Driften lernen: Extrem

— 19.04.2013

Gas! Gas! Gas!

Fährste quer, siehste mehr – solche nicht ganz ernstgemeinten Weisheiten kommen meist von Möchtegern-Driftern. autobild.de hat es jetzt ausprobiert und einen Driftkurs besucht.



Aufheulende Motoren sind das klare Statement an die Konkurrenz: "Komm mir bloß nich quer". Und dabei geht's doch beim Driften genau darum. Möglichst quer, möglichst lange und unter größtmöglichem Rabatz die Kurve längs. In offiziellen Driftserien bewerten eine Jury und Messgeräte neben dem Driftwinkel, Linie und Abstand zur Streckenbegrenzung auch die Geschwindigkeit. Für die Fangemeinde zählt vor allem die unschlagbare Show: Driften ist Entertainment mit Schall und Rauch. Durchdrehende Räder – in anderen Motorsport-Disziplinen unerwünscht – gehören beim gepflegten Querfahren zur Grundvoraussetzung. Wobei wir beim Thema wären: Wie driftet man eigentlich richtig? Jedenfalls nicht auf nasser Fahrbahn und nicht im Schnee, erklären Efrat Hoffman und Adam Frank, Betreiber ihrer eigenen Driftschule in der Nähe von Budapest.

BMW Driftauto Dotz DD1

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Drift-Lehrer Adam Frank zeichnet die Strecke auf und erklärt kurz die Übung.

"Wir wollen unseren Absolventen vor allem den Spaß am Driftsport vermitteln. Keiner beherrscht den perfekten Drift aus dem Stand, aber jeder kann es lernen", behauptet Driftprofi Adam Frank. Er startet im Jahr 2013 mit einem ordentlich aufgedonnerten BMW M3 mit GTR-Bodykit in der "King of Europe Pro Series", der europäischen Driftmeisterschaft. Na dann, lassen wir uns vom Senior-Profi zum Driftking ausbilden. Alle Theorie ist grau und so beschränkt sich Adam Frank auf das Nötigste, nämlich die Strecke. Der Kurs ist ein S-Geschlängel. Für uns als Rookies gilt es, so wenig Pylone wie möglich unter die Räder zu nehmen. Das klingt im ersten Moment leicht, stellt sich wenig später im Auto aber bald als wirkliche Herausforderung dar. "Alles eine Frage der Koordination, aber vor allem die eines kühlen Kopfes; bleib cool", sagt der Drift-Lehrer. "Lass das Auto machen und ganz wichtig, im richtigen Moment Hände weg vom Lenkrad. So schnell wie nötig kannst du gar nicht Gegenlenken. Sowieso, gelenkt wird mit dem Gaspedal."

Als Drift-Geräte stehen sieben BMW E30/E36 mit 330 PS, gesperrter Hinterachse und modifizierter Lenkung parat.

Schon ein paar Meter weiter lauert die nächste Competition – auf 180 Grad gespannt, glitschig vom Gummiabrieb der letzten Runden. Der zum waschechten Driftauto hochgezüchtete 330 PS starke BMW 3er beschleunigt auf kurzen Sprints wahnsinnig schnell. "Pump, pump, pump", übertönt Adam Frank den brüllenden V8. Mein rechter Fuß kontaktiert rythmisch den Gaszug, das Heck bricht aus – "Steer, steer, steer" schmettert mein Beifahrer. Für mich heißt das gegenlenken, für den Bruchteil einer Sekunde die Pfoten vom Lenkrad zu nehmen, um im richtigen Moment wieder einzugreifen. Der BMW schiebt sich quer durch die Kurve, rappelt und ächzt dabei als wäre er ein motorbetriebener Bollerwagen, bis es in meinem rechten Ohr nur noch "Gas! Gas! Gas" hallt. Mit ausgestrecktem Bein und volle Luzie auf's Pedal quittiere ich Adam Franks Ansage. Die Folge aus minimalem Einlenken, beherzten Gasstößen, Gegenlenken und Vollgas ist ein Hochgefühl für jeden Drifter: Bevor das Auto die nächste Kehre erreicht, herrscht für einen Moment eine Art der Schwerelosigkeit. Mit durchdrehenden Hinterrädern und einem wild auf den Begrenzer einprügelndem Achtzylinder fliegen wir in Richtung nächste Kurve.

Bilder: Speedhunters 86X (Toyota GT86)

Speedhunters 86X (Toyota GT86) Speedhunters 86X (Toyota GT86) Speedhunters 86X (Toyota GT86)
Nach jeder Runde im Parcours steuern wir unseren E36 in die Boxengasse. Ungarische "Rennmechaniker" checken Reifen, Aufhängung und Lenkung. Bei Bedarf gibt es einen Satz "neue" Schlappen für Hinterachse mit drei bis vier Millimeter Restprofil. Eine gute halbe Stunde dauert ein Stint, die anschließende Pause ist genau so lang. Die Gelegenheit, für uns Drift-Rookies über Eindrücke zu sprechen und Tricks und Tipps auszutauschen. Unsere Lehrer Efrat Hoffman und Adam Frank halten sich mit überfordernden Ratschlägen angenehm zurück:"Driften lernst du nur durch ausprobieren. Now, have fun!"

Bilder: Gefährlicher Hajwalah-Sport in Saudi Arabien

Arab Drifting Hajwalah Arab Drifting Hajwalah Arab Drifting Hajwalah
Also geht es noch viele Male auf den mittlerweile Schwarz gefärbten "Gummiplatz". Mit Vollgas auf die Kehre zu, anbremsen, eine Mikrobewegung einlenken, wieder auf's Gaspedal und gegenlenken. Am Ende behält Adam Frank schließlich recht: Driften kann wirklich jeder lernen, der Spaß daran hat, ein Auto im Grenzbereich zu kontrollieren. Und Spaß hatten wir! Volle zwei Tage lang. Bis zum "Driftking" wie im Film "Fast and Furious: Tokyo Drift" fehlen zwar noch ein paar Übungseinheiten, aber für die "King of Europe" reicht unser neu erlerntes Schleuderhandwerk – zumindest in der Klasse "Street legal".

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Driften



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