Drei viertürige Coupés

Jaguar XF 4.2 Mercedes CLS 350

Drei viertürige Coupés

— 25.04.2008

Bei wem funkt es?

Hört, hört: Mit dem viertürigen Passat Coupé strebt VW nach Klasse und Rasse. Aber kann es den ähnlich veranlagten Nobelmodellen Jaguar XF und Mercedes-Benz CLS wirklich das Wasser reichen?

Haben Sie schon immer von einem Passat Coupé geträumt? Nein? Dann fehlt es Ihnen womöglich an Fantasie. Den VW-Verantwortlichen jedenfalls lässt sich das nicht nachsagen. Sicher, Mercedes lieferte mit dem CLS die Vorlage, aber eine viertürige Flachdachvariante des braven Passat ist mindestens genauso fantasievoll. Und mutig. Schließlich soll der Passat CC (für Comfort Coupé) die Brücke zum noblen Phaeton schlagen. Ein VW mit Premiumambitionen also, und hinten steht Passat drauf. Outen Sie sich im Golf-Klub mal als Passat-Fahrer – genauso gut könnten Sie sagen, Sie hätten Vogelgrippe. Und müssten gleich niesen. Aber genau das soll sich eben ändern: mit dem Coupé als Imagepolitur. Was den Auftritt angeht, könnte das funktionieren, denn die Flachdach-Version macht deutlich mehr her als die Limousine. Länger, breiter, niedriger und komplett neu eingekleidet, streift der Passat CC die Kittelschürze ab und kommt im Designer-Outfit daher. Eindrucksvoll vor allem die bullige Front und das geduckte Profil, nur hinten muss ihn sich der Betrachter erst mal schöngucken.

Im Passat CC V6 ist alles drin, was gut und teuer ist

Innen empfängt einen zwar das bekannte Passat-Cockpit, aber im Detail sichtbar aufgewertet, besser ausgestattet und neu möbliert. Die Sportsitze sind allein schon das Geld wert, und auch hinten darf auf Einzelsesseln Platz genommen werden. Wobei auffällt, dass der Platz – Coupé hin oder her – durchaus ausreicht. Aber wie premium ist der Premium-Passat? Und langt es, dem CLS von Mercedes Konkurrenz zu machen? Sonst gibt es ja keine viertürigen Coupés – bis auf den neuen Jaguar XF. Der nennt sich zwar nicht so, sieht aber so aus. Die Antwort auf die Premium-Frage soll uns das Prachtstück der Baureihe geben, der Passat CC V6 4Motion. Da ist alles drin, was gut und teuer ist: 3,6-Liter-V6 mit Direkteinspritzung, 300 PS, DSG-Sechsganggetriebe, Allradantrieb, adaptive Stoßdämpfer mit drei Programmen plus (gegen Aufpreis) diversen Assistenten. Die helfen beim Parken, bei der Vermeidung von Auffahrunfällen und sogar bei der Spurhaltung (mittels leichter Lenkkorrekturen). Nicht zu vergessen: die neuen Continental-Reifen, die sich notfalls ganz von allein abdichten. 40.800 Euro kostet die geballte Ladung (ohne Extras) – viel für einen Passat, nicht viel, wenn wir an die Alternativen denken.

Der extremer gestylte CLS stiehlt dem Passat die Schau

Da wäre der Mercedes CLS 350 CGI, soeben facegeliftet (Grill, Front- und Heckleuchten), mit Direkteinspritzer-V6 und 292 PS ab 61.404 Euro. Während bei Jaguar in dieser PS-Region bereits der XF 4.2 fällig ist, der 62.180 Euro kostet. Allerdings inklusive acht Zylinder (298 PS). Kein Vergleich? Wir finden schon. Zugegeben, der extremer gestylte Mercedes CLS stiehlt dem Passat CC die Schau. Seine Aura reicht je nach Aufmachung von apart bis mafiös (in Schwarz mit schwarzen Scheiben und 19-Zoll-Rädern). Und auch gegen den XF kann der VW nicht punkten. "Fällt dem Designer nichts mehr ein, macht er eine Sicke rein" – diese Stylistenregel kontert Jaguar mit erfrischender Schlichtheit und aufregenden Proportionen. Das wirkt: Der Anblick eines XF vor der Haustür erhöht die Lebensqualität der ganzen Nachbarschaft. Doch was nützt der schöne Schein, wenn der Passat CC zum technischen K. o. ausholt? Tatsache ist, dass sein Fahrer, wenn es zur Sache geht, keineswegs in eine passive Demutshaltung verfällt. Im Gegenteil: Mit seinen Widersachern hält sich der 300-PS-Allradler nur kurzzeitig auf. Fahrleistungen, Traktion, der Grip in den Kurven, die blitzartigen Gangwechsel der DSG-Schaltung – dagegen ist in dieser Runde kein Kraut gewachsen.

Stimmt es also doch: Viel hilft viel? Nicht ganz, denn eines bietet der VW weder serienmäßig noch gegen Aufpreis: Nennen wir es Charakter, der uns ein Auto ans Herz wachsen lässt. Beim Mercedes zum Beispiel das Gefühl, es mit etwas Handfestem zu tun zu haben – im Eindruck eher schwerer Wagen als Flitzer, aber zugleich kompetent und durchaus dynamisch. Und das Fahrwerk ist wie eine perfekte Sekretärin, die Unangenehmes aussortiert und dafür sorgt, dass nur Wichtiges den Boss erreicht. So müssen sie sein, die Autos mit dem Stern. Beim Jaguar fesselt die Agilität, diese Leichtigkeit des Schnellseins, quasi aus dem Handgelenk, aber auf die kultivierte Art. Im Einklang damit die schnelle, aber sanfte Automatik und der klangvolle V8. Nicht vulgär ballernd, sondern dezent und sonor. Im Vergleich zu den eher rauen und bisweilen angestrengt klingenden V6-Motoren der Konkurrenten verhält sich dieser Achtzylinder wie ein Kaschmirschal zu einer Wollstola. Nur der Autobahnkomfort passt nicht so richtig, er sollte geschmeidiger sein. Eine besondere Attraktion dagegen das coole Ambiente, weit ab vom üblichen Standard-Design. Das mag nicht mehr den traditionellen Jaguar-Gepflogenheiten entsprechen, aber es macht den XF zu etwas Besonderem. Charakter eben. Und genau das ist es dann auch, was der Passat CC noch vermissen lässt. Ein gutes Auto, ein Alleskönner, und doch vergleichsweise reizarm. Aber dafür kostet es ja auch ein Drittel weniger.

Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Wolfgang König

Alle Achtung: VW bietet beim Passat CC V6 viel Technik fürs Geld. Im Auftritt rangiert der CC eine ganze Klasse höher als die Limousine. Doch bei allem Talent vermisse ich den Reiz des Besonderen. Eine stärkere Einbindung ins Fahrgeschehen etwa, mehr Feedback. So aber geht der Eindruck in Richtung Playstation: Alles funktioniert, nichts kann schiefgehen, aber ein bisschen steril, das Ganze. Genau das lässt sich dem Mercedes und dem Jaguar nicht nachsagen – eine Frage des Charakters.
Fahrzeugdaten Jaguar XF 4.2 Mercedes CLS 350 VW Passat CC V6
Motor V8, vorn längs V6, vorn längs V6-FSI, vorn quer
Hubraum 4196 cm³ 3498 cm³ 3597 cm³
Leistung 219 kW (298 PS)/6000 min 215 kW (292 PS)/6400 min 220 kW (300 PS)/6600 min
max. Drehmoment 411 Nm/4100 min 365 Nm/3000 min 350 Nm/2400 min
Getriebe Sechsstufenautomatik Siebenstufenautomatik Sechsgang-DSG
Antrieb Hinterradantrieb Hinterradantrieb Allradantrieb
Länge/Breite/Höhe 4961/1877/1460 mm 4913/1873/1430 mm 4799/1855/1417 mm
0–100 km/h 6,5 s 6,7 s 5,6 s
Vmax 250 km/h 250 km/h 250 km/h
Verbrauch (Mix) 11,1 l S 9,3 l S 10,1 l SP
Preis 62.180 Euro 61.404 Euro 40.800 Euro

Autor: Wolfgang König

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