Drei starke Kleinwagen

Smart forfour Brabus, Seat Ibiza 1.8 20V T Cupra, Ford Fiesta ST Smart forfour Brabus, Seat Ibiza 1.8 20V T Cupra, Ford Fiesta ST

Drei starke Kleinwagen

— 23.05.2005

Ein aufgedrehtes Trio

Drei Kraftzwerge im direkten Vergleich: Smart forfour Brabus, Seat Ibiza 1.8 20V T Cupra und Ford Fiesta ST. Wer bietet am meisten fürs Geld?

Zwerge mit dicken Muskeln

Die Kleinen von nebenan könnten so lieb sein. Doch dieses Trio ist anders. Drei aufgedrehte Rabauken; eine Rasselbande, die einem keine Ruhe läßt. Dabei kommen sie aus guten Familien: Ford Fiesta, Seat Ibiza und Smart forfour sind eigentlich artige Kleinwagen. Ihre Käufer bevorzugen bürgerliche Behausungen und bringen Bares brav zur Bank. Was ist hier anders gelaufen?

Die Antwort ist eine Abfuhr auf alles Autoritäre. Aufmotzen ist angesagt. Statt Spar- gibt es Spaßtechnik, statt Trübsal Turbo und statt Hausmannskost Hubraum. Und das direkt ab Werk: Alle drei Hersteller bieten die Kraftzwerge mit vielen PS serienmäßig an.

Bei Smart trägt der forfour die Nachsilbe Brabus. Der Bottroper Ballermann-Betrieb ist offizieller Tuningpartner, und nach Art des Hauses erfolgte auch beim forfour ein erheblicher Eingriff in die Technik. Brabus treibt den serienmäßigen 1,5-Liter-Vierzylinder mittels Garrett-Turbolader von 109 auf 177 PS. Bohrung, Hub und Verdichtung wurden den geänderten Verhältnissen angepaßt. Außerdem sorgt ein Öl-Wasser-Wärmetauscher für schnelles Aufheizen des Motoröls nach dem Kaltstart und ausreichende Kühlung bei Vollgasfahrten. Und diese sind beeindruckend. Auf freier Autobahn überschreitet Tachonadel mühelos die 210-km/h-Marke und wandert bis auf Tempo 230.

Showtime statt Hockenheim im Smart

Wenig überraschend ist die typische Turbocharakteristik. Beim Anfahren tut sich zunächst wenig, doch die Enttäuschung wird blitzartig in Euphorie gewandelt. Kraftvoll und mit rauchiger Stimme stürmt der Smart ab 3000 Umdrehungen vorwärts. Dann kann er selbst dicke Mittelklasse-Limousinen ärgern.

Schnelle Wechselkurven indes liegen dem Brabus-Smart weniger im Blut. Das straff abgestimmte Fahrwerk ermöglicht zwar hohe Kurvengeschwindigkeiten, doch wer auf Rennstrecken Bestzeiten jagt, wünscht sich die Lenkung gefühlvoller. Dank elektrischer Unterstützung spricht sie zwar willig an, doch die Rückmeldung könnte deutlicher sein. Denn der Kraftaufbau wirkt künstlich und erschwert einen runden Fahrstil. Gelungen indes ist die ESP-Abstimmung. Fahrfehler korrigiert das System spät und sanft. Der Regelbereich wird auf trockener Piste selten erreicht. Für fortgeschrittene Fahrer ist es trotzdem ein Manko, daß die Elektronik nicht abschaltbar ist.

Die starke Seite des Brabus-forfour ist seine Optik. Dachspoiler und Rautengittergrill sind Brabus-Rangabzeichen, die nur der werksgetunte forfour trägt. Drinnen gibt’s edle Ledersitze, glänzende Instrumentenzierringe, Türgriffe und Kappen sowie Alu-Schaltknauf und -Handbremshebel. Die Botschaft ist klar: Ich bin nicht nur der schnellste Smart aller Zeiten, sondern auch der exklusivste. Das stimmt. Doch für einen Preis 24.900 Euro darf man das erwarten.

Seat mit Rennzwerg-Abstimmung

Wie es günstiger, aber dennoch schneller geht, zeigt der Seat Ibiza Cupra. Der kostet 20.960 Euro und verfügt ebenfalls über einen aufgeladenen Vierzylinder. Doch anders als bei Smart wurde der Reihenmotor nicht aufwendig umgebaut, sondern stammt aus dem Regal Konzernmutter VW. Mit 1,8 Liter Hubraum und fünf Ventilen pro Zylinder erzeugt das Turbotriebwerk 180 PS und ein Drehmoment von 245 Newtonmetern. Und da diese 1500 Umdrehungen früher erreicht werden als beim Brabus, ist Seat beim Zwischenspurt im vierten Gang elastischer.

Davon profitiert er vor allem beim Herausbeschleunigen aus den Kurven. Satt und spurtreu stürzt er sich in Biegungen aller Art. Ein rot abgesetzter Lederstreifen in der Zwölf-Uhr-Position des Lenkrads markiert wie in Rallyeautos die "Räder geradeaus"-Stellung. Sieht hübsch aus, ist in dem feurigem Spanier aber überflüssig. Denn die Lenkung arbeitet gefühlvoll und bietet für einen Fronttriebler ein Höchstmaß Rückmeldung. Selbst mit deaktiviertem ESP bleibt das Fahrverhalten des Cupra narrensicher. Überschußgeschwindigkeit wird durch mildes Untersteuern abgebaut, bei provozierten Lastwechseln giert er harmlos Richtung Kurveninnenrand und ist spielerisch kontrollieren. So muß ein echter Rennzwerg abgestimmt sein.

Dazu paßt das Ambiente: Alupedale, rote Zeiger auf weißem Grund und der mit rotem Zwirn vernähte Schaltsack setzen optische Ausrufezeichen an den richtigen Stellen. Nur das knochige Schaltgefühl und die langen Wege stören. Das Seat-Fahrwerk ist sportlich. Schlechte Straßen mag es gar nicht, auf geflickten Fahrbahnen gibt sich der Cupra noch erträglich. Daß lange Strecken weniger ermüdend sind als im Smart, liegt an den tollen Sportsitzen mit Stoffbezug, die gute Seitenführung und Unterstützung bieten.

Ford als furioser Feuerteufel

Ganz anders als im Ford. Zumindest wenn der Fiesta ST wie der Testwagen mit Lederpaket (1065 Euro) bestückt wird, ist die Sitzposition für normalgroße Fahrer zu hoch. So entsteht ein Gefühl, als sitze man eher drauf statt drin. Für Sportmodelle eine wenig schmeichelhafte Einschätzung.

Ansonsten ist der schärfste lieferbare Fiesta eine gelungene Knallerbse. Unter seiner Haube macht anstelle eines Turbotriebwerks der Zweiliter-Sauger die Musik, der sonst im Focus und Mondeo zu finden ist. Hier hat er sogar noch fünf PS mehr. 150 Pferde verwandeln den friedlichen Fiesta zum furiosen Feuerteufel. Gegen das Turbo-Duo hat er beim Beschleunigen trotzdem keine Chance. Von null auf 100 ist er fast 1,5 Sekunden langsamer.

Auf der Rennstrecke macht sich zudem das Drehmomentdefizit bemerkbar. Seine Kraft entfaltet der Vierventiler ab 4500 Umdrehungen und will für gute Rundenzeiten bei Laune gehalten werden. Beim Anbremsen und Einlenken nickt er kopflastig in die Kurven, bleibt aber spurtreu und harmlos. Insgesamt wirkt er etwas überanstrengt, ihm fehlt die Spannung, mit denen die Turbos stürmen. Die Motopark-Zeiten überzeugen dennoch.

Technische Daten

Ebenfalls überzeugend sind der Durchschnittverbrauch von zehn Litern sowie die guten Alltagseigenschaften. Vor allem bietet der Ford in unserem Trio das ausgeglichenste Fahrwerk. Er rollt komfortabel ab, seine Karosserie ist übersichtlich, er hat die größte Zuladung, und die Gänge rasten vorbildlich ein. Unter den wilden Kleinen ist er der Bravste. Wer will schon immer Karamba, Karacho und Krawall?

Meßwerte im Motopark

Die Testrennstrecke von AUTO BILD TEST & TUNING ist der Motopark Oschersleben in der Nähe von Magdeburg. Hier werden in acht Kurven die erzielten Geschwindigkeiten gemessen, dazu das maximale Tempo auf der Zielgeraden sowie die Rundenzeit.

Schnellstes, von AUTO BILD TEST & TUNING auf dieser Strecke gefahrenes Auto war ein Koro 4.6 RM S: Er kam in 1:39,65 min und mit einer Topspeed von 132,41 km/h über die Runde. Der Ibiza Cupra war bis zu 112,8 km/h schnell und landete mit einer Rundenzeit von 1:57,03 min auf Rang 130. Der Smart forfour Brabus fuhr auf Platz 146; er bretterte in 1:58,66 min mit maximal 111,25 km/h durch den Motopark. Drei Plätze dahinter, auf 149, positionierte sich der Ford Fiesta ST: Höchstgeschwindigkeit 111,04 km/h, Rundenzeit 1:58,89 min.

Fazit und Preise

Turbo oder Sauger? Cupra, Forfour oder Fiesta? Über oder unter 20.000 Euro? Die Antwort ist überraschend eindeutig. Denn dieser Test hat einen klaren Sieger: Der 180-PS-Ibiza macht das Rennen. Er ist nicht nur der Stärkste und auf der Rennstrecke der Schnellste, sondern bietet mit einem Grundpreis von 20.960 Euro den meisten Gegenwert fürs Geld.

Der Smart – einziger Viertürer im Vergleich – ist 4000 Euro teuer, geht hervorragend auf der Autobahn, hält es ansonsten aber mit der Maxime: Showtime statt Hockenheim. Leder und allerlei Brabus-Zierrat befördern ihn mehr in die exklusive als in die sportliche Ecke. Der Ford ist der Günstigste, aber auch Langsamste im Trio. Seinem Saugmotor fehlt der Punch. Schade eigentlich, denn das hervorragend neutral abgestimmte Fahrwerk könnte mehr Leistung vertragen.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für den Smart forfour Brabus, den Seat Ibiza 1.8 20V T Cupra und den Ford Fiesta ST. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Jörg Maltzan

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