Drei sportliche SUVs: Test

Ford Kuga Mini Countryman Nissan Juke Ford Kuga Mini Countryman Nissan Juke

Drei sportliche SUVs: Test

— 25.05.2011

Juke Box-Hero?

Es ist Zeit für eine Schlammschlacht! Keine Sorge, nicht in Sachen Politik, sondern tatsächlich abseits des Asphalts. Der neue Nissan Juke stellt sich Mini Countryman und Ford Kuga.

Als wir Männer noch Kinder waren und draußen rumtobten, durfte es gern mal dreckig zugehen. Richtig dreckig. So, dass unsere Mütter erst beim abendlichen Abduschen in der Badewanne erleichtert feststellten, dass es sich wirklich um den eigenen Sohn handelte. Von einem erwachsenen, mitten im Leben stehenden Mann verlangt aber schon die Etikette (wenn auch die Reife eine gewisse Rolle spielen sollte), dass er sich nicht mit seinem besten Kumpel in irgendeine Baugrube verzieht, um im Matsch zu spielen oder seine Spielzeugautos zu verbuddeln. Wenn wir heutzutage der Lust an Schlammschlachten frönen wollen, gehen wir also einen intelligenteren Weg: Wir setzen uns einfach in einen Allradler, pflügen durch die matschige Pampa und bleiben dabei selbst sauber.

Überblick: Alle News und Test zum Mini Countryman

Der Countryman ist optisch typisch Mini – nur eben höhergelegt und deutlich gewachsen.

Der neueste Spross ebenjener Fahrzeugspezies hört auf den Namen Nissan Juke. Der stellt sich in unserem Vergleich dem bereits etablierten Ford Kuga und dem noch recht jungen Mini Countryman. Ein Japan-Deutschland-Duell, ausgetragen abseits befestigter Wege. Den SPORTSCARS-Bezug verlieren wir trotzdem nicht: Alle Testobjekte rollen als turbogeladene Benziner mit Leistungen zwischen 184 und 200 PS vor, dem größten im jeweiligen Modell bestellbaren Aggregat. Optisch geht in unserem Vergleichstrio auf den ersten Blick wohl am ehesten der Kuga als Feldwegmobil durch: stämmige Erscheinung, hoch aufbauend, ausgestellte Kotflügel. Der Juke wirkt da deutlich zierlicher, von vorn friedfertig durch seine tief angeordneten "Augen" blickend, von hinten in puncto Rückleuchten entfernte Erinnerungen an den Volvo XC 60 weckend. Der Mini ist optisch typisch Mini – nur eben höhergelegt und in jeder Dimension gewachsen.

Überblick: Alle News und Tests zum Ford Kuga

Dynamisch: Mit abgeschaltetem ESP lässt sich im Kuga kontrolliert um die Ecke driften.

Beginnen wir mit dem Kuga: Trotz seiner großen Räder in Kombination mit flachen Reifen macht der Ford auf dem Parcours eine gute Figur. Auch die SUV-typisch hohe Sitzposition schmälert die Fahrfreude keineswegs, nicht zuletzt dank der präzise arbeitenden Lenkung und des mit gutem Durchzug gesegneten und zugleich kernig knurrenden Fünfzylindermotors. Der Sitzseitenhalt passt und hält den Fahrer dort, wo er hingehört. Mit der Fünfstufenautomatik im S-Modus liefert der Kuga auch aus den Ecken heraus ausreichend Kraft. Das Fahrwerk ist deutlich weicher abgestimmt als bei der Testkonkurrenz und schluckt so auch schlimme Unebenheiten, nur selten schlagen die Dämpfer auf der buckeligen Strecke durch. Mit abgeschaltetem Stabilitätsprogramm lässt sich der Kuga vor Kurven gut kontrolliert querstellen, die Kraft des Fünfzylinders zieht den 1,7-Tonner anschließend behände durch den Drift. Mit 50,02 Sekunden erzielt der Ford die zweitschnellste Rundenzeit auf dem Ewald-Pauli-Ring des MSC Schlüchtern, mit 95,2 km/h Topspeed auf der Geraden belegt er ebenfalls das Mittelfeld im Testtrio.

Die wichtigsten Allradler aller Zeiten

Der Countryman fühlt sich von allen drei Testwagen subjektiv am sportlichsten an. Leider ist beim Herausbeschleunigen aus Kurven das im Vergleich zum Standard-Mini deutlich gestiegene Leergewicht zu spüren. Der aufgeladene Vierzylinder ist deshalb nicht mehr die Ausgeburt an Spontaneität, die wir vom Dreitürer kennen, und hinterlässt teils einen leicht überforderten Eindruck, wird erst jenseits der 3000 Touren munter. Hinzu kommen die teils hakelige und schwergängige Schaltung sowie die für den Offroadparcours zu geringen Federwege; die Dämpfer schlagen bei großen Wellen durch, und der Countryman verliert so an Grip. Auf dem Asphalt hingegen überzeugt der große Mini dank seines sportlich-straff abgestimmten Fahrwerks mit hohen Kurvengeschwindigkeiten. Als ärgerlich erwies sich die Tatsache, dass das elektronische Stabilitätsprogramm des Mini zwar offiziell abgeschaltet war, der Allradler aber dennoch – etwa bei langen Drifts – weiterhin elektronisch eingebremst wurde.

Überblick: Alle News und Tests zum Nissan Juke

Nicht zu schlagen: Der Nissan Juke absolviert den Rallyecross-Kurs am am schnellsten.

Das kostete Zeit und Fahrspaß, zumal man Letzteren dank der angenehm direkten Lenkung, dem guten Pedalgefühl und dem überzeugenden Seitenhalt der Sitze durchaus noch ausgeprägter erleben könnte. Mit 97,6 km/h Spitzengeschwindigkeit ist der Mini zwar deutlich schneller auf der Start-Ziel-Geraden als der Kuga, aufgrund der ungewollten Elektronikeingriffe und der teils durchschlagenden Dämpfer aber fällt er in Sachen Rundenzeit mit 50,35 Sekunden auf den dritten Rang des Trios zurück. Womit klar wäre, das Nissans Neuling Juke letztlich das schnellste SUV auf dem hessischen Testtrack war. Mit 1425 Kilogramm Leergewicht ist der Juke der Leichteste im Testwagen-Bunde (Mini: 1452, Kuga: 1732 Kilogramm), doch macht ihn das nicht allein zum Sieger unseres Vergleichs: Der kompakte Japaner vereint die positiven Eigenschaften von Kuga und Countryman und entpuppt sich so als gelungener Kompromiss aus beiden.

Weitere Details zu den drei sportlichen SUVs finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Heftarchiv.
Fahrzeugdaten Ford Mini Nissan
Motor R5, Turbo R4, Turbo R4, Turbo
Einbaulage vorn quer vorn quer vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Hubraum 2521 cm³ 1598 cm³ 1618 cm³
Bohrung x Hub 83,0 x 93,2 mm 77,0 x 85,8 mm 79,7 x 81,1 mm
Verdichtung 9,0:1 10,5:1 9,5:1
kW (PS) bei 1/min 147 (200)/6000 135 (184)/5500 140 (190)/5600
Literleistung 79 PS/l 115 PS/l 118 PS/l
Nm bei 1/min 320/1600–4000 240/1600–5000 240/2000–5600
Antriebsart Allrad Allrad Allrad
Getriebe 5-Stufen-Automatik 6-Gang manuell stufenlose Automatik
Bremsen vorn 300 mm/innenbel. 307 mm/innenbel. 296 mm/innenbel.
Bremsen hinten 302 mm 280 mm 292 mm
Radgröße vorn 8 x 19" 7 x 17" 7 x 17"
Reifengröße 235/45 R 19 205/55 R 17 215/55 R 17
Reifentyp Bridgestone Dueler H/P Sport Pirelli Cinturato P7 RFT Yokohama dB Decibel E70
Länge/Breite/Höhe 4443/1842/1677 mm 4110/1789/1561 mm 4135/1765/1565 mm
Radstand 2690 mm 2595 mm 2530 mm
Tankvolumen 66 l 47 l 50 l
Serienfahrzeug ohne Extras 32.550 Euro 27.900 Euro 25.140 Euro
Messwerte Ford Mini Nissan
Beschleunigung
0– 50 km/h 3,1 s 2,8 s 2,8 s
0–100 km/h 8,9 s 7,9 s 7,5 s
0–130 km/h 14,2 s 13,1 s 12,3 s
0–160 km/h 23,2 s 20,9 s 20,3 s
Viertelmeile
0–402,34 m 16,32 s 15,88 s 15,53 s
Höchstgeschwindigkeit
Herstellerangabe 205 km/h 210 km/h 200 km/h
Elastizität / Zwischenspurt
60–100 km/h im 4. Gang 9,0 / 4,9 s 7,0 s / – 7,3 / 3,9 s
80–120 km/h im 5. Gang 14,8 / 6,2 s 9,6 s / – 10,6 / 5,0 s
80–120 km/h im 6. Gang – / 6,2 s 12,4 s / – 19,9 / 5,0 s
Bremsweg
100–0 km/h kalt (Verzögerung) 37,4 m (–10,3 m/s²) 35,5 m (–10,9 m/s²) 38,2 m (–10,1 m/s²)
100–0 km/h warm (Verzögerung) 36,4 m (–10,6 m/s²) 35,9 m (–10,8 m/s²) 37,6 m (–10,3 m/s²)
Testverbrauch
Ø auf 100 km 11,0 l Super 7,6 l Super Plus 8,5 l Super
Reichweite 600 km 620 km 590 km
Leergewicht 1732 kg 1452 kg 1425 kg
Leistungsgewicht 8,7 kg/PS 7,9 kg/PS 7,5 kg/PS
Zuladung 398 kg 388 kg 435 kg




Autor:

Björn Marek

Fazit

Dem Nissan Juke gelingt abseits des Asphalts ein Start-Ziel-Sieg: Zugegeben, sein Design polarisiert und scheidet geschmacklich die Geister. Unter dem Blech aber ist er der ausgewogenste Vertreter in diesem Testtrio, bereitet den größten Fahrspaß, ist dazu noch am günstigsten in der Anschaffung. Der Countryman belegt den zweiten Platz; obwohl Motor und Getriebe eher enttäuschen, ist er immerhin noch günstiger und weckt mehr Emotionen als der Kuga. So bleibt dem sportlichen Ford-SUV lediglich Rang drei in diesem Test. 

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