Drei SUV mit Basis-Benziner

BMW X3 2.0i BMW X3 2.0i

Drei SUV mit Basis-Benziner

— 03.04.2006

Eine helle Freude?

Dank Zweiliter-Benziner und 150 PS für 32.900 Euro wird der neue X3 2.0i zum günstigsten Allrad-BMW. Neue Preisklasse, neue Konkurrenz – ein Vergleich mit Honda CR-V und Subaru Forester.

Vier Zylinder mit ruhigem Charakter

Ein fast 1,8 Tonnen schweres Allrad-SUV, das von einem nur zwei Liter großen Benziner mit gerade einmal 200 Nm Drehmoment angetrieben wird – kann das wirklich die helle Freude am Fahren bereiten? Zumal dann, wenn es um ein Auto der Marke BMW mit ihrem besonders dynamischen Image geht? Die Kräfteverhältnisse erinnern an den fast vergessenen Mercedes ML 230 von 1998, der mit ebenfalls 150-Benziner-PS und 220 Nm Drehmoment sogar 2010 Kilo Leergewicht zu bewältigen hatte. Alte Allradtester erinnern sich: Es ging etwas zäh, aber es ging.

Jedoch sind die Ansprüche an das Temperament von Autos seit damals stark gestiegen. Und wie gesagt, es handelt sich hier um einen BMW. Ist der neue X3 2.0i also lahm? Antwort: Es kommt darauf an. Und zwar darauf, welche Autos man gewohnt ist. Wer von der künstlichen Drehmomentwoge eines modernen Turbodiesels berauscht im X3 2.0i ungeduldig im großen Gang auf das Gaspedal tritt, hält diesen BMW für lahm. Oder mindestens für Marken-unwürdig. Man kann das aber auch anders sehen: Wer seit jeher bescheidene Ansprüche an die Motorleistung hat und einfach ruhig im Verkehrsstrom mitschwimmen will, fühlt sich auch im aktuellen X3 2.0i durchaus anständig motorisiert.

Zumal, wenn er keine höheren Drehzahlen scheut. Sportlich ausgedreht erreicht auch dieser BMW nach reichlich Anlauf gemessene 195 km/h. Da kann man nicht von Langsamkeit sprechen. Zum eher ruhigen Charakter des Zweiliter-Vierzylinders paßt auch der Geräuschkomfort. Hier hört und fühlt man entscheidende Vorteile gegenüber seinem gleich starken und ebenfalls vierzylindrigen Dieselbruder 2.0d, der im X3 wesentlich unkultivierter auftritt als der Benziner. Eher unpassend dagegen das BMW-Fahrwerk: Seine betont straffe Federung macht den X3 zwar zum agilsten und kurvenfreudigsten SUV, beschneidet aber den Komfort.

Betriebskosten und Garantien

Eine ganz andere Auslegung zeigt da der frisch geliftete Subaru Forester. Auch sein Fahrwerk ist straff abgestimmt, läßt aber deutlich mehr Komfort übrig, vor allem auf kurzen Unebenheiten wie Kanaldeckeln oder Querfugen. Das spielerische Handling in Kurven bietet der Subaru dazu nicht, wirkt aber auch keineswegs behäbig oder gar unsicher. Schnell ist der Forester obendrein. Weil er satte 310 Kilo weniger Gewicht als der BMW zu schleppen hat, tut sich der unaufdringlich blubbernde Subaru-Boxer-Zweiliter wesentlich leichter bei der Beschleunigung. Hier hängt er den BMW stets sicher ab und kommt ebenfalls auf eine Spitze von über 190 km/h.

Dazu spart er seinem Fahrer Schaltarbeit, denn ihm reichen fünf Gänge, wohingegen der BMW sechs Fahrstufen braucht, um seinen Motor möglichst im optimalen Drehzahlbereich zu halten. Der Gewichtsvorteil verbündet sich mit der niedrigeren Bauhöhe der Forester-Karosserie zu einer Allianz gegen erhöhten Benzinverbrauch. So erfreut der Subaru besonders auf der Autobahn durch den mit Abstand niedrigsten Verbrauch. Unter zehn Liter auf 100 km auszukommen, ist kein Kunststück. Der BMW konsumiert im Schnitt mindestens einen halben Liter mehr, auf der Autobahn wächst der Unterschied schon mal auf einen Liter und mehr.

In praktisch allen Meßdisziplinen liegt der Honda CR-V zwischen BMW und Subaru. Er wiegt 50 Kilo mehr als der Subaru und zieht auch etwas schlechter ab als dieser, bleibt aber deutlich vor dem BMW. Nur auf der Autobahn muß der Honda seine beiden Kontrahenten langsam, aber sicher ziehen lassen, denn mehr als 179 km/h erreicht der aerodynamisch etwas ungünstigere CR-V in der Ebene nicht. Dazu paßt das Honda-Fahrwerk. So quick wie der schön neutral ausgelegte BMW umrundet der Honda die Kurven nicht. Er schiebt etwas mehr über die Vorderräder, bremst sich dabei selbst ab und wirkt nicht so agil. Seine Lenkung sieht sich beim Gasgeben in Kurven deutlichen Antriebseinflüssen ausgesetzt und zerrt mal ein wenig nach links, mal nach rechts. Das beobachtet man weder beim BMW noch beim Subaru.

Technische Daten und Fahrleistungen

Dafür ist der Honda beim Komfort dem Subaru ebenbürtig, federt ebenfalls straff, aber nicht zu sportlich-straff. Der konventionelle Reihen-Vierzylinder von Honda verliert erst oberhalb von 5500 Touren seine guten Manieren. So hoch muß man den Motor aber nur im Notfall drehen lassen. Einen Vorsprung verschafft sich der Honda CR-V im Karosseriekapitel. Der platzsparend quer eingebaute Motor führt zu einem deutlich großzügigeren Innenraum, von dem vor allem die Fondpassagiere profitieren. Im BMW und Subaru haben es die Mitreisenden gut, im Honda besser. Zudem überzeugt der CR-V mit einem besonders variablen Innenraum, denn die geteilt klappbare Rücksitzbank läßt sich zusätzlich längs verschieben, um nach Bedarf Kniefreiheit oder Gepäckraum zu vergrößern.

Drei Allradautos, drei verschiedene Allradantriebe: Der Subaru vertraut auf ein Zentral-Differential mit ständiger 50:50-Kraftverteilung auf beide Achsen. Auch bei brüskem Gasgeben oder Anfahren mit Anhänger am Berg ist die Kraft sofort an beiden Achsen. Subaru-Spezialität ist die zusätzliche Geländereduktion. Wie bei Geländewagen verkürzt diese alle Gänge des Schaltgetriebes. Man kann also mit mehr Kraft langsamer und damit kupplungsschonend kriechen. Ganz wichtig auch zum Rangieren von großen Anhängern. Anders arbeiten die Allradantriebe von BMW und Honda. Beide treiben direkt und ständig lediglich eine Achse an. Der BMW die hintere, der Honda die vordere. Ist zusätzliche Traktion nötig, wird die jeweils andere Achse über eine Mehrscheiben-Kupplung zunehmend beteiligt, bis notfalls eine starre 50:50-Kraftverteilung vorliegt.

Beide Systeme können die Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse in Sekundenbruchteilen variieren. So weit die prinzipiellen Gemeinsamkeiten zwischen Honda und BMW. Das Ergebnis in der Praxis dagegen unterscheidet sich ebenso stark wie die Technik zur Beteiligung der zweiten Achse. Der Honda nutzt für die Kraftabzweigung zu den Hinterrädern ein rein mechanisch-hydraulisches System: Von den jeweiligen Achsen passiv angetriebene Ölpumpen erzeugen bei unterschiedlich schnell drehenden Achsen einen Differenzdruck, der zum Schließen der Mehrscheibenkupplung führt – und damit zum Allradantrieb. In der Praxis dauert es leider besonders auf Schnee oder gar Tiefschnee zu lange, bis die Hinterräder den durchdrehenden Vorderrädern zu Hilfe kommen.

Fazit und Bewertung

Ganz anders der BMW: Ohne jede Verzögerung packt der zusätzliche Frontantrieb zu und läßt den X3 souverän anfahren. Möglich macht es ein aktives, elektronisch gesteuertes System. Die Mehrscheibenkupplung wird beim BMW von einem starken Elektrostellelement betätigt, das viel schneller reagieren kann als hydraulische Systeme. Der Clou ist aber die elektronische Steuerung. Sie erlaubt sozusagen den Allradantrieb auf Verdacht. Schon kräftiges Gasgeben des Fahrers bemerkt der Rechner über einen Sensor und beteiligt schon mal vorsichtshalber blitzschnell die Vorderräder, bevor diese durchdrehen können.

Im Tiefschnee macht die Kupplung aber zuweilen vorzeitig wieder auf, was zum kurzen Eingraben der Hinterräder führt. Weniger Unterschiede gibt es bei den Betriebskosten. Nicht der BMW ist der Teuerste, sondern wegen der recht hohen Vollkaskoeinstufung der Honda. Mit dem BMW spart man insgesamt sieben Prozent ein, mit dem Subaru sogar immerhin neun Prozent.

Fazit von AUTO BILD ALLES ALLRAD-Redakteur Martin Braun: Der Subaru sammelt im Allrad- und Kostenkapitel so viele Punkte, daß es trotz Nachteilen bei Sicherheit und Wartung zum Sieg reicht. Den verpaßt der geräumige Honda durch den trägen Allradantrieb. Der teure BMW ist nur beim Fahrwerk sportlich, der Motor reicht zum Fahren, nicht aber zur Freude.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Subaru Forester 2.0 Active, Honda CR-V 2.0 ES und BMW X3 2.0i. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Martin Braun

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