Drei starke Kompakte: Test

Audi RS 3 BMW 1er M Coupé Ford Focus RS 500 Audi RS 3 BMW 1er M Coupé Ford Focus RS 500

Drei starke Kompakte: Test

— 24.05.2011

Die eiligen drei Könige

16 Zylinder, 1030 PS und Fahrspaß am Begrenzer: Die drei Kraftprotze Audi RS 3, BMW 1er M Coupé und Ford Focus RS 500 setzen der Kompaktklasse die Krone auf. Ein Vergleich mit Vollgas.

Ja, ist denn schon wieder Weihnachten? Für Liebhaber von starken Kompaktautos schon – denn diese drei Kraftprotze setzen auf Krawall und Kurvenkunst. Wir begleiten Audi RS 3 Sportback, BMW 1er M Coupé und Ford Focus RS 500 bei ihrer PS-Parade auf der Piste – und krönen am Ende den sportlichsten der sportlichen Kompakten. Jüngster Kandidat ist der RS 3. Leider kommt er stets als übergewichtiger Fünftürer und hier auch noch in einem eher fragwürdigen Outfit. Schwarze Räder mit rotem Felgenhorn (200 Euro extra) und reichlich Alu-Make-up (Optikpaket Aluminium matt für 800 Euro) rücken den Audi unnötig nah ans Krawall-Design. Weniger wäre hier mehr gewesen.

Überblick: Alle News und Tests zum BMW 1er M Coupé

Video: BMW 1er M Coupé

Der kleine Bayern-Blitz

Oder auf Kölsch: Wenn schon dicke Hose, dann aber richtig. So wie beim Ford. Der RS 500 macht auf den ersten Blick klar, dass er "dezent" für ein Schimpfwort hält und "prollig" als Kompliment verbucht. Mattschwarze Tarnkappenfolie, Endrohre im Farbeimer-Format und ein Heckspoiler wie ein Bügelbrett signalisieren unmissverständlich, dass hier ein Männerauto vorfährt – für Mädchen und Muttersöhnchen gibt es ja noch den Ka. Die hätten sicher auch Freude an der grell-orangen Lackierung des 1er und den starken Schultern des Münchener Machos. In der Tat spendiert BMW dem M Coupé eine satte Spurverbreiterung samt üppig ausgestellter Radhäuser und 19-Zoll-Rädern darunter. Und auch sonst zeigt der 1er mit seiner wild zerklüfteten Frontmaske sowie vier Endrohren in der Diffusorschürze alle Zeichen der Macht. Das wirkt markant, aber nicht peinlich. Doch genug der Gesichtskontrolle, lasst uns fahren – solche PS-Monster werden schließlich nicht für ihr Aussehen gefeiert.

Überblick: Alle News und Tests zum Audi RS 3

Video: Audi RS 3 Sportback

Der schärfste A3 aller Zeiten

Der RS 3 kommt dank Allradantriebs und Doppelkupplungsgetriebes am schnellsten aus den Startblöcken, glänzt mit hoher Traktion und klaut dem Focus bis Tempo 100 schon 1,6 Sekunden. Der 340 PS starke Fünfzylinder-Turbo reißt derart vehement an den vier Rädern, als wolle er in die Antriebswellen Knoten kneten und die Conti SportContact in Slicks verwandeln. Die Viertelmeile gewinnt dieser Audi locker. Geht es allerdings ins Kurvengewühl des schnellen Conti-Handlingkurses bei Hannover, muss sich der RS 3 seinem Konkurrenten aus München geschlagen geben. Auch im 1er wüten 340 PS, die allerdings ausschließlich über die Hinterräder herfallen. Das reicht, um den Ingolstädter auf der Geraden nicht allzu weit davonziehen zu lassen. Mit sonorer Sechszylinder-Stimme nimmt das M-Coupé die Verfolgung auf, begeistert mit inbrünstiger Drehfreude und lässt den Fahrer die Kraft der zwei Turbos spüren. Die präzise, für Zartbesaitete aber wohl zu schwergängige Lenkung findet die Ideallinie auf den Millimeter, das beinharte Sportfahrwerk und die voll variable Sperre hinten halten das Coupé (auf ebener Strecke!) auf Kurs, trotz zu hoher Sitzposition und latent widerspenstiger Schaltung herrscht im 1er M authentisches Rennfeeling.

Spätestens eingangs der dritten Kurve presst sich der BMW dann am Audi vorbei und winkt beim Herausbeschleunigen noch mal fröhlich mit dem Heck. Wie das trotz schlechterer Traktion geht? Ganz einfach: Der 1er muss 132 Kilo weniger um die Ecken wuchten. Und er verteilt die Kilos wesentlich geschickter. Prozentual kommt er ganz nah an die automobilen Idealmaße von 50:50, absolut lasten auf der Vorderachse des M-Models über 200 Kilo weniger als beim Audi. Dessen Wohlstandsspeck können selbst Allradantrieb, vorn drei Zentimeter mehr Reifenbreite als hinten und eine elektronisch simulierte Differenzialsperre nicht kaschieren. Schon nach ein, zwei schnellen Runden hat der RS 3 Reifen und Bremsen so stark beansprucht, dass selbst der frontgetriebene Ford bedrohlich nahe kommt. Zur Ehrenrettung des Audi muss an dieser Stelle aber erwähnt werden, dass er als Einziger in diesem Trio mit fünf Türen und durchaus alltagstauglichem Komfort vom Band rollt. Wer den heißen Ringkämpfer nicht ständig am Limit über die Nordschleife scheucht, wird das durchaus zu schätzen wissen. Und darf sich des Dankes von Frau oder Freundin gewiss sein.

Überblick: Alle News und Tests zum Ford Focus RS 500

Kompromisslos heiße Kiste: Der Ford Focus RS 500 bringt Rallyesport auf die Straße.

Sollten Sie mit einem RS 500 nach Hause kommen, könnte das anders aussehen. Der feurigste aller Focus liefert in diesem Feld die wildeste Show von allen. Das beginnt bei der martialischen Optik und hört beim lüsternen Sound noch lange nicht auf. Dieser Focus verwandelt seinen Fahrer binnen kürzester Zeit in einen Rallye-Champion – oder zumindest gibt er ihm das Gefühl, einer zu sein. Das beginnt schon beim Einfädeln in die perfekt passenden Sitzschalen Marke "zweite Haut". Dagegen wirken die sehr ordentlichen Sportsessel in Audi und BMW wie gemütliche Lounge-Sessel. Wenn der 2,5-Liter-Fünfzylinder dann böse brüllend die Vorderräder antreibt und der Turbo mit 1,4 Bar zur Attacke bläst, fällt auch die letzte Selbstbeherrschung. Es schlägt, reißt, pfeift, donnert, zischt und brodelt, als stünde der jüngste Tag unmittelbar bevor. Dabei überrascht, wie souverän das Kölner Knallbonbon seine 350 PS auf die Straße bringt – immerhin erfolgt die Kraftübertragung nur über zwei 235 Millimeter breite Walzen auf der Vorderachse. Springt die Startampel auf Grün, muss der Focus seine Konkurrenten ziehen lassen.

Dank eines extrem wirksamen Sperrdifferenzials findet er in Kurven aber erstaunlich souverän seinen Weg, lässt sich nur in Spitzkehren und von Fahrern mit digitalem Gasfuß ins Untersteuern treiben. Doch selbst das bedeutet kein fahrdynamisches Fiasko. Wird das Gaspedal gelupft, zieht es den Focus wieder in die Kurve – als stünde dort ein großer Magnet. Mit 46.050 Euro stellt der RS 500 das verlockendste Angebot – der Focus furioso ist allerdings auf 500 Exemplare limitiert. Audi RS 3 Sportback (ab 49.900 Euro) und BMW 1er M Coupé (ab 50.500 Euro) verlangen demgegenüber kräftigen Premium-Aufschlag. Was dem Ganzen auch wieder die Krone aufsetzt.
Fahrzeugdaten Audi BMW Ford
Motor Fünfzylinder, Turbo, vorn quer Sechszylinder, Biturbo, vorn längs Fünfzylinder, Turbo, vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Kette Kette Zahnriemen
Hubraum 2480 cm³ 2979 cm³ 2521 cm³
kW (PS) bei 1/min 250 (340)/5400 250 (340)/5900 257 (350)/6000
Nm bei 1/min 450/1600 450**/1500 460/2500
Vmax 250 km/h 250 km/h 265 km/h
Getriebe Siebengang-DSG Sechsgang manuell Sechsgang manuell
Antrieb Allradantrieb Hinterradantrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 255/30–225/35 ZR 19 Y 245/35–265/35 ZR 19 Y 235/35 ZR 19 Y
Hersteller Continental SportContact 5P Michelin Pilot Sport 2 Continental SportContact 3
Radgröße 8 x 19" 9 – 10 x 19" 8,5 x 19"
Abgas CO2 212 g/km 224 g/km 235 g/km
Verbrauch* 13,1/6,8/9,1 l 13,6/7,3/9,6 l 14,0/7,5/9,9 l
Tankinhalt 60 l/Super plus 53 l/Super plus 62 l/Super
Vorbeifahrgeräusch 71 dB (A) 73 dB (A) 75 dB (A)
Kofferraumvolumen 302–1032 l 370 l 385–1247 l
Länge/Breite/Höhe 4302/1794/1402 mm 4380/1803/1420 mm 4402/1842/1497 mm
Radstand 2578 mm 2660 mm 2640 mm
Preis (wird bewertet) 51.050 Euro*** 50.500 Euro 46.050 Euro****
*innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km, ** 500 Nm mit Overboost; ***inklusive 19-Zoll-Bereifung für 1150 € vorläufiger Preis, **** Preis Stand März 2010
Messwerte Audi BMW Ford
Beschleunigung
0–50 km/h 1,5 s 2,0 s 2,5 s
0–100 km/h 4,2 s 4,8 s 5,8 s
0–200 km/h 17,0 s 17,8 s 19,9 s
Zwischenspurt
60–100 km/h 2,2 s 2,3 s 2,7 s
80–120 km/h 2,9 s 2,9 s 3,3 s
Leergewicht/Zuladung 1668/467 kg 1536/364 kg 1502/363 kg
Gewichtsverteilung v./h. 60/40 % 52/48 % 63/37 %
Wendekreis links/rechts 11,1/11,1 m 11,1/11,2 m 12,6/12,8 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 33,5 m 36,8 m 36,9 m
aus 100 km/h warm 33,0 m 34,6 m 35,6 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 59 dB (A) 63 dB (A) 62 dB (A)
bei 100 km/h 67 dB (A) 69 dB (A) 69 dB (A)
bei 130 km/h 71 dB (A) 77 dB (A) 73 dB (A)
Testverbrauch – CO2 10,6 l SP – 252 g/km 10,9 l SP – 258 g/km 11,8 l S – 280 g/km
Reichweite 560 km 480 km 520 km

Hintergrund: So testet AUTO BILD


Gerald Czajka

Gerald Czajka

Fazit

Über 300 PS in einem Kompakten? Klingt ziemlich verrückt – und ist es nüchtern betrachtet auch. Aber es macht riesig Spaß und dient den Herstellern als Aushängeschild. So bestätigt der BMW auf eindrucksvolle Art und Weise, dass die Marke aus München noch echte Sportler mit Mumm bauen kann. Der RS 3 bleibt dagegen zu sehr dem braven A3 verhaftet – konsequent sportlich ist der Audi nicht. Der Focus RS 500 umso mehr: Der Ford liefert ein Stück Rallye-Sport für die Straße.

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