Drei Sportlimousinen im Test

Drei Sportlimousinen im Test

— 28.02.2007

Wo wir sind, ist oben!

S8 und S 63 AMG sind die sportlichen berflieger von Audi und Mercedes. Mit neuer Automatik will der Quattroporte endlich auch dazugehren.

Lassen Sie uns mal ber etwas anderes reden als ber CO2, Feinstaub und Benzinpreise. Der Kopf mag Bluemotion oder Bluetec kaufen, aber der Bauch hat's lieber etwas emotionaler deshalb wird jetzt nicht Wasser gepredigt, sondern Wein getrunken. Der Quattroporte wre in diesem Trio bis vor Kurzem noch fehl am Platz gewesen. Was am viertrigen Maserati bisher genervt hat, war das gewhnungsbedrftige Cambiocorsa-Getriebe. Wer das Rderwerk ber Lenkradwippen mit den Zeigefingern bediente, kam mit der Knall-Auf-Fall-Ruppigkeit einigermaen klar. Doch im Automatik-Modus, der viel besser zum Charakter einer Sportlimousine passt, sorgten die verzgerten Nickbewegungen beim Hochschalten fr Unmut und Unbehagen. Das ist jetzt vorbei. Im Quattroporte Automatic tut eine klassische Sechsstufen-Automatik von ZF Dienst, die direkt mit dem Motor verblockt ist arrivederci, Transaxle. Trotzdem ndert sich die Achslastverteilung nur minimal von 47:53 zu 49:51 Prozent. Aus Kostengrnden muss die Automatikversion leider auf die Trockensumpfschmierung verzichten. Das mag im Alltag kein Beinbruch sein, ist aber ein klarer Rckschritt in Sachen Legendenbildung.

Das Herz schlgt italienisch, auch im Audi S8

Wie im Lamborghini Gallardo, der inzwischen 520 PS mobilisiert, steckt im A8 ein V10. Audi spendiert stattliche 5,2 Liter Hubraum und moderne Direkteinspritzung. Das Resultat sind 450 PS und ein maximales Drehmoment von 540 Newtonmetern 30 Nm mehr als im Lambo. Der dritte Vertreter in diesem illustren Hochdrehzahl-Bund ist der 6,2-Liter-V8 des S 63 AMG. Der bullige Vierventiler mobilisiert 525 PS und droht mit seinen 630 Nm Zpfe in die Antriebswellen zu flechten. Im Gegensatz zum noch strkeren S 65 AMG vertraut der Sauger bei der Kraftbertragung auf eine Siebenstufen-Automatik.

Budgetsprenger, Herzensbrecher, Tarnkappenracer alles dabei

Sport und Luxus: Audi S8, Maserati Quattroporte und Mercedes S 63 AMG.

Whrend bei Mercedes und Audi die Schaltpaddel am Lenkrad im Preis enthalten sind, kostet die Fingerbung bei Maserati Aufpreis. Auf den ersten Blick scheint es gar nicht so einfach, einen gemeinsamen Nenner fr diese drei Musketiere zu finden. Der Mercedes ist Sprintsieger (0100 km/h in 4,6 Sekunden) und Budgetsprenger (130.543 Euro). Der Maserati ist Ausstattungsmeister (vor allem als Executive fr 124.610 Euro) und Herzensbrecher (fragen Sie unbeteiligte Passanten). Der Audi ist Traktionsknig (quattro sei Dank) und Tarnkappenracer (Understatement pur). Wie passen diese drei kontrren Charaktere unter einen Hut? Antwort: viel besser als erwartet. Im wirklichen Leben ist man nmlich mit 400 PS kaum weniger souvern unterwegs als mit 525 PS, und die Sekunde, die bei der Beschleunigung von null auf 100 km/h zwischen dem schnellsten und dem langsamsten Straenfeger liegt, die gilt es bei niedrigen Reibwerten erst einmal von der Theorie in die Praxis herber zu retten.

Dieses Problem bringt das Dilemma des S 63 AMG auf den Punkt. Der ber zwei Tonnen schwere Silberkeil geht zwar hllisch voran, aber die Strae sollte trocken sein und nicht zu kurvig. Sobald Gefahr im Verzug ist, greift das ESP ein und stellt in einer Schnarr- und Blink-Aktion kurzerhand 200 oder 300 PS kalt. Klar, ESP kann man abschalten. Doch die Konsequenz daraus schreckt nicht nur den Gegenverkehr, sondern selbst hartgesottene Lenkradartisten. Warum? Weil der S 63 dann so quer treibt wie Alonso auf dem Weg zum Titel, und weil es weltmeisterlicher Reflexe bedarf, um den Drift ohne Kaltverformung durchzuziehen. Im Gegensatz zum kopflastigen Benz bleibt der Maserati in mittelschnellen Kurven lnger neutral doch wenn er kommt, dann kommt er mit der groen Geste des heibltigen Sdlnders. Schuld daran hat die Skyhook-Aufhngung, deren elektronische Dmpferregelung deutlich mehr Wank- und Rollbewegungen zulsst als das ABC-Fahrwerk des Mercedes oder die Luftfederung des Audi.

Groe Gesten, cooles Zuhause, vertrauensbringende Manahmen

Vorsicht vor dem Heck: Wenn der Quattroporte kommt, dann pltztlich.

In schnellen Kurven wirklich schnell sein, das fordert in der S-Klasse und im Quattroporte mehr fahrerischen Einsatz als im S8. Alle drei Autos wollen auf Zug bewegt werden, und alle drei mgen weder spte Lastwechsel noch abrupte Kurskorrekturen. Weil am Limit generell Untersteuern angesagt ist, sind zu frhes Beschleunigen und zu groe Lenkwinkel Gift fr die Linie. In engen Kurven dominiert der Frust. Die extremen Vorderachslasten lassen sich nmlich nur mit Mhe und Bedacht ums Eck wuchten, und wenn endlich die Richtung stimmt, dann hapert's an der Traktion Ausnahme S8. Der S 63 ist eine Art Cayenne Turbo S im Limousinen-Dress. Er zeigt, was machbar ist, fhrt sich aber ber Gewicht und Verbrauch teilweise selbst ad absurdum. Der identisch motorisierte E 63 AMG kostet 30.000 Euro weniger und ist fahrdynamisch mindestens ebenbrtig. Die S-Klasse besticht in diesem Vergleich vor allem durch den hohen Fahrkomfort. Der Audi ist einfach nur hart, der Maserati ist etwas zu weich gefedert und etwas zu straff gedmpft. Wir wrden den Quattroporte als Sport GT nehmen, denn diese Variante ist eindeutiger abgestimmt, bringt 20-Zoll-Gummis zum Einsatz und besitzt groe, gelochte Bremsscheiben. Die genderte Gewichtsverteilung und eine neue Servopumpe haben die Lenkung um die Mittellage gelassener gemacht. Unverndert ausgeprgt sind die Aufbaubewegungen auf schlechter Strae, wo seitliche Anregungen der Stabilitt nichts Gutes tun. Der Mercedes bremst mit seinen neuen Doppelfauststteln und mit den fetten Verbundscheiben, als ob Gewicht und Geschwindigkeit sich gegenseitig aufheben wrden. Die Lenkung spricht, anders als frher, hochsensibel an und liefert in allen Lagen direkten Fahrbahnkontakt.

Mehr Luxus als Sport: der Mercedes-Benz S 63 AMG.

Im Audi ist Geschwindigkeit keine Hexerei. Dem Handling fehlt es zwar vor allem bei Nsse an Eindeutigkeit, doch quattro ist als vertrauensbildende Manahme bei widrigen Bedingungen durch nichts zu ersetzen. Gut mit dem kompromisslosen Fahrwerk harmoniert das spontan-lineare Ansprechverhalten von Lenkung und Bremse. Die Zeiten, als sich Quattroporte-Fahrer fr ihre Wahl rechtfertigen mussten, sind definitiv vorbei. Die Automatik bietet deutlich mehr Komfort bei hoffentlich geringerem Wertverlust. Der Mercedes kann viel, aber er ist selbst als AMG-Variante mehr Luxus als Sport, mehr Status als Spa, mehr Autobahnexpress als Kurvenknstler. Der S8 von Audi ist ein cooles Zuhause fr einen charismatischen Motor. Klar bersteuern fllt ihm schwer. Aber als Gesamtkunstwerk trifft er Kopfmenschen und Bauchmenschen gleichermaen mitten ins Herz.

Fazit von AUTO BILD-Autor Georg Kacher

Endlich hat der Quattroporte das Getriebe, das er von Anfang an verdient gehabt htte. Die neue Automatik macht den Maserati zur echten Alternative in der Luxusklasse. Der Mercedes S 63 AMG ist eine mit Technik vollgepackte Fahrmaschine im XXL-Format, die allerdings bei Nsse vor Kraft kaum laufen kann. Fr Emotion sorgt im Audi S8 nicht der wenig spektakulre Allradantrieb, sondern vor allem die V10-Big-Band.# AuBi: SCS Heftarchiv ()

Autor: Georg Kacher

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