Drei Generationen Porsche 911 GT3

Drei Generationen Porsche 911 GT3

— 27.08.2009

Nimm 3!

Der Porsche 911 GT3 ist auf der Rundstrecke so beliebt wie auf der Straße. AUTO BILD SPORTSCARS fuhr drei Generationen des hochkarätigen Sportlers in Hockenheim. Zehn Jahre Feinschliff – ein Überblick auf Zeit.

Luft, Wasser und "Spiegelei"-Scheinwerfer – drei Elemente, die 1997 Porsche-Fans in Aufregung versetzten. Nicht nur, dass Porsche mit dem gerade vorgestellten Typ 996 von der Luft- auf Wasserkühlung umstellte. Auch das klassische Elfer-Design erschien manchem etwas verwässert. Weichgespült sei er außerdem, sagten die Gusseisernen, die Porsche-Fans vom alten Schlag. Doch die Verkaufszahlen zwischen 1997 und 1999 stiegen. 1999 erschien der GT3 auf dem Parkett, die Versöhnung mit Spiegelei und Wassermotor, der legitime Nachfolger der sportlichen RS-Modelle. Ohne Fahrhilfen, mit einstellbarem Fahrwerk und dem kreischenden Trompetensound eines Rennmotors. Ausgehungert waren sie wohl, die Gusseisernen in aller Welt, denn die geplanten 1350 Einheiten waren innerhalb von zwei Monaten ausverkauft. Porsche erhöhte auf 1868 Exemplare, dann war Schluss. Geschaffen als Lieblingsspielzeug für leidenschaftliche Racer, war der GT3 ein Liebhaberfahrzeug von Geburt an: hart und ehrlich, ein Porsche vom alten Schlag.

Drei GT3-Generationen treten auf dem Hockenheimring zum Vergleich an

Mit dem aktuellen GT3 steht nun die dritte Evolutionsstufe des Vollblutsportlers auf breiten Semislick-Puschen. Anlass für uns, drei Generationen der Fahrmaschine GT3 zu einem Stelldichein auf den Hockenheimring zu bitten. Die Fragestellung: Wie hat sich der Feinschliff über die Jahre auf Fahrverhalten und Rundenzeiten ausgewirkt? Mit von der Partie: Ein 996er GT3 der 1. Serie von 1999 mit 360 PS, die erste Stufe des 997er GT3 mit 415 PS von 2006, die aktuelle Variante mit 435 PS und der sensible Hintern von Rennfahrer Wolfgang Kaufmann, der die drei Boliden auf dem kleinen Kurs des Hockenheimrings auf Zeit fährt. Zunächst ein kleiner Einblick in die GT3-Philosophie. Basierend auf dem Rennmotor, den Porsche in den Rennautos 962 und GT1 einsetzte, ist der 3,6-Liter-Boxer ein Ausbund an Drehfreude, dessen rohe Präsenz schon nach dem Anlassen jeden Sportfahrer in genussvolle Vorfreude versetzt. Trockensumpfschmierung, Titanpleuel und zu Anfang eine Nockenwellenverstellung auf der Einlassseite machten den GT3 zum rennstreckentauglichen Racer ab Werk.

Der zehn Jahre alte 996-GT3 kommt direkt aus dem Porsche-Museum

Feinschliff wie etwa die Reduzierung der bewegten Massen im Motor und stetige Drehzahlerhöhungen führten zu moderaten Leistungssteigerungen von jeweils etwa 20 PS und einem Anstieg des Drehmoments. Ziel jeder Überarbeitung war, die Fahrbahrkeit des als Rennmotor homologierten Aggregats zu verbessern. Ebenfalls fester Bestandteil der GT3-DNA ist das einstellbare Fahrwerk, das seit der 997er-Generation mit der aktiven Dämpferkontrolle PASM zusammenarbeitet. Und nicht zuletzt ist bereits der erste GT3 mit überragenden (Stahl-) Bremsen ausgestattet, die auch nach mehreren heißen Runden noch kräftig zubeißen und sich vor allem auch sehr gut dosieren lassen. Das sportliche Niveau war somit von Beginn an sehr hoch. Der im Standgas lustvoll, kaum gedämpft und etwas unruhig vor sich hin rasselnde, zehn Jahre alte 996-GT3 kommt direkt aus dem Porsche -Museum und geht als Erster auf die Strecke. Die exzellenten Schalensitze waren damals ebenso mit Glattleder bezogen wie Schaltknauf und Lenkrad.

Die spartanische Mittelkonsole mit den ovalen Schaltern wirkt heute etwas altbacken; der wie ein böses Tier schnaufende, singende und sägende Sechszylinder-Boxermotor macht dagegen sofort an. Elektronische Fahrhilfen gibt es außer einem feinfühligen ABS keine, ebenso wenig waren damals Semislicks (UHP-Reifen – Ultra High Performance) ab Werk zu haben. Obwohl auch hier schon viel aerodynamische Feinarbeit drinsteckt, produziert der GT3 von 1999 noch Auftrieb. Erst mit dem 997-GT3 läutete Porsche die Groundeffekt-Ära ein. Für Wolfgang Kaufmann ist der 996-GT3 nicht der optimale Spielgefährte. "Dem 996 hat immer etwas gefehlt. Nicht so aggressiv wie die 993er-RS-Modelle, aber auch nicht ganz ohne Tücken – man lebt damit, aber meine Welt war der 996 nicht." Grundsätzlich leicht untersteuernd ausgelegt und mit einer in Mittellage spitzen Lenkung, ist der GT3 von 1999 etwas speziell. Verglichen mit seinen Nachkommen zeigt er trotz der sehr straffen Fahrwerksabstimmung Wankbewegungen und ist deutlich nervöser. Sehr schnell geht es dennoch ums Eck: Mit 1:13,97 Minuten legt Wolfgang mit dem zehn Jahre alten Prachtstück eine Top-Zeit vor.

Schon der erste 997-GT3 schlägt seinen Vorgänger um Längen

Quantensprung: Der GT3 vom Typ 997 schlägt seinen Vorgänger deutlich.

Zwei Jahre nach der Vorstellung der 6. Generation des 911 ging es auch mit dem GT3 in eine neue Runde. 2006 stellte Porsche die auf dem 997 basierende GT3-Variante vor, die eine Vielzahl von Neuigkeiten mit sich brachte: serienmäßige 19-Zoll-Räder und Semislicks, eine Traktionskontrolle, das nach wie vor einstellbare Fahrwerk wurde aktiv, aerodynamisch erzeugte der GT3 jetzt an beiden Achsen Abtrieb bei jedem Tempo. Gleichzeitig wurden Fahrwerksabstimmung und Lenkung modifiziert: die Lenkung um die Mittellage etwas indirekter, die Stabis vorn etwas weicher, hinten etwas härter, mit dem Ziel, die Fahrbarkeit zu verbessern. Ein fülligerer Drehmomentverlauf und besseres Ansprechverhalten bei niedrigen Touren: "Schon der erste 997 ist um Welten besser als der 996", erklärt Wolfgang. "Der 997 fährt sich viel präziser, untersteuert zwar auch noch leicht beim Einlenken, doch geht er viel besser und neutraler ums Eck." Und nimmt dem Ur-GT3 auf dem kleinen Kurs in Hockenheim fast zwei Sekunden ab: 1,12:12 Minuten für den 997.

Mit der aktuellen Auflage hat sich die Fahrbarkeit noch einmal verbessert

Drei Jahre später zeigt die aktuelle Evolutionsstufe des GT3 leistungsmäßig wieder einen kleinen Sprung mit großer Wirkung. Eine Hubraumerhöhung und variable Nockenwellen auf der Auslassseite machen den drehfreudigen Boxer sämiger bei geringen Drehzahlen, was beim Herausbeschleunigen aus Kurven Zeit gutmacht. Die Schaltleuchte mahnt jetzt erst kurz vor 8500 statt bei 8400 Umdrehungen wie im 2006er-GT3. Erstmals verfügt ein GT3 auch über eine Stabilitätskontrolle, die stufenweise abschaltbar ist und sehr fein regelt. Weiteren Feinschliff erfuhren auch das aktive Fahrwerk und die Aerodynamik. Ersteres wurde im Hinblick auf Stabilität und Präzision optimiert, der Abtrieb ist im Vergleich zum Vorgänger etwa doppelt so hoch. Nach den gezeiteten Runden kommt Kaufmann in die Box. "Wieder ein gewaltiger Fortschritt", sagt Wolfgang. "Bei dem spürt man in der Querspange den Abtrieb, das Untersteuern ist noch mal geringer und das Einlenken präziser, das Fahrwerk stabiler und ruhiger."

Das Ergebnis: Der aktuelle GT3 nimmt dem Vorgänger noch einmal fast 1,5 Sekunden ab. Fazit: Gute drei Sekunden liegen zwischen dem ersten und dem aktuellen GT3 auf dem kleine Kurs in Hockenheim. Mehr wiegt jedoch, wie sich Fahrbarkeit und Handling verbessert haben. Zehn Jahre sind hier eine ganze Welt.

Weitere Details zu den drei GT3-Generationen gibt es in der Bildergalerie, den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen als Download im Heftarchiv.

Autor: Ralf Kund

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