Druck auf Fiat wächst

Wird Ferrari verkauft? Wird Ferrari verkauft?

Druck auf Fiat wächst

— 18.10.2002

Wird Ferrari verkauft?

Gläubiger-Banken fordern weiteren Schuldenabbau des Turiner Konzerns – jetzt steht auch Ferrari auf der Verkaufsliste.

Mit 32 Milliarden Euro in der Kreide

Der Fiat-Konzern soll profitable Tochterfirmen verkaufen, um die defizitäre Autoproduktion zu retten. Die Gläubigerbanken sind nach einem Treffen mit der Fiat-Geschäftsführung und Finanzminister Giulio Tremonti nicht mehr bereit, weitere Kredite zu gewähren, bevor Fiat seine Schulden abgebaut hat. Der Verkauf der Sportwagentochter Ferrari könnte mit einem Schlag 2,5 Milliarden Euro in die Kassen bringen.

Die Krisengespräche, die Fiatchef Paolo Fresco mit den Managern der Gläubigerbanken führt, sind unangenehm. Fiat Auto hat 17,3 Milliarden Euro Schulden. Hinzu kommen Verbindlichkeiten der restlichen Tochterfirmen von rund fünf Mrd. Euro. Die Krise des Konzerns entstand aber nicht allein durch die schlechte Entwicklung der Auto-Sparte. Schon 1997 war Fiat Auto mit 15 Mrd. Euro verschuldet, seitdem kamen nur noch 2,3 Mrd. Euro hinzu. Das größte Problem von Fiat entstand durch die Entscheidung, den Landmaschinenkonzern New Holland zu kaufen.

1999 zahlte Fiat rund 4,3 Mrd. Dollar, um ihn mit der Landmaschinentochter Case zur CNH (Case New Holland) zu verschmelzen. Heute ist New Holland weniger als 1,9 Mrd. Dollar wert, CNH nahm unterdessen 10,4 Mrd. Dollar Kredite auf. Insgesamt liegt die Verschuldung des Fiat-Konzerns bei 32 Mrd. Dollar. Darin sind noch nicht die 5,5 Mrd. Euro enthalten, die Fiat aufnahm, um den Stromkonzern Italenergia zu übernehmen. Auch nicht die neun Mrd. Euro, mit denen die Tochter Edison verschuldet ist.

Räumungsverkauf in Turin

Angesichts dieser Lage fordern die Banken, dass Fiat einen Plan vorlegt, um die Schulden zu reduzieren. Das Hauptproblem ist nun, dass die Branche weiß, dass Fiat verkaufen muss. So sucht der Turiner Konzern seit zwei Jahren einen Käufer für den Autozulieferer Magneti Marelli.

Es gibt zahlreiche Interessenten für Magneti Marelli, das unter anderem die Common-Rail-Technik für Diesel-Motoren entwickelte. Doch bisher sind die gebotenen Preise viel zu niedrig. Auch für Fiat Avio gibt es mehrere Interessenten, weil es dem Unternehmen gelang, einen äußerst leisen Motor für Verkehrsflugzeuge zu bauen. Airbus und Boeing haben schon bei Avio bestellt.

Doch auch im diesem Fall hoffen die möglichen Käufer jetzt auf niedrigere Preise, weil Fiat unbedingt verkaufen muss. Der Turiner Konzern wollte mindestens 2,5 Milliarden Euro für Fiat Avio haben. Die Gebote liegen derzeit bei zwei Mrd. Euro. Auch der Verkauf von CNH scheint derzeit wenig ratsam. Fiat müsste hohe Verluste hinnehmen. Für die Fiat-Tochter Comau, die Industrieroboter herstellt, soll sich die deutsche IWKA AG interessieren.

Keiner will Ferrari

Nur ein Unternehmen ließe sich an den Börsen gut verkaufen: Ferrari samt Maserati. Die Erfolge im Rennsport bescheren dem Autohersteller einen Höhenflug, die Umsätze stiegen um zehn Prozent auf 1,15 Mrd. Euro. Trotz der weltweiten Krise verkaufen sich die Autos von Ferrari sehr gut. Das gleiche gilt für die zweite Marke, Maserati. Der Konzern rechnete zunächst damit, 8000 Maserati pro Jahr verkaufen zu können, jetzt scheinen 15.000 Stück realistischer.

Wenn Fiat den 56-prozentigen Anteil an Ferrari/Maserati verkaufen würde, scheint ein Erlös von 2,5 Mrd. Euro erzielbar. Die Frage ist, wer diese Summe zahlen will. Den US-Herstellern dürfte der Preis zu hoch sein, die deutschen Autobauer sind bereits im Luxus- und Sportwagensegment vertreten. Selbst japanische Konzerne dürften abwinken.

Erstens sind sie mit eigenen Rennställen in der Formel Eins aktiv, zweitens fürchten sie wohl den Einfluss der italienischen Gewerkschaften. Drittens: Wie gesund Ferrari ist, dürfte sich erst herausstellen, wenn das Unternehmen aus Fiat herausgelöst wird. Bislang profitierte Ferrari auch von den Entwicklungskapazitäten der Muttergesellschaft. Und wie sich die Sportwagenmarke entwickelt, falls es in der Formel Eins irgendwann nicht mehr so gut laufen sollte, ist ebenfalls offen.

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