BMW Z8, Maserati Spyder, Mercedes SL 55 AMG

Drei Traumcabrios im Vergleich Drei Traumcabrios im Vergleich

Drei Traumcabrios im Vergleich

— 18.04.2002

Götter-Dämmerung

Fast wie bei Wagner: Überirdische Mächte in Gestalt von 1290 PS und 346.256 Euro begeben sich hinab auf die Erde. Wir nähern uns voller Demut. Und Erwartung.

BMW Z8: erbarmungsloser Vorwärtsdrang

So müssen sich die Götter fühlen: ein Plateau, fast in den Wolken, sanft umschmeichelt von der Abendsonne. Fernab vom Getöse, das wir Erdenwürmer so entfachen. Walhalla, die Burg der Götter? Nicht ganz, nur ein Höhenzug im Schwarzwald. Aber genau der richtige Ort für ein Treffen der abgehobenen Art. Denn um gewöhnliche Autos handelt es sich nicht mehr, die drei hier sind nicht von dieser Welt.

BMW Z8, 400 PS für 127.000 Euro, Maserati Spyder Cambiocorsa mit 390 PS für 92.700 Euro und Mercedes-Benz SL 55 AMG für 126.556 Euro sind so weit entfernt vom normalen Gebrauchsauto wie Wagners Ring des Nibelungen vom No-Angels-Geplärre. Der BMW Z8 etwa besitzt tatsächlich einen göttlichen Ahnen: den legendären 507 von 1955. Wie bei diesem streckt sich auch beim Z8 endlos die Motorhaube, und am Ende wölbt sich ein Hinterteil, dessen Erotik zurzeit nur noch von Halle Berry übertroffen wird. Oder meinetwegen Cameron Diaz.

Weiter geht es mit dem schönsten Cockpit der Neuzeit. Kuschelig wie ein Séparée im Club, ausgestattet vom Maßschneider. Ein Genuss, einfach nur das Klima zu regulieren oder den Blinker zu setzen: Die schweren Alu-Griffe schmiegen sich satt und kostbar in die Hand wie eine Rolex. Den Höhepunkt bringt aber ein unscheinbarer schwarzer Knopf: der Starter. Denn der erweckt den 400 PS starken V8 zum Leben. Der jagt mir schon beim Start Schauer über den Rücken, knurrt wohlig wie ein gewaltiges Tier im Halbschlaf. Und richtig, der 4,4-Liter explodiert praktisch aus dem Stand, entwickelt beim Tritt aufs Gas ungeheure Kräfte, dreht bissig und reißt den Z8 erbarmungslos vorwärts. Dabei grollt und faucht er dann ungefähr so grimmig wie der Drache im Kampf mit Siegfried. Eine Variante. Die andere: Du kannst mit diesem Motor entspannt durch die Gegend treiben. Dann fluten die Elemente sanft ins Abteil, du kannst den Frühling schmecken, wenn er denn gerade vorbeikommt.

Der V8 blubbert friedlich, bleibt immer geschmeidig und irgendwie stets auf dem Sprung, also gebe ich ihm doch schnell wieder die Sporen. Und merke bei der Hatz durch die Kurven oder beim schnellen Spurt: Unter der barocken Hülle des BMW steckt eine Fahrmaschine wie kaum eine andere. Mit der unglaublich steifen Karosserie liegt das Auto ausbalanciert auf der Straße, kann die Bären-Kraft des Motors umgehend in Traktion umsetzen. Dabei lässt mich der Z8 nie im Zweifel darüber, was gerade läuft, verlangt eine feste Hand am Lenkrad und einen gut trainierten Kupplungsfuß. Ein bisschen ungemütlicher wird es dann aber schon im Abteil. Um ehrlich zu sein, so ab Tempo 120 schmerzt es eigentlich nur noch, wie der Wind mir um die Ohren knallt. Aber wozu sind die 400 PS denn sonst da?

Maserati Spyder: tänzelnd wie ein Gigolo

So betörend der BMW auf Anhieb funkelt, so blass bleibt auf den ersten Blick der Maserati. Ein bisschen zu pummelig, mit zu viel Speck auf der Hüfte. Auf den zweiten Blick finde ich dann jedoch all die Zutaten wunderbaren italienischen Designs. Meister Giugiaro hat schließlich selbst Hand angelegt. Am aggressiven Haifisch-Grill, am duftenden Leder und am nett verpackten Motor. Und dieser von Ferrari entwickelte V8 ist sowieso ein Kunstwerk. Er rüffelt zwar am Anfang etwas herum, aber gehst du dann aufs Gas, bricht unter der Haube ein Inferno los. Fehlen nur noch Flammen aus dem Auspuff.

Das Trieb-Werk scheint direkt aus der Rennabteilung entlaufen und dreht derart atemberaubend, dass du glaubst, dir fliegen jeden Moment die Kolben um die Ohren. Erst bei 7600 Touren ist Schluss, bis dahin schmettert der Motor in allen Tonlagen. Anfangs heiser röchelnd, dann dumpf drohend und schließlich schrill kreischend. Gänsehaut garantiert. Perfekt zu dem hysterischen V8 passt die automatisierte Sechsgangschaltung Cambiocorsa, besonders im Sport-Modus. Ein kurzer Zug an der Lenkrad-Wippe, und das Getriebe haut die Gänge so knallhart rein wie Schumi auf der Jagd nach Montoya. Und beim Runterschalten gibt Cambiocorsa sogar noch bollernd Zwischengas. Wunderbar.

Um das Spiel auf die Spitze zu treiben und mich endgültig zum zuckenden Nervenbündel zu machen, liegt der Spyder bei weitem nicht so souverän auf der Straße wie etwa der BMW. Nein, er tänzelt aufgeregt wie ein Gigolo am Strand von Rimini, immer bereit, mal quer zu stehen oder zu versetzen. Da bricht der Schweiß dann schon mal heftig aus, zumal der wilde Maserati als Einziger hier nicht bei Tempo 250 abgeregelt wird, sondern abgehobene 283 Sachen läuft.

SL 55 AMG: unfassbar schnell und perfekt

Geht noch mehr? Kaum zu glauben, aber es geht. Denn jetzt kommt der Mercedes-Benz SL 55 AMG, ein wirklich überirdisches Gefährt mit einem Monstermotor. Als ob ein 5,5-Liter-V8 nicht reichen würde, haben sie noch einen Kompressor angeflanscht. Macht dann 476 PS – immer noch nicht genug: Weil die neue E-Klasse mit dem gleichen Motor schneller geworden wäre als der schwerere SL, wurde inzwischen die Produktion gestoppt. Der SL fährt ab sofort mit 500 PS. Egal, auch in der alten 476-PS-Version ist der SL 55 in einem Maße schnell, dass mir die Worte fehlen. Er fährt nicht, er taucht durch den Verkehr wie der Hai durch den Makrelenschwarm.

Der gewalttätige Motor erzeugt dabei grollende, drohende Geräusche, wütend wie Göttervater Wotan. Er klingt wie ein Erdbeben, tief aus dem Bauch der Erde. Im Moment wird bei Tempo 250 abgeregelt – reine Vorsichtsmaßnahme. Leistung und Aerodynamik würden mehr als 300 km/h zulassen. Nur die Reifen werden dann richtig teuer. Das wirklich Beängstigende an diesem Auto ist aber, wie gelassen, ruhig und ausgeglichen der SL so unglaublich schnell fährt. Das immerhin zwei Tonnen schwere Auto lenkt sich handlich und mühelos, bleibt mit dem hoch entwickelten ESP in jeder Situation kontrollierbar. Und das mit 476 PS, unfassbar. Das Tüpfelchen auf dem i sind dann noch die bissigen, mitdenkenden und standfesten Elektro-Bremsen.

Damit nicht genug: Der SL ist nicht etwa knüppelhart abgestimmt, wie man angesichts der famosen Straßenlage erwarten könnte, sondern komfortabel gefedert. Da zerrt nichts an der Lenkung, da poltern keine Querfugen, nichts. Und natürlich bleibt er auch mit Abstand am leisesten, dank seines Nobelpreis-verdächtigen Verdecks. Selbst mit offenem Dach sitze ich im Cockpit fein eingesponnen wie im Kokon einer Seidenraupe: beschützt und behütet; es raschelt praktisch nur leise. Alles passt, aller erdenklicher Luxus ist an Bord, bis hin zur Rückenmassage. Natürlich zieht es auch kaum – aber das soll es ja wohl gerade in offenen Autos. Hier aber fühle ich mich wie losgekoppelt von der Welt. Und das könnte die einzige Schwäche des SL 55 AMG sein: Er leistet sich nicht eine einzige.

Das sagen die AUTO BILD-Tester

Gerald Czajka über den Maserati Spyder "Meine gute Kinderstube macht ein Fazit zum Maserati eigentlich unmöglich – denn dieses Auto ist purer Sex. Frivol, feurig und garantiert nicht familienfähig. Brutal sticht der Dreizack in unser automobiles Lustzentrum, der Motor dreht uns schwindelig und schreit uns nebenbei eine Gänsehaut in den Nacken. Ich bin dem italienischen Kurvenluder jedenfalls rettungslos verfallen."

Dirk Branke über den Mercedes SL 55 "Ich gehe mit Superlativen vorsichtig um, aber hier lege ich mich fest: Der SL 55 AMG ist das Beste auf vier Rädern, was es derzeit zu kaufen gibt. Ein wunderschönes Auto, nahe an der Perfektion. Mit einem unfassbar starken Motor, unglaublich schnell und dabei so problemlos wie ein Kompakter. Das Dach ist so genial wie die Bremsen. Ach, wenn doch der Preis nicht wäre ..."

Peter Oberndorfer über den BMW Z8 "Der SL von AMG ist der endgültige Allzweck-Sportwagen. Perfekt für alle Tage, doch beim Wochenendauto geht Faszination über Perfektion. Motor und Schaltung des Maserati – perfetto, der Rest – Mamma mia. Der Z8 mag verspielt sein, aber er hat, was echte Roadster ausmacht: Form, Kraft, Sound und Kontakt zum Wind. Ein Neoklassiker zum Fahren und Sammeln."

Technische Daten

Erstaunlich, wie sparsam sich BMW und Mercedes fahren lassen. Wer aber im SL 55 AMG richtig Gas gibt, erlebt furchterregende Verbrauchszahlen.

Preise und Ausstattung

Angesichts seiner Leistung und des Dachs ist der SL 55 AMG fast schon ein Sonderangebot. Der BMW Z8 wird dafür viel exklusiver bleiben. Der Maserati Spyder ist als Coupé rund 5000 Euro billiger.

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