Drei preiswerte Kombis im Vergleich

Drei preiswerte Kombis Drei preiswerte Kombis

Drei preiswerte Kombis im Vergleich

— 03.09.2004

Helden des Alltags

Einfach praktisch und preiswert – Daewoo Nubira, Mitsubishi Lancer und Skoda Octavia streiten um die Gunst junger Familien.

"Kleine Lkw" zum Preis eines VW Golf

Ich sag's jetzt einfach mal, wie es ist: Der Nubira Wagon ist ein Traumwagen. Der Lancer Kombi auch. Der Octavia Combi sowieso. Klarer Fall, die Frau ist nicht mehr ganz dicht – werden Sie denken. Aber mal ehrlich: Es ist doch wunderbar, daß das Bettsofa Beddinge von Ikea auch noch in den Kofferraum paßt. Traumhaft, daß diese drei Kombis soviel kosten wie ein Basis-Golf (15.220 Euro), aber Platz bieten, als wären sie kleine Lkw. Im Alltag werden Octavia & Co zu Helden.

Jüngster Vertreter dieser Alltags-Alleskönner ist der Daewoo Nubira Wagon. Seine Form ist so schlicht, daß auf dem Kühlergrill auch ein Kia-Daihatsu-irgendwas-Emblem kleben könnte. Was im Umkehrschluß bedeutet: Für den Nubira muß sich keiner schämen. Er rollt so unauffällig durch die Straßen, daß Passanten ihn bereits vergessen haben, wenn sein Heck noch um die Kurve fährt.

Statt in extravagantes Styling investiert Daewoo lieber in die Serienausstattung. Seitenairbags, Nebelscheinwerfer, Dachreling, Klimaanlage, CD-Radio, elektrische Fensterheber, Gepäcknetz – alles gratis in der SX-Ausstattung für 15.200 Euro. Was zum Teil sogar bei Skoda dick in der Aufpreisliste steht.

Daewoo Nubira bräuchte dringend ESP

Dafür unterstützt den Octavia-Fahrer bei gefährlichen Manövern das elektronische Stabilitätsprogramm ESP (für Ambiente 465 Euro, in der Ausstattung Elegance sogar serienmäßig). Daewoo bietet den Rettungsanker im Nubira nicht einmal gegen Aufpreis an. Dabei bräuchte der Koreaner diese Hilfe dringend. Kommt der Kombi ins Schleudern, droht das Heck die Motorhaube zu überholen. Nur geübte Fahrer können dann den Wagen wieder einfangen.

Spätestens auf der Teststrecke wird klar: Der Nubira liebt das Laden mehr als schnelle Lenkmanöver, den Parkplatz mehr als die Pylone. Denn im Alltag schlägt er sich heldenhaft. Als Gemüse-Kästen-Pampers-Träger. Auch vollbeladen federt er souverän über Kopfsteinpflaster.

Das größte Lade-Talent steckt aber im Skoda Octavia. Im Vergleich zum Lancer (1195 Liter) und Nubira (1410 Liter) besitzt der Tscheche einen Riesen-Kofferraum (1512 Liter) und mit 565 Kilo auch die beste Zuladung. 565 Kilo, das bringen fünf Elefantenbabys auf die Waage (die aber an der Wagenhöhe von 1,46 Metern scheitern) – oder, realistischer: zwölf Sack Zement.

Octavia gefällt mit zeitlosem Blechkleid

Nach soviel Laster sieht das Auto aus der Volkswagengruppe gar nicht aus. Skoda hat es geschafft, ein zeitloses Blechkleid zu schneidern, das selbst nach sechs Jahren nicht alt aussieht. Dabei steht der Neue schon in den Startlöchern.

Skoda wird den Nachfolger auf dem Autosalon in Paris zeigen. Auch wenn Combi II Anfang 2005 in den Handel kommt, bleibt der Alte im Programm: als günstiges Sondermodell mindestens bis Ende 2005. Diese Doppelstrategie fährt die VW-Tochter bereits erfolgreich mit der alten Limousine, die als Modell "Generation I" ab 12.690 Euro immer noch angeboten wird.

In der neuen Lancer-Generation wuchs der Radstand (2,60 Meter), was sich vor allem im Fond spürbar auswirkt. Die Schultern rücken weiter auseinander, und für Kopf und Knie bleibt mehr Luft. Lässig – wie die Rückenlehnen, die sich in der Neigung verstellen lassen. Nur der Daewoo beherrscht die Kunst, bei gleichem Radstand (2,60 m) noch mehr Platz zu schaffen. Der Trick löst sich schnell auf, man muß nur die drei Kombis nebeneinander parken. Mit 4,58 Meter Länge topt der Daewoo seine Konkurrenten um bis zu zehn Zentimeter.

Beim Bremsen schwächeln alle drei

Trotzdem zeigt der Lancer das interessanteste Heck. Vom Stoßfänger bis zur Dachkante ragt eine durchgehende Lichtsäule, die blinkt, warnt und leuchtet. Außer bei Nebel. Die zwei Schlußlampen sitzen schokoladentafelgroß im lackierten Stoßfänger.

Im Innenraum bemüht sich der Japaner um die einfachste aller Faltkünste. Die Rückenlehnen fallen 60:40 geteilt nach vorn und bilden eine ebene Ladefläche – ähnlich wie im Daewoo Nubira. Im Skoda kostet der Umbau Zeit und Nerven. Anleitung für das Octavia-Origami: erst Kopfstützen rausziehen, Sitzflächen hinter den Vordersitzen verstauen, Rückenlehnen flachlegen, Kopfstützen wieder einbauen. Das ging vor sechs Jahren wohl noch nicht einfacher ...

Wer nach weiteren Alterserscheinungen beim Skoda sucht, findet müde Bremsen hinten. Trommeln sind in dieser Wagenklasse eher selten. Mitsubishi und Daewoo rüsteten ihre Kombis mit moderneren Scheiben aus, leider ohne daß der Bremsweg wirklich kürzer wird. Alle drei Testkandidaten stehen erst nach über 40 Metern. Das ist deutlich zuviel.

Technische Daten und Testwerte

Auch wenn die drei eher sachte statt sportlich fahren: Mit 98 (Mitsubishi) bis 109 PS (Daewoo) aus 1,6 Liter Hubraum zieht kein Kombi die Wurst vom Brot. Trotzdem reicht die Leistung aus, um den Alltag entspannt zu bewältigen. Beim Daewoo leider nicht so sauber, wie das die Europäische Union in Zukunft gern hätte. Der Benziner erreicht nur die Abgasnorm Euro 3, deshalb zahlen Nubira-Fahrer Steuern, wo Skoda- und Mitsubishi-Fahrer sparen.

Den agilsten Eindruck hinterläßt der Mitsubishi-Motor. Der Vierzylinder beschleunigt in zwölf Sekunden von null auf hundert, exakt gleitet der Schaltknüppel durch die Gänge – besser als bei den Konkurrenten. Nur beim Überholen tritt der Skoda (102 PS) schneller an, gefühlt machen 0,2 Sekunden jedoch keinen Unterschied. Aber auch Traumwagen müssen sich messen lassen – in Zentimetern und Sekunden.

Kosten und Ausstattungen

Das beste Preis-Leistungsverhältnis bietet eindeutig der Daewoo Nubira. Klimaanlage, CD-Radio und elektrische Fensterheber gibt's ab Werk.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteurin Margret Hucko Diese drei sind Traumwagen. Für alle, die großen Nutzen suchen statt große Emotionen. Und das zum kleinen Preis. Der Skoda Octavia ist der Älteste, aber auch Tapferste unserer Alltagshelden. Bei schwierigen Fahrmanövern reagiert er sanfter als die beiden Konkurrenten aus Asien, beim Schleppen packt er kräftiger zu. Ein nahezu perfekter Kombi-Kompromiß, der durch den (teureren) Nachfolger (ab 2005) noch verbessert werden kann.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Skoda Octavia Combi, Daewoo Nubira Wagon und Mitsbishi Lancer Kombi. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Margret Hucko

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.