Drei Volkssportler im Vergleich

VW Golf GTI – Opel Astra GTC 2.0 – Ford Focus ST VW Golf GTI – Opel Astra GTC 2.0 – Ford Focus ST

Drei Volkssportler im Vergleich

— 15.12.2005

Wer ist der wahre GTI?

Auf zur neuen Runde im Dreikampf der kompakten Sportler: Astra GTC und Focus ST fordern den Altmeister Golf GTI heraus.

Schnell, stark – und voll alltagstauglich

Was sich heutzutage nicht so alles GTI nennt: Leistungsstarke Heimcomputer mutieren in Anzeigentexten zum "GTI unter den PC". In Hamburg gibt es eine Fahrschule, die Schnellkurse anbietet und sich entsprechend rühmt, "der GTI unter den Ausbildungsstätten" zu sein. Und auch ich habe kürzlich einem Kleinwagen mit starkem Dieselmotor "echte GTI-Qualitäten" attestiert. Wie auch immer – letztendlich weiß wohl jeder, welche Charakterzüge mit dem Kürzel gemeint sind: stark, schnell, kompakt – und vollkommen alltagstauglich.

Eben wie das Original von VW – der (in nunmehr fünfter Generation) 200 PS starke Golf. So "original" ihn jedoch allein sein gut 30jähriges Erbmaterial ausweisen mag – im Prinzip haben längst auch andere Marken diesen Buchstaben-Orden verdient. Da wäre zum Beispiel Opel mit dem ebenfalls 200 PS starken Astra GTC Turbo. Und ab sofort auch wieder Ford mit einem 225 PS starken Hammer, dem Focus ST.

Bereits auf den ersten Blick gibt es Unterschiede. So muß man beim Opel schon nach dem Schriftzug Turbo am Heckdeckel fahnden, um zu erkennen, ob hier die starke Version parat steht. Beim Golf stellen immerhin der markante Grill mit typischem roten Rahmen oder das Doppelendrohr auffällige Merkmale dar. Nur der Ford läßt sich auf den allerersten Blick als kurvenräubernder Kracher identifizieren. Neben dicken Schweller-Blenden und einem kecken Heckflügel fallen sofort die satte Tieferlegung von fünf Zentimetern sowie die großen, auffällig gestalteten 18-Zoll-Räder ins Auge. Für mich bedeutet das grelle Styling aber: Ford trägt ein bißchen zu dick auf – so wird das GTI-Thema, das irgendwie auch immer stilsichere Optik mitbringen sollte, leider verfehlt.

Kosten und Ausstattungen

Ansonsten eint unsere Kandidaten üppige Motorleistung, das typische Kompaktauto-Karosseriekonzept mit praktischer Heckklappe inklusive dahinterliegender Klapp-Rückbank sowie ein stolzer Preis. Konkret: rund 24.000 Euro für die dreitürige Basisversion. Dafür sind immerhin bei allen Sportsitze (im Opel zu harte Auflagenwangen, Ford mit toll stützender Lehne, VW rundum passend), ein edles Lederlenkrad (Opel angenehm griffig, Ford etwas glatt, VW wunderschön) sowie fette Aluräder (Opel und VW schicke 17 Zoll, Ford sogar 18 Zoll) enthalten.

Alles passende Ausstattungsdetails für diese Gattung – und eben auch typisch für GTI. Daß aber VW nicht einmal ein Radio ab Werk liefert, Opel seinen Kunden einen Bordcomputer vorenthält, und Ford den Focus nicht einmal mit einem Einklemmschutz für die elektrischen Fenster ausstattet, finde ich dagegen erbärmlich. Doch das sind Kleinigkeiten bei einem Sportler-Vergleich, bei dem es um den wahren GTI-Geist geht.

Ford glänzt mit einem Sahne-Motor

In schnöden Zahlen ausgedrückt, finden Opel und VW bei Sprint und Zwischenspurt ihren Meister im Ford. Nicht nur, weil der ST ohnehin 25 PS mehr Leistung hat. Die läßt sich nämlich noch mit einem Handgriff steigern. Mit Super plus statt wie empfohlen mit Super betankt, paßt sich die Motorsteuerung des Focus "nach oben" an – und setzt weitere zwölf PS frei. Macht unter dem Strich 237 PS – und deutlich bessere Fahrleistungen als sie Opel und VW bieten.

Aber diese Zahlen-Theorie allein wird dem potenten Focus nicht gerecht. Denn sein Sahne-Motor produziert die Leistung auf die wohl wonnigste Weise, seit es überhaupt Sportwagen im Familienkleid gibt. Volle 2,5 Liter Hubraum aus fünf Zylindern machen hier die Musik. Und einen wirksamen Verstärker gibt es auch noch. Der heißt "Symposer" und ist eigentlich ein Trick, satten Sound herbeizuschummeln. Auch wenn das synthetisch passiert – es funktioniert großartig. Das einem Turbomotor normalerweise fehlende heiser-dumpfe Ansaugschlürfen wird perfekt reproduziert.

Zudem hat Ford dem Motor im Leerlauf einen leicht humpelnden Zündzeitpunkt verpaßt – was einen herrlich nervös grummelnden Sportmotor vorgaukelt. Die ansonsten vibrationsarme Maschine glänzt mit samtig gleichmäßiger Leistungsentfaltung, sattem Punch aus allen Lagen und einer quirligen Drehwilligkeit. Keine Frage, wenn der Begriff GTI über den Motor zu definieren wäre, würde ich sagen: "VW, rück das Kürzel raus, damit Ford es sich markenrechtlich schützen lassen kann."

Werksangaben und Testwerte

Nicht, daß wir uns falsch verstehen. Auch der TFSI genannte Vierzylinder mit Benzindirekteinspritzung des Golf ist ein kräftiger Klotz. Mit ebenfalls ordentlicher Durchzugskraft und weichem Lauf. Aber trotz des insgesamt sonoren Klangs deutlich unspektakulärer und von einer klitzekleinen Atempause kurz vor dem Turboeinsatz gepiesackt. Zudem bricht er im letzten, lang übersetzten sechsten Gang etwas im Vorwärtsdrang ein.

Auch dem Zweiliter-Vierzylinder des Astra geht im sechsten Gang spürbar die Puste aus. Daß er insgesamt leise und unaufgeregt, in unteren Drehzahlbereichen aber störend dröhnig läuft, distanziert ihn in dieser Disziplin vollends vom Supermotor des Focus. Für den Alltag gilt jedoch: VW nehmen. Der TFSI ist sparsam, leise und im Leistungsverhalten der beste Kompromiß.

Der Komfort bleibt auf der Strecke

Das gilt auch für eine zweite GTI-Tugend: das Fahrverhalten. So präzise und leichtfüßig wie der Golf läßt sich keiner durch enge Wechselkurven scheuchen. Dabei reagiert der VW auf plötzliches Gaswegnehmen äußerst berechenbar mit einem zarten Heckschwenk. Wenn nicht bereits das fein regelnde ESP eingreift, kann es der Fahrer mit wenig Lenkeinschlag ausbügeln.

Nachteil der trockenen Abstimmung: Der Komfort bleibt nahezu auf der Strecke. Besonders bei hohen Geschwindigkeiten nervt der Golf mit hektisch-vertikalen Aufbaubewegungen. Komfortabel ist das nicht. Versöhnend GTI-like: die präzise Schaltung mit kurzen Wegen und satt einrastendem Anschlag. Das macht in diesem Trio keiner besser. Die Lenkung des VW ist um die Mittellage passend spielfrei eingestellt – mit steigendem Lenkeinschlag schwindet allerdings auch die Rückmeldung.

Das haben die Ford-Techniker besser gemacht. Hier spürt der Fahrer auch bei großen Lenkwinkeln noch, wie die Räder stehen. Zudem ist die Übersetzung direkter ausgelegt – so lassen sich enge Kurven leichter bewältigen. Mehr Spaß bereitet diese zackige Abstimmung sowieso. Schmuseweichen Federungskomfort darf man bei den stocksteifen Reifenflanken (40er-Querschnitt) und den harten Federn ebenfalls nicht erwarten. Zudem läßt sich der Focus durch Längsrillen im Geradeauslauf irritieren. Dennoch fühlt sich der Ford viel harmonischer an als der VW.

Die AUTO BILD-Wertung

Die Lenkung des Opel arbeitet ähnlich direkt übersetzt wie die des Ford, aber sie wird mit deutlich mehr Servo-Zuschlag unterstützt. So viel Leichtgängigkeit wirkt künstlicher als im Golf – paßt jedoch zum zurückhaltenden Gesamtauftritt des Astra.

Immerhin läßt sich die ordentliche, im Gegensatz zu VW und Ford geradezu komfortable Grundeinstellung der Stoßdämpfer auf Knopfdruck (IDS Plus, Serie) in Richtung Rennstrecken-Härte schärfen. Gleichzeitig reagiert der Astra dann auch deutlich spontaner auf Bewegungen des Gaspedals. So gesehen könnte man die unscheinbare Sport-Taste im Opel Cockpit eigentlich auch als den "GTI unter den Knöpfchen" bezeichnen.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Ford Focus ST, Opel Astra GTC 2.0 und VW Golf GTI. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.