Dreikampf der sportlichen Diesel

Alfa 147 JTD 16V gegen BMW 120d und Opel Astra 1.9 CDTI Alfa 147 JTD 16V gegen BMW 120d und Opel Astra 1.9 CDTI

Dreikampf der sportlichen Diesel

— 17.02.2005

Mit feinem Näschen

Flott fahren, Sprit sparen: Alfa 147 JTD 16V, BMW 120d und Opel Astra 1.9 CDTI – wer bietet das beste Paket?

Fünftürige Tiefflieger mit starken Dieseln

Die Billig-Flieger bringen uns inzwischen fast überall hin. Kaum ein Ort, der nicht von den Sparvögeln angeflogen wird. Aber der Service: Lange Warteschlangen am Airport, kein Gratis-Brötchen an Bord, und in der Kabine geht es meist arg beengt zu. Wir empfehlen da lieber die bodenständige Business class. Unser Tip für sparsame Hobbypiloten: fünftürige Tiefflieger mit starken Dieseln. Damit geht es ebenfalls flott voran, das Platzangebot ist mit Sicherheit besser – und eine Stewardeß kann sich ja jeder selbst einladen.

In der Liga der fernreisetauglichen Kompakt-Jets präsentiert Alfa den frisch frisierten 147. Wir bitten den 1.9 JTD 16V (150 PS) zusammen mit BMW 120d (163) und Opel Astra 1.9 CDTI (150) zum Probeflug. So günstig wie bei den Airlines kommt hier leider keiner an sein Ticket. Mindestens 24.400 Euro sind für einen 120d fällig, 22.350 Euro verlangt Alfa Romeo für den 147, und den Astra gibt es nicht unter 20.890 Euro.

Deutlicher werden die Unterschiede, wenn ein Upgrade der Ausstattung dabeisein soll. Alle auf das gleiche Niveau gebracht, rollt der BMW dann mit über 27.000 Euro an den Start, satte 5000 Euro teurer als der Astra (der Alfa liegt genau dazwischen). In alter DM-Währung wären das über 50.000 Mark! Also eher First class als Economy, dieser BMW.

Eine echte Klassengesellschaft gibt es auch beim Platzangebot: Der Opel hat zwar keine Schlafsessel – sein Raumangebot ist im Gegensatz zur Konkurrenz dennoch geradezu üppig. Hinten reicht es auch großen Passagieren noch über dem Kopf, und vor den Knien gibt es ebenfalls mehr Raum als in den viel engeren Kompakten von Alfa und BMW.

Per Knopfdruck wird der Astra straffer

Ähnlich im Frachtabteil: Opel-Reisende können mindestens zwei Sporttaschen mehr an Bord mitnehmen als BMW- und Alfa-Passagiere. Ebenfalls nur Economy-Feeling bietet BMW beim Einstieg nach hinten. Der verbaute Türausschnitt verlangt dafür eine Turnübung. Und der Alfa? Dort stören ungeschickt montierte Kopfstützen – sie müßten eigentlich Schulterblattstützen heißen, so tief sind sie angebracht. Langstrecken-Flüge sollten Reisende darum am Opel-Schalter buchen. Es sei denn, sie möchten lieber selbst das Ruder in die Hand nehmen. Denn dann ist plötzlich BMW der Überflieger.

Erstklassige Sitze, ein übersichtliches Cockpit und eine angenehm tiefe Sitzposition vermitteln den Wunsch, sofort vollen Schub zu geben. Allerdings kosten die tollen Sportsessel des 1ers Aufpreis: Für 600 Euro zusätzlich gibt es damit elektrisch anpaßbare Seitenwangen und eine angenehme Oberschenkel-Auflagenverlängerung.

Der 147 erschwert uns den Start unnötig. Ungeschickt angebrachte Schalter für die Sitzheizung, ein labiler Wischerhebel oder der nicht optimal ablesbare Tacho stören den reibungslosen Betrieb. Vom Radio gar nicht zu reden. Wer sich damit näher beschäftigen möchte, sollte das im Simulator tun – bloß nicht im Straßenverkehr. Zudem sind die Seitenwangen der Sitze arg labil. Aber: Stört das überzeugte Fans wirklich?

Kein Ärger hingegen im Astra. Allenfalls die Klimaregelung ist unnötig überfrachtet. Ein Knöpfchen verdient besondere Beachtung: Mit der Taste Sport (beim IDS-plus-System, 585 Euro extra) wird unter anderem das Fahrwerk auf Knopfdruck straffer. Werden die elektronischen Dämpfer aktiviert, macht sich der Astra ganz steif, nein, wird sogar knüppelhart. So eingestellt, taugt der Astra eher für die Rennstrecke, im Alltag stört das nur. Für den alltäglichen Fahrbetrieb darf man den Sport-Knopf also getrost ignorieren. Die meisten Stöße auf der Rollbahn steckt der Opel sowieso bestens weg. Nur auf ganz schlechter Piste benimmt er sich etwas störrisch, poltert eher steif durch herbe Schlaglöcher.

Fahrverhalten und Komfort

Was die Kursstabilität angeht: Hier gibt es nichts zu meckern. Hektische Ausweichmanöver, Lastwechsel in schnellen Kurven, Slalom – der Astra pariert alles nahezu gelassen. Dazu paßt das hellwache, rigoros einschreitende ESP.

Genauso sicher im Fahrverhalten, aber nicht ganz so ausgewogen beim Komfort meistert der 1er die Fahrtests. Querfugen in der Fahrbahnoberfläche oder kurze Wellen bei hohem Tempo mag der BMW zum Beispiel weniger. Sehr bockig reagiert der straff eingestellte Bayer auf diese Art von Luftlöchern, stoßige Vertikalbewegungen des Aufbaus sind die unangenehme Folge. Daß der elektronische Schleuderschutz des BMW nicht ganz so unbarmherzig zuschlägt wie die Elektronik des Opel, ist nicht wirklich tragisch – schließlich erlaubt das geübten Fahrern gelegentliche Showeinlagen mit dem Heck.

Schlimmer ist die nachlässige ESP-Programmierung des Alfa. Sein Schleuderschutz arbeitet gelegentlich etwas reaktionsschwach. Ein Beispiel: In schnell gefahrenen Kurven drängt beim Lastwechsel das Heck nach außen. Auf nasser Fahrbahn kann das sogar zum Dreher führen, weil die Elektronik zu zaghaft einschreitet. Unter gleichen Bedingungen verhalten sich Opelund BMW dagegen problemlos. Auch beim Fahrkomfort patzt der 147. Auf wellige Oberflächen reagiert der Italiener mit spürbarem Zittern der Karosserie, die Abrollgeräusche auf schlechten Straßen treten viel deutlicher hervor.

Technische Daten und Testwerte

Schaltung und Motor – sonst Garanten für gute Wertungen bei Alfa – können im 147 auch nicht ganz überzeugen. Zu labil rutscht der Hebel durch die Gassen, eher zahnlos beißt der Multijet-Diesel zu. In den Elastizitätswerten muß sich der 147 sogar in einigen Disziplinen dem eigentlich gleichstarken Astra geschlagen geben. Letzterer hat trotz des 13-PS-Nachteils und im Drehmoment schwächeren Aggregats gegenüber dem 120d sogar den subjektiv besten Antritt des Trios – einfach weil der CDTI spürbar flinker hochdreht als der länger übersetzte BMW.

Kommen wir nun zu den Reisekosten: Mit 7,2 Liter Durchschnittsverbrauch auf 100 Kilometer setzt der Astra die beste Sparmarke. Allerdings nur knapp, denn hier liegen alle drei auf erfreulich niedrigem Niveau. Mehr als acht Liter genehmigt sich keiner der Diesel-Düser. Pro Person ist das ein Wert, von dem die Billig-Flieger nur träumen können. Die brauchen für jeden Passagier fast das Doppelte.

Kosten und Ausstattungen

In der Basis kostet ein 1er rund 3500 Euro mehr als ein Astra – das tut weh. Dazu verbraucht der Opel weniger und muß auch weniger häufig zum Service in die Werkstatt. Alfa kann da nur mit einer guten Ausstattung dagegenhalten, BMW immerhin mit spürbar geringeren Versicherungstarifen.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jan Horn Mehr Leistung – das nützt dem 1er-BMW wenig. Mehr Chic – das bringt den Alfa kaum weiter. Beide müssen sich deutlich hinter dem Astra einreihen. Opel bietet das sorgfältiger geschnürte Paket, zudem mehr Kofferraumgröße und das bessere Platzangebot im Fond. Sein einziger Nachteil vielleicht: Er fährt sich zwar besser, aber auch unspektakulärer. Piloten mit Spaßanspruch sollten deshalb in den BMW einsteigen. Der 147 kann nur bei den "gefühlten" Eigenschaften mithalten.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Opel Astra 1.9 CDTI, BMW 120d und Alfa 1.9 JTD 16V M-Jet. Das Ergebnis sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

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