Mit seinem Sieg in Barcelona kam Timo Scheider dem Titel ein Stück näher

DTM 2009

— 28.12.2009

Der große DTM-Saisonrückblick 2009 - Teil 4

Wir blicken zurück auf die vergangene DTM-Saison - Heute: Paul Di Restas Comeback in Brands Hatch und Timo Scheiders "Raketenstart" in Barcelona

Das Jahr 2009 neigt sich allmählich seinem Ende entgegen. Das ist Anlass für 'Motorsport-Total.com', noch einmal auf die vergangene DTM-Saison zurückzublicken - die Saison, in der Audi-Pilot Timo Scheider zum zweiten Mal in Folge Meister wurde, in der der in den Neuwagen zurückgekehrte Gary Paffett ein harter Gegner für ihn war, in der manch weiterer Pilot für Glanzlichter sorgte und andere enttäuschten. Und auf eine Saison, in der es auch immer wieder reichlich Diskussionsstoff gab.

Im heutigen vierten Teil unseres großen Saisonrückblicks beleuchten wir die beiden Auslandsrennen in Brands Hatch und Barcelona. In England meldete sich Paul Di Resta mit einem Sieg zurück, Scheider konnte sich in der Tabelle weiter ein Stück absetzen. Und in Barcelona sicherte sich der Titelverteidiger dank seines "Raketenstarts" seinen ersten Matchball im Kampf um die Meisterschaft.

Brands Hatch: Di Resta ist zurück

Anfang September startete die DTM ihre Auslandstour mit dem siebten Saisonrennen in Brands Hatch. Hier meldete sich Mercedes-Pilot Paul Di Resta mit einem Sieg zurück. Der Vizemeister von 2008 war als einer der großen Titelkandidaten in die Saison gestartet, erlebte aber eine harzige erste Saisonhälfte, in der er über zwei vierte Plätze nicht hinausgekommen war. Doch bei seinem Heimrennen wendete sich das Blatt - auf der Berg- und Talbahn in Kent holte sich Di Resta erst die "Paul"-Position, dann den Sieg. Damit bescherte er Mercedes den 150. Sieg in der DTM - und das beim 250. Rennen von Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Prominenter Beobachter in der Mercedes-Box war Formel-1-Star Lewis Hamilton.

Es gab aber in Brands Hatch noch einen zweiten Sieger: Timo Scheider. Er konnte sich trotz Problemen bei den Stopps und den Überrundungen Platz zwei holen und damit seine Führung in der Gesamtwertung auf fünf Punkte gegenüber seinem Verfolger Mattias Ekström ausbauen. Der Rückstand des Gesamtdritten Gary Paffett wuchs in Brands Hatch auf neun Punkte an. Zudem hatte Audi nun beim nächsten Rennen in Barcelona einen Gewichtsvorteil von zehn Kilogramm.

Doch von Anfang an: Im Qualifying beendete Di Resta die Erfolgsserie von Audi. Nachdem die Ingolstädter acht Mal in Folge auf Startplatz eins gestanden waren, sicherte der Schotte Mercedes die erste Pole-Position seit Barcelona 2008. Der Brite hatte das Geschehen in allen Sessions sicher im Griff und ließ im Top-4-Finale keine Zweifel aufkommen, wer am Ende die Nase vorne haben würde, auch wenn es schlussendlich gerade mal 0,081 Sekunden Vorsprung auf Gesamtleader Timo Scheider waren. Auf Startplatz drei reihte sich Tom Kristensen ein, Bruno Spengler wurde Vierter. Scheiders Titelrivalen Gary Paffett und Mattias Ekström holten sich die Startplätze sechs und sieben hinter Martin Tomczyk.

Im Rennen selbst kontrollierte Di Resta das Geschehen von der Pole-Position weg, er ließ sich auch von den zahlreichen Turbulenzen hinter sich nicht stören, die zwei Safetycarphasen und zahlreiche Durchfahrtsstrafen beinhalteten. Bereits am Start konnte sich Di Resta vom Feld absetzen, dahinter behauptete Scheider Platz zwei. Unterdessen drückte sich Spengler unsanft an Tom Kristensen vorbei auf Rang drei, Tomczyk blieb weiter Fünfter vor Paffett. Ekström allerdings verlor seinen siebten Platz an Mercedes-Jahreswagenpilot Green. Kristensen hatte im ersten Stint massive Balanceprobleme und verlor immer mehr an Boden.

Bei den ersten Boxenstopps wurde das Feld an der Spitze etwas durcheinander gewürfelt. Gewinner war Spengler, der sich auf Rang zwei hinter Di Resta wiederfand, schlechter lief es für Scheider, der von Rang zwei auf Platz vier zurückfiel. Beim zweiten Boxenstopp änderte sich das wieder: Scheider, Tomczyk und Spengler kamen recht früh zum zweiten Stopp. Für die Audi-Piloten ging das auf: Scheider und Tomczyk kamen wieder nach vorn direkt hinter den Führenden Di Resta, Spengler fiel zurück.

Di Resta teilte sich das Rennen normal ein und lag nach seinen beiden Stopps immer vorn. Dazwischen konnte er das Feld mit komfortablem Vorsprung anführen. Ekström entschied sich für einen langen Mittelstint - das brachte ihn wieder ein paar Plätze nach vorn, so dass er am Ende Fünfter wurde.

Kristensen versus Spengler

Wer dann aber dachte, dass das Feld nach den zweiten Stopps wie eine Perlenschnur dem Ziel entgegenfährt, der täuschte sich. In Runde 74 schlug Mathias Lauda heftig in der Clark-Kurve im Reifenstapel ein, nachdem er nicht mehr Bremsen konnte. In der Folge rückte das Safetycar aus. Nach dem Restart änderte sich an der Spitze nichts, allerdings wurde der Viertplatzierte Paffett massiv von der überrundeten Katherine Legge aufgehalten.

Kurze Zeit später musste das Safetycar erneut ausrücken. Markus Winkelhock drehte sich nach Berührung mit Ralf Schumacher in den Kies. Schumacher rammte dabei Maro Engel, Tom Kristensen flog in die Reifenstapel, nachdem er von Bruno Spengler einen heftigen Rammstoß bekommen hatte. Die Rennleitung leitete eine Untersuchung ein, doch der Kanadier ging straffrei aus, weil es keine Fernsehbilder zu diesem Vorfall gab. Kristensen war seine Wut auf Spengler anzumerken, der Kanadier seinerseits schimpfte danach auf den Dänen - es war klar, dass diese beiden so schnell keine Freunde mehr werden.

Während der zweiten Safetycarphase musste das Rennen auf 90 Runden verkürzt werden, da sonst die Zeit abgelaufen wäre. Nach dem Restart wurden noch zwei Runden gefahren, doch Di Restas Sieg war nicht mehr gefährdet. Auf Platz zwei kam Scheider vor Tomczyk, der damit zum dritten in Folge auf das Podium fuhr. Paffett wurde Vierter vor Ekström, Spengler und Mike Rockenfeller. Platz acht und damit der letzte Punkt ging an Oliver Jarvis. Dieser war im Rennen von Jamie Green umgedreht worden, der dafür eine Durchfahrtsstrafe kassierte. Zudem gab es im Rennen weitere Strafen wegen diverser Vergehen.

Barcelona: Raketenstart und Matchball

Nach England stand Spanien auf dem Tourkalender der DTM. Am 20. September stand in Barcelona das achte Saisonrennen auf dem Programm. Das Rennen auf dem Circuit de Catalunya war geprägt durch einen sensationellen "Raketenstart" von Timo Scheider, der sich mit dem Sieg seinen ersten Matchball im Titelkampf sicherte und von einem spannenden Dreikampf zwischen Gary Paffett, Mattias Ekström und Bruno Spengler.

Dabei hatte Scheider nach der Qualifikation gar keine so gute Ausgangslage. Der Audi-Pilot musste sich mit Startplatz fünf begnügen, nachdem es ihm nicht gelungen war, für die perfekte Runde alles zusammenzubekommen. Sein schwacher Trost war, dass es für seine direkten Verfolger auch nicht besser gelaufen war: Mercedes-Pilot Paffett (damals Gesamtdritter) stand knapp vor ihm auf Platz vier, Audi-Kollege Ekström (damals Gesamtzweiter) war hinter Scheider Sechster. Auf der Pole-Position stand Audi-Pilot Tom Kristensen vor dem wiedererstarkten Paul Di Resta (Mercedes) und Audi-Mann Martin Tomczyk.

Doch im Rennen selbst machte Scheider schon am Start alles klar: Er katapultierte sich bereits auf den ersten Metern nach vorn und schob sich in der ersten Kurve an Polesitter Kristensen vorbei an die Spitze. Von dort ließ er sich 59 Runden lang nicht mehr verdrängen. Schon in den ersten Runden baute Scheider seinen Vorsprung kontinuierlich aus, im Schnitt wuchs sein Polster pro Runde um 0,2 Sekunden.

Kristensen fuhr ein einsames Rennen auf dem zweiten Platz, dahinter ging die Strategie von Tomczyk perfekt auf. Nach dem Start war er hinter Scheider, Kristensen und Di Resta Vierter. Doch während Di Resta bereits in Runde 14 zum ersten Stopp kam, blieb Tomczyk noch vier Runden draußen. Dadurch konnte er den Schotten überholen und sich den dritten Platz sichern. Di Resta dagegen fiel im weiteren Rennverlauf noch weiter nach hinten.

Zur Rennmitte begann dann auch die Action auf der Strecke: In Runde 28 ging Ralf Schumacher, der sich schon am Start von P20 auf Platz 14 verbessert hatte, mit einem sehenswerten Manöver an Markus Winkelhock vorbei. Kurz darauf krachte es zwischen den beiden Damen: Susie Stoddart drehte Katherine Legge um, die daraufhin aufgeben musste. Für diese Aktion kassierte Stoddart eine Durchfahrtsstrafe. In Runde 30 folgte das nächste Überholmanöver: Mercedes-Titelhoffnung Paffett überholte Di Resta. Kurz darauf wurde Winkelhock von Jamie Green gerammt und musste aufgeben. Green bekam dafür eine Drei-Sekunden-Boxenstrafe.

Vorn an der Spitze tat sich nichts mehr: Scheider enteilte, Kristensen und Tomczyk folgten ihm in gebührlichem Abstand. Doch dahinter wurde das Rennen in der Schlussphase noch einmal richtig heiß. Zunächst konnte Spengler Di Resta überholen. Dann ging Ekström in der 43. Runde zu seinem sehr späten zweiten Stopp. Der Schwede kehrte zwischen Paffett und Spengler auf Rang fünf liegend zurück auf die Strecke.

Von da an versuchte Ekström alles, Paffett noch vom vierten Platz zu verdrängen. Der Brite war sehr früh bei seinen beiden Stopps und es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis er sich den frischen Pneus von Ekström hätte geschlagen geben müssen. Doch Paffett konnte sich bei jedem Versuch erfolgreich wehren. In Runde 46 touchierte Ekström die C-Klasse seines Rivalen und kassierte dafür eine Verwarnung.

Weil die beiden im Kampf so viel Zeit verloren, konnte der Sechstplatzierte Spengler auch wieder aufschließen. Im Dreierpack jagten sie Runde um Runde um den Kurs - die Lücke auf das Top-Trio war bereits auf rund 20 Sekunden angewachsen. In der vorletzten Runde versuchte Ekström noch einmal ein Manöver, doch er kam nicht an Paffett vorbei. Stattdessen nutzte Spengler den Zweikampf der beiden und schob sich noch an Ekström vorbei auf Platz fünf.

Alle drei strahlten danach um die Wette und berichteten, wie viel Spaß ihnen ihr Treiben bereitet hatte. Und die beiden Sportchefs, Wolfgang Ullrich (Audi) und Norbert Haug (Mercedes) bezeichneten den 16 Runden währenden Dreikampf von Paffett, Ekström und Spengler danach als "Salz in der Suppe" des ansonsten recht ereignislosen Rennens.

Denn auf den vorderen Plätzen war das Rennen schon nach der ersten Runde entschieden. Scheider siegte vor Kristensen und Tomczyk, Paffett wurde Vierter vor Spengler und Ekström. Di Resta musste sich nach seinem Sieg in Brands Hatch mit Platz sieben begnügen. Für den Schotten war das Titelrennen damit endgültig gelaufen. Als Achter kam Audi-Jahreswagenfahrer Alexandre Prémat ins Ziel, der damit seinen ersten Punkt der Saison holte.

Für Scheider nahm damit ein Rennwochenende, das einer emotionalen Achterbahnfahrt glich, ein perfektes Ende. Nach dem misslungenen Qualifying mussten an seinem Auto nämlich auch noch Kupplung und Getriebe gewechselt werden. "Es war ein unglaubliches Rennen und wir haben zehn Punkte geholt. Das war mein Ziel", jubelte der Audi-Pilot nach dem Rennen. Doch dass er es von Platz fünf aus geschafft habe, gleich in der ersten Kurve um die Führung zu kämpfen, sei jedoch schon etwas Besonderes. Wie er diesen Raketenstart hinlegen konnte? "Um ehrlich zu sein, habe ich keine Idee. Anscheinend habe ich alles richtig gemacht."

Mit seinem Sieg in Barcelona hatte sich Scheider die Möglichkeit geschaffen, bereits drei Wochen später in Dijon seinen Meistertitel vorzeitig zu verteidigen. In der Gesamtwertung hatte er nach dem Rennen in Spanien mit 53 Punkten zwölf Zähler mehr als sein zweitplatzierter Audi-Teamkollege Mattias Ekström und 14 Punkte mehr als Gary Paffett, der als bester Mercedes-Pilot auf dem dritten Platz lag.

Doch Scheider hütete sich davor, sich zu früh zu freuen. Er wusste, dass er den Titel noch nicht gewonnen hatte. Und er sollte Recht behalten - denn das Rennen in Dijon bot noch einmal Dramatik pur. Im morgigen fünften Teil unseres großen Saisonrückblicks fassen wir die Ereignisse in Frankreich noch einmal zusammen, von Qualifikationsdramen bis hin zu den Reifenschäden. Und natürlich blicken wir zurück auf das große Finale in Hockenheim, in dem sich Scheider zum zweiten Mal zum Meister krönte.

Fotoquelle: xpb.cc

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