DS E-Tense (2016): Fahrbericht

DS E-Tense (2016): Fahrbericht

— 18.07.2016

Tesla-Gegner von DS

Der E-Tense ist ein rollendes Schaufenster in die Zukunft der franzsischen Edelmarke DS. Der E-Sportler hat auch fahrdynamisch einiges auf dem Kasten.

Die hinteren Lufteinlsse wurden per 3D-Druck-Verfahren hergestellt.

Die Turnbung beim Entern der grnlich schimmernden Flunder unterscheidet sich nur unwesentlich von der, die bei anderen Supersportwagen ntig ist. Erst schlngelt man sich durch eine enge Trffnung, sortiert seine Knochen, um sich in den knapp geschnittenen Sportsitz zu zwngen. Aber dann hrt die Routine schon auf. Statt auf Rundinstrumente blickt man im DS E-Tense auf ein Display. Ein kurzer Blick gibt Auskunft: "Torque" (Drehmoment), "Throttle" (Gas) und "Brake" (Bremse) steht da. Gangknppel? Fehlanzeige. Schlielich handelt es sich um einen Prototypen der franzsischen Edelmarke, "ein rollendes Labor", wie DS-Technikchef Eric Apode den Sportwagen nennt. Da muss per se schon einiges anders sein als bei gewhnlichen Serien-Rennern.
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Hat man sich einmal an die Captain-Future-Umgebung gewhnt, erweist sich die schnittige Studie als erstaunlich alltagstauglich. Eine gute Sitzposition ist schnell gefunden und das abgeflachte mit Leder-berzogene Alu-Lenkrad liegt gut in der Hand. Auf kurvigen Landstraen zeigt der 1,8-Tonnen-Bolide sein wahres Gesicht. Kaum tippt der rechte Fu das Gaspedal an, katapultiert sich der DS-E-Tense mit der Kraft seiner 296 kW/402 PS nach vorne. Wie bei einem Elektromobil blich, steht das maximale Drehmoment von 512 Newtonmetern vom Fleck weg Gewehr bei Fu und treten den Piloten mit Vehemenz ins Kreuz.

Sitzprobe DS 4 und DS 4 Sportback (IAA 2015)

Vehement zieht der E-Tense nach vorne

Mit 402 PS katapuliert sich der E-Tense in krzester Zeit nach vorne.

Was den explosiven Antritt angeht, braucht sich die DS-Flunder nicht vor einem Tesla Model S verstecken. Das stetig anschwellende Sirren der beiden Elektro-Motoren, die aus Balance-Grnden an der Vorder- und Hinterachse angebracht sind, untermalt den Sturm Richtung Horizont. Wer auf Synthie-Pop steht, kann sich mit einem eigens fr den E-Tense komponierten Musikstck, das aus den neun Lautsprechern der Focal-Highend-Stereo-Anlage berieseln lassen. Zurck zum Fahren: Das Getriebe hat drei Gnge, die ohne Zugunterbrechung hineingeschnalzt werden. Geradeaus zu bolzen ist keine Kunst wenn es um die Ecken geht, trennt sich die Spreu vom Weizen. Der DS E-Tense ist ein Hecktriebler, also ist die Gewichtsverteilung extrem wichtig, damit aus dem Prototypen kein Asphalt-Fred-Astaire wird, der in jeder Kurve zum Tanz bittet.

Die Gewichtsverteilung ist nahezu perfekt

Deswegen haben die Ingenieure die Akkus der 53-kWh-Batterie am Unterboden mglichst nah am Schwerpunkt des Fahrzeugs platziert. Das resultiert in einer fast perfekten Gewichtsverteilung zwischen den beiden Achsen von 45 zu 55 (hinten). Bei der Aerodynamik schauten die DS Techniker beim DS Virgin Racing Team (in der Formel E am Start) ganz genau hin: Der Unterboden ist glatt, zwei Luftkanle, sogenannte "Air Ducts", khlen die Bremsen und helfen beim Anpressdruck. Garniert mit einem Sperr-Differenzial an der Hinterachse und aktivem Torque Vectoring carvt der Gallier behnde um die Ecken. Dabei krallen sich die Michelin-High-Performance-Reifen mit allen Profil-Blcken in den Asphalt und kmpfen mit Macht dagegen an, den Kontakt nicht zu verlieren.

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Nach wenigen Kilometern auf kurvenreichen Landstraen ist der Cancan la DS E-Tense bereits in Fleisch und Blut bergegangen: Anvisieren, anbremsen, Scheitel treffen, Gas geben. Der E-Sportwagen stellt den Fahrer vor keine groen Probleme. Das Heck ist berechenbar und kndigt sein Ausbrechen durch leichtes Zucken an. bermut bestraft das ansehnliche Hinterteil allerdings mit einem knackigen Schwenk, der mit schnellem Gegenlenken aber zuverlssig eingefangen werden kann. Wer sich auf moderne Spielereien wie ESP verlsst, sieht sich getuscht. Beim DS E-Tense entscheidet alleine das Knnen des Piloten, ob die Reise im Acker oder im Pariser Straen-Caf endet.

Das Fahren ist ein Fest fr die Sinne

Edle Lederbezge fr die Sitze, die Nhte wurden per Handarbeit aufgebracht.

Das Fahren im DS E-Tense ist ohnehin ein Fest fr die Sinne. Das Leder im Innenraum wurde von Spezialisten mit einer Tinte getrnkt, um die edle Patina italienischer Herrenschuhe zu bekommen. Die bequemen Sportsitze umschmiegen den Fahrer nicht nur wie ein gut sitzender Handschuh, sondern sind durch die aufwendigen Nhte, bei denen jeder Stich exakt platziert ist, auch ein Manifest traditioneller Handwerkskunst. Dazu kommen noch die metallischen Waben-Strukturen sowie die futuristischen Hebel und Knpfe, die berall im Innenraum verteilt sind.

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Bei der Karosserie setzten die Franzosen auf Carbon und 3D-Druck zum Beispiel beim Khlergrill und den hinteren Lufteinlssen. Der in acht Schichten aufgetragene Lack schimmert grnlich wie Olivenl. Drei Monate tftelten die Experten, ehe der richtige Farbton gefunden war. Schade nur, dass der E-Tense so nie kommen wird, aber viele der Details wird man in knftigen DS-Modellen wiedersehen. Im nchsten Jahr wird ein Auto, das vermutlich auf dem Genfer Automobilsalon steht, zeigen, wie die Franzosen den Premium-Markt erobern wollen.

Autor: Wolfgang Gomoll

Stichworte:

Elektro-Sportwagen

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