Drei komfortable Diesel-SUV

Drei komfortable Oberklasse-SUV Drei komfortable Oberklasse-SUV

Drei komfortable Diesel-SUV

— 20.04.2006

Klasse Diesel

Die drei Diesel-Neuheiten Mercedes ML 280 CDI, Range Rover Sport 2.7 TDV6 und Volvo XC90 2.4 D5 protzen weniger mit ihren Motorleistungen von rund 190 PS, sondern mit Fahrkultur und Komfort.

Hochempfindliche Hightech-Sprinter

Es war im Jahre 1993 und ist also gar nicht so lange her. Da verkaufte Mercedes-Benz noch stolz seinen Sechszylinder-Diesel im 300er mit 113 PS. Seine 191 Nm Drehmoment rufen heute bestenfalls ein mitleidiges Lächeln hervor.

Heute sind wir dank mächtigem Turbolader und piezogesteuertem Common-Rail-Höchstdruck im ML 280 CDI bei 190 PS und 440 Nm Drehmoment angelangt. Wohlgemerkt aus nach wie vor drei Liter Hubraum. Und dabei gilt diese neue Einsteigerversion der M-Klasse quasi als Drosselversion. Denn als ansonsten völlig identischer ML 320 CDI bringt der exakt gleiche Motor 224 PS und 510 Nm Drehmoment. Allein durch eine andere Programmierung des Motorsteuergeräts. 510 Nm Drehmoment im Jahr 2006 statt 191 Nm im Jahr 1993. Geht es heutigen Dieselfahrern deshalb besser als früheren?

Der Fortschritt hinterläßt ein zwiespältiges Gefühl. Auf der einen Seite hat der Dieselmotor seine Unschuld und seinen Charakter verloren: Aus dem robusten Dauerläufer wurde ein hochempfindlicher Hightech-Sprinter. Auf der anderen Seite genießt man enorme Kraft bei noch weniger Verbrauch als früher. So rennt der ML 280 CDI recht locker 203 km/h Spitze und begnügt sich trotz zügiger Fahrweise und 2340 Kilo Leergewicht mit einem Testverbrauch von 10,6 Liter Diesel/ 100 km. Wer hätte das 1993 vorausgeahnt?

Kosten und Ausstattungen

Der gedrosselte 280er CDI spielt dabei nicht die Rolle des Renndiesels im Programm – obwohl er rasant abzieht. Dafür gibt es den 320er, der 1,8 Sekunden flotter auf Tempo 100 beschleunigt und erst bei echten 217 km/h Schluß macht. Und darüber kommt noch in diesem Jahr der 306 PS starke ML 420 CDI. Der 280er ist ein wenig anders. Durch die leichte Drosselung ist die beim 320er spürbare Turbopause nach dem Gasgeben immerhin verkleinert. Eigentlich fährt sich der 280er-Motor deshalb harmonischer. Erst recht harmoniert er mit der serienmäßigen Siebengang-Automatik, die fast immer nach niedrigem Drehzahlniveau strebt. Diese ruhige Art des Gleitens perfektionieren Karosserie und Fahrwerk des aktuellen ML.

Schon an der Basisversion mit stählernen Schraubenfedern läßt sich nichts aussetzen. Mit der Luftfederung (1868 Euro) und ihrer einstellbaren Stoßdämpfercharakteristik ergibt sich ein in diesem Segment unübertroffener Komfort, auch auf kurzen Unebenheiten wie Kanaldeckeln. Die großzügigen Sessel, das üppige Platzangebot und die wirksame Klimatisierung tun ein übriges, um das Fahren im ML 280 CDI zu einem Komforterlebnis werden zu lassen.

Range Rover begeistert mit Laufruhe

Allerdings steht der Range Rover Sport mit serienmäßiger Luftfederung dem Mercedes in Sachen Federungskomfort in nichts nach. Er führt damit trotz des Namenszusatzes Sport die Tradition des 1970 erstmals vorgestellten Range Rover weiter, der seinerzeit wie kein anderer Komfort und Geländetauglichkeit verband. Der aktuelle Range Rover Sport ähnelt von den Abmessungen stark dem Mercedes ML und paßt deshalb weit besser in diesen Vergleich als der vergleichsweise monumental auftretende große Range Rover.

Der neuere Bruder Sport basiert auf dem ebenfalls größeren Discovery 3 und hat dessen Technik geerbt. Leider aber auch sein Übergewicht. Mit einem Leergewicht von 2625 Kilo hält der Range Rover Sport in dieser Klasse den Negativrekord. Entsprechend schwer tut sich der an sich famose V-Sechszylinder-Turbodiesel. Wie der Mercedes-CDI bringt die in einem englischen Ford-Werk produzierte und von Peugeot und Ford gemeinsam entwickelte 2,7-Liter-Maschine 190 PS und 440 Nm auf den Prüfstand. Der Motor ermöglicht immerhin achtbare Fahrleistungen, wegen des Übergewichts verbraucht er aber im Schnitt 1,5 Liter mehr Dieselöl/100 km als der Mercedes.

Seine eigentliche Stärke ist nicht die Leistung, sondern seine sagenhafte Laufruhe. Wenn ein Dieselmotor es verdient hat, in einem Atemzug mit kultivierten Benzinpendants genannt zu werden, dann dieser 2,7-Liter-V6. Ob kalt oder warm, ob Leerlauf oder Vollgas, nie dringt mehr als ein dezentes Summen aus dem Motorraum. Noch mehr begeistert die fast völlig Abwesenheit von dieseltypischen Vibrationen. Selbst der ebenfalls sechszylindrige Mercedes ML 280 CDI muß sich hier leicht geschlagen geben. Insofern wirkt der Brite beim Fahren noch vornehmer als der Mercedes.

Der Komfort-Eindruck wird durch eine geschmackvolle Inneneinrichtung mit bequemen Sitzen unterstrichen. Beim Platzangebot muß man allerdings gegenüber der M-Klasse zurückstecken. Fondpassagiere haben im Briten mit fünf Zentimeter weniger Knieraum und sechs Zentimeter weniger Kopffreiheit auszukommen – werden sich darüber aber nur dann beschweren, wenn sie über 1,90 Meter messen.

XC90 nicht ganz so harmonisch

Eine Note weniger kommod als im Mercedes ML und Range Rover Sport geht es im Volvo XC90 D5 zu. Der große Schwede federt zwar objektiv gesehen wirklich komfortabel, gegen die hier angetretene Konkurrenz gerät er allerdings ins Hintertreffen. Als sportlich-straff ausgelegtes Automobil geht der Volvo freilich dennoch nicht durch. In Wahrheit ist er vorrangig auf Komfort konzipiert, tut sich aber etwas schwerer als die jüngere Konkurrenz, alle Fahrbahnunebenheiten herauszufiltern. Vor allem bei kurzen Unebenheiten bemerkt man das. Komfortable und großzügig dimensionierte Sitze machen diesen kleinen Fahrwerksnachteil allerdings fast wieder wett, denn sie sind eine Spur weicher ausgelegt als die des Mercedes.

Entscheidender für das geringere Komforterlebnis im XC90 ist nicht das Fahrwerk, sondern der Dieselmotor. Wo die jüngeren Konkurrenten inzwischen mit vibrationsarmen V-Sechsyzlindern überzeugen, arbeitet im Volvo ein Reihen-Turbodiesel mit der ungeraden Zylinderzahl fünf. Für sich betrachtet macht er seine Sache gut, weil er trotz der prinzipbedingten Schwingungen zwischen 2000 und 3000 Touren nie wirklich aufdringlich wirkt. Beim direkten Umsteigen bemerkt man den Unterschied allerdings sofort.

Dazu kommt, daß der große Volvo mit dem hubraumkleinsten Motor auskommen muß. Zwar ist das Turboloch mit der Anfahrschwäche der aktuellen 185-PS-Version nicht mehr gar so deftig wie beim früheren 163-PS-Motor, aber dennoch ein ständiger Begleiter, vor allem im Innerortsverkehr. Deshalb wirkt die 2,4-Liter-Maschine des Volvo deutlich angestrengter als die größeren Motoren der Konkurrenz. Immerhin: Trotz dieser Anstrengungen verbraucht der XC90 2.4 D5 nicht mehr als der Mercedes ML 280 CDI, wobei dem Schweden sein geringeres Leergewicht hilft.

Auch bei den Fahrleistungen braucht sich der Volvo nicht zu verstecken. Denn seine zehn Prozent weniger Drehmoment kompensiert er weitgehend durch das rund zehn Prozent niedrigere Gewicht. Ein weiterer Volvo-Vorzug ist der geräumige und zudem überdurchschnittlich variable Innenraum. Als einziger kann er außerdem mit einer dritten Sitzreihe bestellt werden.

Technische Daten und Testwerte

Auch in dieser Klasse herrscht keineswegs Einigkeit bei den Herstellern, welchem Allradsystem man denn nun den Vorzug geben sollte. Permanent bereitstehende Allradantriebe sind selbstverständlich in der SUV-Oberklasse, aber bei der Technik und damit der Umsetzung in der täglichen Fahrpraxis zeigen sich Unterschiede. Durchaus ähnlich sieht es dabei in Mercedes und Range Rover unter dem Blech aus. Da wie dort findet sich hinter dem längs eingebauten Motor und Getriebe ein Zentraldifferential mit paritätischer 50:50-Kraftaufteilung auf Vorder- und Hinterachse. Es werden also grundsätzlich stets beide Achsen mit dem gleichen Kraftanteil angetrieben.

Anders beim Volvo: Hier schließt sich neben der quer eingebauten Einheit aus Motor, Automatikgetriebe und Vorderachsdifferential ein 90-Grad-Winkelabtrieb an, der die Motorkraft via Kardanwelle auch nach hinten zum Hinterachsdifferential leitet. Zur Verteilung der Antriebskraft auf Vorder- und Hinterräder befindet sich zwischen Kardanwelle und Hinterachsdifferential eine hydraulisch-elektronische Mehrscheibenkupplung, die darüber entscheidet, ob der Volvo praktisch nur mit Frontantrieb (Kupplung geöffnet) oder mit Allradantrieb (Kupplung geschlossen) unterwegs ist.

Für 3898 Euro meistert der ML jede Strecke

In der Praxis ist der XC90 damit gut gerüstet und meistert winterliche Wege auch dann gut, wenn viel Schnee liegt. Dabei hilft ihm seine ordentliche Bodenfreiheit. Allerdings gibt es gerade beim Anfahren immer eine kleine Verzögerung, bis der Hinterradantrieb den bereits durchdrehenden Vorderrädern zu Hilfe eilt. Dies passiert bei Mercedes und Range Rover nie. Die Kraft ist hier stets sofort an beiden Achsen zur Stelle. Wenn die Wege schwieriger werden, muß sich der Volvo-Fahrer ohnehin zurückhalten, weil ihm die Geländereduktion fehlt.

Der Mercedes kommt aber auch nur dann weiter als der Volvo, wenn sein Besitzer die Extras Geländereduktion, höhenverstellbare Luftfederung und Differentialsperren angekreuzt hat. Für insgesamt 3898 Euro erkauft man sich damit beim ML deutlich mehr Souveränität im Gelände und auch bei heiklen Rangiermanövern mit schweren Anhängern.

Beim Range Rover Sport sind diese Geländeextras aufpreisfrei an Bord – verständlich bei einem Fahrzeug der Marke Land Rover. An Traktion mangelt es dem Briten wahrlich nicht, auch nicht auf schwierigem Untergrund. Allein die trotz höhenverstellbarer Luftfederung geringe Bodenfreiheit läßt ihn im Gelände häufig mit der Auspuffanlage über den Boden schrappen. Allerdings haben die Briten es verstanden, diese wirksam zu schützen.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD ALLES ALLRAD-Autor Martin Braun: Es ist schwer, den Mercedes zu schlagen, denn er gibt sich sehr ausgewogen, zeigt kaum Schwächen. Größter Nachteil des überzeugend kultivierten Range Rover Sport TDV6: Er hat immer noch keinen Rußfilter. Der preislich faire und im Unterhalt günstige Volvo fährt mangels Geländetauglichkeit hinterher.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Mercedes-Benz ML 280 CDI, Range Rover Sport 2,7 TDV6 und Volvo XC90 2.4 D5. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Martin Braun

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