Am 17. Mai fiel in Hockenheim der Startschuss für die Saison 2009

DTM 2009

— 25.12.2009

Der große DTM-Saisonrückblick 2009 - Teil 1

Zum Jahresende blicken wir zurück auf die vergangene DTM-Saison: Den Auftakt machen die ersten Rennen in Hockenheim und am EuroSpeedway Lausitz

Das Jahr 2009 neigt sich allmählich seinem Ende entgegen. Das ist Anlass für 'Motorsport-Total.com', noch einmal auf die vergangene DTM-Saison zurückzublicken - die Saison, in der Audi-Pilot Timo Scheider zum zweiten Mal in Folge Meister wurde, in der der in den Neuwagen zurückgekehrte Gary Paffett ein harter Gegner für ihn war, in der manch weiterer Pilot für Glanzlichter sorgte und andere enttäuschten. Und auf eine Saison, in der es auch immer wieder reichlich Diskussionsstoff gab.

Im ersten Teil unseres Saisonrückblicks beleuchten wir die ersten beiden Rennen: Der Auftakt in Hockenheim wurde von Audi dominiert und erlebte mit Mattias Ekström einen tragischen Helden. Beim zweiten Rennen auf dem EuroSpeedway Lausitz gelang Gary Paffett und Mercedes der Konter. Hier zeigte sich erstmals, dass die C-Klassen reifenschonender sind.

Hockenheim: Audi-Dominanz und tragischer Held

Zunächst gab es für die DTM-Beteiligten einige Punkte, in denen sie umdenken mussten. Um Kosten zu sparen, wurde für die Saison 2009 der Zeitplan an den Rennwochenenden so gestrafft, dass eigentlich nur noch an zwei Tagen Fahrbetrieb herrschte. Am Freitagabend gab es nur noch ein Rollout, richtig los ging es am Samstagmorgen mit dem Freien Training. Im Qualifying wurde neu das Q4 eingeführt, das Shootout der besten vier Piloten. Zwischen Q3 und Q4 darf weder getankt noch Reifen gewechselt werden - doch die Strategen fanden schnell einen Weg, wie die Piloten im letzten Abschnitt doch mit relativ neuen Reifen auf die Strecke gehen können. Wer sicher in Q4 war, fuhr einfach schon am Ende von Q3 eine Runde mit neuen Pneus, kehrte zurück an die Box und wartete auf das Shootout.

Die Gewichtsverteilung wurde für 2009 neu geregelt: Der Unterschied zwischen den einzelnen Jahrgängen wurde wieder größer. Das Konzept ging auf: In der vergangenen Saison waren die Jahreswagen wieder konkurrenzfähiger, Jamie Green gelang am Norisring sogar ein Sieg. Zudem wurden die Rennen 2009 auf Wunsch von TV-Partner 'ARD' um ein paar Runden verlängert - auch das sollte noch für Diskussionsstoff sorgen.

Die Saison 2009 selbst begann mit einer Abschiedsankündigung: Beim Auftakt in Hockenheim gab Audi-Pilot Tom Kristensen bekannt, dass er sich nach diesem Jahr aus der DTM zurückzieht und sich ab 2010 nur noch auf die Sportwagen konzentriert. Diesen Plan änderte er auch nicht, als er kurz darauf gleich das erste Saisonrennen am 17. Mai 2009 gewann.

Audi war in Hockenheim von Anfang an eine Klasse für sich - die Ingolstädter präsentierten sich nach der halbjährigen Winterpause wesentlich besser aufgestellt als die Konkurrenz von Mercedes. Und ein Audi-Pilot war dabei so schnell unterwegs, dass er gleich als großer Titelkandidat gehandelt wurde: Mattias Ekström. Der Schwede dominierte das gesamte Wochenende, vom Training bis zum Rennen. Doch er wurde der tragische Held von Hockenheim.

Im Qualifying von Hockenheim durfte sich Audi über eine Fünffachpole freuen: Überflieger Ekström holte sich Startplatz eins vor Kristensen, Martin Tomczyk, Jahreswagenpilot Oliver Jarvis und Titelverteidiger Timo Scheider. Paul Di Resta sicherte sich als bester Mercedes-Fahrer Startplatz sechs, gefolgt von Maro Engel im Mercedes-Jahreswagen. Der junge Deutsche gab damit gleich die richtige Antwort auf die Zitterpartie, die er vor der Saison erlebt hatte: Denn Engel erfuhr erst recht kurzfristig, dass er weiter dabei sein wird, nachdem sich die Verhandlungen von Mercedes mit Bruno Senna zerschlagen hatten.

Im Hockenheimrennen selbst ging es dann gleich turbulent zur Sache, schon die Startphase hatte es in sich: Audi-Pilot Tomczyk blieb am Start fast stehen, doch zum Glück konnten alle folgenden Fahrer ausweichen. In der Spitzkehre krachte dann Mercedes-Pilot Paffett auf das rechte Hinterrad von Alexandre Prémats Audi-Jahreswagen und drehte den Franzosen. Dabei löste sich auch die Fronthaube von Paffetts C-Klasse.

Die Haube flog später ab und knallte genau auf das Dach von Ralf Schumachers Auto. Paffet blieb noch auf der Strecke stehen. Prémat fuhr in die Box und gab dort auf. Die Rennleitung schickte daraufhin das Safety Car auf die Piste. Schumacher dachte zuerst ans Aufgeben. Doch seine Mechaniker brachten das Dach durch einen kräftigen Druck mit der Hand wieder in Form und schickten ihren Fahrer wieder raus.

Nach dem Restart hatte Audi bald wieder eine Fünffachführung inne, mit Ekström an der Spitze. Der Schwede konnte dem Feld immer weiter enteilen und schien dem Sieg sicher entgegenzufahren. Doch in der vorletzten Runde platzte plötzlich der linke Hinterreifen an seinem Audi. Ekström konnte zwar noch an die Box fahren und sich mit einem neuen Reifen ins Ziel retten, musste sich der schnellste Mann des Wochenende aber mit Rang sieben begnügen. Ein Déjà-Vu sollte er beim vorletzten Rennen in Dijon erleben, als ihn ebenfalls ein Reifenschaden kurz vor dem Ziel den Sieg kostete - und alle Chancen auf den Titel.

Den Sieg erbte Kristensen, der sich in der letzten Runde noch gegen Titelverteidiger Scheider wehren musste - mit 0,3 Sekunden Vorsprung kam Kristensen ins Ziel, Scheider wurde Zweiter. Audi-Jahreswagenfahrer Oliver Jarvis deutete mit Platz drei und dem Sprung auf das Podium an, dass er eine starke Saison abliefern würde - die inzwischen mit dem Aufstieg in den Neuwagen belohnt wurde. Sein Jahreswagenkollege Markus Winkelhock wurde Vierter, Di Resta fuhr als bester Mercedes-Pilot als Fünfter ins Ziel. Engel bestätigte in der 2008er-C-Klasse als Sechster seine starke Leistung aus dem Qualifying.

Das Ergebnis war zunächst jedoch nur vorläufig. Denn der Zweitplatzierte Scheider stellte seinen Audi gleich nach der Zielflagge stehen und ließ sein Auto zurück an die Box schleppen. Dazu hatte ihm sein Team geraten, denn es war sich nicht sicher, ob der Titelverteidiger aufgrund der längeren Renndistanz noch die vorgeschriebene Mindestmenge Benzin im Tank hatte. Die Überprüfung ergab, dass das Benzin noch reichte, doch es gab Diskussionen. Wie würde das bei den nächsten Rennen laufen? Würden alle Piloten dann gleich nach der Ziellinie stehenbleiben? Würde man größere Tankkannen einführen müssen - oder die Rennen wieder verkürzen? Es sollte sich zeigen: Das Problem war nicht so groß wie befürchtet, die Benzinknappheit am Rennende war im weiteren Saisonverlauf wenn, dann nur noch am Rande ein Thema.

Lausitz: "Reifenflüsterer" Mercedes schlägt zurück

Mercedes musste sich nach dem Auftakt in Hockenheim eingestehen, dass man einen klassischen Fehlstart hingelegt hatte. Die Stuttgarter hielten sich deshalb auch mit Kampfansagen für die kommenden Rennen zurück und kündigten lieber bescheiden an, dass man hart daran arbeite, die Lücke zu schließen. Doch schon beim zweiten Rennen am Pfingstsonntag (31. Mai 2009) auf dem EuroSpeedway Lausitz wendete sich das Blatt: Mercedes feierte mit Gary Paffett und Bruno Spengler einen Doppelsieg.

Schon im Qualifying deutete sich an, dass die Stuttgarter aufgeholt hatten. Zwar ging die Pole-Position erneut an den turboschnellen Audi-Piloten Ekström, doch Di Resta schaffte als Zweiter den Sprung in die erste Startreihe. Es folgten Audi-Jahreswagenpilot Mike Rockenfeller vor Titelverteidiger Scheider sowie den vier Mercedes-Fahrern Spengler, Green, Paffett und Engel.

Im Rennen selbst katapultierten eine taktische Meisterleistung von Mercedes und die Tatsache, dass die C-Klasse reifenschonender ist Paffett vom siebten Startplatz aus zum Sieg. Hinter ihm kam Teamkollege Bruno Spengler ins Ziel, den ebenfalls eine geniale Boxenstopptaktik von Startplatz fünf nach vorne holte. Die Stuttgarter haben sich damit mit einem Doppelsieg eindrucksvoll zurückgemeldet. Pole-Mann Ekström konnte nicht viel tun und wurde Dritter.

Am Start konnte Ekström seine Pole noch in die Führung ummünzen, während sich dahinter Rockenfeller vor Di Resta und Scheider auf Platz zwei schob. Spengler und Paffett lagen zunächst noch auf den Plätzen fünf und sechs vor dem erneut starken Engel im Mercedes-Jahreswagen. Doch mit den ersten Boxenstopps startete Mercedes die "Mission Sieg" - ohne dass man es zunächst wirklich bemerkte.

Während seine Konkurrenten zum ersten Stopp fuhren, blieb der Paffett auf der Strecke. Erst in Runde 24 kam er zu seinem ersten Reifenwechsel, viele andere hatten da schon zum zweiten Mal gestoppt. Im Anschluss kam Paffett vor Spengler aus der Box und hatte damit schon mal einen Rang gutgemacht. Aber Paffett hatte mehr vor: Er brannte eine schnelle Rundenzeit nach der anderen auf den Asphalt. So versuchte der Brite so viel Abstand wie möglich auf seine Verfolger herauszufahren, um weitere Plätze gutzumachen. Ekström hingegen war zu diesem Zeitpunkt rund eine Sekunde langsamer als seine direkten Konkurrenten.

Paffett gelang es somit, genügend Vorsprung herauszufahren, um nach dem zweiten Boxenstopp als Führender vor Ekström rauszukommen. Das gleiche Kunststück gelang auch Spengler. Der Kanadier legte einen langen zweiten Stint hin und kam nach seinem zweiten Stopp ebenfalls vor Ekström auf Rang zwei zurück auf die Strecke. Möglich war diese Mercedes-Taktik nur, weil die Reifen nicht so schnell abbauten wie bei den Audis und damit längere Stints möglich waren.

So holte sich Paffett seinen ersten von insgesamt vier Saisonsiegen. Mit ihm kletterten Spengler und Ekström aufs Podest. Paul Di Resta wurde Vierter vor Scheider. Punkte gab es auch für die Jahreswagenpiloten Green (Mercedes / Sechster), Rockenfeller (Audi / Siebter) und Engel (Mercedes / Achter).

Für gleich fünf Audi kam in der Lausitz das frühzeitige Aus: Die Ingolstädter bekämpften sich untereinander richtig. Tomczyk konnte in der achten Runde auf den zehnten Rang vorarbeiten - vorbei an Winkelhock und Legge. Doch kaum war er vorne, kam der Dämpfer: die Rennleitung verpasste ihm eine Durchfahrtsstrafe wegen eines fehlerhaften Starts. Doch Legge und Winkelhock bekriegten sich weiterhin und landeten beide in Runde zwölf im Kiesbett und fielen ans Ende des Feldes zurück. Winkelhock kam in Folge in die Box und gab auf. Das gleiche galt auch für Legge.

Während der ersten Boxenstoppphase fuhr Tomczyk in seine Box und gab auf. Er hatte sich im Zweikampf mit seinen Markenkollegen den Kühler ruiniert. Für Jarvis kam das Aus nach einem Dreher in Runde 18. Er hatte zuvor eine Durchfahrtsstrafe wegen Frühstarts bekommen. Eine Runde später drehte sich Prémat und landet im Kiesbett. Der Franzose musste ebenfalls aufgeben. Es sollte nicht das letzte Mal in dieser Saison sein, dass teaminterne Kämpfe Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich zum Haare raufen brachten.

Im morgigen zweiten Teil unseres großen Saisonrückblicks blicken wir zurück auf das aufregende Rennen am Norisring, in dem Jamie Green als Sieger aus einer turbulenten Schlussphase hervorging - und auf das Skandalrennen in Zandvoort, das das Thema Stallregie wieder in den Vordergrund rückte und dessen Ergebnis erst knapp zwei Wochen später offiziell wurde.

Fotoquelle: xpb.cc

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