Drei kompakte Kombis im Test

VW Golf Variant Hyundai i30 cw Peugeot 308 SW VW Golf Variant

Drei kompakte Kombis im Test

— 13.06.2008

Golf in der Zange

Die Konkurrenz schläft nicht: Der junge VW Golf Variant muss sich gegen starke Newcomer behaupten. Hyundai schickt den i30 cw, Peugeot setzt auf den brandneuen 308 SW. AUTO BILD hat die drei Kombis verglichen.

Der eine kommt von links. Aus dem Westen, Frankreich grüßt als Nachbar. Der andere kommt von rechts, aus dem Osten, vom anderen Ende der Welt, aus Korea. Egal aus welcher Richtung betrachtet – Norden, Süden, Westen, Osten – in der Zwickmühle steckt immer nur der aus der Mitte: der Golf. Bei aller Freundschaft muss VW aufpassen, nicht überrollt zu werden. Auch wenn der Variant noch ein junger Hüpfer ist (kam erst vor einem Jahr), in diesem Trio ist er tatsächlich der Älteste. Und wird bereits nächstes Jahr geliftet. Kurz gesagt (und gar nicht boshaft): grauer Panther trifft auf junge Wilde. Besonders ehrgeizig fasst Peugeot das Kombi-Thema an. In der Ausstattung Sport werfen die Franzosen beim 308 SW alles über den Haufen, was nur entfernt an Koventionen erinnert. Geteilte Rückbank? Mais, non! Abwaschbare Gummimatte? Mon Dieu! Stattdessen berauschen sie sich an Van-Ideen. Drei einzelne Sitze im Fond, Tabletts, Panorama-Glasdach und gegen Aufpreis noch zwei weitere Plätze in der dritten Reihe – oh, oui!

Im Peugeot 308 SW gibt es das volle Sicherheitsprogramm

Mit Sicherheit vollgestopft: Bei der Ausstattung des 308 SW lässt Peugeot sich nicht lumpen.

Dagegen wirken die Konzepte von Hyundai und VW wie aus der Klosterküche, Motto: das Gute von gestern. Heißt: geteilt klappbare Fondbank, Schiebedach (beim Golf immerhin in der XL-Panoramaversion) nur als Extra, weniger Möglichkeiten. Was sich auch im Preis bemerkbar macht. Mit 23.800 Euro kostet der 308 mehr als der Hyundai i30 cw (21.490 Euro), mehr auch als der – na ja – nicht eben discountverdächtige Golf (23.450 Euro). Den Kostenaufschlag darf dem Peugeot keiner übel nehmen. Schließlich floss der Mehrpreis in Sicherheit. Wie Gänseleber stopften die Franzosen den 308. Alles Gute rein, davon reichlich. Zum Beispiel Knieairbags, Notbremslicht, Regensensor und Lichtautomatik. Von so viel Großzügigkeit können die Konkurrenten nur träumen. Die investierten stattdessen in Gemütlichkeit. Zwar zündet Peugeot mit dem Glasdach ein Feuerwerk der schönen Aussichten, reißt dafür aber niemanden vom Hocker, wenn es ums Sitzen geht. Die Fond-Bestuhlung macht nur Kinder glücklich. Erwachsene halten es hier keine 200 Kilometer aus. Wer kann, zieht freiwillig in Reihe drei. Hyundai-Fahrer kratzt das nicht. Beinfreiheit auf Mittelklasse-Niveau, der Golf Variant bietet standardisiertes Kompaktmaß.

Die Stärken des Hyundai i30 liegen nicht ubedingt im Kofferraum

Der Hyundai bevorzugt das kleine Gepäck (max. 1395 Liter). Seine Stärken liegen woanders.

Dafür erlaubt sich im Cockpit keiner wirkliche Schwächen. Alle drei sind bemüht, ein luftiges Ambiente zu zaubern. Was dabei auf der Strecke bleibt, ist die Sicht nach vorn – trotz großer Windschutzscheiben. Einparken ist Gefühlssache oder Urvertrauen in funktionierende Parkpieper. Nach hinten ist die Sicht kombitypisch besser. Das Heck gehört zu den Schokoladenseiten der drei Kompakten. Hier herrscht eine Ehrlichkeit, die luxusverwöhnten Avant, T-Modellen, Touring oder Sportwagon abhanden gekommen ist. Ihre harte Währung lautet: Getränkekisten statt Golfgeschirr. Und davon passen mit 28 Cola-Kisten (12 x 0,5) als Fünfsitzer am meisten in den Peugeot. Wer einen Umzug plant, wählt 308 – oder die Nummer von Freunden, die den praktischen Kombi fahren. Auch der Golf packt einiges ein (20 Kisten; 1495 Liter), Gewerbetreibende lieben das. Allein der Hyundai bevorzugt das kleine Gepäck (max. 1395 Liter). Seine Stärken liegen woanders.

Zum Beispiel unter der Motorhaube. Der 116-PS-Diesel läuft unauffällig leise, dafür durchzugsstark. Peugeot flüstert noch leiser, dafür fehlt dem 109-PS-HDi Mumm beim Überholen. Wer den alten Golf TDI (105 PS) fährt, sehnt sich nach der Stille im Peugeot. Im Vergleich zur kultivierten Konkurrenz klingt der 1.9-Vierzylinder wie eine Dampfmaschine – irgendwie historisch, hysterisch. Und ist tatsächlich ja auch ein Auslaufmodell. Nach und nach tauscht VW alle Pumpe-Düse-Aggregate gegen Common-Rail-Motoren aus. Was bislang für den TDI sprach, war sein Knausern beim Spritverbrauch. Aber auch in diesem Punkt haben die anderen aufgeholt. 5,5 bzw. 5,6 Liter - Einstand. Große Unterschiede werden auf strapazierten Autobahnen spürbar. Mit überlegener Souveränität nimmt der Golf Variant Spurrillen auf die leichte Schulter. Kurz und schmerzlos federt er darüber hinweg. Auch der Hyundai versucht, ähnlich trocken über Unebenheiten zu rollen. Das Ergebnis: guter Wille, aber nicht so meisterlich. Peugeots 308 surft über glatte Straßen mit Gelassenheit. Tauchen Spurrillen auf, ist Frankreich in Not. Schon Kleinigkeiten bringen den Franzosen aus der Ruhe, er fängt sich leider kaum wieder ein. Was dem Wagen fehlt, ist ein stabileres Nervenkostüm.

Beim Fahrwerk setzt der VW Golf die Maßstäbe

Da macht dem Golf niemand was vor: In Sachen Fahrwerk ist der Wolfsburger nicht zu schlagen.

Unsicher fährt der 308 deshalb nicht. Er besitzt ein elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP), eine zupackende Bremse, die ihn aus Tempo 100 nach spätestens 37,3 Metern zum Stehen bringt. Nur mehr Unterstützung von der Lenkung wäre wünschenswert. Die liegt buttrig in der Hand. Präzise ist anders. Maßstäbe setzt wieder der Golf. Daran reicht die i30 -Lenkung nicht heran, die ihre Sache aber auch ganz ordentlich macht. Beim Getriebe müssen VW- und Hyundai-Fahrer mit nur fünf Gängen klar kommen. Um die Drehzahl zu senken, bietet Peugeot einen sechsten Gang an. Kompliment, da haben die Franzosen gelernt. Zwar schaltet sich der 308 weniger geschmeidig als ein Golf, aber im Vergleich zu früheren Getrieben gleicht der Fortschritt einem Wechsel von Diesel-Lok auf TGV. Für den Sieg reicht es trotzdem nicht. Am Ende gewinnt weder links noch rechts, Osten oder Westen. Sondern: der Golf. Wie immer.

Das Fazit von AUTO BILD-Redakteurin Margret Hucko

Was für tolle Kisten! Diese drei Kombis packen den Alltag bei den Hörnern. Wenn es nur um die Kofferraumeigenschaften ginge, wäre der Peugeot der Sieger. Dem Preis nach: der Hyundai. Da ein Testsieger aber eine gute Kombination aus allem mitbringen muss (Karosserie, Antrieb, Kosten), kommt keiner am Golf vorbei. Den gibt es zu günstigen Leasingkonditionen. Nur eines sollten Sie bedenken: Nächstes Jahr wird er bereits frisch gemacht.
Fahrzeugdaten Hyundai Peugeot VW
Motor Vierzylinder, Turbo vorn quer Vierzylinder, Turbo vorn quer Vierzylinder, Turbo vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2 2 pro Zylinder/1
Nockenwellenantrieb Kette Zahnriemen Zahnriemen
Hubraum 1582 cm³ 1560 cm³ 1896 cm³
kW (PS) bei 1/min 85 (116)/4000 80 (109)/4000 77 (105)/4000
Nm bei 1/min 255/1900 260**/1750 250/1900
Vmax 188 km/h 185 km/h 187 km/h
Getriebe Fünfgang manuell Sechsgang manuell Fünfgang manuell
Antrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Bereifung 205/55 R 16 H 205/55 R 16 V 205/55 R 16 H
Radgröße 6 x 16" 7 x 16" 6,5 x 16"
Abgas CO2 128 g/km 134 g/km 137 g/km
Verbrauch* 5,9/4,3/4,9 l 6,6/4,2/5,1 l 6,7/4,4/5,2 l
Tankinhalt 53 l/Diesel 60 l/Diesel 55 l/Diesel
Vorbeifahrgeräusch 72 dB (A) 72 dB (A) 72 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 1400/550 kg 1400/750 kg 1400/710 kg
Kofferraum 415–1395 l 508–1736 l 505–1495 l
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km ** mit Overboost
Preise/Ausstattung Hyundai Peugeot VW
Modell i30 cw 1.6 CRDi Comfort 308 SW HDi FAP 110 Sport Golf Variant 1.9 TDI Comfortline
Airbags Fahrer/Beif./Seiten vo. S/S/S S/S/S S/S/S
Kopfairbags vorn/hinten S/S S/S S/S
Klimaanlage/-automatik –/S S/310 € S/315 €
Automatikgetriebe 1190 € N 2100 €**
Radio S S ab 445 €
Regensensor N S 165 €***
Sitzheizung vorn N 210 € 395 €***
Xenonscheinwerfer N N 1080 €
Metalliclackierung 450 € 450 € 480 €
Preis 21.490 Euro* 23.800 Euro 23.450 Euro
S = Serie, N = nicht lieferbar, * inkl. 16“-Bereifung für 700 €, ** Doppelkupplungsgetriebe, *** Paketpreis
Kosten/Garantien Hyundai Peugeot VW
Abgasnorm Euro 4 Euro 4 Euro 4
Steuer pro Jahr 247 € 247 € 293 €
Typklassen HPF/VK/TK 20/20/22 17/17/21 16/17/21
Werkstattintervalle 20.000 km/1 Jahr 20.000 km/2 Jahre nach Anzeige/2 Jahre
Kosten Ölwechsel/Inspektion 140/260 € 120/350 € 150/360 €
Garantie/Gewährleistung Garantie Garantie Garantie
Technik/km-Begrenzung 3 Jahre/ohne 2 Jahre/ohne 2 Jahre/ohne
Garantie gegen Durchrostung 10 Jahre 12 Jahre 12 Jahre
Mobilitätsgarantie 15 Jahre 2 Jahre unbegrenzt
Messwerte Hyundai Peugeot VW
Beschleunigung
0–50 km/h 3,8 s 3,8 s 3,8 s
0–100 km/h 11,8 s 12,5 s 12,0 s
0–130 km/h 20,8 s 22,0 s 21,1 s
Elastizität
60–100 km/h 8,8 s (4. Gang) 8,4 s (4. Gang) 8,5 s (4. Gang)
80–120 km/h 13,4 s (5. Gang) 16,2 s (6. Gang) 12,7 s (5. Gang)
Leergewicht/Zuladung 1402/518 kg 1498/652 kg 1424/566 kg
Gewichtsverteilung v./h. 61/39 % 58/42 % 59/41 %
Wendekreis links/rechts 11,4/11,4 m 11,5/11,5 m 11,0/10,9 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 37,0 m 36,8 m 35,8 m
aus 100 km/h warm 38,3 m 37,3 m 36,5 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 62 dB (A) 59 dB (A) 61 dB (A)
bei 100 km/h 68 dB (A) 67 dB (A) 69 dB (A)
bei 130 km/h 72 dB (A) 72 dB (A) 71 dB (A)
Testverbrauch – CO2 5,5 l – 144 g/km 5,6 l – 147 g/km 5,6 l – 147 g/km
Reichweite 950 km 1070 km 980 km
Die Wertung Punkte max. VW Hyundai Peugeot
Karosserie
Platzangebot 30 26 25 21
Kofferraum/Variabilität 20 13 5 16
Zuladung (Anhängelast) 20 19 17 20
Sitze/Sitzposition 30 27 25 23
Raumgefühl/Rundumsicht 20 16 17 16
Ausstattung/Bedienbarkeit 30 24 26 23
Sicherheitsausstattung 30 19 20 22
Qualitätseindruck/Materialien 20 18 15 16
Zwischenergebnis 200 162 150 157
Antrieb/Fahrwerk
Motoreigenschaften 20 15 17 16
Beschleunigung/Vmax 30 18 18 17
Elastizität 20 15 15 14
Fahrverhalten 30 29 27 26
Fahrgeräusche 10 6 7 8
Fahrkomfort 20 17 15 15
Getriebe/Schaltung 20 18 16 16
Lenkung/Wendekreis 20 19 16 14
Bremsen 30 22 17 19
Zwischenergebnis 200 159 148 145
Kosten
Steuer/Versicherung 20 10 6 10
Verbrauch/Umwelt 40 38 38 38
Garantie 20 11 13 7
Wartung 20 16 14 15
Aufpreisgestaltung 10 8 4 7
Wiederverkauf* 10 10 8 9
Preis 80 32 42 31
Zwischenergebnis 200 125 125 117
*ermittelt von Bähr&Fess Forecasts/Saarbrücken
Gesamtpunktzahl 600 446 423 419
Platzierung 1. 2.** 3.
**Preis.Leistungs-Sieger

Autor: Margret Hucko

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