Drei Sportlimousinen im Vergleich

Audi A4 3.2 FSI quattro, BMW 330i, Mercedes-Benz C 350 Audi A4 3.2 FSI quattro, BMW 330i, Mercedes-Benz C 350

Drei Sportlimousinen im Vergleich

— 01.06.2005

Muskeln im Maßanzug

Mit ihren Sechszylinder-Limousinen A4 3.2 FSI quattro, 330i und C 350 fahren Audi, BMW und Mercedes-Benz auf Sportwagen-Niveau.

Unauffällig, aber schön (und) stark

Es muß etwa 1973 gewesen sein. Der beste Freund meines Vaters (ein Estrichleger) kaufte sich einen Mercedes 280 E. Das Ding war beige und bis auf die zu den Radhäusern herumgezogenen Heckstoßstangen und Zweichfach-Endrohre so unscheinbar wie der vier Jahre alte 200er meines Herrn Papa. Doch was für ein Unterschied! Als ich das erste Mal im "Zwoachtziger" mitfahren durfte, veränderte das meine Autowelt nachhaltig. 185 statt 95 PS waren eine Erleuchtung. Ich war zehn und wollte Estrichleger werden.

Auch 32 Jahre später hat die Masche "großer Sechszylinder in kleiner Stufenhecklimousine" nichts an Reiz verloren. Jetzt heißt die Kombination C 350 und ist nach wie vor geeignet, Porsche-Piloten zu schocken. Doch anders als einst der Strich-Acht muß sich der Benz heute nationaler Konkurrenz erwehren. Auch Audi und BMW bieten mittlerweile fette Sechszylinder für ihre kleinen Limousinen an.

Äußerlich geben alle drei den Muskelmann im Maßanzug. Motto: unauffällig, aber schön. Ihre Potenz bleibt elegant verborgen. Nur die Auspuff-Spitzen künden von der Power der Premiummodelle.

BMW gibt sich weniger dynamisch

Der jüngste Kraftprotz im Trio ist der BMW 330i. Der Name öffnet bei mir ungewollt die Schublade für Sportutensilien. Vorurteile zu pflegen ist gefährlich. Denn die optische Musterung wirft die Frage auf: Ist der neue BMW dynamischer als Audi und Mercedes?

Viel spricht dagegen. Für mich ist der Neue weniger markant. Er ist länger und breiter geworden; sein Design weniger gewagt als bei 5er und 7er. Vorn ist er klar als BMW identifizierbar, doch bei Seitenlinien und Heck scheinen die BMW-Oberen ihren Stylingchef eingebremst zu haben. Von hinten wirkt mir der 3er viel zu beliebig – eben genau das andere Extrem zum 7er. Immerhin verbessern die gewachsenen Maße Raumgefühl, Platzangebot und Sitzkomfort.

Die Primärtugenden des 330i erwartet die Kundschaft beim Fahrerlebnis. Hart aber wahr: Im neuen 330i enttäuscht der vielgelobte Reihensechszylinder. Seine 258 PS reichen zwar, um konkurrenzfähige Meßwerte zu erzielen, doch subjektiv wirkt er angestrengter und langsamer. Grund: Gegenüber A4 3.2 und C 350 hat er ein Drehmoment-Defizit von 30 beziehungsweise 50 Newtonmetern. Wer mit Audi und Mercedes mithalten will, muß den kurz übersetzten BMW ausquetschen und viel schalten. Erst ab 4500/min legt er dank Valvetronic so kräftig los, daß er ebenbürtig spurtet.

Auf kurviger Strecke souverän

Die leichtgängige Aktivlenkung (1300 Euro) ist Geschmackssache. Beim Rangieren sicher prima. Doch wer schätzt den kräftigsten 3er diesseits vom M3 wegen Einparkqualitäten? Ich jedenfalls nicht! Den Aufpreis kann man sich sparen, die Aktivlenkung ändert nichts am nervösen Geradeauslauf.

Wie schon der 320d zeigt auch der 330i hier schlechte Manieren und will permanent korrigiert werden. Bei zackigen Richtungswechseln erfüllt er dagegen die hohen Erwartungen. Auf abgesperrter Strecke mit deaktiviertem DSC wird er zur ausgeprägten Sportlimousine. Frei von Lastwechseln zieht er präzise seine Spur. Wer es beherrscht, kann den Hecktriebler zum Übersteuern provozieren.

Kurze Federwege reduzieren Schaukelbewegungen, kosten aber merklich Komfort. In Verbindung mit den Runflat-Reifen resultiert daraus ein steifbeiniges Abrollen, das auf miesen Straßen nervt. Scharfkantige Unebenheiten wie Gullydeckel dringen schlecht gefiltert in den Innenraum. Wellen und Verwerfungen meistert das Fahrwerk befriedigend.

Werksangaben und Testwerte

Auch der Audi ist keine Sänfte. Seine Federung entkoppelt die Karosserie nur geringfügig besser von der Fahrbahn als die des BMW. Klar: Mit seinem 256 PS starken V-Sechs will auch der A4 ein Spitzenathlet sein und versucht zudem, mit Allradantrieb zu punkten. Das gelingt ihm nur teilweise.

Auf trockener Straße bietet das mit Torsendifferential bestückte System keine Vorteile. Im Gegenteil: Bei scharfer Gangart schiebt der A4 kopflastig mit starker Untersteuertendenz durch enge Kurven und wirkt sperriger als BMW und Mercedes-Benz. Lastwechsel erzeugen zudem stärkeres Eigenlenkverhalten, das Heck will nach außen drehen. Auch im Nassen bietet der quattro-Audi keine bessere Fahrdynamik als die beiden Hecktriebler. Allerdings beeindruckt er beim Beschleunigen in Kurven mit narrensicherer Stabilität. Ein klares Sicherheits-Plus, das elektronische Fahrhilfen fast überflüssig macht.

Kosten und Ausstattungen

Seinen Vorsprung durch Technik demonstriert der Audi beim Interieur. Ob Sitze, Armaturen oder die solide Rastung der Schalter – bei Anmutung und Anfaßqualität ist derzeit keiner besser. Eine bemerkenswerte Entwicklung: Denn zu Strich-Acht-Zeiten war Audi noch eine langweilige Hutfahrer-Marke.

Teurer, aber besser: die C-Klasse

Heute gilt eher der Mercedes als das Altherren-Modell. Doch wie gesagt: Vorurteile zu pflegen ist gefährlich. Und so überrascht der C 350 mit ungewohnt hoher Fahrdynamik. Der V-Sechs hängt so gierig am Gas, daß er selbst V-Acht-Kunden befriedigen dürfte. Der 272-PS-Motor bleibt dabei zurückhaltend.

Wer einen C 55 AMG ins Auge faßt, sollte vorher unbedingt den C 350 probefahren. 250 km/h Spitze, 6,5 Sekunden für den Spurt auf 100 km/h. Mehr Dampf braucht keiner, die 20.000 Euro Aufpreis für den Achtzylinder kann man sich sparen. Preislich liegt der C 350 zwar deutlich über BMW und Audi, bietet dafür aber den noch souveräneren An- und Auftritt. Darüber hinaus glänzt der Mercedes-Benz mit überlegenem Komfort. Unebenheiten werden nahezu perfekt gedämpft. Sein Handling bleibt dabei verbindlich und frei von Tücken.

Eine dicke Überraschung erlebte ich auf der Rundstrecke: Dort war der C 350 eine Sekunde schneller als BMW und Audi – ein herber Schlag für die Fahrfreude-Verfechter aus Bayern. Bravo! Kritik gibt es nur für das stellenweise auftretende Rütteln in der Lenkung sowie das butterweiche Pedalgefühl beim Anbremsen von Kurven. Dank breiter Mischbereifung (225 vorn, 245 hinten) liegt der Anhalteweg auf Porsche-Niveau. Insgesamt liefert der Mercedes beim Komfort eine würdige und in Sachen Sportlichkeit eine überraschend gute Vorstellung. Und noch ein Tip: Lassen Sie das Typenschild weg. Understatement verstärkt die Verblüffung. Mein Estrichleger-Vorbild tauschte damals auch das 280 Emblem gegen eines vom 220 D aus.

Fazit und Wertung

Läßt man den hohen Grundpreis beiseite, ist der Mercedes ganz klar der Sieger des Vergleichs. Er beeindruckt mit tollen Fahrleistungen, gutem Komfort und Bremswegen auf Porsche-Niveau. Der Audi landet vor allem wegen der vergleichsweise niedrigen Unterhaltskosten ganz oben auf dem Treppchen; das perfekte Interieur setzt Maßstäbe. Und der BMW? Ausgerechnet bei den Motorleistungen patzt der Bayer. Das und die schlechten Garantiebedingungen kann er auch mit seinem niedrigen Grundpreis nicht wettmachen.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Audi A4 3.2 FSI quattro, BMW 330i und Mercedes-Benz C 350. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Jörg Maltzan

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