Drei Kurze mit 100 PS

— 23.01.2008

Rivalen der Kartbahn

Sie sind klein und fein und haben rund 100 PS. Die Kraftzwerge von Fiat, Renault und Smart setzen auf maximalen Fahrspaß bei minimalen Abmessungen. Doch welcher von ihnen hat am Ende die Stupsnase vorn?



Irgendwie knuffig sind sie alle drei. Der kurze schwarze Smart Brabus mit den feisten 17-Zöllern an der Hinterachse, der unschuldig-weiße Fiat 500 Sport, der Frauenherzen im Sturm erobert, und der sanft bespoilerte Renault Twingo GT, der im Vergleich zum Vorgänger allerdings deutlich nüchterner daherkommt. Sie treten topmotorisiert an, und das sind in der Kleinstwagenliga immerhin rund 100 PS. Höchst unterschiedlich ist jedoch die Art und Weise, wie sie die Leistung auf die Bahn bringen. Fiat bemüht hierzu einen alten Bekannten: 1,4 Liter, 16 Ventile, Maximaldrehmoment erst bei 4250 Touren. Die Papierwerte lassen es erahnen: satten Durchzug gibt’s woanders. Bei Renault zum Beispiel. Auch hier ein Triebwerk mit Tradition: Seine 1149 Kubikzentimeter mobilisierten schon den Ur-Twingo und diverse Clio-Generationen. Neu ist allerdings die Aufladung per Turbo, die dem Motor mehr als guttut. Kultiviert, ohne Turboloch und jederzeit kraftvoll zupackend, gehört er zum Besten, was man in dieser Klasse derzeit kaufen kann. Geladen ist auch der Einliter-Dreizylinder des Smart, der unter Volllast eindrucksvoll faucht und sich ein wenig wie ein halber Porsche-Turbo-Motor anhört. Auch er generiert reichlich Drehmoment und drückt – dank Hinterradantrieb – den Aufbau beim Beschleunigen ordentlich in die hinteren Federn.

Im Grenzbereich zeigt sich der Fiat 500 narrensicher

Narrensicher: Auch im Grenzbereich zeigt der Fiat 500 keinerlei Tücken.

Narrensicher: Auch im Grenzbereich zeigt der Fiat 500 keinerlei Tücken.

Das automatisierte Getriebe, ewiger Kritikpunkt bei Smart, funktioniert im Handschaltmodus erfreulich gut. In Verbindung mit dem kräftigen Motor agiert es ausreichend spontan, relativ ruckarm und mit erträglichen Schaltpausen. Der Automatikmodus ist allerdings nach wie vor unbefriedigend. Dass das Getriebe jetzt nur noch über fünf statt sechs Gänge verfügt, ist jedenfalls ein klarer Fortschritt. Genau umgekehrt verhält es sich beim Twingo: Er könnte eine drehzahl- und verbrauchssenkende sechste Welle gut gebrauchen. Die Schaltung bietet dagegen keinen Anlass zur Kritik. Ein Sechsganggetriebe bringt der Fiat 500 1.4 16V ab Werk mit. Dank kurzer Übersetzungsverhältnisse und geringer Spreizung lässt sich so die Durchzugsschwäche des Saugmotors überspielen, emsiges Rühren in der mäßig exakten Schaltung vorausgesetzt. Auf dem Grand-Prix-Kurs des Nürburgrings müssen die drei kleinen Strolche nun ihr sportliches Talent unter Beweis stellen. Den Anfang macht der kugelige Italiener. Er tritt mit optionalem ESP an, das sich nicht deaktivieren lässt. Sein Fahrwerk ist angenehm straff, hält die Seitenneigung in Kurven gering und stolpert allenfalls über derbe Querfugen. Im Grenzbereich zeigt der 500er ein vollkommen narrensicheres Fahrverhalten. Gutmütig untersteuernd zieht er seine Bahn, Lastwechselreaktionen sind ihm fremd. Spät und sanft regelt das Zwangs-ESP.

Das erbarmungslose ESP raubt im Smart den Fahrspaß

Fahrspaßräuber: Das ESP greift beim Smart früh und unbarmherzig ein.

Fahrspaßräuber: Das ESP greift beim Smart früh und unbarmherzig ein.

Früh und unsanft greift dagegen der serienmäßige elektronische Schutzengel des Brabus fortwo ins Geschehen ein. Hinsichtlich der Fahrsicherheit des aufgrund seines kurzen Radstands gehandikapten Fortwo geht Smart keine Kompromisse ein. Das bedeutet auf der anderen Seite, dass der kleine Zweisitzer auf der Rennstrecke eigentlich unbrauchbar ist. Denn schon bei moderater Querbeschleunigung wird dem Fahrer das Gas entzogen. Selbst am Kurvenausgang, wo man beherzt herausbeschleunigen möchte, bleibt die Drosselklappe so lange geschlossen, bis die Fuhre frei von Querkräften ist. Die extrem unterschiedliche Reifenbreite – 175er vorn, 225er hinten – soll für ein sicheres, untersteuerndes Eigenlenkverhalten sorgen. Bei Trockenheit und warmen Pneus kann man damit durchaus leben. Mit kalten Reifen auf nasser Fahrbahn ist die Untersteuerneigung dann aber doch sehr heftig. Ein weiterer konzeptbedingter Nachteil bleibt die ausgeprägte Seitenwindempfindlichkeit des Smart. Es gibt aber auch Positives vom bisher besten Fortwo zu vermelden: Beim Anbremsen aus hohen Geschwindigkeiten bleibt er trotz des kurzen Radstands erstaunlich stabil, und die Bremsanlage zeigt sich den Belastungen stets gewachsen. Verbesserungspotenzial birgt allerdings die Dosierbarkeit der Bremse. Die Sitze, im Xclusive serienmäßig beledert, bieten guten Seitenhalt und sind auch auf langen Strecken bequem.

Das kann man von den Fauteuils des Twingo nicht behaupten. Die unbefriedigende Sitzposition und die Abwesenheit von Seitenhalt passen so gar nicht zu einem Auto, das die Bezeichnung "GT" trägt. Und noch eines muss gesagt werden: Warum hat Renault als einzige Reminiszenz an den Ur-Twingo dessen unzumutbare Türöffner übernommen? Der Fiat zeigt, wie’s geht: stabile Bügeltürgriffe aus Metall. Auf der Rennstrecke geht der Twingo klar in Führung. Sein Motor hat am meisten Schmackes, das Fahrwerk offenbart sportliches Talent. Obwohl der Renault in diesem Trio die komfortabelste Abstimmung bietet und sich in Kurven kräftig neigt, erzielt er die mit Abstand besten Rundenzeiten. Willig einlenkend durcheilt er Kurven weitestgehend neutral, auf provozierte Lastwechsel reagiert er mit einer gut berechenbaren Eindrehtendenz – das ist der Stoff, aus dem schnelle Rundenzeiten gemacht werden. Dass Renault für den Twingo bisher kein ESP anbietet, ist auf der Rennstrecke kein Makel, wohl aber im alltäglichen Straßenverkehr des Jahres 2008. Die Bremsanlage des Twingo arbeitet – wie die des Smart – mit Trommeln an der Hinterachse und erweist sich als ebenso gut dosierbar wie standfest.

Mit dem Twingo GT wird das günstigste Auto Testsieger

Preiswert: Für 12.400 Euro bekommt man bei Renault mit dem Twingo GT den Testsieger dieses Vergleichs.

Preiswert: Für 12.400 Euro bekommt man bei Renault mit dem Twingo GT den Testsieger dieses Vergleichs.

Einzig der Fiat verfügt in der 100-PS-Version über Scheibenbremsen an der Hinterachse und erzielt damit die kürzesten Bremswege im Vergleich. Auch sonst war man in Turin sehr auf die Sicherheit der Fiat-500-FahrerInnen bedacht: sieben Airbags (inklusive Fahrer-Knieairbag) stehen serienmäßig Gewehr bei Fuß, bei Twingo und Fortwo Brabus Xclusive sind’s nur vier ab Werk. Eine Zumutung sind beim Fiat jedoch die kleinen und steinharten Kopfstützen sowie die fehlende Gurthöheneinstellung. Zudem sitzt der Fahrer auf den gut ausgeformten Sitzen schlicht zu hoch. Bei optionalem Panoramaschiebedach wird es für Großgewachsene eng über dem Scheitel. Materialanmutung und Verarbeitungsqualität sind bei Fiat und Smart tadellos, einzig der Twingo-Armaturenträger im Betonlook wirkt deprimierend. Das mit Abstand preisgünstigste Auto gewinnt diesen Vergleichstest. Für 12.400 Euro bekommt man bei Renault einen geräumigen, komfortablen und schnellen Kleinwagen. Über 2000 Euro mehr verlangt Fiat für den hübschen 500er, der mit vorbildlicher Fahrsicherheit glänzt. Der Smart Brabus sprengt den preislichen Rahmen endgültig: Der Zweisitzer kostet mindestens 16.490 Euro, als Xclusive gar 19.490 Euro.
Technische Daten Fiat Renault Smart
Motor R4 R4, Turbolader R3, Turbolader
Einbaulage vorn quer vorn quer hinten quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/1 4 pro Zylinder/2
Hubraum 1368 cm³ 1149 cm³ 999 cm³
Bohrung x Hub 72,0 x 84,0 mm 69,0 x 76,8 mm 72,0 x 81,8 mm
Verdichtung 10,8 :1 9,5 :1 10,0 :1
kW (PS) bei 1/min 74 (100)/6000 74 (100)/5500 72 (98)/5500
Literleistung 73 PS/Liter 87 PS/Liter 98 PS/Liter
Nm bei 1/min 131/4250 145/3000 140/3500
Antriebsart Vorderrad Vorderrad Hinterrad
Getriebe 6-Gang manuell 5-Gang manuell 5-Gang automatisiert
Bremsen vorn 257 mm/innenbelüftet 259 mm/innenbelüftet 280 mm
Bremsen hinten 240 mm Trommeln Trommeln
Radgröße vorn/hinten 6,5x16 6x15 5,5x16 / 7,5x17
Reifen vorn/hinten 195/45 R 16 185/55 R 15 175/50 R 16 / 225/35 R 17
Reifentyp Conti Premium Contact Conti Premium Contact 2 Yokohama S-Drive
Länge/Breite/Höhe 3546/1627/1488 mm 3602/1665/1470 mm 2727/1582/1532 mm
Radstand 2300 mm 2367 mm 1867 mm
Leergewicht 1111 kg 1036 kg 846 kg
Leistungsgewicht 11,1 kg/PS 10,4 kg/PS 8,6 kg/PS
Zuladung 259 kg 374 kg 204 kg
Tankvolumen 35 l 40 l 33 l
Vmax 182 km/h 185 km/h 155 km/h
Preise in Euro Fiat Renault Smart
Ausstattung
CD-Radio Serie 460 450
Klimaanlage Serie 1200 Serie
Lederausstattung 1200 Serie
Leichtmetallräder Serie Serie Serie
Metalliclackierung 400 450 340
Navigationssystem 400 530 495
Parksensoren hinten 300 231
Schiebe-/Panoramadach 850 850 Serie (Panoramadach)
Sitzheizung Serie
Tempomat 200
Serienfahrzeug ohne Extras 14.500 Euro 12.400 Euro 19.490 Euro
Messwerte Fiat Renault Smart
Beschleunigung
0– 50 km/h 3,6 s 3,2 s 3,8 s
0– 80 km/h 7,3 s 6,7 s 7,7 s
0–100 km/h 11,2 s 9,8 s 10,7 s
0–120 km/h 16,6 s 14,6 s 16,0 s
0–130 km/h 19,9 s 17,2 s 18,6 s
0–140 km/h 24,1 s 21,6 s 21,5 s
Viertelmeile
0–402,34 m 18,25 s 17,08 s 17,79 s
Elastizität
60–100 km/h im 4. Gang 8,3 s 8,4 s 7,3 s (Zwischenspurt)
80–120 km/h im 5. Gang 16,9 s 12,5 8,5 s (Zwischenspurt)
Bremsweg (Verzögerung)
100–0 km/h kalt 36,8 m (–10,5 m/s²) 42,1 m (–9,1 m/s²) 39,6 m (–9,7 m/s²)
100–0 km/h warm 37,2 m (–10,4 m/s²) 40,4 m (–9,6 m/s²) 36,9 m (–10,5 m/s²)
Testverbrauch
Ø auf 100 km 7,4 l Super 7,9 l Super 7,2 l Super Plus
Reichweite 470 km 510 km 460 km

Autor: Florian Neher

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