Drei sportliche Kombis im Test

Skoda Octavia RS – Subaru Impreza 2.5 WRX – Volvo V50 T5 Skoda Octavia RS – Subaru Impreza 2.5 WRX – Volvo V50 T5

Drei sportliche Kombis im Test

— 03.06.2006

Schnelle Kombi-Nationen

Drei sportliche Lastesel auf der Rennstrecke: Der Volvo V50 T5 trifft auf Subaru Impreza 2.5 WRX und Skoda Octavia RS.

Drei Kombi-Sportler aus drei Ländern

"Nichts ist so, wie es scheint" – das ist nicht nur ein Film von 1999 über Computer-Hacker. Das ist auch nicht nur Al Pacinos Lieblingssatz in dem Spielfilm "Der Einsatz", bei dem er einen fiesen CIA-Ausbilder mimt. Sondern das gilt auch für drei neue Sport-Kombis aus Schweden, Japan und Tschechien: Volvo V50 T5 AWD, Subaru Impreza 2.5 WRX Kombi und Skoda Octavia RS Combi. Aber der Reihe nach ...

Spontaner Eindruck: Volvo = "Luxus". Erstens ist der Schwede zweifellos der Schönste im Trio: Seine Proportionen stimmen, obwohl er 54 Millimeter breiter und 27 Millimeter höher ist als sein Vorgänger V40, was hauptsächlich dem Seitenaufprallschutz und dem Insassenkomfort zugute kommt. Zudem ist er 34 Prozent verwindungssteifer, Front und Heck sind unverwechselbar. Zweitens macht das ganze Auto einen Eindruck, als sei es aus dem Vollen gefräst: Die Türen fallen satt ins Schloß, die Ausstattung mit Leder, Memo-Sitzen, Sechsganggetriebe und Allradantrieb läßt kaum Wünsche offen.

Der Gepäckraum faßt nur 417 bis 1307 Liter – aber mehr als ein Lifestyle-Kombi ist der V50 allemal. Drittens bietet der Volvo einen Zylinder mehr als die Konkurrenz: Unter der Haube arbeitet der 220 PS starke Fünfzylinder-Turbo, den wir auch aus dem Focus ST kennen. Viertes Luxus-Argument: 38.050 Euro kostet die nordische Kombination als Basis – dafür muß Otto Normalverbraucher lange schwitzen.

Ausstattungen und Preise

Beim Subaru stehen alle Zeichen auf "Sport". Angesichts der bedrohlichen Hutze auf der Motorhaube räumen viele Zeitgenossen freiwillig die linke Autobahnspur. Schöner ist der Impreza allerdings auch mit dem neuen Markengesicht nicht geworden. Dafür verspricht der neue, 230 PS starke Vierzylinder-Boxer mit Turbolader Zug bis zum Anschlag. Allerdings muß sich der WRX mit fünf Gängen zufriedengeben – und mit einem Kofferraumvolumen von nur 356 bis 1266 Liter. Der Basispreis: 31.000 Euro.

Beim Skoda lautet das Motto: "gutbürgerlich". Hier gibt es keine Überraschungen – weder auf den ersten noch auf den zweiten Blick. Für einen Sportkombi ist er standesgemäß motorisiert (Vierzylinder-Turbo mit 200 PS), zwölf Millimeter tiefergelegt als andere Octavia, konservativ angetrieben (Frontantrieb), familienfreundlich (Kofferraum mit 580 bis 1620 Liter Fassungsvermögen), gute Ausstattung, und das ganze Paket gibt es ab 26.990 Euro – erwartungsgemäß günstig. Mehr aber auch nicht.

Aber wir erinnern uns: Nichts ist so, wie es scheint. Das zeigt sich zwar nicht im alltäglichen Stadtbetrieb, aber sofort auf der Autobahn. Nur erschreckend mühsam erreicht der Volvo seine 230 km/h Spitze, so daß sich der Pilot fragt, ob vielleicht ein paar PS irgendwo in Schwedens Wäldern liegengeblieben sind. Den subjektiven Eindruck eines schwächelnden Fünfzylinders bestätigt die Sprintmessung: Der schwere Volvo (1620 Kilo) benötigt 7,3 Sekunden von null auf 100 km/h.

Technische Daten und V-Max

Ganz anders der Subaru: Obwohl nur zehn PS stärker und mit identischen 320 Newtonmetern schießt er in grandiosen 6,1 Sekunden auf 100 km/h. Allerdings wiegt er nur 1450 Kilo. Der Skoda (1495 Kilo) bestätigt zunächst unseren ersten Eindruck: 7,7 Sekunden für den Sprint sind passabel, aber mehr auch nicht. Die Überraschung kommt auf der Autobahn: Mit 238 km/h Endgeschwindigkeit ist der Tscheche immerhin acht km/h schneller als die Konkurrenz. Und beim Sprint auf 200 km/h muß er sich mit 33,5 Sekunden nur dem Subaru geschlagen geben (30,2 Sekunden), aber den dicken Volvo (37,6 Sekunden) läßt er weit hinter sich. Nanu?

Auf der Rennstrecke in Oschersleben wird dann vollends deutlich: Verlasse dich nie auf den ersten Anschein. Denn der auf dem Papier so starke Volvo rauscht majestätisch, aber chancenlos hinter den Kontrahenten her. Pistenknüppelei ist seine Sache nicht: Auf der Geraden erreicht der Volvo nur eine Top-Speed von 171,7 km/h, die Rundenzeit ist mit 1:57.89 Minuten nicht ausgesprochen sportlich. Dafür bleibt der Wagen in Kurven lange neutral, ehe er gutmütig über die Vorderachse schiebt. Die Ledersitze mit zuwenig Seitenhalt laden aber sowieso nicht zu allzu forscher Kurvenfahrt ein.

Für die nächste Überraschung sorgt der Subaru – bislang ganz klar Platz 1 in der Sportlichkeit. Diese Überzeugung bekommt einen erheblichen Dämpfer: Zwar hat kein Motor im Vergleich so viel Bums wie der Boxer (auf der Geraden 180,3 km/h Top-Speed), aber heftige Kurven mag das Auto überhaupt nicht. Der Wagen folgt dem Lenkeinschlag erst mit Verzögerung, dann will das Heck überholen. Beim Beschleunigen aus der Kurve zieht der Allradantrieb den Wagen wieder gerade und tut so, als wäre nichts gewesen.

Fahrleistungen und Fazit

Übrigens: Wir haben das ESP nicht abgeschaltet, weil es keines gibt. "Er könnte aber ESP gut gebrauchen", resümiert Testfahrer Dierk Müller-Sonntag, "denn der Subaru fährt sich wie ein Rallyeauto vor 15 Jahren." Die Rundenzeit von 1:55.30 Minuten wäre mit einem modernen Fahrwerk zweifellos wesentlich besser ausgefallen. Bleibt nur noch der Skoda. Über dessen harte Fahrwerkabstimmung sich bereits der eine oder andere im Alltagsbetrieb beschwert hat. Na, was soll der aufgepäppelte Tscheche denn schon können?

Mit Verlaub: alles. Das beginnt mit der Lenkung: Nicht so gut wie die im Golf GTI, aber direkter und mit besserer Rückmeldung als bei den beiden anderen Kombis. Kurven nimmt der Skoda schnell und dabei neutral, zur Not leicht untersteuernd. Bei Lastwechseln bleibt das Heck stoisch ruhig. Die Sitze sind ausgezeichnet und geben viel Seitenhalt. Die Top-Speed auf der Geraden ist mit 176,1 km/h gut, aber fabelhaft ist die Rundenzeit: Mit 1:55.34 Minuten fast so schnell wie der 30 PS und 40 Newtonmeter stärkere, leichtere und allradgetriebene Subaru. Hut ab vor dem Familien-GTI aus dem Osten. Es ist eben tatsächlich nichts so, wie es zunächst erscheint.

Fazit von AUTO BILD SPORTSCARS-Redakteur Roland Löwisch: Hätten der Schwede und der Japaner nur kleine Schwächen (wie etwa eine wellige und damit die Sinne irritierende Frontscheibe im Volvo-Testwagen, oder die störende Benzinzufuhr-Unterbrechung bei Erreichen der ausgewiesenen Höchstgeschwindigkeit im Subaru), würden sie ganz vorn mitfahren. Aber enttäuschende Temperamentlosigkeit (Volvo) und problematisches Fahrverhalten (Subaru) bei vergleichsweise hohen Preisen lassen nur einen Sieger zu: den Skoda Octavia RS. Ein unauffälliger Tausendsassa, der sein Geld wert ist.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Skoda Octavia RS Combi, Subaru Impreza 2.5 WRX Kombi und Volvo V50 T5 AWD. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Roland Löwisch

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