Drei kompakte Coupés im Test

Renault Megané Coupé Kia pro cee'd Citroën C4 Coupé Renault Megané Coupé Kia pro cee'd Citroën C4 Coupé

Drei kompakte Diesel-Coupés im Vergleich

— 13.01.2009

Ganz schön schräg

Dieses Trio kombiniert gewagt: Coupé-Schnitt mit Vierzylinder-Diesel. Drei Typen, die auch vom Fahrer Charakter fordern. Der neue Renault Mégane im Vergleich mit Kia pro cee'd und Citroën C4.

Sind Sie bereit, für weniger Kopffreiheit mehr Geld zu bezahlen? Unpraktischere Türen in Kauf zu nehmen? Koffereinladen als Yoga-Übung zu praktizieren? Lautet Ihre Antwort wirklich dreimal ja? Ja? Ja? Okay, dann gehören Sie zu den taffen Typen, die auf jede Form von Alltagstauglichkeit pfeifen, Motto: Sind diese Coupés zu schräg, bin ich zu schwach. Oder werde es – denn das kann man bei diesen dreien. Besonders beim Blick auf die Hintern. Echte Auto-Apfelpos werben um die Käufergunst, prall und gut geformt. Das war nicht immer so ... Zum Beispiel beim Renault Mégane. Die Franzosen guckten beim dreitürigen Vorgänger so stolz auf die Kreation ihres Knickei-Hecks, verloren dabei aber komplett die Kundschaft aus den Augen. Urteil im Namen des Volkes: doofer Heck-Meck!

Mit neuem Heck will der Mégane den Massengeschmack treffen

Das soll den Kunden gefallen: neu gestaltetes Heck am Renault Mégane.

Auch deshalb trennten sich die Designer in der jüngsten Generation vom zusammengekniffenen Kofferraumdeckel und formten stattdessen einen Brigitte-Bardot-Po. Voluminöser, steiler im Abgang – das schmeckt der Masse hoffentlich besser. Mehr Klasse als Masse verspricht Citroëns C4. Der dreitürige Kompakte, der erst kürzlich ein Mini-Facelift erhielt, fährt als Abschluss eine große Glas vitrine spazieren. Ein Schaufenster der Eitelkeiten, welches Kia völlig fremd ist. Mit dem "pro cee'd" (heißt wirklich so!) appellieren die Koreaner an die konservativen Käufer. Schnörkellose Linien ziehen sich über 4,25 Meter, deutsch beeinflusst durch Designchef Peter Schreyer (früher bei Audi und VW). Die Kehrseite dieser kunstvollen Coupé-Kreationen: Dem Fahrer fehlt nach hinten Übersicht. Das Negativbeispiel in dieser Hinsicht aber liefert der Mégane. Vom Fahrlehrer in teuren Stunden eingebleute Schulterblicke enden am hinteren Seitenfenster. Renault -Piloten vertrauen blind auf die Außenspiegel. Gezwungenermaßen. Bei jeder Tour fährt das ungute Gefühl mit, anrauschende Angaser beim Überholversuch zu übersehen. Vor diesen zugespitzten Problemen verschont der Kia seine Passagiere, auch der Citroën.

Aus dem Citroën C4 möchte man nur ungern wieder aussteigen

Komfortabel, entspannt, bequem: Aus dem C4 möchte man gar nicht aussteigen.

Überhaupt schenkt der C4 für dieses Fahrzeugsegment eine Rundumsicht wie auf einem Fernsehturm. Durch die Frontscheibe liegt einem die Straße zu Füßen, durch das Glasdach (710 Euro) kommt der Himmel nah. Bis auf den kleinen Spoiler in der Heckmitte stört nichts. Dieser Mini-Bürzel zeichnet einen schwarzen Balken in den Rückspiegel, sozusagen eine jugendfreie Form des Straßen-Strichs. So rollt der Citroën als ungewolltes Zensur-Coupé durch die Landschaft, unglaublich leise und weich gefedert. Unebenheiten spürt der Fahrer kaum, der Wagen reagiert anpassungsfähig wie ein Wasserbett. Auch so wogend. Herrlich gemütlich logieren die Passagiere auf den breiten Lederpolstern. Umsteigen in eines der Konkurrenz-Modelle fällt schwer.

Denn Renault und Kia gehen spürbar giftiger ans Werk, auf der Autobahn kommt der Mégane kaum zur Ruhe. Was die Globalisierung doch alles bewirken kann. Zwar keine Einigung zwischen Nord und Süd, dafür einen Schulterschluss mit Frankreich. Denn auch der pro cee'd poltert eher ungehobelt über Querfugen. Ein glücklicheres Händchen bewies Renault bei der Abstimmung der elektrischen Servolenkung. Nichts blieb übrig vom Waschlappen-Gefühl des Vorgängers, stattdessen arbeitet die neue Version staatsmännisch verbindlich. Auch der C4 kurvt angenehm und sicher durch Serpetinen. Und – wie könnte es anders sein: ausgesprochen komfortbetont. Ohne einen Hauch von Anstrengung dreht das Lenkrad, rechts, links, vermutlich bewegt es sich durch bloßes Pusten, als Angelpunkt steht die Nabe fest. Diese Leichtigkeit des Lenkens fehlt dem Kia, auch die Genauigkeit.

Der Motor des Kia pro cee'd erzeugt viel Druck beim Anfahren

Dampf im Anzug: Der Motor des pro cee'd erinnert an den Pumpe-Düse-TDI von VW.

Bei den Motoren liefern sich die drei einen Wettkampf auf Augenhöhe. Diesel mit 140 (Citroën, Kia) beziehungsweise 130 PS, der Durchschnittsverbrauch liegt unisono unter 6,5 Litern. Trotz ähnlicher Eckdaten präsentieren sich die Vierzylinder in höchst unterschiedlicher Form. Renaults dCi 130 spielt den Forschen. Zehn PS weniger Leistung, dafür mit dem geringsten Gesamtgewicht, zieht der Renault Mégane lässiger durchs Drehzahlband; allerdings brummt er laut, besonders bei schneller Autobahnfahrt töten die lauten Fahrgeräusche jede Unterhaltung. Citroëns HDi 140 dagegen läuft ausgesprochen leise. Zwar spricht sein E-Gas langsamer an, entfaltet die Kraft aber unglaublich harmonisch. Mit dem Zweiliter-CRDi sucht Kia den Mittelweg. Beinahe an Pumpe-Düse-Motoren von VW erinnernd, dieselt er los: viel Druck beim Anfahren, kurzes Durchschnaufen, um dann die Leistungsspitze anzupeilen. Insgesamt schnürt Citroën das stimmigste Gesamtkonzept, verwöhnt dank Parfümspender mit Aroma. Wer’s mag, wird für den C4 gern etwas mehr Geld ausgeben.

Das Fazit von AUTO BILD-Redakteurin Margret Hucko

Dieses Trio beweist, dass schräg richtig schön sein kann. Renault landet mit dem neuen Mégane auf Rang zwei. Dem kompakten Franzosen fehlt es vor allem an Fahrkomfort und Übersicht. In diesen Punkten setzt der C4 Maßstäbe, ebenso bei der Laufkultur des Diesel. Kia bietet nicht nur viel Platz fürs Geld, sondern auch fünf Jahre Garantie – gutes Gefühl inklusive. 

Weitere Details zum Coupé-Vergleich finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Heftarchiv.
Fahrzeugdaten Citroën Kia Renault
Motor Vierzylinder, Turbo, vorn quer Vierzylinder, Turbo, vorn quer Vierzylinder, Turbo, vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/1 2 pro Zylinder/1
Nockenwellenantrieb Zahnriemen Zahnriemen Zahnriemen
Hubraum 1997 cm³ 1991 cm³ 1870 cm³
kW (PS) bei 1/min 103 (140)/4000 103 (140)/3800 96 (130)/3750
Nm bei 1/min 320/2000 305/1800 300/1750
Vmax 207 km/h 205 km/h 210 km/h
Getriebe 6-Gang manuell 6-Gang manuell 6-Gang manuell
Antrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Bereifung 205/50 R 17 W 225/45 R 17 W 205/50 R 17 V
Radgröße 6,5 x 17" 7,0 x 17" 7,0 x 17"
Abgas CO2 139 g/km 145 g/km 135 g/km
Verbrauch* 7,1/4,3/5,3 l 7,3/4,4/5,5 l 6,2/4,5/5,1 l
Tankinhalt 60 l/Diesel 53 l/Diesel 60 l/Diesel
Vorbeifahrgeräusch 74 dB (A) 73 dB (A) 72 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 1811/727 kg 1500/550 kg 1300/695 kg
Kofferraum 314–1083 l 340/1210 l 377/1024 l
*innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km
Messwerte Citroën Kia Renault
Beschleunigung
0–50 km/h 3,1 s 3,6 s 3,2 s
0–100 km/h 9,9 s 10,2 s 9,5 s
0–130 km/h 16,3 s 16,9 s 16,1 s
Elastizität
60–100 km/h 7,2 s (4. Gang) 6,7 s (4. Gang) 6,4 s (4. Gang)
80–120 km/h 13,5 s (6. Gang) 14,3 s (6. Gang) 11,7 s (6. Gang)
Leergewicht/Zuladung 1416/419 kg 1424/496 kg 1382/441 kg
Gewichtsverteilung v./h. 64/36 % 64/36 % 66/34 %
Wendekreis links/rechts 11,8/12,0 m 11,5/11,6 m 11,2/11,2 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 38,6 m 37,1 m 38,8 m
aus 100 km/h warm 36,2 m 37,3 m 37,8 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 61 dB (A) 61 dB (A) 61 dB (A)
bei 100 km/h 67 dB (A) 68 dB (A) 69 dB (A)
bei 130 km/h 70 dB (A) 73 dB (A) 72 dB (A)
Testverbrauch – CO2 6,1 l – 162 g/km 6,2 l – 164 g/km 6,3 l – 167 g/km
Reichweite 980 km 850 km 950 km

Autor: Margret Hucko

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.