Drei feurige Coupés im Vergleich

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Drei feurige Coupés im Vergleich

— 28.10.2008

Lichtgewalt

Ein Blick sagt mehr als tausend Worte. Ließe sich diese Floskel universell anwenden, der Dreikampf zwischen Audi TTS, Nissan 350Z und Porsche Cayman wäre schon entschieden.

In der Dämmerung kommt er am besten. Wenn die dezente Tuningaura im schwächelnden Licht verfließt, reduziert sich der Auftritt des Audi TTS auf zwei gleißendhelle LED-Balken. Dramatisch, fies, magnetisierend. Ein Blick als Räumungsbefehl für Linksspurbesatzer. Gefühlsmäßig irgendwo zwischen Humphrey Bogart und Jack Nicholson. Geparkt gibt er indes das Pokerface, outet sich zwar mit wulstiger Unterlippe, Chromgrill, versilberten Spiegelkappen, dicken Seitenschwellern und einer vierflutigen Auspuffarmada, doubelt ansonsten aber eher den kleinen Bruder. Den TTS entlarven? Eine Sache für Detailliebhaber. Anders der Cayman: Ihm grölen schon Vorschüler ein gellendes "Porsche!" hinterher. Überholprestigeträchtig, mit urtypischem Konterfei und im seitlichen Profil wie ein 911 im Liegestütz, erfüllt er Jugendträume ebenso zuverlässig, wie er sie stiftet. Zwischen Pilotenrücken und Hinterachse sägt der 2,7 Liter große Teil des Mythos: kleinvolumiger als das mittlerweile direkteinspritzende Motorendenkmal des Carrera, aber ebenso unverkennbar in Konzept und Klang.

Der Audi-Vierzylinder presst 272 PS aus zwei Litern Hubraum

Während Audi vier Töpfe zur achsparallelen Reihe sortiert, dem bekannten Zweiliter-Direkteinspritzer mithilfe 1,2 Bar Ladedruck und einem gegenüber der 200-PS-Variante gewachsenen Turbinenrad 272 exhaliert, boxen im Mittelmotor-Cayman sechs Kolben auf die Kurbelwelle ein, erackern 245 PS und eine Drehwilligkeit bis tief in die 7000er. Ganz nett, scheint da der Nissan zu unken. Zwar pfeifen die Japaner beim 350 Z auf Zwangsbeatmung und Direkteinspritzung, kombinieren stattdessen ein seit der zurückliegenden Motorenevolution bis 7500/min gedehntes Drehzahlband mit der Macht des Raumes: 3,5 Liter, verteilt auf sechs Töpfe im V-Spalier, versprechen chronischen Drehmomenthochdruck zwischen Ruhepuls und Herzrasen. Bevor nun jedoch Gerechtigkeitsverfechter den Japaner angesichts seiner 313 PS wie einen parteiischen Schiedsrichter mit Buhschmähungen eindecken und ihn eines ungerechtfertigten Leistungsvorteils bezichtigen: Audi und Porsche müssen sich den Vergleich mit der fernöstlichen Sportikone gefallen lassen.

Mit seinem günstigen Preis erscheint der Nissan fast unwirklich

Sonderangebot: Beim Verhältnis zwischen Preis und Leistung ist der 350Z unschlagbar.

Denn neben den Premiumdeutschen, deren freilich exzellent verarbeitete Sportcoupés ordentlich zur Kasse bitten, erscheint der 350 Z auf den ersten Blick so herrlich unwirklich wie ein Rolex-Chronograph zum Swatch-Preis. Ab 38.190 Euro spendiert Nissan neben dem PS-Sonderangebot auch beinahe alles Angenehme. Lediglich Kaufoptionen für Navigationssystem (2500 Euro) und die gewichtsbevorteilten Rays-Schmiederäder (1000 Euro) können erst mit dem 2400 Euro teureren Premiumpaket gebucht werden. Trotzdem, verglichen damit wirkt die Cayman-Preisliste wie seitenweise Kleingedrucktes. Als seien die gängigen Geldfresser wie 19-Zoll-Räder, Xenon-Brenner und Metalliclack nicht schon genug, schnürt Porsche selbst Segmentselbstverständlichkeiten wie einen sechsten Vorwärtsgang in ein 2142 Euro teures Sport-Paket. Eine Sechser-Box bringt der Audi TTS, der sich mit 44.900 Euro grundpreislich zwischen seinen Kontrahenten einsortiert, zwar ebenso serienmäßig mit wie 18-Zöller, Alcantara-Sitzbezüge und Xenon-Licht, verleitet Ausstattungsgourmands dennoch mit einem reichlich gedeckten Optionstisch zur Anlage weiterer Euros.

Zumindest entlohnt der TTS Gaspedalstreichler mit moderatem Treibstoffdurst. Wer schürt, kommt jedoch auch an der Zapfsäule ins Schwitzen – Downsizing-Prinzip hin oder her. Den Schmerz über saftige Tankrechnungen lindert aber ohnehin der nächste Dreh am Zündschlüssel. Während der TTS auf Anlasserkommandos frech ins Freie gurrt, der Nissan kehlig röchelnd besonders Auspuffsound-Anbeter beseelt, musiziert der Cayman so markant aus dem Trapezendrohr, dass sogar die Kleinhirne mäßigst beschlagener Zuhörer umgehend Porsche melden: Mal zirpend, mal kehlig röhrend, mal markig brüllend, kribbelt sich der Alumotor mit integrierter Trockensumpfschmierung durch die fürsorglich umarmenden Sitzlehnen bis in die Rückenmuskulatur. Lenkung und Schaltung unterstützen das Oberkörper-Workout, wagenfarbig gestaltete Zierleisten und Sicherheitsgurte schmeicheln den Pupillen. Sportwagenambiente allererster Güteklasse, dem nur die 245 PS etwas hinterherhecheln. Zumindest diesseits der 4000/min-Marke. Dort wo der TTS bereits von seinem unterschwellig zischelnden Turbo-Tsunami weggerissen wurde, der 350 Z stimm- und schubgewaltig für Hubraummacht plädiert, plagt den hochverdichteten Porsche -Boxer ein leichtes Phlegma.

Der Cayman ist im fünften Gang langsamer als der Audi im sechsten

Überraschende Schwäche: Unter 4000 Touren wirkt der Cayman etwas zahm.

Während sich der Cayman-Pilot beim Herausspurten aus Ortschaften selbst mit aufmüpfigen Kleinwagen herumärgern muss, die niederrangigen Heckkletten erst mit entschlossenem Runterschalten abschütteln kann, sieht er von seinen Kontrahenten in allen Sprintlagen nur entschwindende Hinterteile. Vor allem der TTS rammt die Profilblöcke seiner Michelins mit aller Quattro-Entschlossenheit in den Teer, knöpft dem Cayman bis Tempo 180 knappe vier Sekunden ab. Und prescht sogar beim Elastizitätsspurt im Sechsten schneller von 80 auf 120 als der Porsche im Fünften. Dass noch dieses Jahr eine RS-Variante mit 350-PS-Fünfzylinder die TT-Baureihe krönen soll, erscheint angesichts der bombastischen Leistungsentfaltung des Zweiliter-Direkteinspritzers beinahe überflüssig. Der Nissan-V6 entgegnet Gelassenheit, sprintet munter mit, bügelt den Cayman, muss sich jedoch ebenfalls der Turbo-Euphorie des Audi beugen. Von einem rassigen Sportmotor ist der Allroundsauger, dessen Derivate sich zwischenzeitlich bereits in knorrigen Geländewagen engagierten, allerdings so weit entfernt wie Tokio von Oschersleben. Drehzahlfaul ringt er mit der Massenträgheit, verleitet zum Verweilen in den langen Übersetzungen, offeriert saftigen Durchzug im großen Gang – aber dank Differenzialsperre auch genügend Power, um selbst brottrockene Abzweigungen mit Bridgestone-Gummi zu signieren.

Höchstes Driftentertainment, gepaart mit mäßiger Rennstreckenathletik: Obwohl der Nissan jedem seiner 313 PS nur knapp fünf Kilo zumutet, wirkt er in den engen Passagen der Motorsportarena behäbiger als seine athletischen Kontrahenten. Die rückmeldungsscheue Lenkung scheint im Trüben zu stochern, die schlotterige Kupplung-Getriebe-Liaison sträubt sich gegen schnelles Gängetauschen. Und auch das Ansprechverhalten des V6 erscheint selbst im Vergleich zum leicht turbolöchrigen TTS reichlich dösig. Konträr zu seinen leichtgewichtigeren Rivalen vertritt der 350 Z die Gefahren-wiegestartet- Mentalität. Keine wählbaren Setupmodi, kein Sinnieren über Dämpferhärte oder Sport-Einstellungen. Beinahe so, als spiele der Nissan-Fahrer noch mit Bauklötzen, während sich Cayman- und TTS-User interaktiv in die Sportprogramme ihrer Gefährte loggen.

Wie sich die drei Sportler auf der Rennstrecke in Oschersleben geschlagen haben, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Vergleichstest mit allen technischen Daten gibt es im Heftarchiv als pdf.

Autor: Stefan Helmreich

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