Drei Generationen Ruf CTR

Drei Generationen Ruf CTR Drei Generationen Ruf CTR

Drei Generationen Ruf CTR

— 21.11.2008

Schrei, wenn du kannst

Ob 80er-Jahre, 90er oder 21. Jahrhundert: Ruf rast durch die Dekaden. Aber Vorsicht: Vollgas in einem der drei überirdisch schnellen CTR-Boliden kann zu Blockaden in Stammhirn und Sprachzentrum führen.

Mit 58 Jahren steht Alois Ruf noch immer unter Strom – und erfasst Trends rasend schnell. Im Augenblick baut der Allgäuer Sportwagenhersteller ein Elektroauto. Und macht mit dem eRuf Modell A international Furore. Wer ein Auto mit zero Emission im Programm hat, darf auch eines mit etwas mehr Emission bauen. Und deutlich mehr Emotion. CTR 3 heißt der neue Supersportler aus einem Haus mit diesbezüglicher Tradition. Allerhöchste Zeit, ein Treffen zu arrangieren. Mit zwei Dampfhämmern, die sich zur Ruhe gesetzt zu haben schienen – CTR 1 und CTR 2. Beim Anblick des versammelten Trios komme ich mir vor, als würde ich als Sparringpartner für Vitali Klitschko, Mike Tyson und Muhammad Ali fungieren – gleichzeitig. Es ist keine Frage, dass mich ein verheerender Schwinger trifft. Die Frage ist nur, von wem die Faust stammt.

Der "Yellow Bird" wirkt, als könnte er kein Wässerchen trüben

Das Heck des CTR 3 wirkt modern, zitiert aber historische Vorbilder wie die Coupéversion des Porsche 550.

Das älteste Mitglied der Brutalo-Gang heißt CTR 1. Der steht da, als könne er kein Wässerchen trüben: gelb, schmal, klein. Unbeleckte trauen ihm zu, bei einer Oldtimer-Rallye im vorderen Mittelfeld zu landen. Oder auf kurvigen Landstraßen an einem Golf GTI dranzubleiben. Die 469 PS erahnt nur, wer um die tiefere Bedeutung des Namens "Yellow Bird" weiß. Diesen längst sagenumwobenen Namen verpasste dem Ruf-Porsche ein britischer Journalist. Ruf reizte die Maschine des damaligen 911 Turbo nicht nur aufs Äußerste aus, sondern verpflanzte sie zudem in die schmale Karosserie des 911 Carrera. Deren hintere Radhäuser weitete er um je 25 Millimeter.  Was das Gewicht betrifft, setzte Ruf eine Radikaldiät durch – und räumte den Innenraum konsequent aus. Die Standheizung stellt weniger ein Bekenntnis zur Bequemlichkeit dar als vielmehr ein probates Mittel, um Wärme abzuführen. Fronthaube, vordere Kotflügel und Türen bestehen aus Aluminium. Unterm Strich wog der CTR 1 185 Kilogramm weniger als ein Serien-911-Turbo.

Gewaltige 520 PS treiben den Ruf CTR 2 auf 340 km/h

Alois Ruf hat gut lachen: Der 58-Jährige wird 2008 rund 35 Komplettfahrzeuge und 120 Umbauten verkaufen.

Der CTR 2 kommt auf den ersten Blick deutlich dezenter daher. Was natürlich auch an seinem unauffälligeren Schwarz liegt. So trägt der monströse Heckflügel nicht zu dick auf. Der fällt nicht etwa deshalb so riesig aus, weil Alois Ruf 1996 seine Vorliebe für monströse Anbauteile entdeckte. Sondern weil der Spoiler in seinem Innern die Versorgungskanäle für beide Ladeluftkühler beherbergt. Als einziger CTR besitzt er nämlich keine seitlichen Lufteinlässe. Die Grundkonzeption ähnelt der des Vorgängers jedoch frappierend: Auch der CTR 2 basiert auf einem 911 Carrera (nur auf Kundenwunsch fand die breite Turbo-Karosserie Verwendung – wie bei unserem Fotofahrzeug). Auch er lebt auf – für damalige Verhältnisse – großem Fuß. Seine Magnesiumräder messen 19 Zoll.  Auch er baut auf dem Turbo-Motor auf und leistet dank zweier KKK-Lader gewaltige 520 PS.  Auch er verfügt über keinerlei Regenrinnen. Auch ihn gab es nur in homöopathischen Dosen – 30 Stück fanden den Weg zum Kunden. Auch ihn stabilisiert ein Überrollkäfig. Den Ruf jedoch derart gekonnt mit den Dachsäulen verschmolz, dass er die Insassen nicht stört – falls er ihnen je auffällt.

Die Abkehr vom Heckmotor

Der CTR 3 übertrifft die 1380 Kilo des CTR 2 um nur 20 Kilogramm, unterscheidet sich ansonsten aber massiv. Blieben CTR 1 und CTR 2 trotz aller Modifikationen der 911er-Grundform treu, sieht der Neue radikal anders aus. Mit dem gewöhnlichen Sportcoupé aus Zuffenhausen hat der mattgraue Extremist mit Kohlefaserkarosserie deutlich weniger gemein als mit dem Supersportler Carrera GT. Abgekupfert hat Ruf jedoch nicht. Schließlich steht das Mittelmotorkonzept bereits seit 2000. Die Abkehr vom Heckmotor kommt nicht von ungefähr. Das mittig platzierte Herz ermöglicht nicht nur eine optimale Gewichtsverteilung, sondern auch eine andere Formensprache. Anstelle des runden Porsche-Hinterns hat der CTR 3 ein lang gestrecktes Heck mit schroffen Kanten – aerodynamisch deutlich günstiger.

Hinterm Fahrer des CTR 3 schnauft ein büffelgleicher Motor

Das lange Heck mit schroffen Kanten folgt den Vorgaben des Windkanals – nicht der 911er-Tradition.

Zudem demonstriert Ruf historisches Bewusstsein: Die fließende Dachlinie zitiert das 550 Coupé – einen Porsche-Exoten der 50er-Jahre. Auf die Front des 911ers greift Ruf hingegen gern zurück. Damit präsentiert er nicht nur ein vertrautes Gesicht, sondern kann auch auf aufwendige Crashtests verzichten. Eine gewaltige Frontschürze mit riesigen Lufteinlässen lässt das Antlitz trotz der Porsche-Kulleraugen bedrohlich wirken. Details wie die Hupengitter neben den Tagfahrlichtern schlagen ein weiteres Mal die Brücke zur Ahnengalerie. Ab der A-Säule geht der Vorderwagen in einen eigenentwickelten Rohrrahmen über. Er umschließt einen büffelgleichen Motor. Dieser basiert in seinen Grundzügen – Boxerform und Biturbo – natürlich auf einem Zuffenhausener Aggregat.

Bezieht man das luxuriöse Ambiente und den mühelosen Einstieg in die Bewertung des CTR 3 mit ein, bleibt festzuhalten: Mit dem jüngsten Werk gelingt es Ruf tatsächlich, die Vorzüge von CTR 1 und 2 zu vereinen. Sensationell zügigen Vortrieb paart der Neue mit praktisch allen Annehmlichkeiten, die es braucht, um das Fahrzeug jeden Tag mit Genuss zu bewegen.

Den kompletten Vergleich der drei GTR-Generationen lesen Sie in AUTO BILD SPORTSCARS 12/2008.

Autor: Ben Arnold

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