Drei Kleinwagen im Vergleich

Drei Kleinwagen im Vergleich

— 30.06.2005

Welcher ist der beste 9000-Euro-Mini?

Kleiner Preis, kleines Auto also kleine Ansprche? Zumindest fr drei Autos aus der Nachwuchsklasse gilt das nicht. Chevrolet Matiz, VW Fox und Toyota Aygo beweisen Reife.

Echter Billigheimer fr die Zweitwagenecke

Wann ist man eigentlich erwachsen? Nach der Fhrerscheinprfung? Nach dem ersten Auto oder mit der ersten Gehaltserhhung? Im Ernst: Feste Regeln, auer den gesetzlichen, gibt es nicht im wirklichen Leben. Manche sind schon mit 22 berreif, andere mit 30 noch groe Kinder.

hnliches gilt fr Autos: Allein ber den Preis oder anhand der Gre kann ich ein Modell nicht so leicht als noch nicht ausgewachsen abtun. Ein Beispiel: Den 3,83 Meter knappen VW Fox gibt es mit drei Tren, 55 PS starkem Dreizylinder-Motrchen und frei von elektronischem Schnickschnack fr jugendlich-schlanke 8950 Euro. Im Prinzip ist der Fox damit ein echter Billigheimer, ein klassischer Kandidat fr die Zweitwagenecke. Aber Volkswagen verkauft auch krftigere Fox-Versionen, die ppig und luxuris ausgestattet auf fast 17.000 Euro zu treiben wren.

Nchstes Beispiel: Chevrolet Matiz 1.0. Der nur 9490 Euro teure Koreaner ist zwar unter 3,50 Meter kurz, bietet aber fnf Pltze, jeden mit Dreipunktgurt und Kopfsttze, sowie vier Tren und einen variablen Kofferraum. Allein durch so viel innere Gre entwchst er doch irgendwie der Klein(st)wagen-Kategorie, oder?

Kosten und Ausstattungen im berblick

Dann gibt's auch noch den Toyota Aygo. Ebenfalls preiswert (ab 8950 Euro), ist der 3,41-Meter-Zwerg mit sechs Airbags bestckt, bietet Gurtstraffer und innenbelftete Bremsscheiben. Das macht ihn fr mich der manchmal sogar daran denkt, den Gurt zu vernachlssigen zum Riesen in Sachen Sicherheit.

Keine Frage, (Auen-)Gre und (Einstands-)Preis liefern keinen Hinweis auf Reife. Zumal jeder einzelne unserer Testwagen bereits die wenig verspielte 10.000-Euro-Grenze berklettert. Besonders Toyota (als Top-Variante Aygo Club, mit Extras 11.600 Euro teuer) und VW Fox (mit diversen Komfort- und Sicherheitsextras ber 12.000 Euro teuer) knacken diese Schallmauer zur Erwachsenen-Preisregion locker.

Fahrverhalten und -komfort

Jugendlicher Leichtsinn blickt dennoch durch. Und zwar bei jedem der drei Minis an unterschiedlichen Stellen. Beim Toyota zum Beispiel im Fahrverhalten. Dynamisch, auf Fahrspa und flinkes Innenstadt-Wieseln getrimmt, aber fr diese Klasse zu straff abgestimmt, hnelt der Toyota im Fahrkomfort einem echten Sportler. Denn der Aygo gibt Querfugen und Fahrbahnwellen als trockene Ste an die Passagiere weiter.

Etwas hlzern rumpelt der Japaner ber langsam durchfahrene Schlaglcher. Immerhin: Der fr einen derart kurzen Wagen ordentliche Radstand nimmt dem Aygo jegliche Nick- oder Hoppelneigung. Leider fehlt es dem Fahrwerk an Reserven in der Tragfhigkeit. Gerade einmal 315 Kilogramm Zuladung sind auch fr einen Kleinwagen arg kindisch. So drfen zwar noch vier Erwachsene mit das Gepck mte aber drauen bleiben, sobald die Personen um 80 Kilogramm wiegen sollten. Ebenfalls etwas zu unbeschwert zeigt sich der Aygo beim schnellen Ausweichen. Beim Lastwechsel zuckt das Heck. Nur spontanes Handeln und die direkte Lenkung ermglichen ein effektives Gegensteuern. Einen elektronischen Schleuderschutz (ESP) bietet Toyota fr den Aygo nicht an obwohl es ihm gut tun wrde.

Derartige Streiche heckt der Matiz nicht aus. Allein, weil er sowenig Grip an der Vorderachse aufbaut, da hektische Manver berechenbar unspektakulr in sanftem Schieben ber die kleinen Reifen enden. Dem Chevrolet fehlt dagegen Lebenserfahrung beim Thema Fahrspa. Die gefhllose, zu leichtgngige Lenkung und starke Aufbau-Bewegungen verleiden forsches Kurvenfahren bereits im Ansatz. Meine Laune verdirbt er trotzdem nicht schlielich glnzt er mit ordentlichem Platzangebot (vorn zumindest) und einwandfreier Bedienbarkeit, anstndigen Sitzen sowie guter bersicht in alle Richtungen.

Technische Daten und Testwerte

Und der Motor erfrischt mit leisem, drehfreudigem und vibrationsarmem Charakter, verbrennt dazu "gnstiges" Normalbenzin. Auch die Schaltung pat zum flotten Auftritt: Leichtgngig und ausreichend przise rutschen die fnf Gnge hinein.

Einen hnlich agilen Antrieb bietet auch der VW. Obwohl mit 55 PS deutlich schwcher als Aygo (68 PS) und Matiz (67 PS), zieht der Volkswagen beim berholmanver problemlos davon. Mit mehr Drehmoment wirkt und ist das VW-Aggregat elastischer. Trotz Leistungsdefizits. Von 80 auf 120 km/h im hchsten Gang nimmt der Fox dem Toyota gut fnf, dem Matiz sogar fast zehn Sekunden ab.

Fox bietet viel zumeist gegen Aufpreis

Die herrlich exakte Schaltung, gefhlte Vollwert-Sitze sowie der positive Raumeindruck komplettieren den Eindruck vom ganzen Klassenunterschied. Klingt doch recht erwachsen. Doch der Fox ist eher auf eine andere Art noch nicht wirklich volljhrig: Er kann nicht so gut mit Geld umgehen wie seine Mini-Kollegen. Fr Seitenairbags, Elektrische Servolenkung, eine geteilte Rckbanklehne, elektrische Fensterheber, selbst fr lackierte Stofnger verlangt er Extra-Taschengeld. Das wrde ich ihm sogar ohne Umschweife zahlen weil er ansonsten die Alterserfahrung eines Rentners besitzt.

Im problemlosen Fahrverhalten zum Beispiel, das vom (natrlich aufpreispflichtigen) ESP rigoros und uerst effektiv untersttzt wird. Auch federt der kleine VW ausgewogen, er fhrt besonders leise, bereitet in der Bedienung keine Probleme, bietet auch hinten genug Freiraum ber dem Kopf. Und: Er hat als einziger eine verschiebbare Rckbank gegen Aufpreis! Das beschert ihm einen ausgewachsenen Kofferraum oder ppige Kniefreiheit in der zweiten Reihe.

Nur schade, da es keine hinteren Tren gibt. Zumal eine Einstiegshilfe-Funktion der Vordersitze fehlt und die sehr breiten vorderen Tren in engen Parklcken leicht anecken. In einer Sache patzt der Fox dann richtig und das hat weder mit Geld noch mit Platzangebot zu tun. Man kann kaum mit geffnetem Seitenfenster fahren. Bereits bei Stadttempo sorgt der Fahrtwind fr kaum ertrgliche, pulsierende Luftschwingungen. Dieses "Wummern" kenne ich sonst nur von zurckgeschobenen Schiebedchern oder heruntergelassenen hinteren Scheiben in viertrigen Limousinen. Erst wenn die hinteren Ausstellfenster des Fox (122 Euro extra) einen Spalt offen stehen, gibt der VW-Nachwuchs endlich Ruhe. Ganz schn unreif, kleiner Fox.

Test- und Gesamtergebnis

Weniger Leistung und bescheidene Ausstattung, brigens auch bei der Sicherheit - dennoch macht der Fox in der Eigenschaftswertung das Rennen. Wenn es nach der Volljhrigkeit ginge - der Fox wre der Erfahrenste in diesem Vergleich. Er zeigt sich in den meisten Disziplinen erwachsen. Ein klarer Sieg sowohl beim Test- als auch beim Gesamtergebnis.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten fr VW Fox, Toyota Aygo und Chevrolet Matiz. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Jan Horn

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