Martin Tomczyk war der dominierende Mann am Nürburgring

DTM 2009

— 27.12.2009

Der große DTM-Saisonrückblick 2009 - Teil 3

Zum Jahresende blicken wir zurück auf die vergangene DTM-Saison: Heute stehen die Rennen in Oschersleben und am Nürburgring im Mittelpunkt

Das Jahr 2009 neigt sich allmählich seinem Ende entgegen. Das ist Anlass für 'Motorsport-Total.com', noch einmal auf die vergangene DTM-Saison zurückzublicken - die Saison, in der Audi-Pilot Timo Scheider zum zweiten Mal in Folge Meister wurde, in der der in den Neuwagen zurückgekehrte Gary Paffett ein harter Gegner für ihn war, in der manch weiterer Pilot für Glanzlichter sorgte und andere enttäuschten. Und auf eine Saison, in der es auch immer wieder reichlich Diskussionsstoff gab.

Im heutigen dritten Teil blicken wir zurück auf das Rennen in Oschersleben, in dem Titelverteidiger Timo Scheider seinen ersten Saisonsieg feierte und damit zurückkehrte auf den Weg zum zweiten Meistertitel. Außerdem beleuchten wir das Rennwochenende auf dem Nürburgring, bei dem Martin Tomczyk der dominierende und unschlagbare Mann war.

Oschersleben: Der Champion meldet sich zurück

Nach dem Skandalrennen in Zandvoort kehrte in der DTM am ersten Augustwochenende wieder Normalität ein. Am 2. August stand in Oschersleben das fünfte Saisonrennen auf dem Programm. Hier holte sich Titelverteidiger Scheider seinen lang ersehnten ersten Saisonsieg, mit dem er in der Gesamtwertung den Rückstand auf seinen großen Rivalen Gary Paffett wieder verkürzen konnte.

Das Rennwochenende in der Börde begann mit absoluter Audi-Dominanz. Schon im Freien Training hatten vier Ingolstädter die Nase vorn. Das änderte sich auch in der Qualifikation nicht. In Q4 machten die vier Audi-Neuwagenpiloten die ersten vier Startplätze unter sich aus. Am Ende sicherte sich Tom Kristensen mit einer Fabelrunde die Pole-Position vor Scheider, Martin Tomczyk und Mattias Ekström. Auf Platz fünf reihte sich mit Oliver Jarvis im Jahreswagen ein weiterer Audi-Pilot ein. Bruno Spengler musste sich als bester Mercedes-Fahrer mit Startplatz sechs begnügen, Gesamtleader Paffett stand nur auf Platz zwölf.

Überrascht war eigentlich niemand, dass die Ingolstädter so viel schneller unterwegs waren als die Mercedes. Denn die aktuellen C-Klassen hatten 20 Kilogramm mehr an Bord als die 2009er-Audis. Dieses Mehrgewicht machte pro Runde bis zu drei Zehntelsekunden aus. "Aber selbst, wenn man das Gewicht mit in Betracht zieht, sind wir nicht dort, wo wir sein sollten", räumte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug nach dem Qualifying ein. Im Rennen mussten seine Piloten versuchen, so weit nach vorn zu kommen, wie es eben ging - von einem Podiumsplatz für Mercedes wagte der Chef aber nicht zu träumen. Und er sollte Recht behalten - allerdings verlief das Rennen für die Stuttgarter den Umständen entsprechend dann doch zufriedenstellend.

Das Rennen in Oschersleben begann mit einer turbulenten Startphase. Eine der Hauptrollen spielte Polesitter Kristensen. Er hatte aus dem Vorjahr keine guten Erinnerungen an Oschersleben: 2008 war er auf Startplatz zwei gestanden, machte dann aber einen Frühstart und vermasselte sich dadurch das ganze Rennen. Und so flachste er 2009, das könne ihm ja eigentlich nicht wieder passieren, da er ja nicht auf Platz zwei, sondern auf der Pole stehe. Einen Frühstart legte er diesmal auch nicht hin - aber er rollte in der Startbox zu weit nach vorn, was ihm eine Durchfahrtsstrafe einbrachte, die ihn womöglich den Sieg, zumindest aber einen Platz auf dem Podium kostete.

Als die Ampeln ausgingen, schoss Scheider von Platz zwei aus direkt nach vorn an die Spitze, Kristensen wurde von Tomczyk und Ekström in die Mangel genommen, konnte sich aber nach einigem Hin und Her wieder auf Platz zwei zurückkämpfen. Dahinter lieferten sich Tomczyk und Ekström ein Duell, das der Schwede in der zweiten Runde für sich entschied, nachdem sein Kollege kurz in die Wiese gerutscht war. Dann kassierte Kristensen seine Durchfahrtsstrafe, damit lautete die Reihenfolge nun Scheider, Ekström, Tomczyk.

Vom Mittelfeld aus starteten zwei Mercedes-Neuwagenpiloten ihre Aufholjagd: Paul Di Resta verbesserte sich in der ersten Runde von Platz neun auf sechs, Paffett von zwölf auf neun. Durch die Strafe für Kristensen machten sie noch einen Platz gut. Paffett konnte sich dann auf Platz sieben verbessern, als der vor ihm liegende Audi-Jahreswagenfahrer Alexandre Prémat Probleme mit der Hinterachse bekam und der Brite überholen konnte. Di Resta hing derweil am Heck des viertplatzierten Audi-Jahreswagenpiloten Oliver Jarvis, den er beim ersten Boxenstopp überholen konnte. Jarvis rutschte im weiteren Rennverlauf noch zurück auf Rang sieben.

Harter Kampf um den letzten Punkt

Von da ab waren die vorderen Positionen eigentlich vergeben. Vorn an der Spitze setzte sich der Führende Scheider von seinen Verfolgern immer weiter ab. Zwischen Ekström und Tomczyk wurde es zwar noch einmal spannend, doch der Schwede behielt die Oberhand. Hinter dem Audi-Trio drehten die Mercedes-Piloten Di Resta, Paffett und Spengler auf den Plätzen vier bis sechs ihre Runden. Daran änderte sich auch bis ins Ziel nichts mehr.

Doch hinter den Top 6 überschlugen sich die Ereignisse noch einmal. Das Trio Maro Engel, Alexandre Prémat und Mike Rockenfeller kämpfte um Platz acht und damit um den letzten Punkt. Zwei Runden vor Schluss kam das große Aus für die Audi-Jahreswagen: Zuerst erwischte es den Siebtplatzierten Jarvis, der einen Reifenschaden hinten recht erlitt. Dadurch rutschte Engel vor auf Rang sieben, Prémat und Rockenfeller kämpften um Platz acht. Dabei bremste Rockenfeller zu spät, krachte in seinen Markenkollegen und beide rutschten in den Kies. Rockenfeller konnte noch weiterfahren und kam auf Platz zehn ins Ziel. Allerdings bekam er später noch eine 30-Sekunden-Strafe aufgebrummt, für Prémat war das Rennen beendet. Als Achter kam am Ende Polesitter Kristensen ins Ziel, der sich in der letzten Runde noch an Jamie Green vorbeidrückte und damit zumindest noch einen Punkt holte.

In der Gesamtwertung gestaltete sich die Lage immer spannender: Paffett konnte die Tabellenführung mit seinem fünften Platz in Oschersleben verteidigen. Er hatte nun 28 Punkte, Ekström war allerdings gleichgezogen. Direkt dahinter folgte Titelverteidiger Scheider, der sein Konto mit seinem Sieg auf 27 Punkte aufgestockt hatte. Und dieser spürte schon, dass er damit einen großen Schritt in Richtung Meisterschaft gemacht hatte.

Nürburgring: Die große Tomczyk-Show

Zwei Wochen später traf sich die DTM in der Eifel, zum sechsten Saisonrennen am 16. August auf dem Nürburgring. Das Wochenende stand ganz im Zeichen von Martin Tomczyk. Nachdem er einen völlig verkorksten Saisonstart erlebt hatte, war er in der Eifel nicht zu schlagen. Der bayerische Audi-Pilot holte sich Trainingsbestzeit, Pole-Position und Rennsieg. Die Ingolstädter feierten dort sogar einen Vierfachsieg - aber Mercedes-Sportchef Norbert Haug war gar nicht zufrieden mit deren Fahrweise, die seiner Meinung nach zu rabiat war.

Timo Scheider brachte sich am Nürburgring zurück auf Titelkurs. Der Audi-Pilot übernahm mit Platz zwei die alleinige Tabellenführung - und gab sie bis zum Saisonende nicht mehr ab. Scheider profitierte in der Eifel aber auch vom Pech seines Rivalen Paffett. Der Brite, der bis dahin das Gesamtklassement angeführt hatte, schied im Qualifying aufgrund von Fehlzündungen im Motor schon in Q1 aus und musste das Rennen von Startplatz 16 aus angehen. Dank zweier früher Boxenstopps schaffte er immerhin im Rennen noch Platz acht und damit den Sprung in die Punkte.

Tomczyk feierte im Nürburging-Rennen einen klaren Start-Ziel-Sieg. Im Qualifying hatte er sich die Pole-Position vor Mercedes-Pilot Bruno Spengler und seinen eigenen Kollegen Mattias Ekström und Scheider gesichert. Am Start ließ Tomczyk nichts anbrennen und ging als Führender in die erste Kurve, gefolgt von Spengler, Ekström und Scheider.

Doch dann ging es rund: Paffett wurde von Katherine Legge in der ersten Kurve rumgedreht und fiel auf den 17. Rang zurück. Auch vorne ging es zur Sache: Ekström und Spengler gerieten aneinander. Der Schwede ging innen rein, beide rutschten dadurch zu weit nach außen. Scheider bedankte sich und schlüpfte durch auf Rang zwei vor Spengler. Schließlich gelang es Ekström, sich endgültig an dem Kanadier vorbeizuquetschen und Rang drei zu übernehmen. Audi-Jahreswagenpilot Markus Winkelhock zog gleich mit und übernahm Platz vier. Spenglers C-Klasse wurde zwar beschädigt, der Kanadier konnte aber auf Rang fünf weiterfahren. Bei Ekström war es zu einem Schaden vorne rechts gekommen.

Nach dieser turbulenten Startphase änderte sich in den Top 4 nichts mehr: Tomczyk, Scheider, Ekström und Winkelhock spulten in dieser Reihenfolge die insgesamt 48 Runden ab und holten für Audi einen Vierfachsieg. Doch dahinter gab es noch einige Ausfälle. In Runde sieben kollidierten die beiden Phoenix-Audi-Kollegen Oliver Jarvis und Alexandre Prémat und schieden aus. In Runde 13 stellte Tom Kristensen seinen Audi in der Box ab, der bei einer Kollision am Start beschädigt worden war. In Runde 17 schoss der Mercedes von Paul Di Resta geradeaus ins Kiesbett, als plötzlich der Heckflügel abflog.

Im weiteren Rennverlauf konnte sich das Audi-Quartett an der Spitze immer weiter absetzen - auch deshalb, weil der Fünftplatzierte Spengler mit seinem beschädigten Auto nicht das Tempo fahren konnte, dass er gern hingelegt hätte. Beim zweiten Boxenstopp wurde der Kanadier von seinem Markenkollegen Jamie Green im Jahreswagen überholt. Der Brite kam als Fünfter ins Ziel, vor Spengler. Ralf Schumacher war durch die vielen Ausfälle vor sich vorgerutscht bis auf Rang sieben und holte damit zwei weitere Punkte, Paffett wurde Achter.

Als Tomczyk als Sieger über die Ziellinie kam, brachen bei ihm alle Dämme. "I am so f... happy, you cant't believe it", schrie er seinem Audi-Team Abt über Funk entgegen. Mit seinem Sieg hat er eine zweijährige Durststrecke beendet. Seinen bis dahin letzten Sieg hatte er 2007 ebenfalls in der Eifel geholt. "Ich freue mich wirklich wahnsinnig. Der Nürburgring ist wirklich mein Pflaster, ich mag die Strecke und ich glaube, das habe ich auch wieder bewiesen. Das Rennen mit einem Sieg zu beenden, das besiegelt wirklich ein fantastisches Wochenende", bilanzierte er.

Während Audi über den Vierfachsieg jubelte, hinterließ das Nürburgring-Rennen bei Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug einen bitteren Nachgeschmack. Dass Paffett in der ersten Runde von Audi-Fahrerin Legge umgedreht wurde, sei "nicht notwendig" gewesen, monierte er. Überhaupt war Schumacher der einzige Neuwagenpilot von Mercedes, der ohne Blessuren durchkam. "Die anderen Neuwagen waren nach der ersten Runde beschädigt", so Haug. "Solche Dinge passieren. Sie sollten nicht passieren, aber es war nun einmal der Fall."

Nach dem Rennen in der Eifel hatte sich das Blatt in der Gesamtwertung gewendet. Scheider führte nun mit 35 Punkten, Ekström war mit einem Punkt Rückstand Zweiter. Der bisherige Spitzenreiter Paffett war mit 29 Zählern zurückgefallen auf den dritten Rang. Doch in den nächsten vier Rennen sollte es spannend bleiben.

Im morgigen vierten Teil unseres großen Saisonrückblicks beleuchten wir die beiden Auslandsrennen in Brands Hatch und Barcelona. In England meldete sich Paul Di Resta mit einem Sieg zurück, Scheider konnte sich in der Tabelle weiter ein Stück absetzen. Und in Barcelona sicherte sich der Titelverteidiger dank seines "Raketenstarts" seinen ersten Matchball im Kampf um die Meisterschaft.

Fotoquelle: xpb.cc

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