Der Norisring war wieder das Highlight - mit einem Sensationssieger

DTM 2009

— 26.12.2009

Der große DTM-Saisonrückblick 2009 - Teil 2

Zum Jahresende blicken wir zurück auf die vergangene DTM-Saison: Heute stehen die Dramatik am Norisring und der Skandal von Zandvoort im Mittelpunkt

Das Jahr 2009 neigt sich allmählich seinem Ende entgegen. Das ist Anlass für 'Motorsport-Total.com', noch einmal auf die vergangene DTM-Saison zurückzublicken - die Saison, in der Audi-Pilot Timo Scheider zum zweiten Mal in Folge Meister wurde, in der der in den Neuwagen zurückgekehrte Gary Paffett ein harter Gegner für ihn war, in der manch weiterer Pilot für Glanzlichter sorgte und andere enttäuschten. Und auf eine Saison, in der es auch immer wieder reichlich Diskussionsstoff gab.

Im heutigen zweiten Teil unseres großen Saisonrückblicks blicken wir zurück auf das aufregende Rennen am Norisring, in dem Jamie Green als Sieger aus einer turbulenten Schlussphase hervorging - und auf das Skandalrennen in Zandvoort, das das Thema Stallregie wieder in den Vordergrund rückte und dessen Ergebnis erst knapp zwei Wochen später offiziell wurde.

Norisring: Greens Husarenstück

Nach dem zweiten Saisonrennen am EuroSpeedway Lausitz stand in der DTM-Saison 2009 bereits die erste längere Pause an. Erst vier Wochen später traf man sich wieder - im "fränkischen Monaco", zum Saisonhighlight 28. Juni 2009 am Norisring in Nürnberg. Wie immer gaben sich am Dutzendteich die Promis ein Stelldichein, unter anderem waren Moderator Kai Pflaume, die Schauspieler Tara Reid, Berrit Arnold, Max Tidof, Branco Vukovic, "XXL-Tester" Jumbo Schreiner, Pop-Sternchen Loona, Ex-Weltmeister Andreas Brehme, die beiden Ski-Weltmeisterinnen Kathrin Hölzl und Maria Riesch sowie Niki Lauda, Mika Häkkinen und David Coulthard dabei.

Sie erlebten ein Rennen, das Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug danach gar als "mit absoluter Sicherheit bestes DTM-Rennen aller Zeiten" bezeichnete - vor allem die Schlussphase hatte es in sich. Im Ziel lagen sieben Autos innerhalb von 3,8 Sekunden, und strahlender Sieger war Jamie Green, der in dieser Saison in den Mercedes-Jahreswagen "zurückversetzt" worden war.

Das Einmalige daran: Es war das erste Mal, dass ein Pilot mit demselben Chassis einen Sieg auf einer Strecke wiederholen konnte. Denn schon im Jahr zuvor hatte er mit dem Auto, das er jetzt noch fuhr, den prestigeträchtigen Sieg in Nürnberg geholt. Diesmal hatte sich Green mit einem Weltklasse-Manöver in der vorletzten Runde an die Spitze gesetzt und siegte vor Mercedes-Fahrer Bruno Spengler und den beiden Audi-Piloten Mattias Ekström und Timo Scheider.

Im Qualifying hatte erneut Audi die Nase vorn: Titelverteidiger Scheider sicherte sich seine erste Pole-Position der Saison vor seinem Kollegen Ekström. Dahinter folgten die C-Klassen von Spengler und Gary Paffett. Katherine Legge trumpfte in der Qualifikation ebenfalls auf: Mit Startplatz fünf holte die Audi-Pilotin das beste Qualifyingergebnis einer Frau in der "neuen" DTM, im Rennen selbst gelang ihr dann auch noch eine schnellste Rennrunde - das war in der "neuen" DTM auch noch keiner Frau gelungen. Der spätere Sieger Green ging die Hatz um den Dutzendteich von Startplatz sieben aus an.

Bei Audi hatte man sich sehnlichst gewünscht, nach 2002 endlich das Heimrennen in Nürnberg zu gewinnen - und bis zur vorletzten Runde sah es auch so aus, als ob das klappen könnte. Am Start konnte Pole-Mann Scheider sich kurzfristig an der Spitze behaupten, wurde aber noch in der ersten Runde von seinem Kollegen Ekström überholt. Da es im Hinterfeld zu einem Crash mit Tomas Kostka und Oliver Jarvis kam, rückte das Safetycar aus. Beim Restart in der fünften Runde zog Scheider wieder an Ekström vorbei und übernahm die Führung.

In der Folge setzte sich mit Scheider, Ekström und Spengler ein Spitzentrio vom Rest des Feldes ab. Durch die Boxenstopps fiel Ekström dann etwas zurück, Spitzenreiter Scheider hatte nun Mercedes-Mann Spengler direkt im Heck kleben. Und sie hatten plötzlich jemand ganz anderen hinter sich: Mercedes-Jahreswagenfahrer Green. Der Brite hatte sich durch zwei sehr späte Stopps nach vorn gearbeitet - in Runde 56 kam er genau auf Höhe der Führenden Scheider und Spengler zurück auf die Strecke, musste sich aber dahinter auf Rang drei einordnen. Ekström war zurückgefallen auf den vierten Rang.

Und nun folgte eine hochdramatische Schlussphase, von der viele DTM-Fans heute noch Schwärmen. Sie war geprägt vom Dreikampf zwischen Scheider, Spengler und Green. Scheider kam in den Spitzkehren immer weiter von der Ideallinie ab und machte damit jedes Mal die Tür auf für Spengler - doch der Kanadier fand rundenlang keinen Weg vorbei. Obwohl er von Fieber geschwächt war, konnte Scheider seine Führung zunächst verteidigen. Aber der Zweikampf kostete jedes Mal Zeit, so dass auch Ekström wieder an das Führungstrio anschließen konnte.

In den letzten Runden ging es schließlich drunter und drüber: Fünf Runden vor Schluss ging Spengler in der Dutzendteichkehre an Scheider vorbei. Doch nur eine Runde später unterlief dem Kanadier aber ein Fehler, so dass Scheider wieder die Spitze übernehmen konnte - und Green ging ebenfalls an Spengler vorbei und übernahm Platz zwei. Gleichzeitig war nun der Viertplatzierte Ekström endgültig an Spengler dran. Stoßstange an Stoßstange jagte das Quartett weiter um den Kurs, drei Runden vor Schluss konnte Ekström kurz an Spengler vorbeiziehen, doch dem Kanadier gelang umgehend der Konter.

Die Entscheidung fiel letztlich in der vorletzten Runde im Schöller-S. Green hatte sich den Führenden Scheider zurechtgelegt und startete ein beherztes Manöver: Auf der linken Seite drückte er sich am Audi des Titelverteidigers vorbei an die Spitze, Scheider geriet weit nach rechts, so dass Spengler und Ekström auch noch an ihm vorbeiziehen konnten. Scheider, der vor dem Schöller-S noch in Führung gelegen war, war danach nur noch Vierter und musste sich in den letzten eineinhalb Runden auch noch gegen die Attacken des Fünftplatzierten Paffett wehren. Das gelang ihm jedoch.

Sieger Green war erstmal einmal recht sprachlos und vor Überraschung "echt schockiert". Als er realisiert hatte, was ihm gelungen war, feierte er ausgelassen auf dem Podium. Spengler wurde Zweiter vor Ekström, Scheider behauptete mit Platz vier die Führung in der Gesamtwertung. Paffett wurde Fünfter vor Ralf Schumacher, der sich als Sechster seine ersten Punkte als Mercedes-Neuwagenpilot holte. Paul Di Resta schaffte vom 15. Startplatz noch den Sprung in die Punkte und beendete das Rennen auf Rang sieben. Den letzten Punkt ergatterte sich Tom Kristensen als Achter.

Zandvoort: Skandal in den Dünen

Nach dem atemberaubenden Rennen am Norisring traf sich die DTM vom 17. bis 19. Juli auf dem Dünenkurs im niederländischen Zandvoort wieder. Und auch dieses Rennen sorgte für reichlich Schlagzeilen - allerdings nicht wegen eines packenden Renngeschehens wie in Nürnberg, sondern wegen der Platztauschaktionen bei Audi. Der Vorwurf der Stallregie wurde laut, der DMSB leitete eine Untersuchung ein, es gab Anhörungen. Das offizielle Endergebnis folgte erst zwei Wochen später in Oschersleben - bis dahin war nur klar, dass Gary Paffett unumstrittener Zandvoort-Sieger war und damit die Führung in der Gesamtwertung übernommen hatte.

Dabei hätte auch das Zandvoort-Rennwochenende die Zutaten gehabt, um ein weiterer Leckerbissen für die Fans zu werden. Im Qualifying gab es eine Sensation: Audi-Pilot Oliver Jarvis, der beim Auftakt in Hockenheim schon auf das Podium gefahren war, holte als erster Jahreswagenfahrer überhaupt die Pole-Position. Hinter ihm war das Feld bunt gemischt: die beiden Mercedes-Neuwagen-Piloten Paffett und Spengler standen auf den Plätzen zwei und drei, Mike Rockenfeller fuhr in einem weiteren Audi-Jahreswagen auf Startplatz vier. Dahinter folgten Paul Di Resta, Alexandre Prémat, Jamie Green und Martin Tomczyk, dem als einzigem Neuwagenpilot von Audi der Sprung in Q3 gelungen war. Mattias Ekström, Tom Kristensen und Timo Scheider scheiterten bei wechselhaften Bedingungen mit Nieselregen schon in Q2 und mussten sich mit dem Startplätzen neun bis elf begnügen.

Jahreswagenfahrer Jarvis ließ am Start nichts anbrennen und behauptete die Führung. Gemeinsam mit dem Zweitplatzierten Paffett setzte er sich vom Rest des Feldes ein bisschen ab. Paffetts Versuche, an seinem Landsmann vorbeizukommen, scheiterten. Auch nach dem ersten Boxenstopp hatte Jarvis die Nase knapp vorn. Doch in Runde 14 machte Jarvis einen Fehler, kam von der Linie ab und rutschte ins Gras. Paffett übernahm damit die Führung, die er bis ins Ziel nicht mehr abgab. Jarvis blieb auch nach dem zweiten Boxenstopp hinter ihm Zweiter.

Von hinten hatte sich im Rennverlauf Mattias Ekström nach vorn gearbeitet - dank einer sehr guten Boxenstoppstrategie. Der Schwede hatte in den Runden 21 und 29 gestoppt. Bei seinem zweiten Boxenstopp gab es Probleme am rechten Hinterrad, so dass Ekström 5,9 Sekunden an der Box stand und hinter seinem Kollegen Martin Tomczyk zurück auf die Strecke kam. Zu diesem Zeitpunkt führte Paffett vor Jarvis, Prémat, Tomczyk und Ekström.

Mit frischen Reifen machte sich Ekström daran, sich weiter nach vorn zu arbeiten - und traf dabei auf keinerlei Gegenwehr seiner vor ihm fahrenden Audi-Kollegen. Nur eine Runde nach seinem zweiten Stopp überholte Ekström Tomczyk und war Vierter. Danach jagte der Schwede mit seinen frischen Reifen weiter um den Kurs, während die vor ihm fahrenden Audi-Jahreswagenpiloten Prémat und Jarvis plötzlich um drei Sekunden langsamere Rundenzeiten fuhren. So dauerte es nicht lange, bis Ekström an den beiden vorbei war und auf Platz zwei hinter Paffett lag. Danach fuhren Prémat und Jarvis auch wieder schnellere Rundenzeiten.

Ins Ziel kam das Feld in folgender Reihenfolge: Paffett als Sieger vor Ekström, Jarvis und Prémat. Tomczyk wurde Fünfter vor Audi-Jahreswagenfahrer Markus Winkelhock und Bruno Spengler. Titelverteidiger Scheider fuhr als Achter ins Ziel. Doch dieses Ergebnis war nur eine Momentaufnahme und sollte sich noch massiv ändern.

So gab es gleich nach dem Rennen vier Wertungsausschlüsse bei Audi. Prémat verlor seinen vierten Platz, weil er zu spät zum Wiegen gekommen war. Winkelhock verlor Rang sechs, weil er bei der Technischen Überprüfung nach dem Zieldurchlauf zu wenig Sprit im Tank hatte. Scheider büßte Rang acht und damit einen Punkt ein, weil auch er zu spät zum Wiegen kam. Und Kolles-Pilot Christian Bakkerud erschien gar nicht an der Waage, weshalb sein 15. Platz gestrichen wurde.

Doch auch damit war noch kein Schlussstrich unter das Rennen gezogen. Die eigentliche Arbeit des DMSB begann erst noch - er nahm die Schlussphase des Zandvoort-Rennens noch einmal genau unter die Lupe. Die Frage war - warum kam Ekström so einfach von Platz vier vor auf Rang zwei? "Aufgrund des Rennverlaufs sind bei uns Zweifel aufgekommen, wie sich die Positionen am Ende des Rennens verändert haben. Deshalb werden wir alles noch einmal ganz genau analysieren", sagte der oberste DMSB-Verantwortliche Christian Schacht. "Die Ergebnisse bleiben so lange vorläufig, bis wir das alles geklärt haben." Und das sollte fast zwei Wochen dauern.

Nachdem Audi bereits 2007 in Zandvoort die Titelkandidaten am Schluss des Rennens an den Jahreswagen vorbei nach vorn geholt hatte, wurde jede Form der Stallregie ab der Saison 2008 verboten, um eine Verzerrung des Wettbewerbs zu verhindern. Das Reglement führt explizit aus: "Stallregie (Teamorder), die das Rennergebnis verfälscht, ist verboten."

Bei Audi betonte man jedoch, man habe in Zandvoort 2009 keine Stallregie angewandt. Vielmehr sei Ekström durch die Strategie nach vorn gekommen. Der Schwede sein im letzten Stint schneller als die anderen unterwegs gewesen, auch weil er wesentlich frischere Reifen hatte. Gleichzeitig gab Jarvis direkt nach dem Rennen zu Protokoll, er habe wegen seines langen letzten Stints massive Probleme mit seinen Reifen gehabt und habe sich deshalb nicht gegen Ekström gewehrt: "Als ich gesehen habe, wie schnell er war, wäre es verrückt gewesen zu versuchen, ihn hinter mir zu halten."

Zwei Wochen voller Unsicherheit

Der DMSB leitete eine Untersuchung ein und befragte die Beteiligten noch einmal. Doch die Aussagen der Audi-Piloten stimmten offenbar nicht mit der umfangreichen Analyse der Daten überein, die der DMSB vorgenommen hatte. Deshalb wurde eine weitere Anhörung anberaumt. Um Zeit und Kosten zu sparen, fand diese erst am 31. Juli, direkt vor dem fünften Saisonlauf in der Motorsport Arena Oschersleben statt.

An diesem Tag fiel dann auch endlich die Entscheidung und das Zandvoort-Rennen bekam ein offizielles Ergebnis. Und das sah nach den Wertungsausschlüssen und der Stallregie-Untersuchung so aus: Jarvis bekam seinen zweiten Platz hinter Sieger Paffett zurück, Ekström war Dritter vor Tomczyk, Spengler war Fünfter vor Di Resta, Maro Engel und Kristensen.

Der DMSB teilte damals mit: "Die Sportkommissare haben Audi-Pilot Mattias Ekström aufgrund der Ereignisse im letzten Renndrittel des DTM-Laufs im niederländischen Zandvoort nachträglich mit einer Zeitstrafe von fünf Sekunden belegt. Er verliert damit seinen zweiten Platz an Oliver Jarvis. Seine Markenkollegen Oliver Jarvis und Alexandre Prémat wurden in diesem Zusammenhang verwarnt. Die Teams Audi Sport Team Abt Sportsline und Audi Sport Team Phoenix wurden ebenfalls wegen einer nach Artikel 20.2 des DTM-Reglements verbotenen Stallregie mit einer Geldbuße von 25.000 Euro bestraft. 20.000 Euro davon wurden bis zum Saisonende zur Bewährung ausgesetzt."

"Nach dem Studium der Rundenzeiten, der TV-Bilder und der Fahrzeugdaten waren die Sportkommissare zu der Auffassung gekommen, dass die Überholmanöver Ekström/Jarvis und Ekström/Prémat nicht unter regulären Rennbedingungen erfolgt sind", begründete der DMSB. "Die Beteiligten konnten bei einer zweiten Befragung allerdings in Einzelfällen Begründungen anführen, warum die Fahrzeuge von Jarvis und Prémat gegen Rennende deutlich langsamer wurden."

"Die Sportkommissare hielten den Fahrern und den betroffenen Teams außerdem zugute, dass einige der untersuchten Details zur Entlastung der Betroffenen beitrugen und dass eine grobe Unsportlichkeit nicht nachgewiesen werden konnte. Alle Betroffenen haben das Urteil akzeptiert und werden keine Berufung einlegen. Damit sind die Ergebnisse des DTM-Laufs in Zandvoort offiziell", schloss das Statement.

Das Kapitel "Skandalrennen in Zandvoort" konnte also zwei Wochen später endgültig geschlossen werden - rechtzeitig vor dem fünften Saisonlauf in Oschersleben. Das Rennen in der Börde beleuchten wir im morgigen dritten Teil unseres großen Saisonrückblicks, ebenso wie Lauf Nummer sechs am Nürburgring.

Fotoquelle: xpb.cc

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