Druck auf Scania wächst

Druck auf Scania wächst

Druck auf Scania wächst

— 13.10.2006

Schwer verdaulicher Schweden-Happen

MAN erhöht seine Offerte und seinen Aktienanteil an Scania. Aus dem freundlichen könnte bald ein feindliches Übernahmeangebot werden.

Der Übernahmekampf um den schwedischen Lastwagen-Hersteller Scania hat mit einer neuen Offensive des Münchner MAN-Konzerns weiter an Schärfe gewonnen. MAN erhöhte sein Übernahmeangebot um rund 7,5 Prozent auf etwa 10,3 Milliarden Euro und gab zugleich überraschend bekannt, für mehrere hundert Millionen Euro Scania-Aktien außerhalb der Börse aufgekauft zu haben.

Mit 14,3 Prozent der Stimmrechte ist MAN nach Volkswagen und der schwedischen Industriellenfamilie Wallenberg nun bereits drittgrößter Scania-Aktionär. Scania und die Wallenberg-Beteiligungsfirma Investor AB wiesen auch das neue Übernahmeangebot zurück. Eine Scania-Sprecherin nannte es "deutlich zu niedrig". Auch Investor AB erklärte, das Angebot spiegele nicht den Wert des schwedischen Lastwagenbauers wider.

VW, mit rund 34 Prozent Stimmrechtsanteilen größter Scania-Aktionär, ließ das neue MAN-Angebot zunächst unkommentiert. Aus Kreisen des VW-Aufsichtsrats verlautete, dass sich das Gremium auf einer Sitzung am 15. Oktober mit dem neuen Angebot und dem Übernahmepoker befassen wolle.

Auch nach Pischetsrieders Machtwort ist noch keine Einigung in Sicht.

VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder hatte zuvor mehrfach die Rücknahme des MAN-Übernahmeangebots gefordert und erst am 9. Oktober MAN und Scania vier Wochen Zeit für eine freundschaftliche Einigung über eine Kooperation gegeben. MAN-Chef Hakan Samuelsson warf dem Scania-Management vor, mehrfach nicht auf direkte Gesprächsangebote eingegangen zu sein: "Deshalb haben wir uns zu diesem Schritt entschlossen, um so die Chancen zu erhöhen, die angestrebte Vision zu verwirklichen," begründete er den Kauf der Scania-Aktien.

Kommentar von WELT-Redakteur Frank Seidlitz Noch am 9. Oktober schien der Weg für eine multimilliardenschwere Lkw-Allianz nur noch eine Frage von Wochen: Volkswagen als Hauptaktionär wollte MAN und Scania per Dekret zu einer friedlichen Allianz zwingen und damit gleichzeitig kostengünstig die hausgemachten Probleme seiner Nutzfahrzeugsparte beheben. Doch das Muskelspiel ist wirkungslos verpufft. Der Automobilkonzern hat die Rechnung offensichtlich ohne die Schweden gemacht. Diese Übernahme ist somit noch lange nicht in trockenen Tüchern. Wenn Samuelsson und VW reüssieren wollen, dann müssen sie vor allem dem Scania-Großaktionär Investor Zugeständnisse machen. Umso wichtiger ist es, schnell wieder von der feindlichen auf die freundliche Schiene zu kommen.

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