Drei Traum-Cabrios im Vergleich — 22.09.2009
Göttliches Trio
Wir empfehlen ausdrücklich, das Tageslicht mit diesen drei überirdischen Roadstern zu meiden. Es sei denn, die Besatzung legt explizit Wert darauf, Verursacher von Verkehr lahmlegenden Menschenansammlungen zu sein.
Techart glänzt mit Perfektion
Den Betrachter verführt er mit prägnanten Details: dem gewaltigen Heckflügel zum Beispiel – der so weit in den Himmel ragt, als wolle er Gott drohen. Oder den Rädern im neuen Formula-III-Design, die das altehrwürdige Formula-I-Modell zitieren, aber mit ungeahnter Präsenz und zeitgemäßem Auftritt punkten. Das Interieur übergehe ich wortlos – oder soll ich zum zwanzigsten Mal von der perfekten Haptik und der lupenreinen Verarbeitung eines Techart-Gefährts schwärmen? Nein. Lieber vergrabe ich mich unter der Haube. 660 PS hat das Fahrzeug – 30 PS mehr, als Techart bislang anbietet. Woher die rühren? Von neuen VTG-Ladern mit größeren Turbinen, die das Ensemble aus Hochleistungsladeluftkühlern, Krümmeranlage, Klappenauspuff mit Sportkat und optimierter Motorelektronik perfekt ergänzen. Das optische Tuning für den Ferrari fällt spärlicher aus. Novitec Rosso erkennt an, dass das Auto bereits ab Werk mit formaler Perfektion glänzt. Lediglich schwarze Heckleuchten installiert der Veredler, dazu hauseigene 20-Zöller. Zudem lässt er die überflüssige Luft aus den Radhäusern. Erst im Motorraum tobt sich Novitec Rosso aus. Unter zwei Karbonquadern finden sich Rotrex-Kompressoren. Die blasen den Ferrari mit milden 0,5 Bar von 510 Serien- auf 696 Tuning-PS.
FAB-Motto: Viel hilft viel
Der SLR von FAB hat auf dem Papier noch mehr zu bieten: 750 PS verspricht der Schweizer Veredler. Er überarbeitet Kolben, Ventile und den Kompressor des 626 PS leistenden Serienmotors. Auch was das Bodywork anbelangt, verfährt FAB getreu der Devise "Viel hilft viel". Natürlich polarisieren die Entwürfe der Schweizer Tuningschmiede extrem. Dennoch beglückwünschen wir FAB-Alleinherrscher Roland Rysanek. Gelingt es ihm doch, die Kurven und Proportionen des SLR Roadster Desire so zu gestalten, dass sie gleichermaßen verstören wie betören. Mit seiner gefräßigen Frontschürze scheint der mattweiße Donnervogel alles verschlingen zu wollen: Autos, Fußgänger, Radarfallen. Möglicherweise gibt es auf vier Rädern nichts anderes, was eine derart große Welle macht – und selbst in den geldgeschwängerten Zentren dieser Welt, die vor Lambos und Bentleys schier überquellen, für weit offen stehende Münder sorgt. Das Interieur hält mit der Optik Schritt: viel Leder in Krokoprägung alles nobel, teuer, schön. Zeit, den Zündschlüssel herumzudrehen und Starterknöpfe zu drücken. Zeit, geschlossene Verdecke zu öffnen. Zeit, sich den Kopf mal richtig durchblasen zu lassen.
Lob für Novitec
Am Steuer des GT Street R scheint das Paradies zum Greifen nahe – und mündet in ein nahezu irreales Szenario: Ich sitze in einem getunten Porsche, der über Allgäuer Landstraßen braust, und versuche, an einem getunten Ferrari dranzubleiben, während sich im Rückspiegel der SLR-Keil breitmacht. An die 660 PS gewöhnt man sich schneller als gedacht. Schmeckt das Auto doch wie ein ganz normaler 911 Turbo – nur viel intensiver und aufregender. Nach ausführlicher Landstraßenhatz gehe ich mit dem Porsche auf die Autobahn. Gebe mich mit offenem Dach und versenkten Seitenscheiben dem Temporausch hin. Im Ferrari geht es ruhiger zu. Tempo 300 stellen eine simple Übung dar. Satt liegt das Auto auf der Straße, fast zärtlich streichelt der Fahrtwind die Stirn. Nur die lauten Windgeräusche von der A-Säule verraten die gefahrene Geschwindigkeit. Der Bi-Kompressor- Motor ist der Brüller. Nicht allein, weil er brüllt. Sondern weil Novitec Rosso aus einem ab Werk tollen V8 ein echtes Düsentriebwerk macht. Das Lob an Novitec Rosso kann kaum überschwänglich genug ausfallen. Eine so gute Basis so sensationell zu tunen und ohne Wenn und Aber zu verbessern – das gelingt wirklich nicht jedem.
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Von ganz anderem Schrot und Korn ist der SLR von FAB Design. Bereits ein erster Soundcheck unterstreicht, dass diesem Auto eine Sonderstellung gebührt. Das Aggregat springt mit einem lustvollen Donnerhall an – der so gar nicht nach Pkw klingt. Sondern eher nach einer Kreuzung aus Speedboot, Lkw und Ufo. Der infernalisch laute Klang ist allgegenwärtig. Wer mit vorschriftsmäßigen 50 km/h durch die Stadt flaniert, unterhält ganze Viertel. Und wer auf der linken Autobahnspur an der sich rechts haltenden Schneckenkolonne vorbeischießt, erwartet, dass dort die Scheiben bersten. Doch ist dies nur ein Grund, warum sich der Fahrer mit Ausflügen in Gefilde jenseits der 250 km/h zurückhält. Denn nicht nur das Serienfahrzeug beschleunigt hier trotz V8-Kompressor-Power nur noch mäßig – auch das FAB-Auto zeigt sich gehemmt; der Mega-Breitbau scheint die Mehrleistung zu neutralisieren. Die attestierte Trägheit tritt jedoch nur im Highspeed-Bereich auf. Verglichen mit der Konkurrenz fällt das Fahrverhalten nicht eindeutig schlechter aus – aber völlig anders. Während Porsche und Ferrari beim Handling auf spielerische Mühelosigkeit setzen, verlangt der SLR vollste Konzentration. Mit eiserner Hand muss der Pilot den Spurrillen trotzen, das Auto in die Kurve zwingen. Und dem Koloss mit viel Fingerspitzengefühl den rechten Weg weisen. Dann entpuppt sich der Bolide als treue Seele, die mit der Besatzung durch dick und dünn marschiert.Kommentar verfassen








































Kommentare zum Artikel (13)
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nein, dann guck doch mal auf das bild da steht km/h. In der Schweiz sind Geschwindigkeitsangaben auch in km/h
das sind 220 Meilen pro Stunde an der Tachoskalierung
das elektronische Display ist jedoch auf Km/h für den Euro Betrieb eingestellt ;)
...war ja klar, dass wieder ein VW gewinnt!!!!!!!
LOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOL :D :D
"understatement der serienmodelle" bei einem SLR und bei einem Ferrari????
Stimmt, ähnlich gewöhnlich und unauffällig wie Golf & Co.
potenzverstärker für die armen mannen, die es nötig haben. vom understatementder serienmodelle haben sich alle drei meilenweit entfernt. solche autos habe ich als kind gemalt. für solche absurden peinlichkeiten würde ich jedenfalls nicht einen cent ausgeben. und, wie schon gesagt, bei einem auto mit angeblich über 700ps einen tacho bis 220 zuverbauen ist doch schweizer käse...