Drei kleine Japaner im Vergleich

Suzuki Swift gegen Daihatsu Sirion und Nissan Micra Suzuki Swift gegen Daihatsu Sirion und Nissan Micra

Drei kleine Japaner im Vergleich

— 16.06.2005

Was blüht uns da?

Suzuki Swift, Daihatsu Sirion und Nissan Micra blasen zum Angriff auf Polo & Co – mit gefälliger Optik und attraktiven Preisen.

Design und Emotion hoch im Kurs

Man muß die fast schon religiöse Begeisterung der Japaner für ihr Hanami, ihr Kirschblütenfest, sicher nicht teilen. Schön anzuschauen sind die Kirschblüten allemal – eine Fahrt durchs Alte Land vor den Toren Hamburgs dürfte auch Natur-Muffel überzeugen. Diese Postkarten-Idylle steht stellvertretend für die drei japanischen Minis in unserem Vergleich. Hätten die Fernost-Flöhe noch vor wenigen Jahren einen langweiligen Kontrast abgegeben, stehen Daihatsu Sirion, Nissan Micra und Suzuki Swift heute eher in schöner Konkurrenz zu den Kirschbäumen – sie sind richtig aufgeblüht.

Keine Spur mehr von den einst gesichtslosen Blech-Bonsais, die nur billig konnten. Ohne den Preis aus den Augen verloren zu haben, stehen bei Japans Autobossen jetzt auch Design und Emotion hoch im Kurs. Da blüht Polo & Co womöglich ein verdammt heißer Sommer. Frech und fordernd stürmt der in Ungarn gebaute Swift in die Kleinwagen-Klasse. Rein optisch würde ich den 3,70 Meter kurzen Knirps sofort zum würdigen Mini-Nachfolger ehrenhalber küren. Wann, bitte, sah ein Suzuki jemals so dynamisch und süß aus?

Innen setzt sich der gute Eindruck nahtlos fort – abgesehen vom nur höhenvestellbaren Lenkrad (wie Daihatsu, Nissan). Form und Funktion kommen im Swift gleichermaßen zu ihrem Recht, das Radio im Designer-Look setzt einen schönen Akzent, die Materialien wirken bei aller Schlichtheit überzeugender als in Micra und Sirion. Dafür führt der Daihatsu seine beiden Landsleute beim Platzangebot ein wenig vor. Und das, obwohl er mit 3,60 Meter Länge rund zehn Zentimeter unter dem Maß der Konkurrenten bleibt.

Platzangebot und Variabilität

Läßt es sich vorn in allen dreien noch bequem reisen, fallen Swift und vor allem Micra hinten doch spürbar schmaler und flacher aus. Der Suzuki beweist in der zweiten Reihe aber ein Herz für lange Beine, spendiert die Lümmel-Länge aber zu Lasten des Laderaums. Mit 213 bleiben zwölf Liter weniger als im Sirion. Dazu noch die 23 (Nissan 22) Zentimeter Absatzhöhe zwischen Kofferraumboden und Ladekante – da werden Getränkekisten zur Gefahr für die Bandscheiben.

Zum wahren Einkaufsfreund schwingt sich der schnuckelige Daihatsu auf. An seinem Heck muß gerade mal ein Acht-Zentimeter-Absatz überwunden werden (was nur bei Pumps viel ist), mit einem Handgriff falten sich Bank und Lehne hinten geteilt in den Boden. Übrig bleibt eine ebene Fläche für ungebremste Lade-Lust. Die auch durch die immerhin 1,86 Meter hoch öffnende Heckklappe nicht unsanft gestoppt wird. Micra (1,79 m) und Swift (1,78 m) zwingen mich (1,97 m) hier zu tieferen Verbeugungen.

Suzuki kommt mit der klassischen (geteilten) Wickelbank. Also erst Lehne nach vorn klappen, dann die gesamte Bank senkrecht hinter die Vordersitze stellen. Erfordert mehr Arbeit und beschränkt die maximale Ladelänge stärker, funktioniert aber einwandfrei und schafft ebenfalls einen ebenen Boden.

Motor- und Fahrleistungen

Den gönnt Nissan uns leider nicht. Jedenfalls wenn die längs verschiebbare Fondbank mitfährt (500 Euro im Paket, Serie ab Acenta). Rutscht sie um 20 Zentimeter nach vorn, können hinten zwar bestenfalls noch Kinder sitzen, der Kofferraum wächst aber auf stattliche 371 Liter. Nachteil der Schieberei: Nur die Lehne läßt sich umlegen (geteilt), die Bank bleibt als festes Hindernis im Weg stehen. Den Wäschetrockner kauft man also besser mit einem der anderen Kandidaten.

Ausreichend Kraft für schwere Aufgaben bringen alle drei mit. Der 92 PS starke Suzuki liefert sich im Sprint ein beherztes Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem vier PS schwächeren Micra. Der beste Ampelstarter bleibt aber der Daihatsu, dessen 87 PS mit exakt einer Tonne Gewicht bestens zurechtkommen. Erst am Ende dreht der Swift lockerer aus als seine beiden Gegner und kann auf dem Weg zur Endgeschwindigkeit einen kleinen Vorsprung herausfahren. Was mich, ehrlich gesagt, aber nicht sehr beeindruckt. Und in der Praxis auch eine untergeordnete Rolle spielt.

Viel wichtiger: die Durchzugskraft, die flüssige Überholvorgänge ohne viel Schalthebel- Akrobatik und lärmige Drehzahlorgien ermöglicht. Hier fährt der Suzuki mit dem schwächsten Drehmoment bei höchster Drehzahl und der längsten Gesamtübersetzung hoffnungslos hinterher. Sobald das Ortsschild hinter uns liegt, wirkt der 1,3-Liter müde und gehemmt. Nur fleißige Schaltarbeit am direkten Fünfganggetriebe und hohe Drehzahlen bringen hier Besserung. Im fünften Gang braucht der Swift von 80 bis 120 km/h gegenüber dem Micra mehr als doppelt so lange, verliert auf den Sirion über elf Sekunden! Sicher, in der Praxis fahren Sie und ich nicht so, da wird ein Gang runtergeschaltet. Trotzdem: Um mit den anderen mitzuhalten, braucht der Swift deutlich höhere Drehzahlen. Das schont weder die Nerven noch den Geldbeutel.

Komfort und Fahrverhalten

Außerdem würde ich lieber in ein ESP investieren, das aber nur bei Nissan in der Aufpreisliste steht (770 Euro). Leider! Wer es nicht übertreibt, erhält mit dem Swift zwar einen angenehm zu fahrenden Mini, beladen sieht die Sache aber ganz anders aus. Dann schliddert der Swift bei abrupten Lastwechseln böse schaukelnd ins Abseits.

Etwas unharmonischer und weniger dynamisch kommt der Sirion daher, meistert den Ausweichtest aber erstaunlich neutral. Erst beladen und bei schnelleren Manövern erreichen die schmalen, hohen 14-Zoll-Räder ihre Grenzen. Der Sirion hebt dann ein Beinchen und ringt verzweifelt um Traktion.

Umgekehrte Vorzeichen dagegen beim komfortablen, aber laut abrollenden Micra. Erst mit Zuladung liegt der Nissan satt und relativ sicher, ohne zusätzliche Last an Bord läßt er sich bei schnellen Haken nur schwer kontrollieren. Was in Teilen allerdings auch auf das Konto der teigigen, verzögert ansprechenden Lenkung geht. Mit der mäßigen Lenkung können die meisten Autofahrer aber sicher besser leben als mit dem hohen Grundpreis des Micra. Der 1.4 Acenta kostet immerhin 13.660 Euro. Und damit fast 2000 Euro mehr als der Daihatsu Sirion 1.3, der für faire 11.790 Euro sogar schon Klimaanlage und Radio mitbringt.

Kosten und Ausstattungen

Als güntigstes Angebot fährt der Suzuki Swift 1.3 Club vor. Schlanke 11.490 Euro bei vernünftiger Ausstattung sind in dieser Zeit eine Ansage. Nur schade, daß die Versicherer so gar kein Herz für den Swift entdecken können. Mit der Haftpflichtklasse 17 liegt der schnittige Suzuki deutlich über seinen Mitstreitern (Daihatsu 15, Nissan 13). Da hilft es wenig, daß er für meinen Geschmack die derzeit schönste japanische Bonsai-Blüte ist.

Technische daten und Testwerte

Sirion und Micra bremsen eher schlecht als recht. Die Bremswerte des Swift sind noch akzeptabel. In der Stadt und auf der Landstraße (bis Tempo 100) entpuppt scih der sirion als Leisetreter. Ab 130 km/h wird es dafür ernsthaft laut.

Test- und Gesamtergebnis

Beim reinen Testergebnis führt der Micra die Wertung an, doch der hohe Preis läßt den Nissan beim Gesamtergebnis abrutschen. So landet er unter Berücksichtigung von Grundpreis und Wiederverkaufswert letztlich auf dem dritten Platz.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Nissan Micra, Daihatsu Sirion und Suzuki Swift. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Gerald Czajka

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