt dem Range Rover jegliche Dynamik

Viel zu schwer: 2,6 Tonnen Leergewicht nagen an der Dynamik des Range Rover.

Da zeigt sich: Der Range ist schwer. Zu schwer. Mehr als 2,6 Tonnen Leergewicht bremsen seine Dynamik spürbar. Der Zusatz Sport in seinem Namen ist so optimistisch wie die Hoffnung, dass die Engländer auf ihrer Insel den Rechtsverkehr einführen oder dass Prinz Charles endlich auf den Thron verzichtet, um Mr. Bean zu beerben. Dynamiker fühlen sich anders an. Bis auf 160 km/h braucht der 190 PS starke Engländer rund 20 Sekunden länger als der BMW – eine kleine Ewigkeit. Auch Lenkung und Schaltung wirken gelassen wie ein Landlord beim Fünf-Uhr-Tee. Sein Motto hat er von Churchill: No Sports. Leider gleicht er seine Behäbigkeit nicht durch überzeugenden Abrollkomfort aus. Schlechte Fahrbahnoberflächen bringen die Karosserie ins Zittern, Schlaglöcher übertragen die optionalen 20-Zoll-Räder bis ins Lenkrad – kein schöner Zug. Besser macht er sich abseits befestigter Straßen, beim gemütlichen Kraxeln.

Der BMW X6 dagegen biegt ab auf die Autobahn und rast zum Rennlehrgang der M GmbH auf den Nürburgring. Der beste Kompromiss zwischen den beiden Extremisten ist wieder der Mercedes. Er fährt ausgeglichen, souverän und liegt auch beim Verbrauch in der Mitte. Kräftig und mit kehliger, doch nie störender Dieselstimme beschleunigt der V6-CDI den 2,4-Tonner. Wenn es sein muss, sogar bis auf 215 km/h. Die beste Seite der M-Klasse ist der Komfort. Entspannt federt das Stern-SUV über Unebenheiten aller Art, lenkt leicht, aber verzögert in Kurven ein und wechselt seine sieben Stufen gelassen – die reine Lehre von der Harmonie.

Der Blick in die Preislisten führt unweigerlich zum Schock

Einstiegsdiesel! Der Blick auf die Preisliste ist trotzdem ein Schock. Gut ausgestattet kostet der X6 stolze 61.390 Euro, die anderen beiden sind rund 3000 Euro günstiger. Mercedes macht als Einziger ein Alternativ-Angebot; der ML 280 CDI hat 34 PS weniger als der 320er, kostet aber auch mindestens 52.539 Euro. Das meiste Auto fürs Geld bietet der Sport-Range. Für 57.930 Euro sind Luftfederung und Terrain-Response-System inklusive. Mercedes verlangt für beides saftige Aufpreise (Airmatic 1999 Euro, Offroad-Paket 2130 Euro), was den ML weit über die 60.000-Euro-Marke befördert. Dafür hat er aber den besseren Wiederverkaufswert. Manchmal lohnt es sich eben, in die Zukunft zu blicken. Das gilt auch für den BMW. Der X6 xDrive 30d wird ab April mit Euro-5-Schadstoffeinstufung ausgeliefert. So gesehen, passt er also doch in unsere Zeit.

Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jörg Maltzan

Sein Herz gehört dem Range Rover: Redakteur Jörg Maltzan.

Die schweren Jungs hatten es schon mal leichter. Gern werden sie als Spritschlucker und Umweltschweine gegeißelt. Das stimmt nur bedingt. Wer so einen Brocken gern fährt, kommt mit den Einstiegs-Dieselmotoren kraftvoll und dennoch sparsam über die Runden. Das beste Sport-SUV ist der X6, die M-Klasse zeigt die vielseitigsten Talente. Mein persönlicher Favorit ist aber der Range Rover. Er ist ein gelernter Geländewagen der alten Schule. Ohne modisches Coupéheck, dafür geräumig mit tollem Allradsystem. Langsamer und sperriger als X6 und M-Klasse, verliert er den Test. Ein Verlierertyp ist er deshalb noch lange nicht.

Welches Edel-SUV das beste Gesamtpaket bietet, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen Tabellen und technischen Daten gibt es als Download im Heftarchiv.

Autor: Jörg Maltzan

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