Drei getunte BMW 335d

BMW 335d Dieselspeed BMW 335d Evotech

Drei getunte BMW 335d

— 31.03.2008

Sport, Spaß und Spar

Dieselspeed, Evotech und Wetterauer haben sich den per Biturbo befeuerten BMW 335d zur Brust genommen. Alle drei zielen auf sportliche Mobilität im ökonomischen Sinne und Fahrspaß. Wem gelingt dieser Mix am besten?

Wer sich den im Physikunterricht dargebrachten Erklärungen notorisch verschlossen hat, mag mit diesen zwei Zahlen vielleicht wenig anfangen können: 580 Newtonmeter bei 1750 Umdrehungen. Nur so viel Erhellendes dazu: Mit Vernunft hat das nichts mehr zu tun, und es bringt die Herzen von Autonarren dazu, Lambada zu tanzen. Ein Lkw-Motor mit sechs Liter Hubraum bringt gerade einmal doppelt so viel Drehmoment auf die Welle. Genug der Zahlen und Rätsel, die Rede ist vom stärksten Sechszylinder-Dieselmotor der Welt in Form des 3,0-Liter-Biturbo im BMW 335d. Und als ob das noch nicht genug Diesel-Power wäre, haben sich drei Tuner darangemacht, dem doppelt geladenen Motörchen noch ein paar Kohlen nachzulegen. Der BMW-Sechszylinder sitzt längs auf der Vorderachse, treibt die Hinterräder an und sorgt somit für ein ausgeglichenes Gewichtsverhältnis. Dieses Konstruktionsprinzip bietet die besten Voraussetzungen für dynamisches Fahren. Wer besteht die Prüfungen auf Renn- und Messstrecke sowie im Alltag am besten?

Drei bewährte Tuner machen dem Biturbo-Diesel mächtig Feuer

Dieselspeed, Evotech und Wetterauer: drei bewährte, valide Namen, geht es motor- und fahrwerkseitig ans Eingemachte. Dieselspeeds 335d leistet 340 PS und 690 Nm bei nur 1800/min, der von Evotech 335 PS und 630 Nm bei 1700/min und jener von Wetterauer 340 PS und 660 Nm bei 2000/min. So lauten die Tunerangaben. Zur Erinnerung: Das Serienherz liefert 286 PS und 580 Nm bei 1750/min. Bei allen drei Kandidaten fällt auf, dass die Maxime weniger in PS-fülligem Tuning besteht, als vielmehr auf einer Feinjustierung der Motorelektronik unter Beibehaltung möglichst moderater Alltagssitten und dennoch üppigem Drehmoment, was prinzipiell die Börse schont. Der Günstigste ist Dieselspeed (975 Euro), immerhin über 300 Euro preiswerter als der Teuerste, Wetterauer mit 1399 Euro. Doch der Preis allein ist nicht ausschlaggebend, sondern das Motorgebaren generell. Dazu zählen Leistungsentfaltung, nutzbare Drehzahlspanne, Drehmomentverlauf, Verbrauch. Positiv bei allen dreien: Die gute Sitte spontanen Turboansprechverhaltens wurde als charakteristisches Heiligtum, das Etikett der Biturbo-Maschine, gehütet, wie es der neue Papst mit dem Zölibat weiter zu tun gedenkt.

Dieselspeed liefert den stärksten Testkandidaten

Ganz vorne: Dieselspeed hängt die Konkurrenz ziemlich locker ab.

Das heißt: Alle drei Triebwerke können getrost betont untertourig gefahren werden. Die Gasannahme gestaltet sich beim Dreigestirn folglich spontan, und mit zunehmender Drehzahl schwillt die Power an. Ab etwa 1800/min münzt sie sie ohne eigentlichen Turbohammer in Vortrieb um, bis der Drehzahlmesser ab rund 4000 Umdrehungen einen automatischen Gangwechsel vornimmt. Der auffälligste Konkurrent im Vergleich ist die 335d-Limousine von Dieselspeed. Wir betonen das Wort "Limousine" dabei besonders. Denn dieses Modell ist gegenüber den Kombis um bis zu 115 Kilo leichter. Hinzu kommt mit serienmäßigen 18-Zöllern die kleinste Bereifung im Test. Statt wie üblich geändertem Steuergerät montierte der Tuner eine zwischengeschaltete Tuning-Box. Ausreichend, um mit 340 PS und 690 Newtonmetern den Stärksten 3er zum Test zu liefern. Optisches Highlight ist ohne Zweifel das Heck oder besser gesagt die mittig endenden Auspuffrohre. Dieselspeed hat dazu die Serienanlage modifi ziert, Rohre verlängert und einen Porsche GT3-Style geschaffen. Leider jedoch ohne den Sound des 911ers. An der Vorderachse macht das Auge zudem eine gerade eben in die 18-Zöller passende Sportbremsanlage aus. Die geschlitzten, 355 Millimeter großen Scheiben, die von Sechs-Kolben-Sätteln gepackt werden, stammen aus dem Hause Stoptech. Ansonsten gleicht der BMW der Werksausführung mit M-Paket.

Die Beschleunigungs- und Elastizitätsmessungen meistert der blaue Bayer als Schnellster. 5,7 Sekunden vergehen für den Sprint auf 100. Damit ist er eine halbe Sekunde schneller als das Serienpendant. Nur 15 Sekunden später liegen 200 km/h an. Auch in den Zwischensprints beeindruckt der Blaue. Von 60 bis 100 vergehen im Zwischenspurt gerade mal 3,0 Sekunden. Von 80 auf 120 braucht der Dieselspeed nur 3,5 Sekunden. Zum Vergleich: Ein Porsche 911 Turbo erledigt die Elastizitätsmessung (im vierten Gang) von 60 auf 100 in 3,5 Sekunden. Seine Schnelligkeit kann der Dieselspeed 335d auch auf der Rennstrecke optimal umsetzen. Im Motopark Oschersleben erzielt er mit 1:49,50 Minuten die beste Zeit und schrammt knapp am Titel "Schnellster Diesel Oschersleben" vorbei (Rieger BMW 330d mit Sportreifen in 1:48,98 min). Das kommt nicht von ungefähr und nicht nur von roher Leistung. Sein vom Tuner und Rennfahrer Günther Beckers abgestimmtes und komplett einstellbares Fahrwerk ist narrensicher ausgelegt. Zusammen mit 1 Grad negativem Sturz an Vorder- und Hinterachse sowie der 2650 Euro teuren Differenzialsperre erlaubt es extrem hohe Kurventempi. Kein Drift, kein Rutscher, der blaue 335d lässt sich fast wie ein Rennwagen um den Kurs dirigieren. Die Stoptech- Bremse verhilft zu extrem späten Bremspunkten. Leider sind schlechte Komforteigenschaften die Folge der Sportlichkeit.

Wie sich die Konkurrenten auf der Rennstrecke schlagen, sehen Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Vergleichstest mit allen Tabellen und technischen Daten gibt es im Heftarchiv als pdf zum Download.

Autor: Guido Naumann

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