Vergleich Lexus IS F/BMW M3/Mercedes C 63 AMG

Mercedes C 63 AMG BMW M3

Drei Mittelklasse-Machos

— 14.02.2008

Lexus im Leistungsrausch

Bisher galt Luxus als das Spezialgebiet der japanischen Edelmarke Lexus. Ab dem 29. März kommen außerdem Lust und Leistung hinzu. Dann startet der 423 PS starke IS F, der den deutschen Mittelklasse-Machos M3 und C 63 AMG einheizen soll.

Manuel hat einen alten Golf Diesel, ist 21 und fassungslos. Als wir ihm in der Nähe von Sevilla mit dem Lexus IS F begegnen, will der Autonarr weder seinen Augen noch seinen Ohren trauen. Muskulöser Blechbody, feiste 19-Zoll-Alus in Mattschwarz, Vierrohr-Auspuff? So sieht doch kein Lexus aus. Und überhaupt klingt die japanische Luxusmarke niemals so unverschämt potent nach Power und PS. Meint Manuel. Der plötzlich nichts anderes mehr vorhat und der Test-Truppe aus Deutschland stundenlang nicht von der Seite weicht. Doch Manuel wird umdenken müssen. Genau wie die Männer von AMG und M GmbH. Denn mit dem IS F, der den zusätzlichen Buchstaben im Namen der japanischen Rennstrecke "Fuji Speedway" als seiner Geburtsstätte verdankt, meldet sich Lexus in der supersportlichen Mittelklasse zu Wort. Dort, wo die brandneue BMW M3-Limousine und der brutale Mercedes C 63 AMG in den Startlöchern scharren.

Die Mercedes-Designer kehren die inneren Werte nach außen

Der Stuttgarter mit dem auffällig aufgemotzten Blechkleid fällt auch optisch am meisten auf. Lexus und BMW setzen nach außen mehr auf dezente Dynamik, wollen auch im Hochleistungstrimm eher premium als Proll sein. Das beweist auch die ausgesprochen komplette Ausstattung des IS F. Feines Leder, DVD-Navigation, Bi-Xenon-Scheinwerfer mit Kurvenlichtfunktion und vieles mehr gehören für 69.600 Euro zur Serie. Da kann weder die M3-Limousine für 64.750 Euro noch der C 63 AMG für immerhin 67.830 Euro wirklich mithalten. Auf Knopfdruck (und ohne Aufpreis) erwacht der IS F schließlich zum Leben. Mit einem knappen, aber verheißungsvollen Bellen meldet der Fünfliter-V8 seine 423 PS zum Dienst. Und schon nach dem ersten Kilometer wird klar, dass hier kein Dienst nach Vorschrift gemeint sein kann. Motorblock und Achtstufenautomatik stammen vom Lexus-Flaggschiff LS 600h, drumherum und in den Tiefen der Elektronik tobt dagegen die reine Lust an der Leistung: leichte Titanventile, Kühler und Rückförderpumpe fürs Öl, variable Ventilsteuerung (Einlassseite elektrisch gesteuert), ein Aluminium-Ansaugsystem mit zwei Einlasskanälen, Sechs-Kolben-Brembo-Bremsen, manueller Schaltmodus mit Wandlerüberbrückung ab dem zweiten Gang.

Auf der Rennstrecke zeigt der Lexus IS F sein Talent

Auf der Rennstrecke zeigt der im Alltag zwar recht trocken federnde, aber völlig entspannt zu fahrende IS F dann, was der ganze Eifer soll. Mit dumpfem Grollen rollt der Lexus aus der Boxengasse, beschleunigt auf der Start-Ziel-Geraden mit Macht und ankert vor der 90-Grad-Rechtskurve so entschlossen, als wolle er uns aus den gut passenden Sportsitzen werfen. Blitzschnell legen die am Lenkrad montierten Schaltpaddel die passenden Gänge nach, während die Traktionskontrolle alle Schaltkreise voll zu tun hat, die 255er-Hinterräder nicht in Rauch aufgehen zu lassen. Reichlich Regelarbeit wartet auch auf die elektronische Stabilitätskontrolle. Damit unsere sportlichen Ambitionen nicht irgendwo im Kiesbett oder an der Leitplanke enden, fährt ESP natürlich bei allen drei Hecktrieblern serienmäßig mit. Auf die Aus-Tasten drücken sollten allerdings nur Profis. Denn mit so viel Dampf an der Hinterachse fährt man schneller quer als gedacht. Und manchmal eben auch schneller, als der Fahrer gegenlenken kann.

Weshalb es bei allen zusätzlich auch die Möglichkeit gibt, das ESP gerade so weit lahmzulegen, dass leichte Drifts ohne Risiken und Nebenwirkungen drin sind. Spitzen-Spaß ohne Reue, auch wenn BMW für seinen M-Drive 520 Euro extra verlangt – und das Ganze auch noch an ein Navigationssystem koppelt (ab 2300 Euro). Noch eine halbe Klasse brutaler als BMW und Lexus schiebt der C 63 AMG an. Mit seinen 457 PS aus 6,2 Liter Hubraum scheint er ganz locker die Schwerkraft zu verspotten, klingt er im Vergleich zum wahrlich fetten Lexus-Sound geradezu apokalyptisch. Noch nie war ein Stuttgarter Taxi so nah am Tourenwagen – und noch nie war eine C-Klasse so hart und unkomfortabel. Deutlich kommoder geht es da in der brandneuen M3-Limousine zu – dieser Mittelklasse-Macho taugt durchaus auch für die sportbegeisterte Familie. Mit "nur" vier Liter Hubraum und entsprechend dünnerem Sound weckt der bayerische Bolide beim Vorstart allerdings fast schon Mitleid. Zu Unrecht, wie sich wenig später herausstellt. Denn was dem BMW beim Zylinderinhalt fehlt, gleicht er mit gieriger Drehfreude und superagilem Handling auf dem Rundkurs locker wieder aus.

Den M3 sollte man niemals unterschätzen

Bis zu 8400 Touren erlaubt die M3-Maschine mit den acht Einzel-Drosselklappen, deren 420 PS hellwach auf eine Chance zum Überholen lauern und angriffslustig auf der Drehzahl-Welle surfen. Besonders auf kurvenreichen Strecken schlägt der M3 dann blitzschnell gnadenlos zu. Die präzise Lenkung findet die Ideallinie scheinbar wie von selbst, während das Sperrdifferenzial an der Hinterachse den Bayern wie eine hungrige Raubkatze auf Beutezug aus der Kurve schnellen lässt. Wer den BMW M3 in solchen Momenten womöglich unterschätzt oder nicht ernst genug nimmt, guckt verdammt schnell in seine vier Auspuffröhren. Am Ende des Tages schauen wir jedenfalls zufrieden und glücklich auf das lautstark vor sich hin knisternde Trio. Und können drei Dinge mit absoluter Sicherheit sagen. Jeder dieser drei Mittelklasse-Machos begeistert auf seine ganz eigene Art. Den Lexus IS F muss man durchaus ernst nehmen. Und selbst Manuel hat ein ganz neues Lexus-Gefühl, nachdem wir uns mit dem Gebrüll von 1300 PS aus einem Dutzend Endrohren von ihm verabschiedet haben.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka

Bravo, Lexus! Mit dem IS F müssen sich die Japaner vor M3 und C 63 AMG nicht verstecken. Und die Spitze von 270 km/h dürfte die bei 250 km/h abgeregelten Deutschen (280 km/h gegen Aufpreis) richtig pieksen. Wer bei einem knallharten Vergleich mit Messwerten vorn liegt, lässt sich jetzt noch nicht beantworten. Fakt aber ist: Spaß machen alle drei im Überfluss. Brutal der Benz, bissig der BMW und lustvoll der Lexus.
Fahrzeugdaten BMW M3 Mercedes C 63 AMG Lexus IS F
Motor V8, vorn längs V8, vorn längs V8, vorn längs
Hubraum 3999 cm³ 6208 cm³ 4969 cm³
kW (PS) bei 1/min 309 (420)/8300 336 (457)/6800 311 (423)/6600
Nm bei 1/min 400/3900 600/5000 505/5200
Vmax 250 km/h 250 km/h 270 km/h
Getriebe Sechsgang manuell 7-Stufen-Automatik 8-Stufen-Automatik
Antrieb Hinterradantrieb Hinterradantrieb Hinterradantrieb
Bereifung vo./hi. 245/40-265/40 ZR 18 235/40-255/35 ZR 18 225/40-255/35 ZR 19
Radgröße vo./hi. 8,5/9,5 x 18" 8/9 x 18" 8/9 x 19"
Verbrauch* 17,9/9,2/12,4 l 20,9/9,2/13,4 l 16,8/8,3/11,4 l
Preis 64.750 Euro 67.830 Euro 69.600 Euro
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km

Autor: Gerald Czajka

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